Neuseeland-Reise 2011

NZ-Reisetagebuch: nass, nasser, Milford Sound

Das war es dann wohl mit dem schönen Wetter – heute morgen erwachte ich als erste (auf dem gesamten Campground!) bei gerade einsetzendem Nieselregen. Aber an der Milford Road gehört Regenwetter ja quasi dazu – und tatsächlich wirkten die imposanten Berge des Fiordland auch und gerade im strömenden Regen sehr beeindruckend.

Weltwunderer Milford Road

Nach gemütlichem Frühstück an unserem Minitischchen (und dies natürlich wiederum erst nach ausführlichem Umbau und Aufräumen, damit wir das Minitischchen überhaupt aufbauen können) sah es gegen 11 Uhr immer noch nicht nach Aufklaren aus. Und dabei hatten wir uns für heute so viel vorgenommen!

Der immer optimistische Weltwundermann fuhr trotzdem mit uns die 25 km vom Campground am Cascade Creek zurück zum Homer Tunnel – hier hatten wir uns gestern ein verlockend erscheinendes Schneefeld ausgekuckt, das gar nicht weit weg von der Straße lag und dessen Erkundung wir gestern Abend auf morgen, also heute, verschoben hatten. Während der Fahrt nahm der Regen langsam, aber stetig an Fahrt auf und war bald so ein richtig schöner „downpour“. Das machte die steilen Felswände rechts und links der Straße aber sehr scenic – nun sahen wir tatsächlich die berühmt-berüchtigten Wasserfälle, die sich an jeder Felswand mit gestern noch völlig ungeahnter Wucht nach unten warfen.

Wasserfall

Die Berge lugten mystisch hinter Wolkenfetzen verhangen hervor und das Grün des Regenwaldes glänzte in viel mehr Schattierungen, als es gestern möglich erschienen wäre – und bereits gestern fanden wir ja den Regenwald beeindruckend grün. Ich möchte mal die Behauptung aufstellen, dass man die wahre Farbenpalette von Grün erst erfahren hat, wenn man durch einen regennassen Regenwald gegangen (oder gefahren, räusper) ist.

Am Eingang zum Homer Tunnel sah es dann schon weit weniger einladend aus. Da der Weltwundersohn gerade in seinem Kindersitz entschlummert war, beschlossen die „Großen“, es fix allein zu versuchen, und stapften los – die Weltwundertochter in Regensachen gehüllt, der Weltwundermann in Kiwi-Style (also kurze Hosen und Sandalen). Ich selbst nutzte die Gelegenheit, um endlich mal die Füße hochzulegen und ein Buch zu lesen – ahhh…

Nach langer Zeit – ich warf inzwischen immer mehr leise besorgte Blicke zum Fenster hinaus, das allerdings so beschlagen war, dass ich es auch hätte lassen können – kehrten die Entdecker zurück. Erfolgreich und klitschnass. Zu dem Schneefeld hatte nämlich gar kein Weg geführt, weshalb man über ein Geröllfeld hatte kraxeln müssen, um hinzugelangen. Aber die Weltwundertochter hat Schnee gegessen und platzte vor Stolz.

Weltwunderer Milford Road Homer Tunnel

Nach umfangreicher Abtrocken-, Umkleide- und Aufhänge-Aktion rauschte der Regen immer noch in Strömen aufs Campervan-Dach. Die umliegenden Berggipfel warn in der dicken grauen Wolkensuppe überhaupt nicht mehr zu sehen. Schweren Herzens gaben wir also unseren Tagesplan, den Key Summit Walk, auf und fuhren die 100 km zurück nach Te Anau. Dabei gratulierten wir uns immer wieder gegenseitig zu dem Glück, das wir gestern mit dem Wetter gehabt hatten – bei dem Regen wären wir bestimmt mit vier Lungenentzündungen von der Bootstour zurückgekehrt.

Weltwunderer Milford Road

In Te Anau wurde schnell (und teuer, aua!) eingekauft und ein Paket Fish and Chips zum späten Lunch verschlungen. Auf einmal war es schon 17 Uhr, weshalb wir nun auch den Rest des Tagesplans aufgaben und nicht nach Queenstown weiterfuhren, sondern wieder im Fiordland Great Views Holiday Park am Stadtrand aufschlugen, der seinem Namen heute keine Ehre machte.

Hier wurde Wäsche gewaschen, Hackfleisch gekocht, das dringend weg musste (die Kinder hatten sogar Hunger! Nach der Riesenportion Fritten! Mir selbst war noch ganz schlecht…), und die ersten Postkarten wurden geschrieben. So unspektakulär kann ein Tag enden, wenn man zwei maximal beeindruckende Tage auf der Milford Road hinter sich hat. Seufz!

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