Ausrüstung und Praktisches

Packliste: Klamotten-Check für die Neuseelandreise

Normalerweise fährt man in den Sommerurlaub oder in den Winterurlaub. Entsprechend kommen in den Koffer: Sommersachen oder warme Winterkleidung. Neuseeland bietet aber „four seasons in a day“, weshalb es angebracht scheint, Kleidung für jede denkbare Wetterlage einzupacken – egal, welche Jahreszeit. Wir schauen uns mal an, was man wirklich braucht.

Die Regelungen der Airlines zum Gewicht von Gepäckstücken werden immer restriktiver, Übergepäck ist in der Regel empfindlich teuer und im Wohnmobil ist sowieso kaum Platz. „Weniger ist mehr“ predigen auch die Weltwunderer, wohl wissend, dass das auf einer Reise nach Neuseeland nicht einfach umzusetzen ist – dazu noch für mehrere Monate und mit zwei Kindern!

Welche Klamotten braucht man in Neuseeland also wirklich? Hier sind unsere wichtigsten Tipps.

Unterwegs in Neuseeland: warme Sachen sind ein Muss

Auch wenn ihr im neuseeländischen Sommer unterwegs seid, bedeutet das nicht, dass es immer angenehm warm sein wird. Gerade auf der Südinsel kann es bei Wind aus der Antarktis empfindlich kalt werden, Nächte nahe dem Gefrierpunkt sind im Landesinneren dann nicht ungewöhnlich. Aber auch auf der Nordinsel sind die Nächte im Sommer frisch und die berühmten vier Jahreszeiten pro Tag gibt es tatsächlich.

Da die meisten Wohnmobile im Sommer ohne Heizgerät vermietet werden, müsst ihr euch selbst warmhalten. Statt dicker Daunenjacken und Thermo-Unterwäsche macht es sich besser, einfach zwei (oder drei) langärmelige Shirts übereinanderzuziehen, eine dünne Fleecejacke drüber und ganz außen eine leichte, wasser- und winddichte Regenjacke (eine Softshelljacke ist auch klasse, wenn auch nicht so zuverlässig wasserfest. Dazu später mehr).

Das Zwiebelprinzip spart Platz in der Reisetasche, ihr müsst euch nicht bei jedem Wetterwechsel komplett umziehen und ihr müsst auch nicht so oft waschen – die außen getragenen (bekleckerten) Shirts können noch einmal innen getragen werden, bevor sie zu stark müffeln.

Nehmt euch ein Beispiel an den Kiwis, die das verrückte neuseeländische Wetter täglich erleben: Beine bleiben von selbst warm, wenn man sich genug bewegt; ein Paar Shorts genügt theoretisch für die gesamte Reise. Wird es zu kalt oder sind euch die Beine beim Wandern durch scharfkantige Gräser (und durch Sandfly-Wolken) zu ungeschützt,  könnt ihr ein Paar schicke wasserfeste Stulpen drüberziehen.

Wir sind europäische Memmen und haben gute Erfahrungen mit Trekkinghosen aus schnell trocknendem Polyester-Baumwoll-Gemisch gemacht; die Dinger sind leicht, trocknen schnell (nach Regen und nach Wäsche), knittern nicht und können sogar schick aussehen, wenn man ein wenig Geld investiert. Abzippbare Hosenbeine gehen mir persönlich allerdings zu weit; wird es zu warm, kann man die Hosenbeine doch einfach hochkrempeln (und rückwärts ist man schneller, als wenn man die abgezippten Hosenbeine in der Tasche suchen und wieder anzippen muss).

Wichtig ist es, bei kalter Witterung den Kopf warm zu halten! Eine Mütze (klassischerweise ein Beanie, besser ist aber eine Mütze mit Schirm, die gleichzeitig vor Sonnenbrand schützt – siehe unten) gehört also unbedingt ins Gepäck, egal wie abwegig das beim Packen für eine Sommerreise scheint.

Schnee am Milford Tunnel

Schnee am Milford Tunnel – eine halbe Stunde später hatten wir kurze Hosen an

Beim Wandern und am Strand kann der Wind unangenehm pfeifen, und auch herumfliegender Sand ist durchaus schmerzhaft. Ein dünnes Halstuch leistet dann hervorragende Dienste. Ein schicker Buff oder ein HAD (und zwar möglichst mit UV-Schutz) ist auch toll zum Aufpeppen der Garderobe geeignet. Tipp: Damen, die das Tuch auch als Haarband verwenden wollen, sollten kein Unisex-Halstuch nehmen, sondern ein schmaleres speziell für Ladys.

