Gut zu wissen

Unsere fünf Lieblinge: die „Small Five“ von Neuseeland

Auf „Safari“ in Neuseeland (also mit dem Fotoapparat) sind immer dieselben fünf Tiere im Visier: Wale, Seelöwen, Schafe … Ebenfalls sehr interessant und oft fotogen, wenn auch ein gutes Stück kleiner, sind die „Small Five“. Wir haben ein paar Vorschläge für euch und eure Fotoalben.

„Small Five“ Nr. 1: der Kea

Weltwunderer Milford Sound

Begegnung mit einem Kea auf dem Weg zum Milford Sound

Jeder Neuseelandreisende, der einen Fuß auf die Südinsel setzt, lernt diese liebevoll-neugierigen Papageien kennen. Zuerst wirken sie unscheinbar und tollpatschig, aber wer die bis zu 50 cm großen Vögel fliegen gesehen hat, der weiß, wie elegant und schön gefärbt sie sind – die Unterseite ihrer Flügel ist nämlich nicht tarnfarben olivgrün, sondern leuchtend orange.

Keas beäugen Menschen erfrischend unscheu und sehen dabei immer ein wenig aus, als würden sie denken: „Was wollen die denn hier? Ob man die essen kann?“ Die erfahrenen Keas sind in dieser Frage schon ein wenig weiter und knabbern sämtliche Ausrüstungsgegenstände an, die man nicht sehr fest angeschraubt hat oder festhält. Von Keas kursieren herrliche Anekdoten und Videos: Sie öffnen Rucksäcke, trinken Bier und fressen Dichtungsgummis von Autotüren. Obwohl sie überall herumzuhüpfen scheinen, sind Keas genauso bedroht wie die meisten Vögel Neuseelands, sie werden immer noch von Farmern abgeschossen, von Müll (den sie dämlicherweise fressen) vergiftet und von Possums gefressen (als Eier oder Küken). Seid also nett, wenn euch ein Kea den Rückspiegel abfrisst – er ist wahrscheinlich intelligenter als ihr!

„Small Five“ Nr. 2: der Kiwi

Weltwunderer Kiwi Rotorua

Die drei bekanntesten Kiwi-Arten (leider ausgestopft)

Klar, er ist Neuseelands Wappentier und Nationalikone, aber wirklich sehen kann man ihn schon lange nicht mehr – zumindest nicht in freier Natur. Der Kiwi nimmt im neuseeländischen Ökosystem die Nische des europäischen Igels ein und sieht sogar ein wenig so aus – seine Federn sind eher wie Haare, er verlässt sich vor allem auf seinen Geruchssinn und schnüffelt mit seinem langen Schnabel im Laub nach Gewürm. Im Gegensatz zum Igel tut er das auf zwei Beinen, weil er nun mal nur zwei hat.

Wer viel Glück hat und nachts lange wach bleibt, der kann den Kiwi in den Wäldern Neuseelands rufen hören. Wer noch mehr Glück hat, entdeckt einen bei einer geführten Nachtwanderung auf Stewart Island oder im Trounson Kauri Park – aber das dürfte einem Fünfer im Lotto gleichkommen. Damit die Weltwunderkinder mal sehen, worum die Kiwis (und jetzt meine ich die Neuseeländer) so einen Hype machen, mussten wir den Weg des Touristen nehmen und die nachaktiven Tiere im Zoo beobachten. Das kann man nicht nur im Otorohanga Kiwi House tun, sondern zum Beispiel auch im Rainbow Springs Kiwi Encounter in Rotorua.

Außerhalb von Neuseeland kann man nur den North Island Brown Kiwi (Streifenkiwi) sehen, zum Beispiel im Berliner Zoo; alle anderen Unterarten leben nur auf Neuseeland und auch dort nur noch in ausgewiesenen Schutzgebieten oder gleich auf einsamen Inseln.

„Small Five“ Nr. 3: die Sandfly

Das gefährlichste Tier Neuseelands: die Sandfly

Das gefährlichste Tier Neuseelands: die Sandfly

Sie steigt als Außenseiter aufs Treppchen, obwohl sie locker den Titel als unbeliebtestes Tier Neuseelands verdient hätte. Aber kein Reisender kehrt aus Neuseeland zurück, ohne eine fiese Anekdote von ihr mitzubringen!

