Meinung Where to go in NZ

Swimming with dolphins – eine unglaubliche Erfahrung

„Was war denn dein schönstes Erlebnis in Neuseeland?“ – „Hach, die Delfine…“

Davon erzählt wohl fast jeder Reisende mit Begeisterung. Delfine sehen ist schon ein Highlight; aber erst, mit ihnen zu schwimmen! Weit draußen auf dem Meer, kein Land mehr in Sicht, und diese unglaublich eleganten, bestimmt total intelligenten und nahezu mystischen Meeressäuger kommen schwerelos herangeschwommen und nehmen neugierig Kontakt auf… eine unglaubliche Erfahrung muss das sein.

Das dachten wir uns auch, nachdem wir bei einer Fahrt mit dem Aquataxi im Abel Tasman National Park ganz überraschend auf eine Schule von Tümmlern getroffen waren, die aus reiner Lebenslust vor unserem Boot Saltos sprangen. Wir wollten auch mal anfassen!

Nach eingehender Recherche entlang der Bay of Plenty wurde klar, dass ernsthaftes Delfinschwimmen nicht nur teuer*, sondern außerdem nur zum Preis des Frühaufstehens zu haben ist – und das im Urlaub! Nun gut; wir quälten uns also am Mount Maunganui im Morgengrauen aus den Betten und zückten die Kreditkarten, um an Bord des schnittigen Katamarans zu gehen, der in Tauranga im Hafen lag. Die Wetsuits wurden verteilt, Kaffee und Muffins wurden serviert und der joviale und komplettverspiegelte Kapitän startete die Motoren…

… und von hier an ging die Erlebniskurve steil abwärts. Lag es an dem schlechten Kaffee, an zu vielen Muffins, die wir zu früh am Morgen vertilgt hatten, oder einfach nur am schlechten Vorbild unserer Mitreisenden? Der Hafen war jedenfalls noch nicht außer Sicht, als schon die erste Passagierin kreidebleich nach hinten wankte und sich an der Reling festkrallte. Es folgten in kurzen Abständen immer mehr Fahrgäste, die sich schön nebeneinander auf dem Achterdeck aufstellten und abwechselnd nach vorn beugten. Das war auch sehr klug von denen, weil wir gleich nach (!) Antritt der Fahrt und Beginn des Wellengangs ein Formular unterschrieben hatten, das uns untersagte, in der Kabine des Schiffes zu kotzen. Zuwiderhandlungen hätten 200 NZ$ gekostet. Ich hatte natürlich lächelnd unterschrieben – schließlich war ich auf zahlreichen Bootstouren noch nie seekrank geworden…

Kurze Zeit später lächelte ich nicht mehr; der Weltwundersohn hatte mich, nachdem er ganz verdächtig ruhig geworden war, ohne Vorwarnung von oben bis unten vollgekotzt. Zum Glück trugen wir alle Badesachen unter den Shorts und Shirts und der seekranke Sohn schlief erschöpft ein. Platz hatte er genug auf den gerade noch voll besetzten Sitzbänken; die Passagiere standen allesamt an der Reling und schauten angestrengt auf den beharrlich schwankenden Horizont…

Ich hätte es bestimmt noch witziger gefunden, wenn ich nicht eine halbe Stunde später selbst dort gestanden hätte. In Begleitung meiner Tochter, die noch kaum über die Reling reichte. Der Seegang war an diesem Tag so heftig, dass mindestens ein Drittel der Tourteilnehmer schwer seekrank war – während der gesamten Fahrt!

Ach ja, und die Delfine? Vielleicht einen oder zwei habe ich aus dem Augenwinkel gesehen. Von den unzähligen Tümmlern, die unser Boot bald entdeckten und wirklich ausdauernd begleiteten, bekamen wir Versehrten auf dem Achterdeck kaum etwas mit; wir waren schon froh, wenn wir uns so lange beherrschen konnten, dass wir uns nicht auf ihre Köpfe erleichtern mussten.

Es muss ein Bild für die Götter gewesen sein. Leider waren alle Nicht‐Seekranken emsig damit beschäftigt, auf dem Vorderdeck die Delfine zu fotografieren und sie durch begeistertes, lautes Singen, Trillern und Klatschen zum Bleiben zu animieren. (Unter uns: Wenn ich ein Delfin wäre, würde ich auch bleiben und mal schauen, warum die Irren auf dem Schiff da sich so gebärden…) So gibt es keine Fotos von uns, wie wir bleichgesichtig und verzweifelt abwechselnd den Horizont und das Wasser unter dem Katamaran fixierten.

Wie sich herausstellte, durfte an diesem Tag leider niemand mit den Delfinen schwimmen, weil die Viecher gaaanz überraschend ihre Babys mitgebracht hatten (die hatten sie wahrscheinlich an den Tagen zuvor immer im Kindergarten gelassen, gell, liebe Veranstalter? Konnte man ja nicht wissen). Aber der Ausflug wird uns auch ohne selbst angefasste Delfine für ewig in Erinnerung bleiben – als unglaubliche Erfahrung.

„Was war denn dein schönstes Erlebnis in Neuseeland?“ Meine Tochter weiß es ganz genau: „Als wir mit dem Boot zu den Delfinen gefahren sind und alle gekotzt haben!“

* Wer es genauer wissen will: Für unseren Halbtagesausflug inklusive „a rich and hearty breakfast“ aus Muffins, Rosinenbrötchen, Obststückchen und grauenhaftem ungenießbarem Kaffee haben wir 345,- NZ$ bezahlt. Schluck.

Und alle, die jetzt Mitleid mit uns haben wegen dem komplett versauten Tag, will ich trösten: Wir haben nach unserer Rückkehr an Land noch lecker Seafood gegessen, am Strand schmucke Surfschüler beobachtet und einen abendlichen Gewaltmarsch Spaziergang auf den Mount Maunganui unternommen, an dessen Fuß wir unser Wohnmobil abgestellt hatten. So ist uns Tauranga doch in recht versöhnlicher Erinnerung geblieben…

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