Hobbit & Co.

Unsere Lord of the Rings Location Tour, Teil 4: Die Schätze der Südinsel

Bevor die Neuseeland-Reisesaison sich ihrem Ende zuneigt, wollen wir unsere Suche nach „Hobbit“– und „Herr der Ringe“-Drehorten vervollständigen – bzw. zu ihrem Höhepunkt kommen. Denn: Die Südinsel Neuseelands strotzt geradezu vor Locations, vor allem natürlich Landschaftsaufnahmen.

Als „Herr der Ringe“-Fan erblickt man auf der Südinsel vertraute Ansichten, wo man nur hinschaut. Die Filmteams von Peter Jackson haben sich auf der gesamten Insel herumgetrieben. Beim „Hobbit“ waren sie stärker im Norden unterwegs, weil der per Helikopter nur einen Katzensprung von Wellington entfernt ist. Die wahren Schätze aus allen drei „Herr der Ringe“-Teilen und dem „Hobbit“ (von dem wir bisher ja nur den ersten Teil kennen) entdeckt man aber erst südlich von Christchurch, im abgeschiedenen Central Otago, rund um Queenstown und im wilden Fiordland.

Norden: Nelson Region

Die meisten Drehorte in der Region um Nelson haben ein großes Problem: Locations wie Dimrill Dale am Mount Owen, wo die Gefährten im Teil 1 des „Herr der Ringe“ ohne Gandalf aus den Minen von Moria stolpern, oder die Felskuppe, wo sie sich (noch mit Gandalf) vor den Krähen-Spionen von Saruman im Heidekraut verstecken, liegen relativ unzugänglich im Kahurangi National Park. Wer es versuchen will, sollte den (unmarkierten!) Track zum Mount Owen laufen oder sich zum Boulder Lake am Mount Olympus durchschlagen.

Mount Owen in Kahurangi National Park (c) Dru!/Flickr

Blick vom Mount Owen im Kahurangi National Park (c) Dru!/Flickr

Einfacher ist es, die Location zu finden, die als Hintergrund für den Chetwood Forest dient – nach Takaka am Rand des Abel Tasman National Parks kommt man auf vier Rädern recht gut, einfach von Motueka in Richtung Kaiteriteri und dann auf den Takaka Hill hinauf. Hier findet man sehr charakteristische Marmorfelsen – angeblich die einzigen außerhalb von Italien. Wer sich fragt, was und wo der Chetwood Forest sein mag: Hierhin und -durch führt Aragorn in „Die Gefährten“ die vier Hobbits, nachdem sie in Bree vergeblich auf Gandalf gewartet haben und knapp den Ringgeistern entkommen sind.

Takaka Hill aka Chetwood Forest (c) thorsten.rinne/Flickr

Takaka Hill aka Chetwood Forest (c) thorsten.rinne/Flickr

Nicht unbedingt die spektakulärste Szene, fanden wir, und auch für den Helikopterflug waren wir zu geizig – aber man kann ihn buchen! Zum Beispiel hier. Wer Budget übrig hat, kann in Golden Bay auch einen Ausritt mit Set-erprobten Pferden wie dem von Legolas oder Gandalf im „Hobbit“ zum Farewell Spit buchen (Shadowfax aus dem „Herrn der Ringe“ steht, wie wir wissen, auf einem Reiterhof bei Rotorua für Fototermine zur Verfügung). Angeblich führt die Zwei-Tages-Tour mit Cape Farewell Horse Treks von Puponga aus über privates Gelände ebenfalls an „Hobbit“-Locations vorbei.

Fährt man von Nelson gen Süden (wo wir nu hin wollen), passiert man übrigens die Pelorus Bridge, von der im Sommer oft Kinder aus der Gegend gern in den darunter fließenden Pelorus River springen. Im Sommer 2012, also eine ganze Weile, nachdem die Weltwunderer die Pelorus Bridge überquert hatten, wurde dort eine Schlüsselszene aus dem „Hobbit“ gedreht: Mit Bilbos Hilfe fliehen die Zwerge in 13 Fässern aus dem Schloss des Elbenkönigs von Düsterwald und lassen sich bis ans Ufer der Stadt Thal treiben. Wegen starker Regenfälle wäre das Drehteam damals übrigens beinahe ertrunken!

