Japan Reisetipps für Japan

Rumkommen in Japan – warum nicht per Campervan?

Japan, das ist doch das Land der extrem pünktlichen und wahnsinnig schnellen Züge?! Ist es. Aber für eine Familie mit drei Kindern und Gepäck sowie der Tendenz zum Zuspätkommen klang das nicht nach der idealen Fortbewegungsweise. Wir haben uns daher umgeschaut und überrascht festgestellt: Reisen per Campervan, das geht ja auch in Japan!

Mazda Bongo JapanCampers

Der Midsize Campervan „ausgeklappt“ (c) JapanCampers.com

Natürlich ist es nicht ganz so einfach. Das erste Problem tat sich schon darin auf, überhaupt einen Vermieter von Wohnmobilen zu finden, der das Englische beherrscht. Und das soll jetzt nicht kulturchauvinistisch klingen, sondern ganz pragmatisch: Wenn ich die Firmen-Website nicht lesen kann, dann kann ich auch keine Anfrage schicken. Ganze zwei (!) Wohnmobilvermietungen in Japan stellen ihr Angebot auf Englisch zur Verfügung – und von denen meldete sich genau eine zurück: JapanCampers.

Dass wir damit den großen Joker gezogen haben, wurde uns im Lauf der letzten Wochen immer klarer. Wir sind so happy, uns scheint die Sonne aus dem A…!

Andre, unser Ansprechpartner bei JapanCampers, erzählte uns: „Ich lebe schon seit einiger Zeit in Japan – ursprünglich komme ich aus Neuseeland. Mein bester Freund Maciek und ich fuhren in unserer Freizeit selbst oft im Campervan herum. Dabei fiel uns auf, dass es keine englischsprachigen Vermietungen hier gibt. Wir dachten uns also: Jemand sollte das mal machen, damit auch ausländische Besucher das echte Japan genießen können. Nach dem Entschluss dauerte es nur wenige Monate, und plötzlich werden wir mit Anfragen überhäuft. Wir kommen gar nicht schnell genug nach, unsere Flotte zu vergrößern!“

JapanCampers hat momentan 18 Fahrzeuge im Angebot und bemüht sich aktuell, den Fuhrpark auf 30 aufzustocken. Darunter sind minikleine und mittlere Campervans und ein paar „normale“ Wohnmobile (die für unsere Verhältnisse aber immer noch eher klein sind). Die Tagessätze sind auch in der Hauptsaison moderat, kein Vergleich mit neuseeländischen Preisen! Mit Frühbucherrabatt und Mieten über zwei Wochen („long-term“) kann man noch mal einiges an Discount herausholen.

 

Und wie sieht es aus, unser Schätzchen?

Japanische Straßen sind eng und Japaner sind klein – entsprechend kleiner sind auch die Wohnmobile. Für unsere drei Kinder benötigten wir natürlich ein Gefährt mit drei anschnallbaren Sitzplätzen, was das Angebot enorm reduzierte. Geworden ist es schließlich der Mazda Bongo, ein klitzekleiner Bus mit Klappdach und an die Heckklappe anzippbarem Zelt – niedlich!

Die Jungs von Japancampers.com haben ein YouTube-Video von ihrem in Eigenarbeit umgemodelten „Midsize Campervan“ gebastelt, das wir hier zeigen dürfen.

Alle Schikanen sind an Bord, wie ihr (teilweise) seht: englisches Navi mit On-board-Wifi, Kindersitze, ein Kühlschrank, ein Wasserkanister, eine portable Toilette, ein Gaskocher mit Küchenausstattung, Campingmöbel, Schlafsäcke und Bettwäsche und natürlich das schicke Hecktürenzelt. Aircondition gibt es leider nur während der Fahrt, aber dafür bekommen wir noch einen „portable mini fan“ 🙂

Andre sagt: „Familien mit Kindern sind bei uns natürlich sehr willkommen. Ich bin mit meinen eigenen Kindern schon im Campervan durch ganz Japan gefahren, und sie fanden es toll. Etwa ein Drittel unserer Kunden sind Familien und wir vermieten auch Kindersitze, wenn nötig. Unser jüngstes Campervan-Baby war drei Monate alt. Das Campervan-Reisen mit Kindern ist sehr einfach, weil man immer alles Nötige dabei hat.“

Es sieht echt ganz schön eng aus, aber das schaffen wir schon – drei Wochen im durchgehend warmen japanischen Sommer sind ja nicht dasselbe wie zwei Monate im wechselhaften neuseeländischen Sommer (und schon dort wurden wir mitleidig angeschaut, weil wir zu viert „nur“ in einem Toyota Hiace unterwegs waren).

