Japan Reisetipps für Japan

Unsere Japan-Reiseroute: 2.200 Kilometer über drei Inseln

Die allermeisten Japan-Reisenden haken dieselben Punkte auf ihrer Reiseroute ab: Tokio, Kyoto und Nara, dann vielleicht noch Hiroshima oder Osaka. Nach einigen Reiseberichten kam mir das alles schon so bekannt vor, als wären wir selbst dagewesen. Mit unserem Campervan fuhren wir einfach der Nase nach, wohin wir wollten – und entdeckten eine Vielzahl toller Orte, die wir mit dem Shinkansen nie gefunden hätten.

Weltwunderer Japan Route

Links, rechts, links – selbst fahren in Japan ist gaaar kein Problem!

Mit dem Schnellzug Shinkansen lassen sich Städte wie Kyoto und Osaka in Kansai, Hiroshima im Westen Honshus oder auch Beppu auf der Insel Kyushu überraschend schnell erreichen. Darauf mussten wir großteils verzichten, denn als Selbstfahrer waren wir mit maximal (und immerhin!) 100 km/h unterwegs. Allerdings hatten wir den Luxus, dass wir ganz nach Belieben im kleinsten Örtchen anhalten konnten und auch Destinationen erreichten, die gar nicht an das Zugnetz angeschlossen sind.

Nach unserer Ankunft in Tokio wohnten wir zuerst für drei Tage in einem Airbnb-Apartment im Stadtteil Ebisu (wohin wir am Ende unserer Reise noch einmal für zwei Tage zurückkehrten). Danach bestiegen wir unser Miet-Wohnmobil von JapanCampers.com und fuhren los. Auch in Japan war der Sommer 2015 verdammt heiß! Tagestemperaturen von 35 °C waren im Tiefland normal, also nahmen wir jeden Tipp für kühlere Destinationen dankbar an.

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Es geht los: die ersten Meter am Steuer durch „unser“ Viertel Ebisu

Unser erster Stopp führte uns daher in den Westen Tokios, an den Lake Shoji. Das ist einer der „Fünf Seen“, von denen man mit etwas Glück den Mount Fuji sehen und gleichzeitig im herrlich kühlen Wasser baden kann. (Das Baden ist für die Japaner nicht so wichtig wie der Blick, daher waren wir hier die einzigen Badegäste.)

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Baden und Mount Fuji sehen zugleich – wie praktisch

Von da ging es nach Norden in die Japanischen Alpen – auch hier lockten uns die niedrigeren Temperaturen, aber von den „echten“ Alpen ist dieses nette, bewaldete Mittelgebirge doch weit entfernt. Wirklich alpin (also: Bergwiesen samt Kühen) sah es nur auf dem 2000 Meter hohen Bergplateau Utsukushigahara aus, und da regnete es tatsächlich auch mal für fünf Minuten!

(Was man dort eigentlich alles machen kann, wenn man nicht wie wir völlig planlos durch die Gegend stapft, könnt ihr beim Wanderweib nachlesen.)

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Und jetzt alle: Utsukushigahara Koen

Die süßen kleinen Städtchen Matsumoto und Takayama durchbummelten wir lieber abends, wenn es nicht mehr ganz so heiß war und alle Tagesbesucher schon abgereist waren.

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Matsumoto im Abendlicht

Auf unserer Weiterfahrt in das UNESCO-Welterbedorf Ainokura, wo die letzten traditionell mit Reet gedeckten Häuser bewohnt werden, stoppten wir an einem abgelegenen Stausee, wo wir neben einem verschlossenen Campingplatz völlig allein die Nacht verbrachten – um am nächsten Morgen einem Mann zu begegnen, der darauf bestand, uns den Platz aufzuschließen – kostenlos natürlich (dass wir sowieso weiterfahren wollten, konnten wir ihm irgendwie nicht verständlich machen). Leider bestand er auch darauf, dass das Baden im Stausee für uns zu gefährlich sei, wegen der Ruderer, die in etwa 300 m Entfernung ihre Schläge übten.

