Hobbit & Co.

Teil 3 der Herr-der-Ringe-Location Tour: rund um den Tongariro National Park – Mordor & Co.

Wir sind immer noch auf der Nordinsel unterwegs – unglaublich, wie viele Drehorte sich hier in dichten Wäldern und an stürmischen Stränden verbergen! Die Top Sites sind jedoch eindeutig ganz oben zu finden: im Tongariro National Park, „wo die Schatten drohn“.

Während nördlich von Auckland für Mittelerde-Enthusiasten eigentlich nichts zu holen ist, verbergen sich im dicken „Bauch“ der Nordinsel einige interessante Stellen. Im zweiten Teil unserer Location-Tour haben wir Matamata alias Hobbiton einen detaillierten Besuch abgestattet; hier in der Gegend lässt sich aber noch mehr entdecken.

Port Waikato, knapp eine Stunde von Auckland entfernt, liegt am westlichen Rand der sattgrünen Waikato-Region, die auch die Landschaft um Hobbiton prägt. Hier sind die Hügel aber ein Stück höher und schroffer, was den perfekten Hintergrund für die Ruine des Wachturms von Amon Sul ergab, wo die vier Hobbits mit ihrem neu gewonnenen Führer Aragorn vor den Schwarzen Reitern flohen – und wo Frodo (dann allerdings im Studio) von einem Mordor-Schwertstich an der Schulter verwundet wird.

Der Hügel, der in „The Fellowship of the Ring“ Weathertop spielt, liegt bequem an der einzigen Straße, die von Port Waikato nach Süden führt. Nach ungefähr 10 Kilometern auf Gravel wird die Landschaft ganz eindeutig Eregion-ähnlich; haltet einfach eure Augen offen, und Weathertop taucht irgendwann links von euch auf. Natürlich bzw. leider ohne die Ruine…

Weathertop Hollow (c) Port Waikato

Einfach weiter auf dieser Straße fahren, und ihr gelangt über Huntly auf dem SH 1 und 1b nach Cambridge und früher oder später nach Matamata. Von da ist es nicht weit bis nach Mordor – wofür die Hobbits im Buch Monate brauchen, müssen motorisierte Fans nur knapp drei Stunden nach Süden fahren, zuerst auf dem SH 1 und dann auf dem SH 32. Es wäre allerdings eine Schande, wenn sie alles, was dazwischen liegt, am Wegrand liegen lassen!

Fahrt ihr an den Tongariro National Park heran, gilt es, eine Entscheidung zu treffen: Umfahrt ihr das Gebirge auf der östlichen Seite, also über den SH 1, durchquert ihr die Rangipo Desert, eine sehr karge und von schwarzen Lavabrocken übersäte Gegend. Die perfekte Inkarnation von Mordor, dachte sich Peter Jackson, und filmte hier die Szenen vor dem Schwarzen Tor Morannon, von denen die meisten in „Die Rückkehr des Königs“ zu sehen sind. Wer die genaue Stelle sehen will: Biegt rechts auf die Tukino Access Road zum Tukino Skifield ein, das sich an den Hang des Mount Ruapehu schmiegt, und fahrt so weit an das Skigebiet heran, wie es geht.

Rangipo Desert Mordor (c) kalavinka/FlickR

* Da unsere Fahrt durch die Rangipo-Wüste schon fast zehn Jahre her ist und damals noch Dias der letzte Schrei waren, habe ich keine präsentablen Bilder vorzuweisen und muss auf die FlickR-Community zurückgreifen – die diesbezüglich ebenfalls ziemlich mau ausgestattet ist…

Auf der anderen Seite, der westlichen, winken noch ein paar mehr und interessantere Drehorte; die Strecke über den SH 47 und den SH 4 würde ich daher jedem empfehlen, der nicht wirklich viel Zeit in die Location-Suche investieren will.

Im mehr oder weniger illustren Skidorf Whakapapa Village an der genau gegenüberliegenden Seite des Mount Ruapehu findet ihr hoffentlich einen freien Stellplatz auf der einzigen Campsite am Ort, dem vom DOC betriebenen Whakapapa Holiday Park; wenn nicht, ist vielleicht eine Übernachtung im Luxushotel „The Chateau“ im Budget? Hier übernachtete immerhin auch die LotR-Filmcrew während des Drehs der Mordor-Szenen, und schick ist es allemal.

Gleich am Morgen schwingt ihr euch dann ins Auto bzw. den Campervan und legt die letzten 6 Kilometer bis zur Talstation des Whakapapa Skifield zurück. Der „Waterfall Express“-Skilift hier fährt auch im Sommer (wenn es nicht gerade regnet) und gibt einen interessanten Einblick, wie eine Skipiste ohne Schnee aussieht – und wie rustikal Skilifte außerhalb der schicken Alpen-Skigebiete aussehen können. Günstig ist es nicht; Erwachsene zahlen 30 NZ$ für eine Fahrt und wenn sich das Wetter während eures Aufenthalts da oben zu schnell verschlechtert, fällt die Liftfahrt nach unten weg.

Waterfall Express Skilift WhakapapaAber auch für Nicht-Fans ist der Ausblick von der Bergstation gewaltig – in der Nähe liegen die gewaltigen Bergkuppen des Mount Doom – Verzeihung, des Mount Ruapehu – und des Mount Tongariro, in der Ferne erahnt man im Norden den Mount Taranaki und den weiten, blauen Lake Taupo. Toll!