Der Vorteil an der Winzigkeit des Wagens: Mit seinen gerade mal 4,60 m Länge passt er in jede Parkbucht und die Breite von 1,70 m ist genau richtig für die engen, gehweglosen Seitenstraßen vieler japanischer Städte. … und wenn ihr ein wirklich winziges Wohnmobil sehen wollt, dann schaut euch mal den „Miniature Campervan“ an!

 

Der "Miniature Campervan" ist wirklich winzig (c) JapanCampers.com

Der „Miniature Campervan“ ist wirklich winzig (c) JapanCampers.com

Warum es so toll ist, im Campervan durch Japan zu reisen (hoffentlich)

Der Shinkansen und seine kleinen Brüder sind bequem und schnell, keine Frage. Aber mit dem Zug ist man doch immer an Fahrpläne und Fahrtrouten gebunden. Das ist nicht nur stressig, teuer und unflexibel, wir wären zur Hauptreisezeit auch immer auf den gleichen Wegen unterwegs wie zigtausend ihre Ferien genießende Japaner.

Ruhe und Entdeckungen „off the beaten track“ – undenkbar. Auch ein Abstecher in weniger dicht besiedelte Gegenden wie die Insel Shikoku oder die Kii-Halbinsel mit der Tempelanlage Koya-san wären mit Bus und Bahn echt kompliziert oder gar nicht möglich.

Andre sagt: „Japan ist anders als Neuseeland. Die meisten Reisenden lieben Neuseeland wegen seiner Natur: die Seen, die Berge, das Meer… Ich finde, Japan hat noch viel mehr zu bieten. Ihr könnt nicht nur die wunderschöne Landschaft genießen, sondern auch die tiefverwurzelte Kultur. Japan hat so viele Facetten zu bieten, dass ich zuversichtlich sagen kann: Jeder findet ihr etwas, das ihn interessiert und fasziniert. Und da rede ich noch gar nicht vom Essen.“

Unser Campervan ist gleichzeitig Transportmittel und Unterkunft – wie kompliziert es ist, eine solche passende für uns zu finden, hat ja schon die Recherche nach einer Wohnung in Tokyo gezeigt. Mit unseren eigenen vier Rädern können wir nicht nur fahren, wann und wohin und wie lange es uns gefällt, wir können auch anhalten und übernachten, wann und wo es uns gefällt – nix vorbuchen.

Dass das Reisen im Campervan für Kinder optimal ist, haben wir ja schon in Neuseeland erlebt. Es ist gerade in fernen Ländern unheimlich tröstend, wenn man seine vertrauten vier Wände immer um sich herum hat und nicht alle paar Tage packen und weiterziehen muss.

Jaaa, die Höchstgeschwindigkeit auf japanischen Straßen ist 60 km/h, auf den Maut-pflichtigen Highways sind es lächerliche 80 km/h. Aber na und – es sind Ferien und der Weg ist das Ziel! Der Weltwundermann freut sich, dass er endlich mal wieder links fahren darf…

Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, wie das mit dem Camping in Japan funktioniert. Erste Hinweise zeigen, dass es neben normalen Campingplätzen auch etwa 1.000 Stellplätze an Highways (mit angeschlossener Toilette und Minilädchen) gibt – die „michi no eki“. Wie die Campingplätze aussehen? Ob man auch Freedom Camping machen darf? Mal sehen.

Camping in Japan - so könnte es aussehen (c) JapanCampers.com

Camping in Japan – so könnte es aussehen (c) JapanCampers.com

Andre hat uns ermutigt: „Es kann sein, dass ihr die einzigen Ausländer in einem Campervan seid, aber ihr werdet sicherlich viele Japaner treffen, bei denen ist diese Art des Reisens sehr beliebt. Auch unsere Kunden treffen sich unterwegs oft – alle sind mit kostenlosem Wifi ausgestattet, da ist es einfach, sich zwischendurch auszutauschen.

Einen tollen Tipp habe ich erst kürzlich von einem Kunden aus der Schweiz bekommen, der im Winter einen Campervan von uns gemietet hat: In Japan gibt es den besten Pulverschnee der Welt! Kein Wunder, dass wir für Januar schon komplett ausgebucht sind.“

Ob Skifahren in Japan etwas für uns ist, wissen wir noch nicht – wir testen jetzt erst einmal den Hochsommer. Aber auf jeden Fall total unabhängig in unserem gemütlichen kleinen Campervan, yay!

