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Sicher fliegen mit einer Rarität: ein Erfahrungsbericht zum Luftikid

Marc, Hobbyfotograf und Vater, berichtet in seinem Blog „Reisezoom“ vom Reisen, vom Fotografieren und auch vom Fliegen mit Kind. Dabei nutzt er nicht nur den Autokindersitz, sondern auch den nicht mehr hergestellten und daher leider fast unbekannten Luftikid – das einzige speziell für das Flugzeug entwickelte Kinderrückhaltesystem.

Luftikid im Einsatz (c) Reisezoom.de

Luftikid im Einsatz (c) Reisezoom.com

Wir haben Marc direkt ordentlich ausgequetscht, denn zum Luftikid finden sich in den Weiten des Internet fast gar keine Erfahrungsberichte. Schade, denn dieser aufblasbare Sitz ist praktisch, sicher und als Notsitz auch im Auto verwendbar. (Letzteres Gimmick brach dem Sitz leider wohl das Genick, denn der ADAC nahm die geringe Sicherheit hier zum Anlass für ein vernichtendes Testurteil – das mit der Flugsicherheit zwar nichts zu tun hat, aber das Image des Luftikid zerstörte. Vielen Dank, lieber ADAC.)

Nun lassen wir aber endlich Marc zu Wort kommen.

Weltwunderer: Seit wann habt ihr den Luftikid?

Marc: Eigentlich gehört der Luftikid meiner Schwägerin, deren Kinder sind älter als unsere. Wann sie den gekauft hat und wo, kann ich gar nicht sagen. Wir haben ihn das erste Mal benutzt, als unser Sohnemann 2 war, also 2013. Seitdem war er bei uns etwa sechs Mal im Einsatz.

WW: Wie verwendet man den Sitz – kannst du kurz das Prozedere im Flugzeug beschreiben?

Der Sitz besteht eigentlich aus zwei Teilen, dem eigentlichen Fangkörper und dem Rückenteil. Wir haben den Sitz nur am Anfang mit Rückenteil benutzt, aber das macht den Aufbau nur unwesentlich komplizierter. Aufbauen ist total einfach

  • Kind setzt sich in den Flugzeugsitz
  • Luftikid mit mitgelieferter Pumpe aufpumpen
  • Luftikid mit den „Röhren“ nach unten über den Schoß des Kindes legen
  • anschnallen und fertig

Das Teil erklärt sich von selbst und kann wirklich von jedem bedient werden. Willst du das Rückenteil benutzen, dann musst du das vor dem endgültigen Aufpumpen über die „Röhren“ des Fangkörpers ziehen.

Ganz wichtig bei der Benutzung im Flugzeug!!! Du musst im Steigflug Druck ablassen. Der Luftdruck in der Kabine sinkt und dadurch wird der Luftikid, je höher es geht, immer praller. Das hat den Nachteil, dass er im Sinkflug und bei der Landung dann so aussieht als würde Luft fehlen, aber das passt schon 🙂

Das wichtigste Teil, der Bereich zwischen Kind und Gurt ist auch nicht mit Luft gefüllt sondern harter Kunststoff, dem ist der Druck im Luftikid egal.

WW: Welche Erfahrungen hast du mit der Akzeptanz des Sitzes durch Flugpersonal (und andere Passagiere) gemacht?

Puh… Bei den sechs Flügen kannte bis jetzt eine Stewardess den Luftikid, sonst gab es immer komische Nachfragen. „Was ist das?“, „Dürfen Sie das verwenden?“, „Hä? Haben Sie das jetzt aufgeblasen?“ …

Das ging schon so weit, dass bei der Bodencrew nachgefragt wurde, ob wir den Sitz wirklich verwenden dürfen. Unterm Strich durften wir ihn immer verwenden, aber dieses blöde Fragen und Glotzen der Flugbegleiter ist schon saunervig. Mein Tipp: Den Luftikid vor dem Flug bei der Airline anmelden. Sicher ist sicher!

Andere Passagiere haben nie etwas gesagt, nicht einmal Eltern, die mit ihren Kindern unterwegs waren.

WW: Wie bewertest du den Sitz im Vergleich zur Sicherung per Autokindersitz oder CARES Gurt?

Ich bin noch nie mit einem Kindersitz für ein sitzendes Kind geflogen, deshalb kann ich dazu kaum was sagen. Ich weiß auch nicht, welche Sitze überhaupt zugelassen sind, schließlich müssen diese allein mit dem Beckengurt sicher halten. Wenn ich mir aber angucke, was wir schon alles mit der Babyschale an Bord erlebt haben, dann glaube ich kaum, dass man mit einem normalen Autokindersitz im Flugzeug glücklich wird.

Auch CARES habe ich noch nie selbst probiert und gesehen habe ich es auch noch nicht. Der größte Vorteil von CARES ist sicherlich die Größe. Das passt zusammengepackt locker in eine Tasche, was beim Einsteigen viel angenehmer ist als einen extra Beutel zu schleppen. Auch während des Fluges selbst, wenn das Kind mal aufstehen will, ist CARES sicher besser.

Der allergrößte Vorteil von CARES ist: Man kann ihn kaufen. Den Luftikid gibt es, wenn überhaupt, nur noch gebraucht.

Da wir schon bei Vorteilen sind: Der Luftikid lässt sich übrigens auch im Auto verwenden! Haben wir zwar nie gemacht, weil wir immer das Angebot genutzt haben, unseren Autokindersitz kostenlos mitzunehmen. Trotzdem ist es gut zu wissen, dass es diese Option gibt.

WW: Wenn man den Luftikid noch kaufen könnte, würdest du ihn anderen Eltern empfehlen?

Ja, würde ich. Aber man muss auch den Arsch in der Hose haben, das Ding dann aufzubauen. Wir haben den Luftikid schon ausgeliehen, hinterher wurde uns aber erzählt, dass es ihnen unangenehm war, den Sitz im Flugzeug zu nutzen und er deshalb im Beutel blieb.

Danke für das Interview, Marc – und weiterhin frohes Fliegen mit Kindersitzen aller Art 🙂

2 Kommentare

  • Na sowas, der Kerl im Luftikid kommt mir aber bekannt vor 🙂

    Das der ADAC den Sitz verrissen hat ist natürlich tragisch, ich habe aber irgendwie das Gefühl, dass der Hersteller das Ding auch falsch beworben hat. Bei Youtube finden sich ein paar Videos in denen nur die „Vorteile“ des Teils als Autokindersitz herausgestellt werden. Das ist natürlich dämlich.

    Idee:
    Wenn sich ein paar Eltern finden, die einen Luftikid kaufen würden, vielleicht gibt sich der Hersteller dann einen Ruck und schmeißt die Produktion nochmals an. Fragen kostet ja eigentlich nix…

    Liebe Grüße,
    Marc

    • Eine gute Idee, Marc – wie machen wir das, starten wir eine Petition? Ihr braucht ja schon mal keinen Luftikid mehr ;-(

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