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Welterbe-Dorf Ainokura: für uns ziemlich touristisch, für Japan schon ordentlich abgelegen

Schließlich erreichten wir die Nordküste der Insel Honshu und kamen genau rechtzeitig zum Sonnenuntergang am Sunset Beach in der Hafenstadt Mikune an. Was für ein toller Stellplatz direkt am Strand, und was für leckere Krabben es in dieser kleinen Hafenstadt gab!

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Mikune Sunset Beach machte seinem Namen alle Ehre

Auf der Suche nach weiteren Stränden mäanderten wir zunächst relativ erfolglos an der dicht bebauten Nordküste entlang, bis wir in Amanohashidate fündig wurden: Laut sämtlichen Quellen einer der drei (oder fünf?) schönsten Orte Japans.

Man muss wissen, dass die Japaner solche Top-Ten-Listen lieben. Entsprechend gut besucht war dieser sehr sanfte, von Pinien bestandene Strand auf einer extrem schmalen Halbinsel – nicht so ganz nach unserem Geschmack. Nachdem wir hier genug „japanisches Strandleben“ geschnuppert hatten, wendeten wir uns schweren Herzens von der Küste ab und fuhren wieder nach Süden.

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Amanohashidate – schon sehr hübsch, aber gleich der schönste Ort Japans?

Unser Tagesziel Kyoto erreichten wir wieder am frühen Abend, so dass wir den mystischen Fushimi-Inari-Schrein mit den tausenden roten Torii und den kleinen Fuchsgottheiten in der Abenddämmerung tatsächlich in relativer Ruhe genießen konnten.

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Der erste von mehreren tausend Torii

Vor der Hitze des nächsten Tages versteckten wir uns im Nishiki Market, einem überdachten Einkaufsmarkt für Spezialitäten aller Art – und japanische Spezialitäten sind teilweise schon sehr speziell! Auf Tempel, Schreine und Zen-Gärten hätten wir bei den Temperaturen sowieso keine Lust gehabt, also stiegen wir nach einem – enttäuschenden – Stopp am berühmten Bambuswald von Arashiyama gern wieder ins klimatisierte Wohnmobil. (Und waren sehr froh, dass wir den weiten Weg vom Bahnhof nicht wie die anderen Besucher zu Fuß zurücklegen mussten!)

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Im Nishiki Market wird jeder Gaumen fündig

Unser großes Ziel war die kleine Insel Shikoku. Dieser vorgelagert ist die noch kleinere Insel Awaji, über die wir im Reiseführer gar nichts fanden – zu schade! Wunderschöne, ruhige Landschaften und herrliche palmenbestandene Sandstrände hielten uns einen Extra-Tag hier, und wir wären gern noch länger geblieben.

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Beschauliches Awaji Island – hierher verirrt sich kein Reisender

Über eine riesige Brücke mit Blick auf den gewaltigen Strudel von Naruto fuhren wir dann auf die kleinste der vier japanischen Hauptinseln. In das von dichtem Wald überwucherte, bergige Landesinnere haben die Flüsse Shinagawa und Yoshino zwei tiefe Täler eingeschnitten, die wir auf extrem kurvigen und sehr engen Bergstraßen erforschten – eine Freude für den Weltwundermann, reine Nervensache für die Beifahrerin. (Hinten wurde diesmal zum Glück niemandem schlecht.)

Sehr enttäuschend war das Ziel unserer Bergtour: Die aus Lianen gefertigten Hängebrücken im Iya Valley entpuppten sich, als wir sie im hereinbrechenden Abend endlich fanden, als von Beton und Souvenirbuden eingerahmte japanische Touristenattraktionen am Rand riesiger Busparkplätze. Da wendet sich der Gast mit Grausen… und springt lieber in den tief im Tal verlockend blauweiß schäumenden Fluss, der uns ständig zugerufen hatte „Kommt, badet doch!“

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Der hier nicht mehr ganz so reißende Yoshino River

Nach dieser herrlichen Erfrischung zog es uns wieder an den Pazifik – und dort, an der Südküste Shikokus, fanden wir genau das Japan, in das wir uns verliebten. Die südlichste Spitze, das Kap Muroto, bietet mangels Zug- und Busverbindungen so viel Abgeschiedenheit und Ruhe, wie es in Japan wohl überhaupt möglich ist.

