Meinung

Touristen sollen Eintritt zahlen für neuseeländische National Parks – wie bitte?!

Was ist das Schönste an Neuseeland? Richtig, seine unberührte, wilde Natur. Damit die so schön wild und unberührt bleibt, investiert der neuseeländische Staat nicht unerhebliche Summen in die Pflege und den Erhalt seiner 14 Nationalparks. Da auch in „Godzone“ alles teurer wird, werden nun Vorschläge laut, für diese Nationalparks Eintrittsgelder zu erheben – und zwar nur von Touristen!

Das Pro-Argument: Es kommen immer mehr Touristen nach Neuseeland und nahezu alle nutzen die Nationalparks. Die zunehmende Zahl von „lower-value visitors“ (was für ein Ausdruck!) verstopft die Parks, erzeugt Müll und Umweltschäden und überlastet in spärlich besiedelten Gegenden die lokale Infrastruktur. Mit einer Gebühr würden die Touristen zur Kasse gebeten, anstatt die Belastung per Steuerzahlung den neuseeländischen Bürger aufzuerlegen.

Das Kontra-Argument: Touristen bezahlen sowieso schon Gebühren für die Nutzung der Nationalparks; sei es direkt in Form der Fee für die Great Walks und die Übernachtung in den Huts, sei es indirekt, wenn sie eine Tour in einem Nationalpark über ein kommerzielles Unternehmen buchen. Die von diesen Unternehmen gezahlten „concessions“ und „activity fees“ für jeden Aufenthalt in einem Nationalpark betragen allein für den Fiordland National Park 51 Mio. NZ$!

Der Kompromissvorschlag, von jedem Besucher bei Einreise eine Tourismussteuer zu erheben, scheint mir wenig gerecht – was, wenn ich als Besucher nur Golf spielen oder meine Eltern besuchen will? Was gehen mich dann die Nationalparks an? Als Tourist konsumiere ich sowieso überdurchschnittlich viel; jedes Jahr geben Besucher allein 663 Mio. NZ$ an Mehrwertsteuer in Neuseeland aus!

Nach reiflicher Überlegung bin ich zu einer Meinung gelangt und nach weiterer reiflicher Überlegung stelle ich sie hier zur Diskussion: Das Schöne an Neuseeland ist seine frei zugängliche Natur. Sollen jetzt alle Nationalparks umzäunt werden, damit sie keiner heimlich kostenlos nutzt? Dass der Vorschlag, zusätzliche Eintrittsgelder zu erheben, ausgerechnet vom Tourismusminister (der in Amtsunion auch der Premierminister, nämlich John Key ist) kommt, erscheint mir regelrecht absurd – „hitting the goose that lays the golden eggs“, wie ein Kommentator der Debatte es formulierte.

Was meint ihr? Eine hitzige Debatte würde mich freuen; alle Schreibfaulen klicken einfach in unsere Umfrage.

5 Kommentare

  • Wenn ich mir überlege, ich wäre ein Kiwi, würde ich wahrscheinlich anmerken, dass ich Steuern und andere Abgaben zahle, mit denen alle Kiwis die Nationalparks bereits grundsätzlich mitfinanzieren. Außerdem sind einige attraktibe = überlaufene Dinge bereits reglementiert (Anmeldungen für Great Walsk, etc.) und müssen auch bezahlt werden. Da wünschte ich mir manchmal eine Ausdehnung dessen, auch wenn das ggf. heißt, dass man Dinge weniger spontan machen kann. Tongariro Crossing möchte ich da nennen, der bereits 2005 aus meiner Sicht schon zu voll ist.
    Wir haben, wie zuvor schon kommentiert wurde, auch festgestellt und mit Kiwis diskutiert, dass bei touristischen Hotspots gar nicht so die Pflege des eigentlich touristischen mehr und mehr kostet, sondern die grundlegende Maßnahmen, die Natur zu schonen — Müllreinigung/Sauberhalten, Parkplatz, Zubringerstrassen unweltfreundlich warten. Je mehr Touristen dieses nutzen, desto mehr ist hier in der Hautpsaison an mehr als täglicher Pflege notwendig.
    Meine Outdoor-Favoriten sind Neuseeland und Kanada und wenn mir jemand garantieren könnte, dass trotz touristischer Nutzung die Natur auch die nächsten 50 Jahre wächst und gedeiht, wäre ich für eine Abgabe.
    Ich fand das in Kanada u. a. in Banff/Jasper gut gelöst. Da gibt es ein halbes Dutzend Zufahrtstrassen, an denen man kontrolliert wird und auch Gebühren für einen Nationalpark-Pass zahlen kann/muss. Alle anderen Strassen sind frei, aber man benötigt für jeglichen Aufenthalt einen solchen Pass und wer kontrolliert wird und keinen Pass vorweisen kann, wird bestraft. Dann muss man nicht alles einzäunen, was auch der Natürlichkeit der Natur widerspricht und die Nutzer müssen bezahlen. Für Kiwis könnte man den Pass billiger machen, wenn er an bestimmten Stellen gekauft wird.

  • Ich fände es gut, wenn alle – egal ob Neuseeländer oder Touristen eine Gebühr zahlen müßten. Das die Erhaltung der Infrastruktur in Parks nicht umsonst zu haben ist steht, denke ich außer Frage. Aber alle Nutzer sollte dafür zahle, bitteschön!

  • Ich schließe mich da an: Eine grundsätzliche Gebühr, die der Natur zugute kommt, wäre annehmbar. Kniffliger sieht es aber mit der „Tourist-only“-Gebühr aus, da muss ich auch zustimmen. Ich persönlich würde dafür schon in die Tasche greifen, aber ich würde auch hauptsächlich zum Parks-Besuchen anreisen. Dass bspw. Stadtbesucher nicht zahlen wollen, kann ich gut nachvollziehen. Ob eine freiwillige Zusatzabgabe was bringen würde? So wie im Museum oder der Kirche, wo Spendenboxen stehen?

    • Hm – ich glaube, das Problem sind gar nicht mal so sehr die Parks, sondern eher die komplett überrannten Gemeinden, die wegen ihrer wenigen Einwohner einfach nicht auf die Besuchermassen ausgerichtet sind und das Infrastrukturnetz dann selbst finanzieren und den Rest des Jahres erhalten müssen. Warum man da allerdings nicht einfach in den Orten AN den Parks eine Kurtaxe erhebt? Dann kann immer noch jeder die freie Natur ganz frei, nach Kiwi-Art, genießen…

  • Also, wenn alle zahlen würden, die die Nationalparks nutzen, also auch die Einheimischen, und wenn die Gebühr „bezahlbar“ bleibt, dann fände ich das akzeptabel, vorausgesetzt, das Geld wird wirklich zum Erhalt der Parks genutzt und ist nicht nur eine verdeckte neue staatliche Einnahme, die für andere Dinge verwendet wird.

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