Handschuhe hatten wir vorsichtshalber auch eingepackt, die haben wir aber nicht gebraucht. Wer allerdings vorhat, in Neuseeland Mehrtagestouren zu wandern und das auf der Südinsel, der könnte sie brauchen.

Spezialausrüstung: unnötig

Allenthalben wird Kleidung aus schnell trocknenden, atmungsaktiven und warmen Materialien wie Merinowolle oder Synthetik empfohlen, aber wenn ihr solche Sachen nicht bereits besitzt, müsst ihr sie für eine Neuseelandreise nicht extra kaufen. Schließlich wollt ihr keine Survival-Trekking-Tour durch Patagonien laufen.

Seid ihr im Frühjahr oder Herbst in Neuseeland, besteht die Chance, dass die Skisaison in einigen Gebieten noch nicht beendet ist. Packt für den Fall vorsichtshalber zwei Paar dicke Wollstrumpfhosen oder warme Unterhosen ein; unter die Trekkinghose gezogen, genügt das für einen Tag Skifahren und ersetzt die Skihose, die ansonsten jede Tasche sprengt. (Wer speziell zum Skifahren nach NZ fährt, der sollte sich natürlich entsprechend ausrüsten.)

Lauft ihr das Tongariro Alpine Crossing, einen der bekanntesten Great Walks auf der Nordinsel, und bucht die Anfahrt bei einem Veranstalter wie Extreme Backpackers oder Tongariro Crossing Alpine Guides, dann versorgt der euch mit allem, was euch an Ausrüstung fehlt: von Regenjacken, warmen Hosen und Fleecejacken über Handschuhe und Daypacks bis zu Steigeisen und Wanderstöcken. Und das kostenlos! Wie es bei anderen Great Walks ist, solltet ihr vorsichtshalber selbst recherchieren.

Unverzichtbar: Rain gear

In Neuseeland regnet es normalerweise wirklich oft – seltener ausdauernd und tagelang, aber recht zuverlässig werdet ihr mehrmals pro Woche kurze, heftige Schauer erleben. Wenn ihr wie normale Menschen wir drauf seid und euch bei Regen nach Möglichkeit drinnen aufhaltet, genügen eine leichte Regenjacke und eine schnell trocknende Trekkinghose. Auf längeren Wanderungen kann das aber schnell zu wenig Schutz vor den Elementen sein – eine festere Regenhose zum Drüberziehen und evtl. ein Regenponcho, der über dem Rucksack getragen wird, sollten dann schon dabei sein.

Ein Schirm scheint nützlich, zumal es sehr schicke Trekkingschirme gibt; angesichts des nahezu überall in Neuseeland herrschenden starken und böigen Windes kann der allerdings nicht wirklich empfohlen werden. Auch in den Städten sieht man kaum Schirme, die Leute werden hier tatsächlich lieber nass.

Portobello Otago Peninsula

Für die Kinder packt ihr einfach die Matschsachen aus der Kita ein – die werden sie in Neuseeland garantiert häufig tragen. Gummistiefel sind nett, aber nicht Pflicht; neuseeländische Kinder laufen bei Regen tendenziell eher barfuß.

Schuhe für die Neuseeland-Reise: weniger ist mehr

Womit wir bei den Schuhen wären: Gute (wasserfeste!) Wanderschuhe sind bei Reisen nach Neuseeland essenziell, da ihr a) sicherlich wandern werdet und b) gute Outdoor-Kleidung vor Ort recht teuer und schwer zu bekommen ist. Wasserfest sollten die Schuhe sein, weil man beim Wandern in Neuseeland durchaus häufiger mal Flussläufe oder überflutete Strandabschnitte überqueren muss.

Die Wandersachen solltet ihr übrigens ganz oben in die Reisetasche packen, besonders wenn ihr sie bereits getragen habt. Bei der Einreise wird hier sehr streng auf „Biosecurity“ kontrolliert; unter Umständen bekommt ihr eure Wanderschuhe sauberer zurück, als ihr sie eingepackt hattet.

Schuhe nehmen wirklich den meisten Platz im Gepäck weg. Da bei Langstreckenflügen die Füße stark anschwellen, könnten die festen Wanderschuhe aber schnell recht unbequem werden. Nur wer schon am Gewichtslimit ist, sollte die (gesäuberten!) schweren Wanderschuhe während des Fluges anziehen; ansonsten empfiehlt sich eher ein Paar leichte Halbschuhe, die auch als „schicke Schuhe“ für den Stadtbummel oder das Restaurant dienen können (Turnschuhe treffen nicht den Dresscode, wenn ihr „smart casual“ ausgehen wollt: siehe unten).

