Reiseplanung und Vorbereitung

Reisen mit Kindern – zehn Dinge, die schiefgehen können


Obwohl wir in diesem Blog gewichtigen Platz verbrauchen, um ein Lob auf das Reisen mit Kindern zu singen, wollen wir uns nicht nachsagen lassen, wir würden eine rosarote Brille tragen, die Realität beschönigen oder nur gut dastehen wollen. Natürlich kann auch beim Reisen mit Kindern so einiges schiefgehen und gute Planung beugt nicht jedem Missgeschick vor. Ja, auch wir waren und sind auf Reisen mitunter wahnsinnig genervt, ungerecht, gestresst und laut. Und anlässlich unseres Rückkehr-Jubiläums (ein Jahr ist es schon wieder her…) erzählen wir mal, warum.

Muriwai Beach New Zealand

1) Keine Zeit!

Schon für die Anreise geht mehr Zeit drauf, als man glauben will: neben der reinen Flug- oder Fahrtzeit brauchen Eltern und Kinder nämlich auch noch Zeit für die Umstellung des Alltags und die Eingewöhnung im neuen Klima, der anderen Zeitzone, den anderen Sitten… Wer mit Kindern reist, sollte also so viel Zeit wie möglich für die Reise einplanen. Mit Kurztrips und „Europa in sieben Tagen“-Rundreisen tut man Kindern keinen Gefallen.

Stress, Generve und auch echtes Krankwerden resultieren oft schon aus zu wenig Zeit zum Ankommen. Und wer nicht richtig angekommen ist, der kann und will sich nicht auf Neues einlassen. Schon gar nicht auf Fremdes, Anstrengendes und Beängstigendes – und das sind Reisen eben auch. Mit genug Zeit entdeckt man aber schnell die positiven Seiten; wegen denen man ja schließlich auch losgefahren ist.

2) Kinder machen, was sie wollen.

… und das ist nicht immer das, was die Eltern geplant haben; sogar höchst selten. Streit und Stress gibt es, wenn Eltern Dinge planen, die Kinder langweilig, gruselig oder schlicht doof finden; aber auch, wenn Kinder nur Dinge tun wollen, die Eltern langweilig oder doof finden. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und sie haben nun mal andere Bedürfnisse und Erwartungen an „eine schöne Zeit“. Das bedeutet nicht, dass Eltern nur noch nach Disneyland fahren können! Schließlich wollt ihr euren Kindern die Welt zeigen; deshalb seid ihr doch losgefahren?

Das Zauberwort heißt: Kompromiss. Entweder Erwachsenen-Aktivitäten mit Blick auf die Wünsche der Kinder und flexibel planen, um auf ihre Bedürfnisse eingehen zu können – oder aber gar nicht planen und sich überraschen lassen.

Weltentdecker im Milford Sound

3) „Mamaaaa, mir ist laaaangweilig!“

Kinder brauchen auf Reisen eventuell mehr Beschäftigung und schlichte Zuwendung, als man es von ihnen gewohnt ist. Ihnen fehlt das gewohnte Umfeld, das Spielzeug und die Freunde; wer will es ihnen verdenken, wenn sie sich hilfesuchend an ihre Eltern wenden? Neue, kreative Beschäftigungen sind dringend gesucht – und bitte nicht nur elektronische Babysitter. Gerade auf Reisen bieten sich einmalige Chancen zur Beschäftigung mit ungewohnten Dingen. Klar wollen auch Eltern einfach mal am Strand liegen und lesen. Aber erst, wenn sie eine Sandburg gebaut haben, mit dem Nachwuchs schnorcheln waren und die schönsten 50 Muscheln der Welt bewundert haben.

