Berlin Städtetrips

(Ver-) Führung durch Berlin – Schnitzeljagd im Test

Wenn die Weltwunderkinder nach Berlin fahren, wollen sie dort am liebsten dasselbe machen wie immer: spielen. Durften sie natürlich – aber nebenbei konnte ich sie mit dem „Stadtspiel (Ver-) Führung Berlin“ zu einer Schnitzeljagd durch Friedrichshain überreden. Hier kommt unser Testbericht.

Weltwunderer Berlin FriedrichshainWas Kinder auf einem Städtetrip mal so richtig öde finden, ist

a) mit ihren Eltern einen Stadtrundgang machen (am besten nach Reiseführer-Route) und

b) eine Stadtführung mitmachen.

Was okay ist: Spielplätze besuchen, shoppen gehen (wenn sie dabei was bekommen natürlich) und Eis essen. Haben wir alles gemacht, ich bin ja kein Unmensch. Aber ein bisschen Kultur und Geschichte wollte ich diesmal gern auch mitnehmen – und habe daher die Kinder zu einer Stadtführungs-Schnitzeljagd durch den Stadtteil Friedrichshain überredet.

Weltwunderer Berlin Friedrichshain

Die Inspiration kam von family4travel, die sich von einem Stadtspiel für die Berliner City vom Alex zum Sony Center lotsen ließen. Nun kennen wir die Wahrzeichen Berlins von diversen Aufenthalten bereits zur Genüge, etwas Spezielleres musste also her. Zum Glück bietet Anja Gena, die Frau hinter dem „Stadtspiel“, ein stetig wachsendes Portfolio an Touren an, aus dem sie uns freundlicherweise die Schnitzeljagd durch Friedrichshain zur Verfügung stellte.

Die Stadt (ver) führung kommt in einer hübschen Pappschachtel daher, in der 16 verschlossene Briefumschläge liegen. Dazu gibt es einen Notfall-Umschlag mit einem Kreuz darauf, falls man sich verläuft. Was wir inzwischen wissen: Den Hinweis, fünf Stunden NETTO für die Tour einzuplanen und wenn möglich ein Fahrrad zu benutzen, sollte man auf jeden Fall ernst nehmen.

Die wichtigsten Punkte der Runde sind auf der zuoberst in der Box liegenden Karte abgebildet und gaben uns einen ersten Eindruck, wie weit uns die Tour führen würde. East Side Gallery, O2 World und Märchenbrunnen im Volkspark erkannten auch wir Dresdner (und stöhnten leise, als wir an die zu bewältigende Strecke dachten). Den Joker dieser Do-it-yourself-Stadtführung, nämlich dass man jederzeit und nach Gusto Pause machen, abkürzen und/oder unterbrechen kann, würden wir wohl unweigerlich ziehen müssen.

Weltwunderer Berlin Friedrichshain

Handelnde Personen: drei erwachsene Mamas, davon eine Friedrichshainerin, und sieben Kinder zwischen null und neun Jahren. Die Kleinsten hockten brav in ihren Tragetüchern, die Größeren waren Feuer und Flamme – wenigstens zu Anfang. Ausgerüstet mit Kinder-Stadtkarte, der Box für das Stadtspiel und einer Lupe zogen wir los.

Startpunkt war der nördliche Rand von Friedrichshain – also erst einmal in die U-Bahn. Dass auf dem Gelände des Einkaufszentrums an der Eldenaer Straße früher einmal ein Schlachthof florierte, fanden die Kinder recht interessant; eifrig wurden Buchstaben in Straßennamen gezählt, Hausnummern gesucht und addiert, um den nächsten Hinweis zu finden und den richtigen Umschlag zu öffnen. Beim Verlesen und Verständlichmachen der durchaus langen Beschreibungstexte ließ die Begeisterung der jungen Entdecker allerdings merklich nach.

Der Weltwundersohn fasste es in knappe Worte: „Ich dachte, wir suchen hier einen Schatz? Wenn es keinen Schatz am Ende gibt, mach ich nicht mehr mit.“

Weltwunderer Berlin Friedrichshain

Wir konnten ihn und die anderen Kinder noch zum Weiterlaufen an die Samariterkirche animieren – gegenüber gibt es nämlich einen tollen Spielzeugladen – und von dort aus zum „Boxi“ locken, wo es die Pinguine auf dem Spielplatz zu zählen galt. Weiter kamen wir an diesem Tag allerdings nicht – zu verlockend war der Spielplatz und zu lecker war schon vorher das kindgerechte Mittagessen im Café „Milchwirtschaft“ gewesen, das außerdem mit einem Wahnsinns-Indoorspielplatz zum Verweilen lud.

Dass man die Stadttour überall unterbrechen kann, ist schön – in Friedrichshain führt das allerdings dazu, dass man das auch ständig tut. Hier ein Lädchen, dort ein Café, tick, tack… Gegen 17 Uhr mussten wir die restlichen 13 Punkte der Schnitzeljagd durch Friedrichshain, mit einem schmelzenden Eis in der Hand, wohl oder übel auf irgendwann später verschieben.

Unser Fazit: Wir Erwachsenen hatten bei der Schnitzeljagd viel Spaß, sogar die Kiez-Insiderin lernte viel Neues. Für Kinder ist die Tour allerdings nicht so recht geeignet; zu lang sind die zu laufenden Strecken, zu kompliziert die Texte und zu unverständlich das gesamte Konzept – ganz zu schweigen von der Enttäuschung, dass sie zwar Hinweise suchen sollen, aber nicht mit einem Schatz belohnt werden.

Weltwunderer Berlin Friedrichshain

Das „Stadtspiel (Ver-) Führung Berlin“ gibt es zweimal für die Berliner City, einmal für Kinder sowie für Prenzlauer Berg, Kreuzberg und Friedrichshain. Für Dresden gibt es zwölf Routen, für Leipzig vier und für Hamburg fünf. Die Boxen kosten zwischen 19,95 Euro und 35,95 Euro und können online oder an verschiedenen Verkaufsstellen vor Ort erworben werden.

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