Hobbit Set at Pelorus River (c) New Line Cinema

Das Hobbit-Set am Pelorus River, kurz vor der Sturzflut (c) New Line Cinema

Canterbury

Einer der beeindruckendsten Anblicke dieser Gegend muss der Mount Sunday sein, auf dem die Stadt Edoras und das hölzerne Meduseld errichtet wurden, der Regierungssitz von König Theoden von Rohan. Das Set wurde nach Ende der Dreharbeiten natürlich abgebaut, aber den Berg selbst kann man auch heute noch besichtigen und besteigen und den Blick auf die weiten Ebenen von Rohan genießen – leider nur im Rahmen einer Tour.

Mount Sunday aka Edoras (c) PhillipC/Flickr

… und oben drauf auf dem Mount Sunday thronte die Stadt Edoras (c) PhillipC/Flickr

Diese startet in Christchurch, von wo aus man ungefähr vier Stunden mit dem Jeep zur Mount Potts High Country Station fährt. Für schlappe 240 NZ$ pro Person kein günstiger Spaß, und auch die einzige Herr-der-Ringe-Aktivität, der man von Christchurch aus nachgehen kann.

Wir fahren deshalb schnell weiter in Richtung Süden, wo die richtig großen Landschaftsbrummer warten!

Mount Cook/Mackenzie Country

Ein Abstecher zum Mount Cook, dem höchsten Berg Neuseelands, lohnt sich ganz generell auf jeden Fall. Für Herr-der-Ringe-Fans noch mehr, weil sie den Berg aus der Eröffnungssequenz von „Die zwei Türme“ kennen, wo der Aoraki den Part der Misty Mountains übernimmt.

Das milchblaue Wasser des Lake Pukaki inmitten der staubtrockenen, graubraunen Tundra des Mackenzie ist im „Hobbit“ des öfteren zu sehen: als allgemeiner Hintergrund, bei der Flucht der Zwerge vor den Warg-Reitern, kurz bevor sie das rettende Bruchtal erreichen, und im Teil 2 mit dem grammatisch grauenhaften Titel voraussichtlich als Ufer der Stadt Laketown. Als Drehort wird die Braemar Station angegeben, wo das Team während der Dreharbeiten wohnte – von hier aus habt ihr auf jeden Fall den besten Blick auf die Gegend und werdet auch Aufnahmen der Misty Mountains aus dem „Hobbit“ erkennen.

Lake Pukaki (c) Peter Nijenhuis/Flickr

Die Ufer des Lake Pukaki tauchen im „Hobbit“ mehrfach auf (c) Peter Nijenhuis/Flickr

Twizel, ein unspektakuläres Nest, das auf der Weiterfahrt nach Wanaka passiert wird, winkt mit einem weiteren Highlight für Eingeweihte: Bequem direkt am Wegesrand sieht man Landschaften, die den Pelennor Fields frappierend ähneln, wo die große Schlacht am Ende von „Die Rückkehr des Königs“ spielt. Den Original-Drehort findet man fünf Minuten entfernt auf der Schaffarm Ben Ohau.

Otago – Southern Lakes

Die Weiterfahrt nach Queenstown führt Location Hunter geradewegs ins Paradies (den Witz mit dem Örtchen Paradise nahe Glenorchy spare ich mir jetzt). Angefangen bei Wanaka, dessen Seeufer als Hintergrund für Gandalfs Flucht von Orthanc auf dem Adler Gwaihir dient, über das unscheinbare Tarras an der Kreuzung von SH 8 und SH 8A, wo direkt am Straßenrand der Maori Point Road das (im Privatbesitz befindliche) Pinienwäldchen zu sehen ist, durch das Arwen mit dem bewusstlosen Frodo vor den Ringgeistern flieht, bis zum krönenden Abschluss des Tages:

Arrowtown, ein niedliches und vor allem „historisches“ kleines Städtchen voller Touristen und Goldschürfer. Wer hier aufmerksam am Ufer des Arrow River entlanggeht, findet den Drehort der Bruinen-Furt, wo Arwen die Ringgeister schließlich abschüttelte, indem sie eine riesige Flutwelle heraufbeschwor. (Die Flutwelle an sich wurde wiederum am Skippers Canyon gefilmt – das ist genau die gefährliche Straße, die man in jedem Auto-Mietvertrag explizit verboten bekommt).