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Rau und menschenleer: die Südküste Shikokus

Wir genossen jeden Blick auf die wilde Küste und tasteten uns langsam entlang an immer herrlicheren Surfstränden wieder nach Norden. In der winzigen Ortschaft Ikumi, wo sich scheinbar alle Surfer Japans trafen, konnte der Weltwundermann endlich wieder mal aufs Brett steigen – und die Kinder machten diesmal mit.

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Hitting the waves in Ikumi

Auf die Stadt Tokushima hatten wir uns besonders gefreut, denn in der Obon-Woche Mitte August findet hier das Awa Odori Festival statt. Ein Abend voller Musik und Straßentanz und eine Übernachtung am riesigen Stadtstrand stellten unseren Abschied von Shikoku dar – nun ging es mit der Fähre zurück auf die Insel Honshu.

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Eine tolle Erfahrung: das größte Tanzfestival Japans in Tokushima

Von Wakayama aus schlugen wir uns über erneut herausfordernde Bergstraßen ins bergige Innere der Halbinsel Kii auf den buddhistischen Klosterberg Koya-san – mein Japan-Wunschziel Nummer eins und außerdem wieder einmal herrlich kühl.

Weltwunderer Japan Route

Mystik pur in Koya-san

Von dort ging es weiter nach Nara in der Nähe von Kyoto, das für seinen riesigen Buddha und die zahmen Hirsche drumherum berühmt ist.

Weltwunderer Japan Route

So klein fühlt man sich vor dem größten Holzgebäude der Welt

Noch ein Zwischenstopp in Iga, Heimat des sehr empfehlenswerten Ninja-Museums, und dann fuhren wir an der Südküste Honshus entlang zurück in Richtung Tokio. Diese Gegend steht in keinem Reiseführer – dabei gibt es hier tolle Strände! Bei unserem vorletzten Stopp am wahnsinnig breiten schwarzen Sandstrand von Hamamatsu wurden wir erneut von einer Surfer-Subkultur überrascht, leider aber auch von einer Regenfront.

Diese erstreckte sich bis zum Lake Shoji, wo wir unsere letzte Nacht im Campervan verbrachten und ein kleines privates Abschiedsfeuerwerk im Regen machten – in der Obon-Woche gab es in jedem Supermarkt Feuerwerke zu kaufen.

Weltwunderer Japan Route

Majestätisch, oder nicht?

Der nächste Morgen schenkte uns strahlenden Sonnenschein, einen grandiosen zweiten Blick auf den Mount Fuji und ein letztes Bad im See, bevor wir unseren Campervan zurück in den Straßenverkehr von Tokio steuern mussten – arrigato gozaimasu!

(Ihr versteht nur Bahnhof? Hier erzählen wir, warum das nicht schlimm ist.)

Weltwunderer Japan Route

Alles ganz einfach hier! (Schwitz)

Unsere teilweise spontanen Entscheidungen haben eine gar nicht so schlechte Route ergeben, die auf etwa 2200 Kilometern viele verschiedene typische Landschaften und sehenwerte Städte kombiniert. Besonders die Vielfalt der japanischen Strände hat uns gefallen – das Inland ist dagegen überraschend einförmig: Überall, wo es flach genug ist, wird Reis auf kleinen Terrassen angebaut, und das Bergland ist ausnahmslos dicht bewaldet. Über die Baumgrenze erhebt sich auf Honshu oder Shikoku kaum ein Berg, abgesehen vom „King“ Fujisan.

