Neuseeland-Reise 2011

NZ-Reisetagebuch: eitel Sonnenschein am Milford Sound

Beeindruckender geht es wohl kaum: Nach einem Tag voller Sonnenschein und Aaahs und Ooohs auf der Milford Road und einer tollen zweistündigen Bootstour auf dem Milford Sound sitzen wir jetzt auf einem extrem malerischen DOC Campground am Lake Gunn und knabbern Knüppelkuchen am Lagerfeuer – während über uns langsam die Milchstraße erscheint.

Ätsch - Milford Sound im Sonnenschein!

Ätsch – Milford Sound im Sonnenschein!

Komischerweise sind wir die Einzigen, die draußen sitzen?! An den Sandflies kann es nicht liegen – die sind zwar da, aber dank Wind, langer Kleidung und einsetzender Dunkelheit kaum nervig. Ich hege sogar die zögerliche Hoffnung, dass die mich nicht mögen, im Gegensatz zum Weltwundermann wurde ich nämlich bisher noch gar nicht gebissen. Das teure Moskitospray, das uns der Tankwart aufgeschwatzt hat („They will eat you alive!!“) ist jedenfalls bisher überflüssig.

Auch am Milford Sound, wo die Viecher laut Reiseführer in Schwärmen auf Touristen lauern, ließ sich keine einzige Fliege blicken. Der Milford Sound war auch in anderer Hinsicht ganz anders als erwartet: Wie bisher fast jeden Tag herrschte auch heute strahlender Sonnenschein für uns, was hier angeblich in den letzten sechs Wochen nur einmal vorgekommen ist. So konnten wir den Mitre Peak und seine Nachbarn perfekt sehen, die sonst immer mystisch wolkenverhangen sein sollen. Andererseits fehlten nun die vielen Wasserfälle entlang der Straße, die sonst von den Steilhängen zu Tal donnern – man konnte sie allenfalls erahnen. Aber über schönes Wetter sollte man sich ja nicht beschweren.

Weltwunderer Cascade Creek

Auf dem Campground Cascade Creek, zu dem wir jetzt zurückgekehrt sind, machten wir auf der Hinfahrt Mittagspause mit Sandwiches, Bäumeklettern und Spielen im Flüsschen. Zu seiner Enttäuschung fand der Weltwundermann kein Gold im eiskalten Cascade Creek, also fuhren wir mit ständig einschlafenden Kindern gleich weiter zum Sound; unterbrochen nur durch die allernötigsten Scenic-View-Fotostopps. (Höchstens zehn, würde ich sagen. Vielleicht fünfzehn. Das ist aber auch schwer, den ständigen Verlockungen zu widerstehen!)

 

Nach dem langen, finsteren und engen Homer Tunnel, der durch einen riesigen Felsen führt und vor fast 100 Jahren per Hand gegraben wurde (was man ihm auch heute noch deutlich ansieht!), folgte eine Serpentinenstrecke, die uns sehr an Sa Calobra auf Mallorca erinnerte und ebenfalls so einige entgegenkommende Tourbusse bot – knifflig! Im funkelnd-neuen und großzügigen Besucherzentrum am Milford Sound lag der Publikumsverkehr nachmittags um drei aber schon in den letzten Zügen.

Milford Sound Carpark

Wir erstanden nach kurzem Preisvergleich eine zweistündige Fahrt bis zum Leuchtturm an der Mündung des Sound, die uns 120 NZ$ kostete – ein unerwartetes Schnäppchen, denn a) sind die Nachmittagstouren günstiger und b) zahlen Kinder erst ab fünf Jahren überhaupt etwas. Die Weltwundertochter war ja gerade erst fünf geworden (zwinker) und wurde netterweise kostenlos reingelassen.

