Sie heißen Brandungsrückströmungen, Unterströmungen oder auch Trecker – und sind eine echte Gefahr für Badende in allen Weltmeeren. Besondere Merkmale: Sie sind unsichtbar und können sich urplötzlich, überall und jederzeit bilden. Als Schwimmer bemerkt man nur ihre Folgen: Man schwimmt und schwimmt – und auf einmal ist man an einer ganz anderen, weit entfernten Stelle. Oder: Man steht im flachen Wasser, auf einmal zieht eine unsichtbare Kraft an den Beinen und wirft einen um.
Wie eine Unterströmung entsteht
Wasser sucht sich immer den einfachsten Weg zurück ins Meer, auch wenn es durch Buhnen, Sandbänke, Felsen und Inseln „abgelenkt“ wird. Gefährlich sind besonders Stellen mit vorgelagerten Sandbänken in Strandnähe und Ufer mit kleineren Felsen, Buchten, Anlegestellen und anderen Hindernissen, die den Lauf des Wassers ablenken. An steil abfallenden Stränden, wo das Wasser beim Auflaufen und Abfließen eingeengt wird, können sich starke Strömungen entwickeln, die von der Brandungszone bis weit hinter die Wellen reichen. Unterströmungen können nicht nur jederzeit an jedem Strand auftreten, sondern sogar in Binnenseen!
Wie eine Unterströmung aussieht
Unterströmungen sind von Laien und von außerhalb des Wassers kaum zu erkennen. Man kann auf Unterschiede in den Wasserfarben und ungewöhnliche Wasserbewegungen achten und auf Bereiche, in denen sich Wassermengen aus unterschiedlichen Richtungen begegnen. Hier kann die Bewegung unter Wasser auch über Wasser sichtbar sein – das ist aber nicht zwingend der Fall! Auch eine total ruhige Meeresoberfläche kann unsichtbare Unterströmungen in der Brandungszone verbergen.
Auch im flachen Wasser sind Unterströmungen so stark, dass sie einen Menschen umwerfen können. Meist sind sie zwischen 4 und 7 m breit, Ausnahmen von 40 m Breite bestätigen aber die Regel. Dasselbe gilt für die Länge: Eigentlich werden Unterströmungen hinter den brechenden Wellen langsamer, sie können aber auch noch 100 m hinter der Brandungszone bestehen.
Die Geschwindigkeit von Unterströmungen ändert sich ständig. Meist ist sie eher gering; Wellen, Wind, Gezeiten und die Topografie unter Wasser können aber auch zu sehr schnellen Unterströmungen führen. Man wird zwar nicht unter Wasser gezogen, sondern „nur“ hinaus, aber Geschwindigkeiten von 3 Metern pro Sekunde sind mehr, als ein olympischer Schwimmer schafft.
Wie man sich und seine Kinder vor Unterströmungen schützt
Die Grundregeln lauten:
- Schwimmen lernen, und zwar speziell im Meer
- Auf Kinder und ältere Menschen im Wasser achten: Unterströmungen werden schwächeren Schwimmern auch im flachen Wasser gefährlich
- Nie allein und nur unter Aufsicht von Rettungsschwimmern schwimmen
- Warnflaggen und Warntafeln beachten
- Beim Schwimmen im Meer mindestens 30 m Abstand zu Buhnen, Molen, Sandbänken, Halbinseln oder Löchern im sandigen Untergrund halten
- Rettungsschwimmer, Einheimische, das Hotelpersonal oder den Reiseleiter nach örtlichen Gefahren fragen, bevor man ins Wasser geht!
- Bei der geringsten Unsicherheit: nicht ins Wasser gehen!
Wie man eine Unterströmung überleben kann
Die Grundregeln sind hier:
- Unbedingt Ruhe bewahren
- Niemals gegen die Strömung ankämpfen
- Parallel zum Strand seitlich aus der Strömung herausschwimmen; der direkte Weg aus dem Wasser zum Strand ist meist der falsche!
- Wenn Schwimmen nicht möglich ist: ruhig auf dem Wasser treiben lassen, bis die Zone der Unterströmung verlassen ist, dann erst zum Strand schwimmen
- Wenn der Strand nicht zu erreichen ist: in Richtung Strand drehen, Arme bewegen und laut um Hilfe rufen
- Retter bilden vom Strand aus eine sogenannte Rettungskette, um Schwimmern in Not zu helfen: 1) Rettungsschwimmer suchen, 2) Notruf absetzen und 3) andere Hilfeleistende suchen
- Im Wasser: Ruhe bewahren und nur mit „Auftriebskörpern“ (Schwimmweste, Wasserball, Rettungsring) zum Hilfesuchenden schwimmen. Viele Menschen, die anderen in einer Unterströmung helfen wollten, ertrinken dabei!
Da Strände und das Meer schlichtweg identitätsbildend für die Kiwis sind – Neuseeland besteht aus wenig mehr als Meer, pun intended – und da sie sich durchaus bewusst sind, dass sie hinsichtlich maritimer Katastrophen im letzten Jahrhundert außergewöhnlich gut weggekommen sind (ich sage nur „Tsunami“), geben sie sich große Mühe, hier auch in Zukunft keine schlechten Schlagzeilen zu machen. Das National Institute of Water and Atmospheric Research, kurz NIWA, erforscht dazu seit 1999 mit einem Netz aus Webcams die Langzeitbewegungen von Unterströmungen – auch in Tairua, einem klassischen geschlossenen Bucht-System. Das „Cam-era Coastal Network“ wird vom Umweltministerium finanziert und soll bald detaillierte Voraussagen über das Auftreten von Unterströmungen erlauben, die in Neuseeland jedes Jahr viele Todesopfer fordern.


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