4) „Nein, meine Suppe ess ich nicht!“

Viele Kinder mäkeln. Wer keine hat, hat keine Ahnung: Kinder mit ausgesucht exquisitem Geschmack ernähren sich durchaus schon mal zwei Monate lang von Nudeln pur. Ohne Butter, ihh! In fremden Ländern stößt der mäkelige Esser schnell an Grenzen. Erfahrungen zeigen aber: Kein Kind verhungert freiwillig, und es stirbt auch kein Kind, wenn es sich (eine Zeitlang!) sehr einseitig ernährt. Hier sind Geduld und Toleranz der Eltern gefragt; denn zum Essen zwingen kann man ein Kind sowieso nicht.

Japanisch für Anfänger Flughafen Narita

5) Niemand ist zuständig.

Wer macht was? Auf Reisen sind andere Aufgaben zu erledigen, die gewohnten Rollen müssen neu ausgehandelt oder ausprobiert werden. Auch eingespielte Teams müssen sich auf Reisen neu finden. Es ändern sich schlicht zu viele Rahmenbedingungen, als dass alles wie gehabt reibungslos funktionieren würde. Genau darin liegt ja auch der Reiz des Ganzen: Einkaufen, Tickets kaufen, Wege finden. Trotz unbekannter Sprache und unbekannten Regeln. Das strengt an und erfordert Feingefühl und Ausgeglichenheit – genau das, was auf Reisen zunächst Mangelware ist.

Hier hilft nur durchhalten, irgendwann haben alle ihren Platz und ihren Umgang miteinander gefunden. Gemeinsame tolle Erlebnisse beschleunigen das Ganze.

6) Alle sind genervt.

Nicht nur Kinder flippen gern mal aus oder verlegen sich auf Dauernörgeln, auch Eltern sind auf Reisen mitunter wie ausgewechselt – und das nicht zum Besseren, muss ich gestehen. Vor allem anfangs, wenn sich alles noch einspielen muss und viel zu erledigen ist, sind wir Erwachsenen nervös, gereizt und unausgeglichen, auch wenn wir das nicht zeigen (wollen). Die Verantwortung für das Gelingen der Traumreise und schlicht für das Wohlergehen unserer Liebsten lastet schwer auf unseren Schultern! Freunde zum Ausheulen und die Arbeit zum Kinderfrei-Tanken fehlen als Ausgleich, es gibt kaum Privatsphäre. Und: Alle hängen ständig aufeinander, das ist zusätzlich ungewohnt und schafft Explosionspotenzial.

Gegenmittel? Durchatmen – bis Zehn zählen – noch mal durchatmen. Lächeln und denken: „Ein Schritt nach dem anderen.“

Waikouaiti Beach

7) Alles ist Sch…

Es ist normal, wenn man sich auf Reisen mitunter seltsam fühlt, schlaflos ist und (unbegründete) Ängste hat. Manche fühlen sich antriebslos und schlapp, andere überfordert und aggressiv. Das alles sind Symptome von Depressionen, aber keine Panik: Anpassungsschwierigkeiten an ungewohnte Situationen sind ganz normal und gehen vorbei!

8) Die Kinder werden krank.

Die Horrorvorstellung von reisenden Eltern sind kranke oder verletzte Kinder. Man kann sich vorbereiten, so viel man will: Reiseapotheken packen, Auslandskrankenversicherungen abschließen, Hausmittel für den Notfall pauken und sich die Adressen der akzeptabelsten Krankenhäuser im Urlaubsland ausdrucken – die Angst „Was machen wir, wenn …“ trägt jede Mutter und jeder Vater im Hinterkopf herum. Dagegen kann man nichts tun, das muss man aushalten. Und: Krank werden die Kleinen auch zu Hause.

Regen am Lake Wakatipu

9) Och, ist das teuer…

Erben und Großverdiener lesen bitte beim nächsten Punkt weiter; der normale Reisende fährt mit einem Budget los, das mehr oder weniger schmal ist. Meistens reicht es gerade so, aber unterwegs scheint es oft zu klein. Ungeplante Ausgaben, böse Überraschungen (Wechselkursschwankung ahoi!) und mitunter schlicht falsche Planung können nicht nur das Konto ins Minus treiben, sie versauen auch nachhaltig die Urlaubsstimmung. Schlimm genug, wenn man sich selbst den ersehnten Scenic Flight einfach nicht leisten kann; den bettelnden Kindern täglich neue Wünsche abschlagen zu müssen, zehrt auch am Familienfrieden.

