Neuseeland für Familien Neuseeland-Reise 2011

Tongariro National Park mit Kindern: ohne Crossing nach Mordor

Falls irgendjemand bemängelt, die Nordinsel Neuseelands sei ja viel weniger spektakulär und wild als die Südinsel, dann frage ich: Und was ist mit dem Tongariro National Park? Die Vulkanlandschaft, die auf einem Plateau im Zentrum der Insel thront, ist derartig spektakulär, dass einem geradezu die Spucke wegbleibt. Und dazu muss man nicht einmal das Tongariro Alpine Crossing laufen – ätsch!

Tongariro National Park mit KindernDie beliebteste Tageswanderung Neuseelands ist 19 Kilometer lang und führt ordentlich bergauf und bergab, vorbei an aktiven Vulkanen, heißen Schwefelseen und durch endlose Geröllfelder. Das Ganze in einer Höhe von bis zu 1.800 Metern und mit entsprechend rasch wechselndem Wetter. Keine Chance, so eine Wanderung mit einer Fünfjährigen und einem Zweijährigen zu machen, auch wenn beide bereitwillig und fleißig mitlaufen.

(Wie – und dass! – das Tongariro Alpine Crossing mit Baby geht, erzählt Philipp hier.)

Macht aber gar nichts, fanden wir (und ganz ehrlich: So richtig Lust auf die Schinderei und den 6-Uhr-morgens-Start hatten wir selbst auch nicht…).

Wir haben auf unserer Neuseeland-Reise zwei Tage im Tongariro National Park mit Kindern verbracht – nicht eben viel, aber wir haben die Zeit genutzt. Was wir am Tag 1 an der Südseite des Nationalparks unternommen haben, steht in diesem Beitrag. Am zweiten Tag ging es hoch hinauf und wurde echt spektakulär!

Tongariro National Park mit Kindern

Gute Aussicht: vom Whakapapa Skifield nach Nordwesten

Mit Kindern im Tongariro National Park: Whakapapa Skifield

Den fast 2.300 Meter hohen und konstant wolkenverhangenen Mount Ruapehu hatten wir schon von unserem Zeltplatz in Ohakune bewundert, wo er sich uns tatsächlich für ein paar kurze Minuten ohne Wolkenkappe zeigte. Damit war es am nächsten Tag aus, als wir an der Flanke des Berges nach Norden fuhren. Das Ziel hieß Whakapapa, wo, wie wir feststellen mussten, der einzige Campingplatz weit und breit liegt.

Nachdem wir uns kurz erschrocken hatten, weil dieser vom DOC verwaltete und überraschend abgeranzte Platz fast komplett ausgebucht war und für uns nur ein winziges Winkelchen direkt über einer tiefen Schlucht blieb, machten wir einen abendlichen Spaziergang durch das Dorf Whakapapa (von dem uns nur das hell erleuchtete Vorzeigehotel „The Chateau“ beeindruckte) und brieten eine Menge Fleisch auf dem BBQ vor der Campingplatzküche.

In schwärmerischen Gedanken an unseren letzten Aufenthalt hier – damals gab es frisch und selbst geangelte Forelle – nahmen wir uns vor, erneut ins nahegelegene Skigebiet vorzustoßen. Schnee lag laut Wetterbericht zwar keiner, aber immerhin sollte es einige Schönwetterphasen geben.

Am späten Vormittag (die Tage auf unserer Reise, an denen wir es schafften, vor 11 Uhr loszufahren, kann ich an einer Hand abzählen) starteten wir: Von Whakapapa ging es stetig bergan auf der Bruce Road zum Whakapapa Skifield und dem Gipfel des Mount Ruapehu.

Tongariro National Park mit Kindern Whakapapa

Es ist ein Skigebiet!

Tongariro National Park mit Kindern

Gefahren lauern überall …

Von der Westseite aus sah der Vulkan ganz anders aus: viel schroffer und gewaltiger. Statt dichtem Regenwald gab es hier nur braunes, von Eisenerz ins rötliche gefärbtes Geröll und schwarz glänzende Felsen, so weit das Auge reichte; und wesentlich mehr Touristen! Sollten die nicht alle schon morgens um 6 Uhr zum Tongariro Alpine Crossing aufgebrochen sein? 😉

An der Talstation des Skilifts wurde erst einmal gejubelt: Der Lift war in Betrieb! Mit Liftkarten und einem neuen Schal für mich (denn auch der Shop war geöffnet) ging es in zwei Fahrten mit zwei getrennten Lifts nach oben, auf über 2.000 Meter – hinein in die Wolkensuppe, die den oberen Teil der Skihänge umhüllte.

Tongariro National Park mit Kindern Whakapapa

Umbauten auf der Skipiste

Info: Der Skilift kostet aktuell (Stand: 2017) 30 NZD für eine Berg- und Talfahrt pro Erwachsenem, Kinder ab fünf Jahren zahlen 18 NZD.

