Routenplanung

Routenplanung für Neuseeland: Was ihr alles falsch machen könnt

Das Schönste und gleichzeitig Anstrengendste an so einer Neuseeland-Reise ist ja die Reisevorbereitung. Wenn die Flüge gebucht sind und der Campervan angezahlt ist, fangen die meisten so langsam an, sich Gedanken über die Route zu machen. Für manche Entscheidungen ist es dann aber schon zu spät! Wir haben die häufigsten Fehler zusammengetragen, die unsere Leser bei der Routenplanung für Neuseeland so machen.

Weltwunderer Routenplanung Neuseeland

Die 7 häufigsten Fallen bei der Routenplanung für Neuseeland

Eines vorweg: Wir sind natürlich auch keine Planungs-Weltmeister. Aber nach zwei Neuseeland-Trips, auf denen wir viele der im Folgenden genannten Fehler selbst ausprobiert haben, und zahlreichen Beratungen ratloser Blog-Leser, für die wir per E-Mail passende Routen zusammengebastelt haben, können wir euch doch ein paar entscheidende Hinweise zu eurer Routenplanung für Neuseeland geben.

1. Roundtrip statt Gabelflug buchen

Ihr habt den Hin- und den Rückflug von Auckland oder wahlweise von Christchurch aus gebucht? Dann habt ihr einen der häufigsten Fehler gemacht – es sei denn, ihr wollt eure Neuseeland-Reise auf eine der beiden Inseln beschränken. Nach unserer Erfahrung versuchen aber nahezu alle Reisenden, sowohl Nord- als auch Südinsel zu besuchen, und für die stellt es dann einen unheimlichen Zeit- und Organisationsaufwand dar, zum Ausgangspunkt ihrer Reise zurückkehren zu müssen.

Das bedeutet nämlich, dass man die etwa 300 NZ$ teure und einen halben Tag in Anspruch nehmende Überfahrt von Wellington nach Picton zweimal machen und bezahlen muss. Nur die mit sehr viel Zeit gesegneten Urlauber können Neuseeland auf seiner ganzen geografischen Länge, vom Milford Sound bis zum Cape Reinga, erkunden, wenn sie zu ihrem Startflughafen zurückfahren müssen. Und ja, Wellington ist wunderschön, aber in eurer knappen Reisezeit müsst ihr die Hauptstadt Neuseelands nicht unbedingt zweimal besuchen.

Entscheidende Gründe pro Roundtrip gibt es kaum: Die One-way-Miete für das Wohnmobil, die bei Gabel-Reisen anfällt, ist in der Regel niedriger, als die Kosten für das doppelte Fährticket es sind. Und wer ein Wohnmobil kaufen und wieder verkaufen will, der tut sich bei ersterem in Auckland besser (wo ein größeres Angebot herrscht) und bei letzterem in Christchurch (wo die Nachfrage größer ist). Gepäck oder einen im Flugzeug genutzten Autokindersitz am Flughafen einzulagern, macht bei Wohnmobil-Reisen auch keinen Sinn.

2. Unpassende Reisezeit wählen

Gaaanz wichtig bei der Routenplanung für Neuseeland-Reisen: Jahreszeiten beachten! Tatsächlich wird immer wieder vergessen (oder gekonnt ignoriert), dass im europäischen Sommer auf der Südhalbkugel Winter ist. Und dass es in Neuseeland zwischen März und September empfindlich kalt werden kann – vor allem im Landesinneren auf der Südinsel. Aber auch im Rest des Landes herrscht von Herbst bis Frühling oft sehr wechselhaftes Wetter, mit viel Regen, grauem Himmel, kalten Nächten und Bodenfrost.

Das muss euch nicht von einer Neuseeland-Reise abhalten. Die Nebensaison besticht eben auch mit sehr günstigen Preisen, Skifahr-Bedingungen und Nicht-Überfüllung. Aber ihr solltet dann auch einkalkulieren, dass eure Nächte sehr kalt werden können, dass ihr warme und wetterfeste Kleidung braucht und dass ihr viele Wanderungen und Unternehmungen nicht, nur eingeschränkt oder nur bei spontaner Gelegenheit machen könnt. Für einen Kurztrip von zwei bis drei Wochen nicht eben ideale Voraussetzungen.