Lösungen? Es gibt viele – von vorher besser planen, mehr ansparen und Budget-geeignetere Reiseziele wählen über vor Ort Erwartungen und Aktivitäten ans Budget anpassen bis zu Spartipps wie Freedom Camping, nicht mehr duschen und täglich Nudeln essen. Keine Lösung ist es jedenfalls, sich die tolle Reise durch ständiges Rechnen und tiefe Sorgenfalten zu vermiesen.

10) Uff… und das soll Urlaub sein?!

Der Alltag auf Reisen ist mit sinkendem Budget zunehmend hart oder wenigstens aufwändiger als gewohnt. Klar, man spart viele lästige Verpflichtungen von zu Hause, aber die nötigen Basics bleiben – und werden sogar noch umständlicher: Wäsche waschen von Hand, kochen im Campervan oder schlicht das ständige Suchen im kleinen Gepäck zehren unheimlich Zeit und Nerven. Das muss einkalkuliert werden! (Und wer sagt denn, dass Kinder nicht helfen können…?)

Fazit: Wer mit Kindern verreist, also so richtig reist im Sinne des Weltentdeckens außerhalb der Grenzen von Resorts und geführten Touren, der macht schlicht keinen Urlaub. Reisen ist etwas fundamental anderes als Urlaub und Erholung. Wer sich das bewusst macht und bereit ist, auf Reisen Neues zu entdecken, zu lernen und gemeinsam mit seiner Familie Abenteuer zu erleben, der wird viel mitnehmen – aber danach wird er erst einmal Erholung brauchen 🙂

Moeraki Boulders Neuseeland

3 Kommentare

  • Hallo & danke für den tollen Beitrag. Es kommt mir vieles so bekannt vor 🙂
    Wir (3 Erwachsene& 2 Kinder) sind nun die 4. Woche in NZ, 1 Woche haben wir noch vor uns. Mittlerweile können wir den Urlaub alle genießen und freuen uns, dass wir den Schritt zu dieser Reise gewagt haben.
    LG aus Roturua.
    Alex & Fam.

    • Hallo Alex, danke für deinen Gruß! Wir wünschen euch noch eine tolle Reise und vielleicht meldet ihr euch nach eurer Rückkehr bei uns und erzählt in einem Interview ein wenig mehr?

  • Super Artikel – genau so ist es! Das Problem Langeweile hatte unser 1-jähriger Sohn natürlich noch nicht, jeder (auch für uns unspektakuläre) Platz war für ihn Faszination pur. Man gebe ihm Sand und Steine und er vergisst die Welt um sich herum 😉 Und mitgegessen hat er wirklich überall, mehr als daheim 😉
    Die 1. Kinderkrankheit standen wir auch in Neuseeland durch, aber das wäre daheim wohl nicht anders abgelaufen. Und eine kurze Reise-Auszeit tat uns auch mal allen gut!
    Wir hatten oft Phasen, wo alles sch* war, sich keiner aufraffen oder Entscheidungen treffen wollte, das Kochen und v.a. Abwaschen niemanden interessiert hat und wo wir uns gegenseitig schon gewaltig auf den Keks gingen…
    Gehört nun mal alles dazu, wenn man plötzlich 24h miteinander verbringt.
    Dem Fazit stimme ich voll und ganz zu: Eine Reise hat nichts mit Urlaub zu tun, den hätten wir danach auch gebraucht 🙂
    Aber trotzdem: Es war absolut unkompliziert, mit Kleinkind zu reisen und wir möchten diese absolut wunderschöne und für uns alle bereichernde Erfahrung nicht missen und sind schon auf’s nächste Abenteuer gespannt!

Hier kommt deine Meinung rein.