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Camping an der Milford Road: Natur pur am Cascade Creek

Ein weiterer unserer Favoriten unter Neuseelands ach so tollen Campingplätzen und wieder einer, der in die Kategorie „viel Natur, wenig Ausstattung“ gehört, liegt direkt an der Milford Road.

Milford Road Milford Sound KarteVon Te Anau führt ja bekanntlich die ca. 120 km lange Milford Road zum Milford Sound, immer schön durch den Fiordland National Park mit seinen gigantischen, regentriefenden, wolkenverhangenen und üppigst mit Bergregenwald begrünten Bergen, stillen kleinen Seen, donnernden Wasserfällen und lieblichen, pfannkuchenflachen Lupinenwiesen.

In all dieser Schönheit hat das weise Department of Conservation acht Campingplätze eingerichtet, die sich wie Perlen direkt an der Milford Road aneinanderreihen. Die vorletzte Perle ist der Campingplatz am Cascade Creek, südlich vom Lake Gunn und 76 km von Te Anau bzw. nur noch 42 km vom Endpunkt der Fahrt, dem Milford Sound, entfernt.

Die meisten Besucher des Milford Sound scheinen tatsächlich morgens die 120 km hinzurasen und am späten Nachmittag wieder zurück nach Te Anau zu hecheln (oder natürlich, wie unsere Schweizer Freundin Anita, gleich mit dem Flugzeug von Queenstown herüberzujetten). Wir hatten erst gegen Mittag die Fahrt angetreten und waren sowohl auf der Strecke und an den vielen „scenic viewpoints“ als auch am Milford Sound an sich nahezu unter uns.

Auch an einer Touristenattraktion wie dem Milford Sound, der jährlich 400.000 Besucher hat (glaube ich gelesen zu haben) und in der Hochsaison Mitte Januar ist es also mit geschicktem Zeitmanagement durchaus möglich, den Massen in den Bussen ein Schnippchen zu schlagen!

Als DOC-Campsite der Scenic-Kategorie bietet der Platz am Cascade Creek für recht wenig Geld (13 NZ$ pro Erwachsener) recht wenige Annehmlichkeiten. Die Facilities bestehen aus einer Picknickbank, zwei Plastik-Toilettenhäuschen, wie wir sie von den rudimentärsten Autobahn-Parkplätzen kennen (allerdings ohne den grauenhaften Gestank – „long haul“ ist wirklich eine clevere Erfindung!), einer Feuerstelle mit verrostetem Windschutz sowie einem Flüsschen, dem Eglington River.

Im Sommer ist neuerdings nachmittags ein Caretaker anwesend, bei dem ihr die Platzgebühr auch mit Kreditkarte bezahlen könnt – wow!

Zu finden ist der Platz ganz einfach: Eine Gravel Road zweigt von der Milford Road ab und führt ca. 500 Meter auf eine riesige Wiese, wonach sie in einem plattgefahrenen, im Sommer recht staubigen Wendeplatz endet (auf dem Bild nicht zu sehen, aber sie führt am Waldrand entlang). Sobald man auf der Milford Road linkerhand ein langes Seeufer hinter Bäumen erblickt, hat man die Einfahrt zum Cascade Creek verpasst.

DOC Campingplatz Cascade Creek Milford Road

Anfang Januar, keine Sandflies, kaum Touristen: so sah es 2011 hier aus…

Dass die von Lupinen übersäte Wiese zwischen hohen Bergen am Ufer eines steinigen Flüsschens überhaupt ein Campingplatz ist, wird eigentlich nur durch das obligatorische DOC-Schild mit Anmeldebox definiert. Übersieht man das, wähnt man sich in absolut freier Natur. Nachts sowieso – wir haben noch nie einen so großartigen Sternenhimmel gesehen …

Mehr oder weniger leer ist der Platz je nach Saison und Tageszeit – mit uns standen dort über Nacht ungefähr drei andere Campervans und Autos, verteilt über das riesige Gelände fühlten wir uns trotzdem komplett allein. Und das gilt nur für den Abend – wer Zeit mitbringt und wie wir auch noch tagsüber einige Stunden in der Berg-Einöde die Beine hochlegt (oder Grassuppe kocht oder „arme Geschwister allein im Wald“ spielt), der kann mit vollständiger Ruhe rechnen.

DOC Camping Cascade CreekJe nach Gusto kann man sein Lager direkt auf der Wiese, in einem kleinen, moosigen Buchenwäldchen oder am Flussufer des Eglington River aufschlagen (oder natürlich auch direkt an der Gravel Road – aber aufpassen, jeder Neuankömmling bringt eine fette Staubwolke mit!).