Andersherum ist es aber auch nicht gut:

Die Zeit um Weihnachten herum gilt als Hochsaison, ist aber genau deshalb nicht die ideale Zeit für euren Neuseeland-Trip. Denn dann sind eben auch alle Neuseeländer im Land unterwegs, die Schulferien haben und Weihnachtsurlaub machen. Das bedeutet für euch: maximale Preise, maximale Belegung auf Campsites und in Hotels, maximales Bedrängnis an touristischen Hotspots (und davon gibt es eine überraschende Menge). Von unberührter, einsamer Natur werdet ihr wenig sehen.

Und wer auf kultige Kiwi-Weihnachten und ein cooles Silvester „down under“ spekuliert: Die meisten, die es erlebt haben, fanden Weihnachten hier unten so ganz ohne Tannenbaum und Schnee dann doch nur seltsam – und Silvesterfeuerwerke gibt es in Neuseeland schlicht nicht. Hmpf.

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Mount Ruapehu, wolkenverhangen. Wer hier wandern will, sollte den Hochsommer abwarten, sonst ist eher Skifahren angesagt

3. Falsche Reiserichtung

Mit der richtigen Reiserichtung könnt ihr geschickt den Verlauf der Jahreszeiten für euch nutzen: Startet eure Reise auf der Nordinsel, wo es im neuseeländischen Frühling schon wärmer ist, oder wahlweise auf der Südinsel, damit ihr im Herbst auf der immer noch warmen Nordinsel ankommt.

Die Reiserichtung ist aber auch wichtig, wenn es um die Umrundung der Inseln geht. Ein Großteil der „scenic routes“ in Neuseeland führt an den Küsten entlang. Dann ist es doch schade, wenn der Beifahrer während der Fahrt weder etwas sehen noch spontane Fotos von der Brandung, den Seelöwen und den winkenden Walen machen kann, weil er dafür immer am Fahrer vorbeilinsen muss! Da der Fahrer in Neuseeland rechts am Steuer sitzt, empfiehlt es sich also, eure Inselumrundung im Uhrzeigersinn zu machen – dann sitzt er nämlich „innen“ und ihr könnt mit den Kindern direkt an den Strand aussteigen und müsst nicht über die Straße laufen.

Zuguterletzt solltet ihr eure Reiserichtung nicht allzu fest vorplanen – denn das sehr wechselhafte neuseeländische Wetter will auch noch einkalkuliert sein. Erkundigt euch in regelmäßigen Abständen in DOC-Büros oder i-Sites nach der Wetterprognose und richtet euch nach den Empfehlungen der Mitarbeiter! Wenn die sagen, dass es in den nächsten Tagen keinen Sinn macht, nach Süden (oder Westen, oder Osten) zu fahren, dann stimmt das erfahrungsgemäß.

4. Zu viele Punkte in zu kurzer Zeit

Ein Fehler, vor dem ich persönlich auch nach Jahren des Reisens nicht gefeit bin: zu viele To dos auf die Liste zu setzen. Mehr als zwei Attraktionen pro Tag solltet ihr euch in Neuseeland grundsätzlich nicht vornehmen. Eine davon muss reichen, die andere dient als Extra, wenn überraschend noch Zeit übrig sein sollte oder die erste Besichtigung ausfallen musste.

Es ist eigentlich eine Binsenweisheit: Wer von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hetzt und nur Punkte aus dem Reiseführer abhakt, der erlebt doch keine echte Reise, schon gar nicht unterwegs mit Kindern. Meine Empfehlung als Chef-Routenplanerin daher: Markiert ruhig alles, was ihr interessant findet, auf eurer Karte. Aber schaut euch dann neben der einen Hauptattraktion des Tages nur die Sachen an, die sowieso direkt am Weg liegen, die ihr vom Campervan aus sehen könnt oder für die am Ende des Tages noch mehr als zwei Stunden Zeit bleiben. Alles andere wird auf Dauer einfach zu stressig, versprochen.

