Eure Neuseeland-Reisen mit Kind

Blog-Interview Nr. 17: Spontan und ohne Plan nach Neuseeland – mit drei Kindern

Katrin hat uns vor ihrer Reise nach Neuseeland wochenlang per E-Mail mit Fragen gelöchert – kein Wunder, die Entscheidung zur Buchung fiel nämlich für NZ-Verhältnisse sehr kurzfristig und entsprechend viele Fragen waren schnell zu klären. Wir haben uns revanchiert und Katrin nach ihrer Rückkehr auch ein paar Fragen gestellt!

(c) katrinZ

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Weltwunderer: Liebe Katrin, stell uns doch zuerst deine Familie vor. Wer seid ihr?

Katrin: Wir sind eine Familie mit drei Kindern – einer Tochter (6 Jahre) und zwei Söhnen (3 Jahre und 1 Jahr). Mit unseren ersten beiden Kindern waren wir in der Elternzeit in Griechenland in einem Ferienhaus am Meer. Wir sind mit ihnen immer schon relativ früh und viel gereist, auch lange Autostrecken (nach Frankreich oder eben über Italien mit dem Schiff nach Griechenland). Aber dort waren wir dann jeweils fest an einem Ort.

Mit dem dritten Kind hatten wir eine letzte Gelegenheit, vor der Einschulung unserer Tochter außerhalb der Ferienzeit länger wegzufahren. Eine Freundin brachte uns auf die Idee mit Neuseeland. Da bei uns dieses Jahr noch ein Umzug ansteht, stand aber lange auf der Kippe, ob wir die Reise finanziell und zeitlich wagen. Unser Sohn kam im April zur Welt, gebucht haben wir Flug und Camper erst im Oktober, also drei Monate vor der Reise!

Weltwunderer: Seid ihr in Neuseeland einer festen Route gefolgt?

Katrin: Bei dieser Frage muss ich schmunzeln. Früher, bevor ich drei Kinder hatte, war ich sehr organisiert. Da hätte ich die Reiseführer schon zu Hause gelesen. Diesmal habe ich das einfach nicht geschafft. Da wir erst drei Monate vor der Reise gebucht haben, war ich neben Weihnachtsvorbereitung und Alltag mit drei Kindern mit den Vorbereitungen für die Reise beschäftigt: Versicherungen checken, Pässe beantragen, Impfungen auffrischen, Sommerklamotten und -schuhe in den richtigen Größen besorgen etc.

So kam es, dass wir eigentlich nur wussten, dass wir in Christchurch landen würden, erstmal auf die Banks Peninsula wollten und danach Richtung Süden. Dann haben wir vom Wetter abhängig gemacht, ob wir an der Ostküste oder landeinwärts Richtung Süden fahren (wir haben Letzteres gemacht). Es hat sich so ergeben, dass der Beifahrersitz mein Büro wurde und die Fahrzeit die Reiseplanungszeit war: Die Kinder haben geschlafen oder Hörspiele gehört, mein Mann saß direkt neben mir und konnte in die Planung einbezogen werden.

Wir wussten also immer nur ungefähr, wohin es in den nächsten Tagen geht. Oft haben wir erst spontan entschieden, an einem Ort länger zu bleiben oder nicht.

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Weltwunderer: Ihr habt ja unsere Freedom-Camping-Listen heruntergeladen. Wie hat es damit geklappt, wo habt ihr gecampt?

Katrin: Ich fand es gut, eine Liste zu haben, auf der nur die Freedom-Camping-Plätze sind. Um die Spots zu finden, haben wir entweder vorhandene Daten ins Tom-Tom eingegeben oder auf dem Navi in der Landkarte den Punkt markiert und uns dann hinführen lassen. Ich finde, dass es auf der Südinsel mehr interessante Spots gibt. Wir haben elf Stellplätze von den Listen genutzt und noch ein paar nicht ausdrücklich deklarierte. Natürlich haben wir uns immer über die örtlichen Regeln informiert, damit wir nicht komplett illegal standen – ein komisches Gefühl hat man trotzdem …

Weltwunderer: Drei Kinder in einem Campervan, wie hat das geklappt?

Katrin: Erfahrung mit dem Reisen im Camper hatten wir null! Entsprechend skeptisch waren wir: acht Wochen zu fünft auf engstem Raum zusammen!? Aber wir haben diese Art zu Reisen immer mehr schätzen gelernt – gerade mit Kindern: Man kann einfach anhalten, wenns nicht mehr geht, die Küche ist immer mit dabei. Wir haben zig Mal einfach auf dem Parkplatz irgendeiner „Das wollen wir sehen“- Station noch schnell gekocht, bevor es losging. Gegen Ende haben wir auch öfter zu Abend gegessen, die Kinder im Schlafanzug in die Sitze gesetzt und sind dann nochmal zwei Stunden gefahren, während die drei schon schliefen.

Da ja Sommer war (Ende Januar bis Mitte März), waren wir selten tagsüber längere Zeit im Camper, auch gegessen haben wir meistens draußen. Richtig lange geregnet hat es in den acht Wochen nur zweimal. Die Natur war also unser Wohnzimmer und die Angst, sich irgendwann auf den Keks zu gehen, war unbegründet. Wir würden es sofort wieder tun!