Gute Nacht! Der Midsize Campervan von innen (c) JapanCampers.com

Gute Nacht! Der Midsize Campervan von innen (c) JapanCampers.com

Disclaimer: JapanCampers gewährte uns auf den Mietpreis einen Discount und übernahm außerdem alle Fahrtkilometer. Unsere Meinung wird davon nicht beeinflusst.

22 Kommentare

  • Hallöchen Weltwunderer.

    Du hast hier eine Sehr schöne Seite aufgebaut. Ich habe Neuseeland 15 Monate lang mit einem Van bereist. Nun lebe ich schon seit 5 Jahren in Japan und dieser Artikel bringt mich auf eine gute Idee…

    Schau doch bei Gelegenheit Mal auf meinem Blog vorbei.
    https://www.samurai-insel.de

    LG Grüsse aus Kyoto

    Ralf

  • Hallo! Wir ueberlegen mit unserer kleinen Tochter im August 4wochen nach Japan zu fliegen. Leider koennen wir nur waehrend dieser Zeit. Meint ihr das waere zu heiss fuer ein 1 jaehriges Kind? Wuerden auch gerne campen. Vielen Dank!

    • Gegenfrage: War es euch letzten Sommer in Deutschland zu heiß? Während der Hitzewelle im August war es in Deutschland sogar noch einige Grad wärmer als in Japan. Ja, der Sommer ist heiß, feucht und drückend. Aber: Wenn ihr mit dem Camper außerhalb der Großstädte seid, am Meer steht, in die japanischen Alpen oder in Richtung Norden fahrt (wie wir es dieses Jahr im Juli vorhaben), dann ist die Hitze eigentlich ganz erträglich. Der Campervan ist ja auch klimatisiert, und kein Japaner findet es merkwürdig, wenn man den Motor die ganze Nacht laufen lässt, damit es schön kühl drinnen bleibt. Unserer Jüngsten hat die Sommerhitze mit ihren 1,5 Jahren nichts ausgemacht; anstrengend war es eher für uns, die Größeren zum Stadtbummeln etc. zu bewegen 😉

  • Erst durch diesen Blog Eintrag sind wir darauf gestoßen, dass sich zwei unser lieblings Ideen für eine kommende Reise auch kombinieren lassen! Der campervan in japan ist also für Sechs Wochen gebucht und wir freuen uns auf unsere Erfahrungen mit Maya (dann 9Monate alt) in Japan. Wir sind übrigens auf mehrere englischsprechende Unternehmen gestoßen, die Camper vermieten und haben so recht spontan etwas passendes gefunden. Wir überlegen noch, da der Flug noch nicht gebucht ist im Anschluss für 1-2 Wochen nach Okinawa zu fliegen vielleicht hat jemand Tipps für eine Unterkunft?
    Danke für die tollen Einblicke und Anregungen!
    Antonia, Paul &Maya

  • Dieser Blog macht echt Lust auf Japan! Top! Wir überlegen uns im kommenden Sommer nach Japan zu fahren und mit dem Camper herumzureisen. Was wir allerdings noch nicht in Erfahrung bringen konnten ist, ob wildes campieren mit einem Camper erlaubt ist. In anderen Ländern haben wir auf dem Land auf abgelegenen Plätzen abgestellt. Könnte das auch in Japan möglich sein? Und wie ist es mit den Campingplätzen, sind die auch für Camper ausgelegt?
    Es wäre super, wenn ihr mir eure Erfahrungen dazu mitteilen könntet. Vielen Dank schon mal!

    • Hallo Mirjam, frei Campen ist in Japan grundsätzlich kein Problem, es gibt keine Verbote oder so. Was es ein bisschen schwierig macht, ist der Mangel an wirklich freier Natur. WIr haben öfter, als uns lieb war, auf Asphalt gestanden – Park- und Rastplätze gibt es an jeder Ecke, auch mit super Toiletten und Wasser. Einen Campingplatz haben wir nie aufgesucht (unser Camper brauchte auch keinen externen Strom), die waren für unseren Geschmack recht teuer – es gibt sie aber.
      Schaut euch auf jeden Fall mal auf GoCamperJapan.com um, dort werden alle eure Camper-Fragen beantwortet – und wenn ihr im Sommer fahren wollt, dann bucht beizeiten, um den Frühbucherrabatt noch mitzunehmen!!