Zu unserer großen Erleichterung fanden beide Kinder alles toll, trotz starken Wellengangs wurde keiner von uns seekrank und die zwei Stunden vergingen wie im Flug. Dass man auf dem Ausflugsboot dieselbe Route nimmt wie anno dazumal olle Captain Cook, der von draußen hier hereinschnupperte und nicht wusste, was ihn erwartet, ist ein faszinierender Gedanke – denn es hat sich ja nichts verändert seitdem, bis auf das Besucherzentrum an der Mündung des Sound. Wir sahen so viele Wasserfälle von unten, die sich (wir erinnern uns: Sonnenschein satt) als leichte Sprühnebel über uns verteilten, dass wir uns gar nicht entscheiden konnten, welcher der schönste war.

Weltwunderer Milford Sound WaterfallsAuf den nassen Felsen lagen überall schwarze Nacktschnecken, die beim Näherkommen dann doch Seehunde waren; auch einen Pinguin haben wir vermutlich gesehen. Delfine gab es leider keine, aber theoretisch wären auch die drin gewesen.

Milford Sound Tour Sea Lions

Dafür machten wir auf dem Rückweg vor der Einfahrt in den Homer Tunnel noch die Bekanntschaft mit einem dicken Kea, der da in aller Ruhe über die Fahrbahn spazierte, als ob er genau wüsste, dass er unter Naturschutz steht. Auf der anderen Seite des Tunnels wartete ein zweiter Kea, genau arschcool wie der erste. Wahrscheinlich Kollegen.

Und wo wir gerade bei komischen Tieren sind: Gestern abend saßen wir in Te Anau fröhlich (wenn auch etwas mühsam) über Weltpolitik plaudernd mit zwei jungen Israelis vor unserem Campervan. Die beiden waren kaum 20 Jahre alt, aber schon gediente Militärs – sie hatte in der Verwaltung gearbeitet, er war Raketenschütze gewesen. Da kroch auf einmal ein monströs großes Insekt auf dem Ärmel des tapferen Soldaten herum, der daraufhin einen sehr unmilitärischen Schrei ausstieß und angemessen panisch seinen Arm schüttelte. Das Vieh war bestimmt 7 cm lang! Anhand der Fühler entschied der faszinierte Weltwundermann, dass es sich hier um die berühmte Puriri-Motte handeln musste (die angeblich spatzengroß wird). Ich verzog mich daraufhin unverzüglich ins Wageninnere und ward nicht mehr gesehen. Wuäh!

Weltwunderer Milford Sound Kea

Es ist hier generell sehr einfach, ins Gespräch zu kommen. Während jeder Kiwi fragt, woher wir kommen („Oh, great! Germany!“) und wie lange wir bleiben, kann man mit anderen Reisenden gut Erfahrungen austauschen; unsere aktuellen Nachbarn fanden es zum Beispiel toll, dass wir Knüppelkuchen backen und erzählten uns dann vom Leben auf einer Schaffarm, wo sie gerade gearbeitet hatten.

Eine gute Gelegenheit für den Weltwundermann, all seine vielen Fragen zu stellen, die er sonst während der Fahrt immer mir stellt und die ich großteils unmöglich beantworten kann (Wie halten die großen runden Heuballen zusammen? Was kostet ein Traktor und teilen sich mehrere Bauern einen? Was kostet ein Scenic Flight über den Milford Sound? Warum wurde die Straße gebaut? usw.). Beim nächsten Mal soll er doch mit einem Lexikon verreisen!

Auch die Weltwundertochter ist eine furchtbare Plaudertasche; sobald sie die Gelegenheit hat (also einen von uns allein erwischt), quatscht sie in einem fort. Und der Sohn fängt ebenfalls an; wenn er nicht denselben Satz zigmal wiederholt („Und wenn ich dann noch Hunger hab, dann fress ich die Schwester auf!“ war gestern und heute der Dauerbrenner), dann singt er Weihnachtslieder. Zum Glück braucht er wenigstens keine Zuhörer und fruddelt einfach so vor sich hin. Ganz süß sind seine Wortkonstruktionen; heute abend gab es zum Beispiel „Nimmelkuchen“. Der war übrigens echt lecker!

Weltwunderer Milford Road

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