Schön fanden wir auch die kleineren Städte und Dörfer mit ihren im traditionellen Pagodenstil gebauten, schwarz gedeckten Häusern. Sie liegen fast immer an einem oder mehreren Flüsschen, was zu einem ebenfalls überraschend einheitlichen Stadtbild mit vielen kleinen Brücken führt. Hier lässt sich immer etwas entdecken, und vor allem gut essen!

Weltwunderer Route Japan

Unsere Route durch Japan

Natürlich konnten wir nicht alles anschauen, was wir gern wollten; einerseits wegen der Kinder, andererseits aber auch wegen der Sommerhitze, die jede Aktivität draußen zwischen 11 und 17 Uhr zur Qual machte. Gern hätten wir uns noch Nikko im Norden Tokios angeschaut, auch für die Inland Sea zwischen Honshu und Shikoku mit ihren vielen kleinen Inseln und den Süden der Kii-Halbinsel war leider keine Zeit mehr. Beim nächsten Mal wollen wir auch gern Hiroshima sehen – und vielleicht sogar Hokkaido.

Japan ist auf jeden Fall nicht mit einer einzigen Reise „erledigt“!

Eine etwas andere Campervan-Reiseroute haben Andreas und seine Familie absolviert, und wie man mit dem Zug durch Japan reisen kann, zeigt Christin in ihrem Blog.

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9 Kommentare

  • Hallo liebe Weltwunderer!
    Sehr schöne und inspirierende Berichte hier auf der Seite. Lese ich richtig, dass Ihr die 2200 Km in nur 3 Wochen abgerissen habt?

    Lieben Gruß Paul

    • Hallo Paul, es waren sogar nur knapp 2 Wochen, denn wir waren ja noch insgesamt vier Tage in Tokio 😉

  • Alles anschauen klappt eh nie. Ist halt so 🙂 Klingt aber alles echt gut.
    Ich habe grob rausgelesen, dass man dort wild campen kann, richtig?
    Wie sind den Verkehr und Straßen? Japan stelle ich mir immer mit Stauf vor, keine Ahnung warum 🙂

    Liebe Grüße,
    Marc

  • Die Idee setzt sich gerade fest!
    Ich bin ja ein sehr spontaner Mensch, wenn es um Reise-Entscheidungen geht.
    Habe gerade mal Flüge und Mietpreise für einen Camper gecheckt und einen Reiseführer für Japan bestellt.
    Mal sehen, was die Recherchen ergeben 🙂

  • Hallo Jenny,
    das hört sich nach einer tollen Reise an.
    Ganz ehrlich, Japan hatte ich bisher so gar nicht im Kopf. Aber dein Bericht hat mich neugierig gemacht.
    Auch die Idee im Camper zu reisen, gefällt mir sehr. Wir waren in diesem Jahr 4 Wochen im südlichen Afrika unterwegs. Ich habe mich gegen die Campervariante entschieden, was ich im Nachhinein bedaure.
    Wie sieht es mit Sicherheit aus? Du schreibst, dass ihr sehr oft auf Parkplätzen übernachtet habt. Muss man sich da Sorgen machen? Ich reise allein mit meiner Tochter und möchte kein Risiko eingehen.
    Liebe Grüße
    Frauke

    • Liebe Frauke, in puncto Sicherheit kann ich dich voll und ganz beruhigen. So sicher wie in Japan haben wir uns beim Campen noch nirgends gefühlt, Deutschland eingeschlossen. Gerade die Parkplätze fühlten sich für uns angenehm an; man ist immer neben einem mit Personal besetzten, beleuchteten und rund um die Uhr geöffneten Supermarkt, wo man auch noch eine saubere Toilette hat. Herumlungernde, zwielichtige oder auch nur partylaunige Menschen haben wir in drei Wochen nicht ein einziges Mal gesehen. Wenn ihr euch nach Afrika gewagt habt, dann ist Japan ein Klacks für euch 😉

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