  • Hallo Jenny!
    Dein Blog ist wirklich super und wir sind versucht es euch gleichzutun. Campen in Japan. Mein Mann arbeitet ja derzeit in Tokio und wir wollen dann in den Sommerferien dorthin. Wir haben auch 3 Kids, die sind allerdings schon etwas älter (14, 12 und 7).
    Glaubst du wir haben da in so einem VW Multivan ähnlichem Gefährt Platz? Zimperlich sind wir nicht nach unserem letzten Backpacker Kambodscha Urlaub 🙂

    Wart ihr auch am Meer oder auf einer Insel zum Baden?

    Wie viele km habt ihr Carl geschafft in 3 Wochen?

    Wäre fein wenn du mir ein paar Tipps geben könntest.
    Liebe Grüße aus Bozen
    Verena

    • Hallo Verena, unsere Route haben wir in hier beschrieben. Ob ihr in einem Mazda Bongo genug Platz für euch habt? Ehrlich gesagt, fanden wir es schon arg eng, wenn wir da noch größere Kids gehabt hätten – hm… Zu fünft habt ihr aber nicht wirklich andere Optionen, da die größeren Modelle alle nur vier Gurt-Plätze haben. Mein Tipp wäre, euch zwischendurch ein paarmal in festen Unterkünften „auszustrecken“, etwa in Kyoto. Mit Airbnb müsstet ihr da sicher etwas bezahlbares finden.
      Und Strand – ja klar gab es den! 🙂

  • Hallo nach Dresden, bin schon richtig gespannt wie Eure Reise wird . Da Japan schon lange auf der Agenda steht und wir alte Reisemobilfahrer sind denken wir nun direkt mal ueber eine womo tour in Japan nach evtl. im Oktober/ Nov.
    LG Isabella

    • Wow, Isabella – ihr seid ja praktisch schon auf der ganzen Welt gewesen… Respekt!!

  • hallo Weltwunderfrau
    Die Idee mit dem Camper ist genial! Wir starten in 5 Wochen mit der ganzen Familie um für ein Jahr die Welt zu bereisen. Im September sind wir für zwei Wochen in Japan und ich hatte mir bisher schon die ganze Zeit den Kopf zerbrochen wie wir dort auf bezahlbare Weise unterwegs sein können! Bis ich auf deinen Blog gestoßen bin und wir heute sofort auch unseren Campervan reserviert haben! Jetzt sind wir natürlich doppelt gespannt auf eure Reise und eure Erlebnisse!
    Viel Spass on the road in Japan!
    Sabine

    • Liebe Sabine, wie cool, dass wir euch helfen konnten! Habt ihr auch bei JapanCampers gebucht? Dann grüßt Andre von uns! 😉

    • Ja haben wir! Die Seite ist echt toll gemacht und gut durchdacht! Ihr solltet Prozente bekommen! Ich freue mich so aufs campen in Japan, das eröffnet noch einmal ganz neue Möglichkeiten!

  • Sooo cool. Ich bin echt rasend gespannt wie das wird. Vor allen Dingen auch mit dem Straßenverkehr und dem Lesen der Schilder. Müsst Ihr jetzt schnell noch nen Crashkurs in japanisch ablegen? Zu Hülfe. Eng wird es sicher, aber Ihr seid bestimmt eh nur on the road und draussen. Haha…und 60 und 80 km/h ist ja echt mal der Witz für nen Deutschen. Nicht das Ihr mit 20 Strafzetteln nach Hause kommt ;). LG, Nadine

    • Also, alle Quellen sind ganz zuverlässig, was das Fahren in Japan angeht. Mal ehrlich, wenn man sich durch Thailand und Vietnam gefuchst hat, dann dürfte das regelverliebte und übervorsichtige Japan doch ein Klacks sein. Zumal wir ja mit englischsprachigem Navi und 24-Stunden-Notfall-Telefonberatung durch JapanCampers abgesichert sind. Nee, da mach ich mir bisher keine Sorgen… Und das Langsamfahren haben wir in Norwegen ja schon geübt. Ommm…

  • Das klingt nach einem sehr spannenden Urlaub. Bei Japan hätte ich allerdings auch erst mal nicht an Camping gedacht, aber warum nicht? Einfach mal was anderes kann sehr schön sein.
    Beste Grüße aus St. Vigil

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