In der Nähe wartet der mystisch stille Lake Gunn; hier gibt es auch einen weiteren DOC-Campingplatz, der aber wirklich klein und mit Wohnmobil nicht so bequem zu befahren ist. Zum Lake Gunn führt vom Cascade Creek auch ein netter, ca. einstündiger und kinderwagentauglicher Loop Walk, der „Lake Gunn Nature Walk“. Ich gebe allerdings zu, dass wir am Cascade Creek nichts dergleichen unternommen haben – die flirrende Stille und die weite Landschaft (sowie der tolle Kletterbaum…) hielten uns in bewegungsloser Andacht gefangen.

Milford Road Cascade CreekWer noch mehr wissen will: Das DOC bietet ein Faltblatt mit 16 Wanderwegen im  Fiordland National Park zwischen 10 Minuten und 6 Stunden zum Download an – natürlich kostenlos.

Ach ja: Die stetigen eindringlichen Warnungen vor Sandflies (wir hatten uns an der Tankstelle in Te Anau noch ein sauteures Repellent-Spray aufschwatzen lassen) waren überflüssig – wir haben im ganzen Fiordland National Park höchstens fünf von den Viechern bemerkt. Glück gehabt oder einfach beim Lagerfeuer-Machen genug Rauch erzeugt?

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7 Kommentare

  • Das müssen noch Zeiten gewesen sein – nur 3 andere Camper am Cascade Creek! Als wir dort zugegebenermassen in der Hautpsaison im Dezember 2015 ankamen, standen dort schon ca. 40 Camper – ein Albtraum. Keine romantische Wiese mehr sondern ein durch staubige Schotterstrasssen unterteiltes Areal, auf dem auch problemlos noch weitere 40 Camper Platz finden. Nein, wir wollten keinen Platz mehr – wir sind zum Deer Creek (ebenfalls DOC Platz) zurückgefahren und haben uns den Platz dort mit 5 anderen Campern geteilt, dort war es traumhaft schön und einsam und direkt am Fluß, in dem wir gebadet haben. Der DOC Lake Gunn Platz ist nur noch eine Day Rest Area (aber traumhaft schön), campen ist dort strengstens verboten bei 200$ Strafe pro Person. Am Milford Sound ist es ebenfalls streng verboten im Camper zu übernachten, obwohl es wohl viele trotzdem tun. Wir haben noch eine Nacht auf dem Campingplatz der Milford Sound Lodge verbracht, einzige legale Campingmöglichkeit am Milford Sound.

    • Danke für das Update, Almut! So etwas ist total wichtig für uns, wir können ja leider nicht jedes Jahr nachschauen gehen 🙁

  • Wir haben im Frühjahr 2011 mehrere Nächte am Cascade Creek verbracht – ganz ungeplant, sind einfach immer wieder da gelandet. War sehr schön, haben uns richtig wohlgefühlt. Standen weiter unten am Wasser. Allerdings gab es eine Menge sandflies – und nicht nur da. Die Bisse/Stiche dieser kleinen Ungeheuer plagten uns noch Wochen nach dem Besuch in den Fjordlands…

    • Da haben wir uns ja knapp verpasst, Hartmut! Im (neuseeländischen) Sommer 2011 waren die Sandflies wohl zum Glück schon vollgefressen oder weitergezogen 🙂

  • Mit einem self-contained Wohnmobil kann mensch auch für 20$ pro Auto direkt auf dem Parkplatz am Milford Sound mit fantastischer Aussicht stehen bleiben. Ab 17h ist da kein Mensch mehr, total ruhig, den ganzen Abend die Aussicht genießen und zur Not mit den Einheimischen in der Bar ein Pläuschchen halten. Abends kommt eine ältere Frau, klopft an die Tür und kassiert.
    Ist sogar billiger als Hin-und Zurück 100km bis zum nächsten Campsite zu fahren, der auch kostet.

  • Spartipp ;): nicht von Queenstown, sondern von Wanaka aus fliegen (wie wirs gemacht haben). Flug ist ca gleich teuer, aber länger, über mehr Alpen und wirklich toll – wenns denn mal klappt, was ja nur an ca 30% der Tage möglich ist, gemäss Auskunft des Piloten.
    Aber wer nur fliegt, verpasst schon auch was, uns hat die Strasse zum Milford Sound vor 10 Jahren auch super gefallen mit all den Wanderungen. Und dann im Sound Sea Kayak, unbedingt! Und zwar morgens bevor alle da sind oder abends wenn sie weg sind, herrlich! Aber eben, mit den Kiddies wollten wir nicht mehr so viel fahren und so hat sich Arnes Traum noch erfüllt…
    Bin dann schon gespannt auf eure Asienberichte, wer weiss, vielleicht hilfts meinem Mann dann auf die Sprünge und mein ewiges Bohren zeigt Wirkung…

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