Neuseeland-Reise 2002

On the road again – von Waipu Cove nach Kawhia

Da quält man sich um 6 Uhr morgens im echt kühlen Dunkeln aus dem Bett, erträgt laute Prollmusik und zwei lärmende dicke Maori nebenan … all das „nur“ für einen Sonnenaufgang, der überaus kitschig zwischen den Dünen vonstatten ging und den Morgen in leuchtend pinkfarbenes Licht tauchte.

Nach vielen Aahs und Ooohs und Meer, Meer, Meer konnten wir schließlich doch noch in Ruhe frühstücken (keine Ahnung, was die beiden ein wenig gruseligen Maoris da gewollt hatten, der Sonnenaufgang schien ihnen jedenfalls egal zu sein, genau wie ihre Schuhe, die jetzt noch hier herumstehen) – mit der frisch aufgegangenen Sonne im Rücken! Nach Begleichen unserer Schulden in der Kasse des Vertrauens (naja, fast – uns fehlten 25 Cent…) und Weltwundermanns Besteigung einer riesigen, knorpeligen Pinie, von der er fast Great Barrier Island sehen konnte, ging es auch schon wieder los, sogar eine Stunde früher als sonst – heute lagen ja auch fast 400 km Strecke vor uns.

Waipu CampgroundZuerst holperten wir auf einer „Gravel Road“ entlang, die übersät war mit überfahrenen Possums. Ein Fußweg führte uns im Zickzack hinab zu den Piroa Falls. Kurzer Fotostopp, ein wenig Herumklettern auf den Steinen im Fluss und weiter ging es gen Süden. Kurz vor Auckland peilten wir ganz spontan doch noch das Aquarium von Kelly Tarlton an, weil der Lonely Planet es so gut findet und wir unbedingt mal echte Pinguine von nahem sehen wollten.

Als ermäßigten (und trotzdem teuren) Studenten wurde uns allen der Eintritt gewährt und ab ging’s ins Snowmobil und in die Antarktis – die James-Cook-Expedition nacherleben! Unser Fazit: Nun jaa… wir sahen also nach wildem Gerüttel und mystisch raunendem Kommentator zunächst eine Plastikrobbe, die gaaanz dramaaatisch von einem gruseligen Orca gefressen wurde, der schnaufend an einer Metallvorrichtung hochgefahren wurde, und es war seeehr aufregend, denn beinahe hätte er unser Snowmobil umgeworfen …! Aufregung. Ähäm.

Was ganz nett war: 1) die lustigen Königspinguine, die aussahen wie aus Plastik (vielleicht waren sie wirklich aus Plastik??) und die wir leider nur ca. 30 Sekunden aus unserem fahrenden Snowmobil sehen konnten, und 2) die Rochen im Aquariumtunnel. Ansonsten war es eher … sinnlos. Obwohl man es mit Kindern sicher gut gefunden hätte… wer weiß?

Deshalb ging es auch gleich weiter gen Süden, mit nur kurzem Stop in der „Fruitworld“, wo ganz viel leckeres und fremdartiges Obst und Gemüse erworben wurde (zum Beispiel ominöse „Tamarillos“, die jetzt erst mal im Kühlschrank warten), um den faden Geschmack vom rausgeschmissenen Geld im Kelly Tarlton’s zu überdecken. Wir bretterten durch Hügel und Täler, vorbei an den obligatorischen Lämmchen und Kälbchen und weiteren zermatschten Possums. Tine auf dem bequemen Beifahrersitz häkelte und pennte abwechselnd, der Weltwundermann erzählte so vor sich hin und ich wurde auf dem mittleren Klappsitz hin und her geworfen und rief nach jeder Kurve: „Oah! Anhalten, Foto machen!“

Nach einer langen Weile auf einer Scenic Road sagte der Kompass dann auf einmal: „Hier geht’s aber nach Norden, Leute!“ und stürzte uns damit mal wieder in tiefe, diesmal unlösbare Verwirrung. Unsere Straßenkarte ist entweder überholt (aber eigentlich neu gekauft…) oder zu grob oder wir verstehen sie nicht. Schließlich dauerte die Fahrt noch viel länger als sowieso schon geplant war und die Schuld wurde zum Glück nicht mir, sondern der blöden Karte zugeschoben.

Die Sonne ging jedenfalls gerade unter, als wir an unserem Ziel auf der anderen Seite der Nordinsel, in dem Nest Kawhia südlich von der Surfermetropole Raglan, ankamen – und das auch nur, weil seit gestern hier Sommerzeit ist. Der Strand wurde natürlich mit Bedacht angepeilt: Er ist nämlich 1) schwarz und deshalb sehr scenic und wenn man drin buddelt, wird’s 2) heiß und stinkt nach faulen Eiern. Ausgerüstet mit Eimerchen und Schäufelchen (wir erinnern uns: Weltwundermanns Geburtstagsgeschenke?) und die heranschleichende Flut immer im Augenwinkel, brieten wir also nach ausgiebigen Testgrabungen unsere Fußsohlen an der Flutlinie und bestaunten den unheimlich schönen Strand im Sonnenuntergang.

Kawhia BeachIm ganz Dunkeln war es hinter der einsamen Düne mit dem Wald im Rücken dann aber doch recht gruselig – wir schlichen uns also vorsichtshalber trotzdem mit dem Camper zurück an den „normalen“ Stadtstrand, wo wir die verschiedenfarbigen gekauften Kumaras (das sind Süßkartoffeln) mit einer selbst hergestellten Quark-Kreation verkosteten. Hier gibt es zwar alles, aber keinen Quark – merkwürdig!

(Diese Fotos sind eingescannte, zehn Jahre alte Dias – also bitte keine Beschwerden ob der Qualität…!)

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