Tarras - Arwens flight with Frodo to Bruinen ford

Die Maori Point Road in Tarras führt genau hier vorbei: hinter dem Zaun floh Arwen mit dem verletzten Frodo vor den Ringgeistern

Bruinen ford at Arrow River in Arrowtown

Am Ufer des Arrow River, gleich am Stadtzentrum von Arrowtown, kann man die Schwarzen Reiter fast noch sehen …

Kurz vor Arrowtown fährt man übrigens an einem weiteren Drehort vorbei, der unter der aktuellen Nutzung des Ortes fast untergeht: Haltet bei AJ Hacketts weltberühmter Bungy-Jumping-Site am Kawarau River und geht von dort zum Eingang des Chard Farm Vineyard. Von dort könnt ihr die Stelle sehen, an der (im Computer) die riesigen Steinstatuen der Argonath standen, unter denen die Gefährten im ersten Teil des „Herrn der Ringe“ in den Elbenbooten entlangfuhren.

Kawarau Bridge near Arrowtown

Irgendwo da hinten standen sie, die gigantischen Argonath …

Queenstown

Die Abenteuerhauptstadt der Südinsel ist auch ein Mekka für Herr-der-Ringe-Fans – obwohl ihre besten Tage leider vorbei sind. Wie der Lonely Planet in unserer damaligen Ausgabe noch nicht bemerkt hatte, ist der Hügel Kelvin Heights am südlichen Rand der Stadt, wo zahlreiche Szenen von „Die zwei Türme“ gedreht wurden und ein toller Streichelzoo namens Deer Park Heights gewesen sein soll, nämlich seit mindestens 2010 geschlossen. Trotz ausdauernder Versuche unter Verwendung verschiedener Straßenkarten gelang es uns 2011 nicht, einen Weg auf den Berg zu finden.

Kelvin Heights, Queenstown (c) Longplay/Flickr

Kelvin Heights: Hier konnte man Hirsche füttern – oder Aragorn beim Kampf mit Wargen zusehen (c) Longplay/Flickr

Heute muss man von Queenstown aus ein Stück fahren, um weitere Drehorte zu finden. Das beginnt ganz schlicht am DOC Campingplatz „Twelve Mile Delta“, wo man sofort den Drehort erkennt, an dem Gollum, Sam und Frodo im dritten Teil des Herrn der Ringe im Gebüsch versteckt den Kampf von Faramirs Männern in Ithilien gegen die Haradrim auf ihren Olifanten beobachten.

Twelve Mile Delta aka Ithilien (c) kdewhunter/Flickr

Der Campingplatz am Twelve Mile Delta: Hier sieht es frappierend aus wie in Ithilien (c) kdewhunter/Flickr

Weiter auf der Straße von Queenstown in die Einöde um Glenorchy herum, immer entlang des herrlichen Lake Wakatipu, passiert man kurz nach der Brücke über den Dart River und etwa 100 Meter nach dem Scott Creek „Dan’s Paddock“. Wenn ihr euch hier den schwarzen Turm von Saruman hinzudenkt (der natürlich computergeneriert wurde), habt ihr den Drehort von Isengard vor Augen. Außerdem am Straßenrand zu sehen sind Landschaften, die verdammt nach den Randgebieten des Fangorn Forest aussehen.

Glenorchy aka Isengard

Genau hier in der Mitte müsst ihr euch den schwarzen Turm von Orthanc hindenken!

An der Arcadia Station nahe dem Örtchen Paradise wurden auch Szenen in Lothlorien sowie um das Haus von Beorn (zu sehen im Teil 2 des „Hobbit“) gedreht. Einfach ein bisschen in der Gegend herumfahren genügt schon – oder halt eine Tour buchen.

Menschen mit viel Wanderlust oder dem Geld für einen Helikopterflug können sich zur Passburn Hut durchschlagen, die tief in den Bergen hinter dem anderen Ufer des Lake Wakatipu liegt – dann schon im Southland. Es winken Aussichten auf die Misty Mountains, die von den 13 Zwergen und Bilbo im ersten Teil des „Hobbit“ erreicht werden.

Ebenfalls schwer zu erreichen und nur kurz im Film zu sehen, aber verdammt spektakulär ist das Earnslaw Burn-Tal: In der Nähe von Glenorchy liegt ein Gletscher auf einer 800 Meter  hohen Granit-Klippe, über die ein riesiger Wasserfall hinabstürzt, hinter dem die 13 Zwerge und Bilbo Beutlin auf ihrer Reise durch die Wildnis entlanglaufen. Wow!