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Stand in keinem Reiseführer und war nicht ausgeschildert: eine Straße auf der Banks Peninsula, die zu einem wunderschönen Strand führte

5. Zu lange Tagesetappen

Ganz böser Fehler, der sich schnell rächt: Wenn ihr jeden Tag Stunden on the road verbringt, findet ihr selbst im Führerhaus das vielleicht toll. Eure Kinder bestimmt nicht. Nun ist die absolute Obergrenze an täglicher Fahrtstrecke bei jedem Kind individuell, und es ist bestimmt eine gute Idee, das auch mal vorsichtig auszutesten – vielleicht halten eure Kids ja mehr aus, als ihr dachtet.

Sehr häufig ist es aber genau andersherum: Gerade jüngere Kinder und besonders Babys mögen Fahrtzeiten von mehr als zwei Stunden am Stück überhaupt nicht. Selbst wenn es zwischendurch nicht heißt „Ich muss maaaal“ oder „Wann sind wir denn dahaaa?“, sollten Kinder spätestens alle zwei Stunden eine längere Pause einlegen dürfen, in der sie herumspringen, toben und laufen können.

Zwei Stunden Fahrt, am besten während der Mittagsschlafphase, und im Ausnahmefall ergänzt durch weitere zwei Stunden Fahrt am Nachmittag, sind denn auch das Maximum, das ihr auf eurer täglichen Route einplanen solltet. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h und einer realistischen Durchschnittsgeschwindigkeit von maximal 60 km/h (einzurechnen sind Kurven, Baustellen, zahlreiche Fotostopps, Pinkelpausen, Straßenabschnitten mit 30 km/h Höchstgeschwindigkeit…) könnt ihr euch ausrechnen, wie weit ihr dann kommt.

6. Unterschätzen der Straßenverhältnisse

Besonders auf der Südinsel passieren Touristen immer wieder schlimme Verkehrsunfälle, weil sie die Bedingungen auf neuseeländischen Straßen schlicht falsch einschätzen. Ein Highway mit einer Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h muss nicht automatisch auch mit dieser Geschwindigkeit befahren werden; anders als auf deutschen Autobahnen ist man in Neuseeland als Fahrer viel mehr auf seinen gesunden Menschenverstand angewiesen.

Neuseeländische Straßen sind kurvig, oft einspurig oder geschottert, sie werden bei schlechtem Wetter gern einmal überflutet oder unterspült. Kälteeinbrüche mit plötzlichem Schneefall und Eisglätte können im Gebirge oder im Southland auch im Sommer passieren, weshalb es dann zu spontanen Straßensperren kommt. In offenen Lagen können sogar starke Winde oder Böen das Fahren eines nicht eben windschnittigen Campervans zum Eiertanz machen.

Seid also vorsichtig und plant eure Route so, dass ihr immer eine Ausweich-Option habt und nicht am Ende zu einer Nachtfahrt im Gewitterguss gezwungen seid, um euren Heimflug zu erwischen.

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Wie hier am Matukituki River müssen hin und wieder kleine Flüsschen durchfahren werden. Hat es geregnet, sind diese Flüsschen oft gar nicht mehr so klein…

7. Feste Termine

Was aber, wenn man plötzlich doch 500 Kilometer an einem Tag schrubben muss, weil man pünktlich an der vorgebuchten Fähre oder beim schon online bezahlten geführten Ausritt erscheinen muss? Wir würden dann empfehlen, lieber anzurufen und euer Problem zu schildern, als euch den Tag auf diese Weise zu verderben – Kiwis lassen sehr oft mit sich reden.

Damit euch so etwas aber gar nicht erst passiert, solltet ihr möglichst wenige Termine und Aktivitäten fest vorbuchen. Selbst für die Fähre zwischen Nord- und Südinsel genügt es außerhalb der absoluten Peak Season, einige Wochen oder Tage vorher zu reservieren. Mit dem etwas teureren Flex-Tarif wird auch das kurzfristige Umbuchen einfacher.