Shoes Kiwi Style

Schuhmode im Kiwi-Style 🙂

Flipflops für den Strand könnt ihr dagegen beruhigt in Neuseeland kaufen; die günstigen „Jandals“, die es an jeder Ecke gibt, sind Kiwi-Style-Ikonen und geben gleichzeitig tolle Souvenirs ab.

Sommer, Sonne, Badesachen

Nun zum angenehmen Teil: Natürlich wird in Neuseeland auch schönes Wetter sein, gerade auf der Nordinsel kann es im Sommer geradezu tropisch warm werden. Auch hier können wir uns über die lockeren Sitten der Kiwis freuen: Es gibt keine religiösen oder kulturellen Vorschriften, die Frauen das Bedecken bestimmter Körperteile in der Öffentlichkeit vorschreiben; man darf auch gern in Shorts und Badeschlappen durch die Stadt bummeln und barfußlaufen im Supermarkt ist kein Problem.

Nacktbaden ist zwar an den vielen einsamen Stränden und Seeufern kein Problem, aber gern gesehen sind FKK und allzu freizügige Kleidung (besonders bei Frauen) in der Öffentlichkeit trotzdem nicht. Besonders die Maori baden gern voll bekleidet.

Kapiti Coast Paekakariki

Spontan „blankziehen“ kann man an vielen Stränden in Neuseeland

Für Strände mit viel Publikum und besonders mit anwesenden Familien solltet ihr daher Bikini und Badehose einpacken; und auch wenn ihr im Frühjahr oder Herbst unterwegs seid, braucht ihr sicherlich mal Badesachen für einen „Dip“ in einer heißen Quelle. Das Problem, dass vor eurer Abreise in den neuseeländischen Sommer in Europa gerade kaum Badesachen in den Regalen hängen, löst ihr per Internet: Hier findet man auch im Winter immer ein großes Sortiment an Badesachen.

Das Thema Bademode führt direkt zum Thema UV-Schutz; hier ist Funktionskleidung wirklich zu empfehlen, besonders für Kinder, die ja gern stundenlang im Wasser sind. Egal ob ihr surft, schnorchelt oder Sandburgen baut: Ein UV-Schutzanzug, der gleichzeitig ein schnell trocknender Badeanzug ist, sollte auf jeden Fall ins Gepäck. Für Vorschulkinder gibt es tolle Ganzkörperanzüge, Größere können langärmelige UV-Shirts und Hosen bis zum Knie tragen. Tipp: Bei Decathlon sind diese Sachen sehr günstig zu haben.

Ocean Beach in Tairua

Weltwundertochter in ihrem geliebten „UV-Anschutz“ (O-Ton) am Ocean Beach in Tairua

Und schließlich: Ein Sonnenhut mit Krempe, der nicht beim ersten Windstoß davonfliegt (wir haben drei verloren!), und eine Sonnenbrille gehören auch in der Nebensaison ins Gepäck. Die UV-Strahlung in Neuseeland ist wirklich ungemein stark und erwischt die winterblasse Europäerhaut total unvorbereitet.

Schick machen?

Die Kiwis sind, was Dresscodes angeht, wirklich sehr locker: Ihr werdet kaum in die Verlegenheit kommen, für ein Restaurant oder eine Veranstaltung ein Abendkleid oder einen Anzug zu benötigen.

Neuseeländer tragen fast immer Shorts, T-Shirt und Jandals, egal wo sie sich aufhalten; und ihr werdet ja auf eurer Reise nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ausnahmen sind Fünf-Sterne-Restaurants, Casinos, Golfclubs und Schickimicki-Veranstaltungen wie Pferderennen: Hier sind Jeans, Turnschuhe oder Jandals, Freizeitjacken etc. nicht erwünscht.

Wellington Harbour

Die Weltwunderer bei der Einfahrt in den Hafen von Wellington – eine Minute später wurde meine Mütze ins Meer geweht 🙁

1 Kommentar

  • Leider packt man immer zu viel ein und es passiert einem auch bei der x-ten Reise noch. Man mag es kaum glauben, aber auf der letzten Neuseelandreise habe ich keine Regenkleidung gebraucht, die Doppeljacke reichte völlig aus – so trocken war der Sommer in NSL Das sind einfach Gegebenheiten die kann man nicht planen. Andere schon: Die Trekkingstiefel hatte ich wieder mal nur auf dem Flug an bzw. nicht, denn man kann die ja auch gut auf dem Flug ausziehen! Ich denke die kann man getrost Zuhause lassen, mir haben die normalen flachen Trekkingschuhe völlig gereicht. Auch die langen Hosen hätte ich mir schenken können, 3 Monate nur kurze getragen! Ein wirklich guter Tipp von Euch war die Wäscheleine vom Globetrotter, wir hatten gleich zwei dabei.

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