Earnslaw Burn (c) Heliworks Queenstown Helikopters

Hinter dem größten der Gletscher-Wasserfälle laufen die 13 Zwerge entlang – kurze Szene, großartige Location! (c) Heliworks Queenstown Helikopters

Ihr denkt, das reicht jetzt aber? I wo, in Otago gibt es noch viel mehr zu sehen:

80 Kilometer nordwestlich von Dunedin liegt das Strath Taieri Valley mit der Metropole Middlemarch, das sich derzeit als Hobbit-Stadt vermarktet. Hier wurden ebenfalls Szenen aus dem ersten Teil des „Hobbit“ gedreht, in denen die Zwerge vor den Warg-Reitern nach Bruchtal fliehen.

Strath Taieri

Das abgelegene Ida Valley bzw. den Poolburn Lake kennt ihr aus „Die zwei Türme“, wo die Orks ein Dorf der Rohirrim überfielen. Fahrt von Alexandra nach Omakau und biegt nach Ophir ab, von wo ihr die Raggedy Range nach Poolburn hinauf müsst. Ab hier geht es nur noch mit Vierradantrieb weiter zum Reservoir.

Ida Valley Poolburn Lake (c) lifacolor/Flickr

Ida Valley mit Poolburn Lake © lifacolor/Flickr

Southland

Schließlich sind wir ganz im Süden der Südinsel angekommen. Hier, in den dichten Regenwäldern des Fiordland, lagen ideale Drehorte für den Fangorn Forest und die Sümpfe der Tote, aber auch für die Wildnis, durch die Thorin und seine Gefährten nach dem Kampf gegen den fiesen Azok von den Adlern auf den Carrock getragen werden. Leider, leider sind auch diese Locations nur mit dem Helikopter zu erreichen.

Fußläufig zu finden ist ein schöner Blick auf den Fluss Anduin, der gleich am Anfang von „Die Gefährten“ zu sehen ist: Gleich am Einstieg zum Kepler Track, an der Strecke von Manapouri nach Te Anau, kommt links ein Abzweig zum „Rainbow Reach„, dem ihr etwa zwei Kilometer auf Gravel folgen müsst. Vom Parkplatz sind es dann nur wenige Schritte bis zur recht hohen Flussböschung.

Kepler Track Start aka River Anduin

Last but not least unser letzter Tipp für die Südinsel – eine sehr traurige Location am sehr traurigen Ende von „Die Gefährten“. Der DOC Campingplatz Mavora Lakes, 30 Kilometer nördlich von Mossburn am Südende des Mavora Lake, liegt am Ende einer langen, langen Gravel Road. Am Nordufer des Sees wurde die Szene in Nen Hithoel gefilmt, wo sich die Gefährten wegen eines Angriffs der Uruk Hai endgültig trennen (und mein Favorit Boromir den Heldentod stirbt, schnüf).

Mavora Lake aka Nen Hithoel (c) Longplay/Flickr

Man kann glatt sehen, wie sich Frodo heimlich im Elbenboot davonmachen will (c) Longplay/Flickr

Schluss!

Wie findet ihr unsere Herr-der-Ringe-Location-Tour? Habt ihr noch andere Drehorte gesehen, unsere Hinweise nicht gefunden oder ist euch das Mittelerde-Getue etwa egal??

 
*Disclaimer: Leider stammen nicht alle Fotos von den Weltwunderern. Wir danken der Flickr-Community und besonders Dru!, thorsten.rinne, PhillipC, Peter Nijenhuis, longplay, lifacolor und kdewhunter für ihre Creative-Commons-Bilder. Außerdem danke an New Line Cinema und Heliworks Queenstown Helicopters.

4 Kommentare

  • Hallo.
    Erstmal riesen Kompliment, wirklich super Beitrag 🙂
    Darf man die Bilder kopieren und auf seine Seite stellen? Natürlich mit Verlinkung und Angabe wo man es her hat.

    • Hallo Laura,
      dankeschön! Verlinken darfst du uns natürlich gern, und wenn du zu jedem Bild fein das Copyright dazuschreibst (beim letzten ist was schiefgegangen, da darf eigentlich nicht unser Wasserzeichen drauf sein), dürfte das auch in Ordnung gehen. Die Flickr-Bilder sind alle unter Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht worden, die Fotografen dürften also nichts gegen Vervielfältigung (mit Namensnennung!) haben.
      Ich bin gespannt, was du dazu schreiben wirst!

    • Hallo Manni,
      das Kompliment gebe ich mal weiter an die vielen Flickr-Community-Mitglieder! Wir selbst benutzen eine olle digitale Canon EOS Spiegelreflexkamera.

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