Neuseeland-Reise 2011

NZ-Reisetagebuch, 26. Januar: Regen, Regen, Regen in Queenstown

Puh – unseren ersten (fast) durchgehenden Regentag haben wir überstanden. Einziges Opfer: die Stadt Queenstown, die uns im feuchten Grau-in-Grau trotz Eis zum Niederknien nicht überzeugen konnte. Jetzt sitzen wir auf 10 kg Himbeeren am schönsten Arsch der Welt …

Lake Wakatipu near QueenstownGleich nach der Morgendusche nieselte es los, gerade noch rechtzeitig konnte ich die Wäsche abnehmen. Apropos: Das Waschen auf den Zeltplätzen ist echt unbefriedigend, soviel steht schon mal fest. Man kann immer nur „cold“ waschen, also wahrscheinlich/hoffentlich 30° C, und die Programme laufen meist nur 20 bis 40 Minuten. Klar, dass man in der Zeit mit kaltem Wasser nicht einmal die gröbsten Verschmutzungen los wird; die richtig verschwitzten T-Shirts und Socken hat das kurze Einweichen gar nicht gejuckt. Es ist eher eine psychologische Sache, wenn man „frisch gewaschene“ Sachen anziehen kann.

Nach dem umfangreichen Zusammenpacken schlenkerten wir zunächst gleich wieder vom Highway herunter auf die Beerenfarm gegenüber dem Zeltplatz. Im „Southland Advocate“ hatten wir gestern gelesen, dass es in diesem Jahr eine Monster-Beerenernte gibt und das Zeug schon eingefroren werden muss. Also kauften wir der Beerenfrau ein Kilo Himbeeren für 10 NZ$ ab, welche wir auf dem Gartentisch für sie hinlegten, weil sie uns am Anfang ihrer kilometerlangen Anfahrt begegnet war und uns schon mal hochgeschickt hatte zu ihrem Haus. Das Verkaufsgespräch fand demzufolge zeitversetzt statt und basierte auf einer großen Portion Vertrauen. Sehr bizarr eigentlich – aber typisch Kiwi.

Blick auf Queenstown vom Ufer des Lake Wakatipu

Blick auf Queenstown vom Ufer des Lake Wakatipu (der braune Hügel ist „Kelvin Heights“)

Nach diesem Einblick in die örtliche Verkaufskultur ging es mit Schwung ab nach Queenstown. Der Regen regnete so vor sich hin, die Kinder sangen im Fond und schauten Bücher an (und machten keine Anstalten zu schlafen…) und die 170 km schmolzen förmlich dahin. Nach einer Mittagspause am Lake Wakatipu, der auch im Regen sehr pittoresk ist, waren wir dann bald da.

Lake Wakatipu

Kurz vor der Einfahrt in die Stadt schnickten wir hoffnungsvoll auf die Kelvin Peninsula hinüber – denn vielleicht würde man ja dort in Deer Park Heights doch noch ein paar HdR-Drehorte finden? Die Gerüchteküche hatte aber leider Recht gehabt und unser Lonely Planet nicht – wir fanden kein Fitzelchen einer Andeutung, dass ein solches Gelände auf der Bergkuppe dieser Suburbia-Wohnsiedlung existieren könnte. Nicht einmal die im Stadtplan verzeichnete Zufahrtsstraße gab es in echt. Sehr mysteriös.

Dann also doch „nur“ nach Queenstown – hey, immerhin die „adrenaline capital“ von Neuseeland, voller juchzender Skydiver und Bungee-Jumper, juhu, jippieh! Im Regen sah das hier allerdings gar nicht so fröhlich aus; es wirkte auf uns wie ein französisches Skidorf in der Nebensaison, und halt, tja, verregnet.

Weltwunderer Queenstown

Wir hatten uns vorsorglich einige Regenaktivitäten aus dem Reiseführer herausgesucht und suchten zunächst im nach wie vor strömenden Regen das „Underwater Observatory“, das ja irgendwo am Seeufer liegen musste! Irgendwann hatten wir es gefunden – war gar nicht leicht, denn es liegt ja unter Wasser. Hier unten konnten wir wahrhaft fette Lachse und Forellen beim Gefüttertwerden beobachten; und einige lustige Tauchenten, die den Fischen ihr Futter wegschnappten. Obwohl der Eintritt nicht eben frei war, weckten unsere klitschnassen Sachen (oder unsere großen braunen Kulleraugen?) offenbar das Mitleid der Kassiererin.

Das beim Eintritt gesparte Geld investierten wir dankbar direkt im Anschluss im „Café Patagonia“ in drei Kugeln (ach was, Medizinbälle!) oberleckeres Eis; die 4,50 NZ$ pro Kugel waren absolut gerechtfertigt, musste selbst ich zugeben.

Eeeendlich ließ der Regen nach und wir konnten die Uferpromenade und die hier in die Kaimauer gravierten Maori-Gedichte ohne Kapuzen würdigen. Trotzdem fanden wir die Stadt-Atmosphäre so hektisch und anstrengend, dass wir nur noch schnell im DOC Office einige Broschüren erstanden und dann machten, dass wir hier wegkamen. Zum Campground unserer Wahl ging es nur 6 km weiter auf dem Higway und dann noch mal genauso weit auf einer immer enger werdenden Gravel Road in die Berge hinein – aber mit einem Fingerschnipp fühlten wir uns so einsam wie am Ende der Welt.

Weltwunderer Moke Lake

Zwischen hohen Bergen liegt hier verwunschen und still der kleine Lake Moke auf einer weiten, flachen Grasebene, auf der einige Schafe blöken – und das war’s. Halt, nein: Einige Campervans und Zelte stehen auch da, und ein Klohäuschen; aber die bemerkt man erst auf den dritten Blick. Trotz vergleichsweise vieler Menschen, die Gitarre spielen, reden und kreischend herumtoben (vor allem die sieben Töchter unserer 30 m entfernten Nachbarn) ist es total ruhig.

Weltwunderer Moke Lake

Als Bonus schien am Abend sogar wieder die Sonne, so dass sich die Weltwundertochter ein Beispiel an den Kiwi-Mädels nahm und mutig in den See sprang. Der Vater und der Sohn hüpften hinterher, mich fröstelte es schon beim Zusehen allzu arg. Im Schein der untergehenden Sonne sausten dann acht fröhliche Kinder auf Fahrrädern jeder Bauart über die weiten Wiesen (für den Weltwundersohn hatte die Großfamilie aus Dunedin immerhin ein Plastikdreirad übrig).

„Mama, was heißt ,Super‘?“

Moke Lake

Hier kommt deine Meinung rein.