Unterwegs mit Kindern ist ein vollgepackter Terminplan mit vorgebuchten Aktivitäten generell nicht zu empfehlen; zu oft ist die Tagesform der Kids schlecht, das Wetter passt nicht oder man muss unheimlich hetzen, um pünktlich zu erscheinen.

Und natürlich sollte eure Route durch Neuseeland mit so viel Spielraum kalkuliert werden, dass ihr vor dem Rückflug noch einen Puffer-Tag für unvorhergesehene Verzögerungen habt.

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… und dann ist da plötzlich eine Wand. Und in den einspurigen Tunnel am Milford Sound kann man nur alle halbe Stunde reinfahren…

Die „Binsenweisheit“ am Ende ist die unvermeidliche: Plant einfach überhaupt nicht zu viel, orientiert euch am Wetterbericht und an der Stimmung eurer Kinder und lasst viel Platz für Spontanität, dann werdet ihr auf eurer Neuseeland-Reise die schönsten Dinge erleben.

Unsere Reiseroute durch Neuseeland (für die wir knapp zwei Monate gebraucht haben, und das ohne Trödelei!) seht ihr hier. Mit Google Maps kann man neuerdings nur noch höchstens zehn Punkte zu einer Route verbinden lassen, wenn man keinen Profi-Account hat. Ein Routenplaner, den wir euch für die erste Planung empfehlen können, ist Optimap – er zeigt euch die schnellste Verbindung zwischen euren Wunschzielen an.

Wenn ihr andere dringende Fragen zu eurer Reiseroute habt oder euch überhaupt total unsicher mit allem seid, dann schreibt uns gern eine Mail – wir helfen, so gut wir können 🙂

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Routenplanung Neuseeland-Reise

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5 Kommentare

  • Hallo, als jemand, der 2 Jahre in Neuseeland gelebt hat, kann ich sicher eine Menge zu den Reisen drüben sagen. Die beste Reisezeit wäre meiner Meinung nach, sicher Februar und der März. Dann ist es noch angenehm warm, aber die Massen haben sich verlaufen und die Flüge sowie die Camper sind wieder günstiger. Ich persönlich würde keinen Camper mieten, sondern einen Geländewagen (4-Wheeldrive). Damit ist man flexibler und kommt auch besser an abgelegene Orte als mit dem Camper, gerade als ungeübter Fahrer. Wer nur 2 – 3 Wochen zur Verfügung hat, sollte sich auf eine Insel beschränken, alles andere artet in Stress aus. Gerne könnt ihr Euch meine Berichte über unsere Touren auf meiner Webseite ansehen oder auch mich persönlich fragen.

  • Allgemein sehr gute Tipps, vor allem für Leute, die so gar keine Ahnung haben was auf sie zukommt. Eine Anmerkung muss ich allerdings loswerden, wir waren zwei Mal über Weihnachten/Silvester in NZ, davon einmal mit unserer damals drei Jahre alten Tochter. Am 25.12. sollte man wissen wo man übernachte bzw. etwas vorbuchen (gilt übrigens auch dringend für das Abendessen). Aber dass es ein Problem wäre um diese Zeit einen Campingplatz zu finden können wir absolut nicht bestätigen. Selbst an absoluten Hotspots war es nie ein Problem für uns einen Stellplatz zu bekommen.
    Außerdem haben wir eines unserer schönsten Feuerwerke in der Bay of Islands von der Terrasse unseres B&B geniessen können. Da sollte man sich vorher informieren. In Wellington gibt es auch ein großes zentrales Feuerwerk am Hafen. Es ist halt nur so, dass nicht jeder sein Privatfeuerwerk macht, was ich persönlich auch gar nicht so verkehrt finde.

  • Also ich finde einen Round-Trip gar nicht so schlecht, weil man dann die Möglichkeit hat auf beiden Inseln, z.B. erst die Ostküste abzuklappern und auf dem Rückweg dann die Westküste. Wenn man nur von A nach B fährt muss man sich ja auf eine Küste beschränken bzw. einmal durch die Mitte oder im Zickzack fahren.
    In Auckland gibt es an Silvester übrigens immer ein großes tolles Feuerwerk am Skytower.

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