Neuseeland-Reise 2011

NZ-Reisetagebuch: 27. Januar – mit Höhen und Tiefen durch Herr-der-Ringe-Land

Ein Tag mit vielen Höhen und Tiefen ist geschafft. Natürlich gibt es bei uns immer Höhen und Tiefen, aber heute hatten wir einige besonders dramatische Abschnitte: Schreck am Morgen, Schrei-Attacken, eiskaltes Wasser, leere Akkus. Reisen mit Kindern ist eben kein Ponyhof! Dafür wurden wir mit wahrhaft paradiesischen Eindrücken, viel Fisch und einem Bienenstich belohnt.

Weltwunderer Lake WakatipuEs begann gleich heute früh, als der Weltwundermann beschloss, im eiskalten Moke Lake ein Bad zu nehmen, weil der Morgen so jung und schön war. Am jüngsten und schönsten war er übrigens für mich gewesen, denn ich hatte als einzige das Klopfen am Campervan-Fenster gehört, das mich um 8 Uhr abrupt aus dem Schlaf riss. Der DOC-Caretaker sammelte auf dem ganzen Platz die Camp-Gebühren ein. Alles sehr freundlich, aber hätte er das nicht eine Stunde später machen können? Gähn…

Die Weltwundertochter wollte nun jedenfalls auch baden – aber dann doch nicht, weil das Wasser war ja kalt – aber eigentlich ja doch, weil der Papa ging ja auch rein … So stand sie zitternd und bebend im hüfttiefen Wasser und konnte nicht vor und nicht zurück, bis der Vater sie gewaltsam eintunkte. Nach einer Schrei-Attacke vom Feinsten war auf einmal alles gaaanz toll. Raus aus dem Wasser? Niemals!

Der schöne Morgen sollte sogleich für einen Ausflug ins schöne und abgeschiedene Glenorchy genutzt werden. Zuvor war jedoch eine erneute Fahrt nach Queenstown nötig, denn der Weltwundermann hatte vergessen, die Kamera-Akkus aufzuladen und brauchte nun Batterien für das Notfall-Set. Der Batteriekauf im „New World“, der wieder einmal zum Großeinkauf mutierte und uns eine weitere Bonuskarte bescherte, stellte sich alsbald als sinnlos heraus: Die sechs Batterien lieferten Energie für ungefähr genauso viele Bilder. Und das bei den immer atemberaubenderen Look-outs an der Strecke!

Weltwunderer Glenorchy Lake Wakatipu

In Glenorchy angekommen, wurde daher sogleich Kaffee gekauft, um einen Vorwand für das Aufladen des Akkus im Café zu haben. Wo wir gerade dabei waren, kauften wir gleich noch eine Portion „potato wedges“ und „fresh battered Hoki“, von der wir wie immer alle vier pappsatt wurden. Hmmm, lecker!!

Weltwunderer Glenorchy

Aus dem Händewaschen im herrlich warmen und blauen Lake Wakatipu wurde für die Weltwunderkinder ein kurzes Bad. Es war aber auch so herrlich beschaulich an der Lakefront, mit dem Kaffee und dem Fisch im Bauch, und der Sonne im Gesicht… Aber danach ging es gleich weiter – mal wieder auf den Spuren von Peter Jackson, dessen Lear Jet wir gestern auf dem Flughafen von Queenstown gesehen haben (oder er gehörte jemand anderem, aber es KÖNNTE ja sein…).

Rechts unten: der schwarze Turm von Orthanc (unsichtbar)

Rechts unten: der schwarze Turm von Orthanc (unsichtbar)

Auf der Straße in Richtung Paradise kamen uns so einige „Lord of the Rings Scenic Tours“-Autos entgegen, wir waren also auf einer heißen Spur. Der „Location Guide“ von Ian Brodie führte uns zuverlässig an die richtige Stelle, von der aus wir das Tal von Isengard sehen konnten. Die Waldränder sahen auch verdammt wie der Fangorn-Wald aus…

Glenorchy Lagoon Walk

Im ebenfalls sehr schönen Rees River verlor ich beim Herumwaten im tiefen Schlamm fast meinen Schuh. Der nützte mir zwei Stunden später aber auch nichts – am Ende, also wirklich auf den letzten Metern des Glenorchy Lagoon Walkway, der uns auf endlos langen Stelzpfaden durch sumpfige Auen und dichte Mangrovenwälder um den Ausfluss des Lagoon Creek aus dem Lake Wakatipu führte, trat ich am Ausgang des Golfplatzes (ja, da ging es auch lang) in eine Biene, die mir auf unerklärliche Weise in die Sandale geraten war. Ich trug den Schmerz mit Fassung und freute mich, dass nicht der Weltwundersohn hineingetreten war. Der lief die zweite Hälfte des Weges nämlich nicht nur selbst, sondern auch noch schnell – und barfuß.

Weltwunderer Dart River Glenorchy

Die Weltwundertochter hatte keinen Anlass zur Beschwerde gegeben und sich gar vorbildlich verhalten. Eine neue Schrei-Attacke, und zwar eine, die sich gewaschen hatte, erlitt sie aber dann bei unserer Rückkehr zur Moke Lake Campsite – ja, wir übernachten schon wieder hier, am wahrscheinlich schönsten Platz der Welt. Diesmal wollte ich mich ins kühle Nass stürzen, ermutigt durch die hohen Tagestemperaturen. Der Sommer lässt so langsam ahnen, was er vorhat – es wird heiß, Baby!

Weltwunderer Rees River

Nach viel Geheul und verschämten Blicken unsererseits in Richtung Nachbarn, die aber sehr dezent woanders hinschauten, war es dann doch wieder ganz toll im Wasser. Aber doch ordentlich kalt, brr. Am Ende hieß es auch erneut Fahrrad fahren, wobei die Tochter diesmal sogar verstohlen lächelte. Der Sohn strampelte auf dem rosa Plastikdreirad der kleinen Ruby über die Weiden und kullerte tollkühn einen Hügel hinunter.

Zum Abendessen gab es heute zum ersten Mal Green Lipped Mussels, superfrisch aus dem Supermarkt. Schmeckte sogar den Kindern – Mist! Das Kuchenstück, das wir uns im Café in Glenorchy einpacken lassen hatten, machte den Nachtisch und reichte für uns alle vier.

So toll der Zeltplatz auch gelegen ist, über das Klo muss ich nun doch mal meckern: Das stinkt derart ekelhaft, das habe ich noch nicht erlebt. Außerdem gibt es hier Sandflies; nicht viele, aber nervig ist es schon. Besonders, wenn jemand (!) die Tür des Campervans nicht richtig geschlossen hat und wir im Schlaf zerbissen werden. Der Weltwundersohn scheint gegen die Viecher immun zu sein. Auch sein mysteriöser Ausschlag verblasst langsam; vielleicht hilft die Creme aus Dunedin, vielleicht hilft die Sonne? Wir sind froh, dass wir nicht zum Arzt müssen und Zeit sparen.

Immerhin haben wir seit heute eine Deadline: Spätestens am 13. Februar müssen wir in Matamata auf der Nordinsel sein. Danach wird nämlich das Hobbit-Set dort für die Dreharbeiten zum neuen Film gebraucht und kann nicht mehr besichtigt werden. Wir haben daher kurz entschlossen online Tickets gebucht und müssen nun schon wieder Tage zählen, Routen überprüfen und organisieren. Ein Stress ist das…

Glenorchy Lagoon Walk Weltwunderer

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