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Weltwunderer: War es denn sehr kompliziert, einen Campervan für eure fünfköpfige Familie zu finden?

Katrin: Nachdem ich fast verzweifelt bin, weil ich herausfinden wollte, welche Camper Anschnallmöglichkeiten für drei Kindersitze bieten, bin ich durch Zufall an Volkmar Wollenweber, den Chef von Globalcampers, geraten. Seinem Engagement und seiner tollen Beratung haben wir es letztlich zu verdanken, dass wir die Reise überhaupt angetreten haben. Gereist sind wir dann in dem für Familien perfekt geeigneten 6-Bett Eco Deluxe von Euro Camper.

Das  Gesamtkonzept von Globalcampers hat uns gut gefallen und so habe ich nicht lange gezögert, als mich Volkmar gefragt hat, ob ich für sie als Ansprechpartner für Familien arbeiten möchte.  Vor Ort habe ich mir einen Überblick über die Camper gemacht, die für Familien geeignet sind. Wer also Fragen rund um die Camperanmietung und darüber hinaus hat, kann sich gern an mich wenden: katrin@global-campers.com

Weltwunderer: Auf welches Gepäckstück hättet ihr nicht verzichten wollen, was war völlig überflüssig?

Katrin: Unverzichtbare Gepäckstücke waren der Buggy, den wir oft für den Mittagsschlaf des Jüngsten benutzt haben, die Ergo-Baby-Trage (nicht nur auf Wanderungen, auch bei Bootstouren unverzichtbar) und unser Tablet: Das war Gold wert! Mit „Campermate“ und „Wikicamper“ bestückt, war es der perfekte Reisenavigator: von Supermarkt über Dumpstation und Tankstellen bis zu Campingplätzen wird alles angezeigt. Wenn man während der Fahrt dringend eine Beschäftigung für die Kinder braucht, können sie auf dem Tablet Spiele spielen, und an den Telecom-WiFi-Stationen ist es sofort an und empfangsbereit, so dass man auf einem kurzen Stop schnell mal Mails herunterladen kann.

Überflüssige Gepäckstücke: Wir hatten zu viele Spiele mit. Entweder waren wir on the road oder haben irgendwas angesehen, und selbst wenn wir längere Zeit an einem Ort waren, sind die Kinder eigentlich nur draußen unterwegs gewesen, haben sich mit Picknickdecken Liegewiesen gebaut, waren auf Spielplätzen oder haben sich andere Sachen ausgedacht.

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Weltwunderer: Ganz konkret: eure Top-Ten-Liste für NZ bitte!

Katrin:

  1. Bootstour im Doubtful Sound (acht Stunden): wunderschön! Ist zwar teurer als Milford Sound, aber nicht so überlaufen.
  2. Catlins: mit dem Camper am Klippenrand parken (danke für den Tipp!), schwimmen mit den Delfinen (das nächste Mal definitiv mit Neopren)
  3. Sandfly-Beach (nach dem fliegenden Sand, nicht nach den Viehchern benannt): unglaubliche Sanddünen, toller Strand und – Seelöwen!
  4. Am Nugget-Point ab 18 Uhr den Pinguinen beim Landgang zusehen
  5. In den Marlborough Sounds einen Tag das Mailboat beim Ausliefern der Post im  Pelorus Sound begleiten!
  6. Daran schließt sich gleich der Pelorus Sound an: eine Nacht bei supernetten Leuten in der „On the track Lodge“ in einer Jurte schlafen, das Paradies (von den Sandflys abgesehen) erkunden und nachts im Hot Tub den Sternenhimmel beobachten (nur per Mailboat, Wassertaxi oder fünf Stunden laufen erreichbar!)
  7. Wharariki im Nordwesten der Südinsel: toller Campground mit freilaufenden Pferden, unglaublich schöner Strand mit Dünen und tollen Felsformationen
  8. Auf dem Hobbiton Movie Set ein Ginger Beer im „Green Dragon“ trinken – wir kamen uns  wirklich vor wie Hobbits, toll!
  9. Cape Reinga: Die Atmosphäre dort ist wirklich unglaublich schön.
  10. Piha Beach: Diese atemberaubende Kulisse bei Sonnenuntergang werde ich nie vergessen, so tolle Fotos habe ich den ganzen Urlaub nicht gemacht. Barfüßig über diesen wahnsinnig weichen schwarzen Sand zu laufen, war unglaublich.
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Weltwunderer: Wie fanden die Kinder eure Reise – und was waren ihre Favoriten?