Besonders bei uns Reisenden hat die Sandfly einen wahrhaft höllischen Ruf und wird von manchen gar als „Erzfeind des Wanderers“ bezeichnet. Die passende Maori-Legende: Der Gott Tu-te-raki-Whanoa hatte das Fiordland so schön gemacht, dass alle nur noch bewundernd schauten und niemand mehr arbeitete. Daraufhin erschuf die verärgerte Göttin Hine-nui-te-po die Sandfly, um die Faulpelze wieder zum Arbeiten zu bewegen.

Tatsächlich entkommt man den Sandflys nur, wenn man in Bewegung bleibt; Wind, Regen und Dunkelheit sind ebenfalls gute Hilfsmittel. Falsch an der Legende ist allerdings ihr Ortsbezug: Sandflies gibt es auf beiden Inseln, bevorzugt an Küsten und im Busch (also überall).

„Small Five“ Nr. 4: der Hector-Delfin

Hector-Delfine in Akaroa 2002

Hector-Delfine in Draufsicht vor Akaroa

Der zweitkleinste Delfin aus der Wal-Familie und, klar, endemisch in Neuseeland, ist der Darling der Touristen und begleitet zahlreiche Boote vor den Küsten der Südinsel. Dass es nicht ungefährlich ist, auf so eine Tour mitzukommen, zeigt unser schlimmes Erlebnis in Tauranga!

Es gibt nur noch ungefähr 2.000 von ihnen und nach Einschätzung des NABU wird der Hector-Delfin wegen der Untätigkeit der neuseeländischen Regierung in den nächsten 50 Jahren aussterben. Ist euch der Schutz eurer endemischen Arten nur wichtig, wenn er nicht mit den Interessen der Fischerei-Industrie kollidiert?

„Small Five“ Nr. 5: der Kakapo

Trauriger Kakapo

Trauriger Kakapo © The Featured Creature

Neuseelands knuddeligster, am stärksten vom Aussterben bedrohter Vogel, dem Douglas Adams in seinem Buch „Die letzten ihrer Art“ ein unaussterbliches Denkmal gesetzt hat. Emsige und in ihrem Verhältnis von Aufwand zu Ergebnis wirklich rührselige Bemühungen um den Artenerhalt – jetzt, da eingeschleppte Raubtiere den Bestand der Papageien fast auf Null reduziert haben! – scheinen mir eher ein Symbol für die Hartnäckigkeit der Kiwis (also der Menschen), ein einmal gesetztes Ziel auch erreichen zu wollen als ein echtes Bemühen um Rettung dieser Vogelart. Wer die traurigen Rufe des Kakapo in der Nacht hört oder in ihre so melancholisch-resignierten Äuglein blickt, der hört sie geradezu rufen: „Lasst uns endlich aussterben, diese Welt ist nicht mehr unsere!“

 

Bei der nächsten Neuseelandreise sollte nun klar sein, welche Spezies bevorzugtes Ziel der Schnappschuss-Jagd sein müssen!

 

2 Kommentare

  • Schade dass unser Favorit und Reisegrund unserer letzten Neuseelandreise hier keine Erwähnung findet, der Takahe! Wir haben ihn schließlich gesehen in „freier Natur“ auf Tiritiri Matangi und im Te Anau Wildlife Centre – ein absolutes Muss einer Neuseelandreise.
    Kiwis haben wir bei Lorrayne und Bevin Alexander in Hokitika gesehen. Sie peppeln verletzte Kiwis auf und waren in einer deutschen TV-Dokumentation zu sehen, sowie mit einem Artikel im National Geographic. Ein einmaliges Erlebnis für unsere Große (5), die den Kiwi sogar auf den Schoß nehmen durfte. Kiwihäuser lehnen wir ab, wer einmal einen Kiwi stundenlang in seinem Gehege auf und ab rennen sehen hat, weiß warum.

    • Ihr seid extra wegen des Takahes nach NZ gefahren? Das musst du mir genauer erzählen. Was ist so toll an dem? Kiwihäuser fand ich jetzt nicht so schlimm, ich dachte, die hätten eine ähnliche artenschützende Funktion wie Zoos?

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