Erstes spektakuläres Erlebnis war der Skilift an sich: WTF?, war mein erster Gedanke. An luxuriöse achtsitzige Skilifte mit Sitzheizung und herunterklappbaren Schlechtwetter-Hauben aus den Alpen gewöhnt, fühlte ich mich hier oben wie in einem Museum: Die Zweiergondeln bieten nicht mehr als eine Sitzbank aus Holzbrettern und einen Schutzbügel. Mangels durchgehender Rückenlehne und vor allem mangels Fußstütze hatte ich wirklich Angst, dass der kleine Weltwundersohn mir da vorn oder hinten einfach vom Sitz rutschen würde – und hielt ihn leicht panisch fest. Mit Skiern an den Füßen und bei Schneefall muss das richtig unangenehm sein!

Tongariro National Park mit Kindern Whakapapa

Auf dem Skilift nach oben… (mit gruseligen Vulkanausbruch-Warnschildern)

Von der Bergstation aus, wo ein brandneues Holzgebäude mit leckerem Kaffee, Gebäck und einer Aussichtsterrasse lockte, machten wir uns erst einmal frohgemut an den weiteren Aufstieg; vielleicht würden wir doch Glück haben und eine Wolkenlücke erwischen, um die angepriesenen Traumblicke auf Ngauruhoe aka Mt Doom, Tongariro und Lake Taupo vom Skyline Walk zu genießen?

Leider war und blieb der Gipfel des Mount Ruapehu den ganzen Tag über verborgen, und die Sicht wurde mit jedem Schritt schlechter. Von Schritten ist hier eigentlich auch gar nicht zu reden; wir stiegen und kletterten über schwarze, vor Nässe triefende Steine und orientierten uns mehr schlecht als recht an den kleinen bunten Pfählen, die hin und wieder zwischen den Felsen steckten.

Neuseeland Tongariro Whakapapa Walk

Regen, Nebel, glatte Felsen, kaum Markierungen: hier sind wir lieber wieder umgekehrt

Tongariro National Park mit Kindern Whakapapa

Also schweren Herzens Abbruch der Aktion – der Skyline Walk soll zu den schönsten Kurzwanderungen im Tongariro National Park gehören. Wir entschädigten uns im „Knoll Ridge Café“, Neuseelands höchstgelegenem Café, das auch entsprechend hohe Preise für sein echt französisches Pain Chocolat aufruft – aber die Aussicht von der Terrasse war es wert. Der wenig beschäftigte französische (!) Kellner erklärte uns, dass die brandneue Anlage einem Brandanschlag zu verdanken ist; ein geistig Verwirrter hatte hier ein Jahr zuvor alles angezündet.

Whakapapa Skifield Waterfalls Ski Lift

Eine kurze Liftfahrt auf den Mount Ruapehu bietet (fast) genauso tolle Ausblicke wie das Tongariro Alpine Crossing

Mead’s Wall: auf nach Mordor

Auf der Talfahrt fiel uns ein gar seltsamer Felsen ins Auge: eine regelrechte Mauer, die sich am Rand des Happy Valley (im Winter offenbar das Anfänger-Gebiet) erhebt, als hätte man sie dort mit Absicht hingebaut.

Tongariro National Park mit Kindern Skilift Whakapapa

Mit dem Waterfall Express Skilift wieder nach unten

Mead’s Wall ist, wie wir vom Liftwart erfuhren, nach einem echten Bergpionier benannt:  William Mead hat das Tongariro-Gebiet als erster Mensch auf Skiern erkundet (die er sich aus der Schweiz mitgebracht hatte) und den Neuseelands ersten Skiverein ins Leben gerufen. Er legte Wanderwege im Nationalpark an, zeichnete Landkarten und schrieb Reiseführer. Auch den Standort des „Chateau Tongariro Hotel“, das wir am Vorabend bewundert hatten, hat er anno dunnemals vorgeschlagen.

Meads Wall Whakapapa Mordor

Spektakulär: Mead’s Wall

Ob man an die „Mauer“ herankommen könnte? Na klar, wir sind ja hier in Neuseeland. Nichts ist abgesperrt oder gesichert, einzig ein freundliches Hinweisschild warnte uns vor dem Absturz. Und der schien mir mehr als wahrscheinlich, als ich mich Steinstufe für Steinstufe auf die Mead’s Wall hinaufgearbeitet hatte – zum Glück ohne die Kinder. Der Blick von hier oben hinüber zum Gipfel des Mount Ngauruhoe war auf jeden Fall gigantisch.

Apropos Mount Doom (aka Ngauruhoe): Der Lord of the Rings Location Guide*, unser stetiger Begleiter auf dieser Reise, informierte uns, dass genau hier an dieser Stelle mehrere Wochen lang Szenen aus Mordor und Emyn Muir gedreht wurden – mit großem Aufwand, damit die empfindlichen Felsen und die zarten Flechten darauf nicht in Mitleidenschaft gezogen würden.

-> Noch mehr Film-Locations im Tongariro National Park haben wir hier vorgestellt.

Der Weltwundermann kletterte trotz Höhenangst gleich noch auf den gegenüberliegenden Felsen und wollte da gar nicht runterkommen – „am liebsten würde ich hier oben übernachten“, schwärmte er sehnsüchtig.

Tongariro National Park mit Kindern Whakapapa Skifield

Am Fuß der Mead’s Wall

Das taten wir nicht! Aber es wäre schon schön gewesen…

Was habt ihr im Tongariro National Park mit Kindern unternommen? Erzählt doch mal, wir kommen bestimmt wieder!

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