Katrin: Unsere Kinder fanden die Reise toll, sie reden immer noch davon. Unsere Älteste meinte: „Ich glaube, wir werden ganz schön traurig sein, wenn wir hier wieder weg müssen“. Alle drei fühlten sich im Camper und in der Natur vor der Haustür pudelwohl, die beiden Großen fragten morgens immer nur: „Wo fahren wir heute hin?“

Für unseren Sohn waren die Favoriten die Traktoren überall, vor allem in den Canterbury Plains. Die diversen Bootstouren (Motorboot, Segelboot, Kajak, große Schiffe) fanden alle toll, der Jüngste ist bei mir im Ergo immer sofort eingeschlafen. Dann kommen die Museen – wir waren in Dunedin und Wellington, seitdem lieben die Kinder Museen! Weiter geht es mit Eis essen in Queenstown, die Sanddünen an der Sandflybay runterrennen, Eselreiten im „Farmyard Holiday Park“ bei Geraldine und in der „On the Track Lodge“ im Hochbett in einer Jurte schlafen.

Auf der Nordinsel waren die „Waikite Valley Hot Pools“ am Campground der Hit: Die Kinder kamen gar nicht mehr raus aus dem heißen Wasser! Sie liebten es auch, in der Karangahake Gorge, südlich von Coromandel mit Taschenlampen auf alten Gleisen durch eine stillgelegte Mine zu laufen, Sanddünensurfen in Far North bei Te Paki und Lämmchen füttern nach der Schaf-Show bei Warkworth.

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Weltwunderer: Was fandet ihr besser: Nord- oder Südinsel? Auckland oder Wellington?

Katrin: Wir waren fünf Wochen auf der Südinsel und drei Wochen auf der Nordinsel – so fällt auch unsere Gewichtung aus. Die Südinsel ist toll mit ihrer Natur, den vielen Tieren und unterschiedlichen Landschaften. Die Nordinsel ist mit ihren heißen Quellen, Segel- und Strandmöglichkeiten auch sehr schön. Dort haben uns vor allem der Far North, Coromandel, Russel und Piha gefallen.

Den Städten haben wir bewusst weniger Aufmerksamkeit gewidmet. Ich muss gestehen, dass wir nur in Wellington waren – weil wir noch in den Far North wollten, bevor der angekündigte Cyclon kommen sollte, haben wir Auckland im wahrsten Sinne des Wortes links liegen gelassen.

Weltwunderer: Worüber habt ihr euch geärgert, was fandet ihr nicht so toll?

Katrin: Dass wir unseren Wastewater-Tankrüssel abgefahren haben (danke an den tollen Klempner in Cromwell!), dass wir keine Neoprenanzüge dabei hatten, und über die superfiesen Sandflys: Wie kann der Stich eines so kleinen Tiers so gemein jucken und das über Wochen???

Weltwunderer: Welche Tipps würdet ihr anderen Familien geben, die nach Neuseeland reisen wollen?

Katrin: Eine Reiseüberraschungstüte für die Kinder machen: Die kam auf dem Flug eher weniger zum Einsatz, war aber noch die ersten zwei Wochen in Neuseeland der Hit – immer neue Pixibücher, Ausmalhefte… Außerdem sollten alle Eltern das tolle Kinderreisetagebuch von cherrypicking auf Dawanda kaufen. Ins Handgepäck wirklich nur das Nötigste packen – wir hatten auf dem Hinflug zu viel! Aus Panik vor dem langen Flug hatten wir für alle Eventualitäten vorsorgen wollen, viele verschiedene Spielmöglichkeiten dabei gehabt – und fast nichts davon gebraucht. Der Bildschirm mit Spielen und Filmen macht fast alles andere überflüssig.

Vor Ort: Nicht alles sehen wollen. Das geht nicht! Auch mal was von der To-do-Liste streichen, spontan sein und sich nach dem Wetter richten, ist so wichtig, um den Aufenthalt zu genießen! Alle paar Tage sollte man für mindestens zwei Nächte an einem Ort bleiben, das bringt enorm viel Ruhe rein. Außerdem: nur ganz wenige Klamotten mitnehmen, siehe Packliste hier im Blog. Alles andere verstopft nur wertvollen Platz im Camper!

Eine neuseeländische Handynummer fanden wir hilfreich, um Unternehmungen zu planen, z. B. Touren zu buchen. Einmal haben wir auch einen Campground vorreserviert. Für die Fähre kann man die Newsletter von Bluebridge und Interislander abonnieren, hier gibt es schon Monate vorher Rabattcoupons. Und: Nutzt den ADAC-Rabatt!

Weltwunderer: Hand aufs Herz: nach Neuseeland auswandern, habt ihr darüber nachgedacht?

Katrin: Ja, haben wir! Aber auch dort wird es den Alltag geben und nicht immer wird alles so sein wie im Urlaub. Die Vorstellung, in Ruhe die Inseln erkunden zu können, ist natürlich extrem verlockend. Wenn ich da wohnen würde, würde ich auf jeden Fall ein Wohnmobil mit Anhängerkupplung und ein Boot haben wollen – damit steht einer individuellen Entdeckung nichts mehr im Weg.

Aber wir finden es im Moment mit drei kleinen Kindern schön, die Verwandtschaft in der Nähe zu haben…

Vielen Dank für das Interview und die tollen Fotos, Katrin – und deine Beratertätigkeit für GlobalCampers erzählen wir gern weiter!

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