Wieder unten an der Talstation, geht ihr ein Stück nach rechts, wo ihr eine riesige Mauer aus Felsblöcken aufragen seht (die habt ihr auch schon aus dem Skilift gesehen, garantiert). Diese Wand, die an ihrer Rückseite so steil abfällt, dass auch die Mutigsten Kniezittern bekommen, heißt „Mead’s Wall“. An der Wand könnt ihr die Szene nachstellen, in der Frodo und Sam am Anfang von „Die zwei Türme“ im Emyn Muil umherirren und Gollum, der ihnen nachschleicht, gefangennehmen.

Meads Wall Whakapapa Mordor

Gegenüber dieser Felswand, mit Blick nach Westen, ragt ein knubbeliger kleiner Gipfel auf, der Pinnacle Ridge heißt und genau wie der Besucherparkplatz als Hintergrund für die Schlacht von Gorgoroth diente. Hier wurden viele Szenen gedreht, die in Mordor spielen, allen voran die gigantische Schlacht von Elben und Menschen gegen Sauron, bei der Letzterer seinen schicken Ring samt Finger verlor.

Whakapapa Skifield LotR-Location

Euer nächster Stopp ist das kleine Bergdorf Ohakune, das aus zahlreichen hölzernen Chalets für die Wintertouristen besteht und von einer gigantischen Plastikmöhre überschattet wird. Lasst euch davon nicht irritieren und bezieht am besten gleich ein Stück bergauf Nachtlager: auf dem schönen und ruhigen DOC-Campingplatz an der Ohakune Mountain Road (etwas schicker und wiederum auf den Spuren des Drehteams schläft es sich im „Powderhorn Chateau“ am Ortsrand, ebenfalls günstig für frühes Aufbrechen).

Von hier aus geht es dann noch ein Stück die Mountain Road bergauf, diesmal am südwestlichen Hang des Mount Ruapehu. Bevor ihr das Turoa Skifield erreicht, fahrt ihr an einem kleinen Parkplatz am rechten Straßenrand vorbei. Hier unbedingt anhalten und durch das Flussbett des kleinen Bergbachs kraxeln, der wenige Meter weiter in einem gigantischen Wasserfall zu Tal rauscht.

Die Mangawhero Falls sind ein Drehort, den ich selbst und ohne Hinweis entdeckt habe (stolzes Schulterklopfen): Wer genau hinschaut, dem fällt die Ähnlichkeit des Flussbetts mit der Szene aus „Die zwei Türme“ auf, in der Smeagol in Ithilien einen Fisch fängt und so viel Spaß hat, dass man ihn (oder wenigstens diesen Teil von ihm) doch irgendwie mögen muss. (Man bedenke beim nächsten Anschauen des Films, dass diese Szene bei eisiger Kälte gedreht wurde – der Schnee wurde eigens weggefegt!) Die Berggipfel im Hintergrund fehlen in der Realität allerdings, hier ist eher der weite Blick über die Ebenen im Süden beeindruckend.

Mangawhero Falls Ohakune

Egal, ob ihr die heiligen Berge der Maori links oder rechts herum umfahren habt: Von hier aus geht es für alle Location- Fans weiter auf dem SH 1 nach Süden in Richtung Taihape. Ein Stück nach diesem Ort biegt ihr ab zum Bungy-Springen in Ohotu (angeblich der höchste Sprung der Nordinsel – da könnte man doch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen…?). Vom Parkplatz geht ihr noch über die enge Brücke und seht unter euch – den beeindruckenden Fluss Anduin respektive Moawhango River.

Der nächste Stopp auf eurem Weg nach Wellington ist Waitarere, eine gänzlich andere Landschaft an der Kapiti Coast, ca. 140 Kilometer südlich. Ein Stück südlich von Foxton (einer Kleinstadt, die mit Recht in keinem Reisführer auftaucht) findet ihr an der Zufahrt zum Waitarere Beach einen beklemmend stillen Wald aus aufgeforsteten Nadelbäumen – ohne Weiteres zu erkennen als das Setting der letzten Szene im zweiten Teil, in der Smeagol mit Gollum plant, die beiden Hobbits von Kankra fressen zu lassen. Auch Arwen wandelt in Elronds Vorstellung durch diese Wälder, als er ihr die Ehe mit einem Sterblichen ausreden will …

Waitarere Forest LotR-Location (c) popartist/FlickR

Euer letzter Stopp vor Wellington ist Otaki, das ihr nach nur 30 Minuten Fahrt erreicht habt. Wenn ihr euch das Fahren auf Gravel zutraut, biegt ihr südlich des Ortes zur Otaki Gorge ab. Die 19 Kilometer lange Strecke zeigt sehr vielfältige Landschaften und wo sie endet, sieht alles wie die Randbezirke des Auenlandes aus, wo Gandalf sich von Sam und Frodo trennt, um sie in Bree wiederzutreffen (was bekanntermaßen schiefgeht).

… und was ihr in Wellington und drumherum entdecken könnt, das wisst ihr ja bereits.

Wellington Panorama from Mount Victoria

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