Reisetipps für Vietnam

Unterwegs in Vietnam mit Kindern: Mietwagen, Bus oder Zug?

Vietnam, Kambodscha und der Rest Südostasiens ist ein herrliches Reiseziel für Familien – das können wir bestätigen. Nicht ganz so familienfreundlich ist allerdings der Straßenverkehr. Statt einen bequemen Mietwagen zu nehmen oder sich in den superbilligen VIP Express Bus zu setzen, würden wir immer den Zug empfehlen (wenn es denn einen gibt). Unsere persönliche Risikobewertung – und Tipps, wie ihr trotzdem überlebt.

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Auto fahren: auf eigene Gefahr

Die Straßenverkehrsregeln in Südostasien sind mit den mitteleuropäischen nicht zu vergleichen – entsprechend sorglos ist auch der Umgang mit der Sicherheit von Kindern. Es ist zum Beispiel ganz normal, dass Kleinkinder im Fußraum des Autos stehend mitfahren; ob nun vorn oder hinten.

Gurtpflicht besteht in Vietnam nur auf den Vordersitzen – folglich werden die Gurte auf der Rückbank, wenn es sie denn überhaupt gibt, als lästiges Anhängsel weggeklemmt oder sogar abgeschnitten. Wollt ihr euch also hinten anschnallen, müsst ihr die Gurte oft aus der Ritze herausfriemeln oder sogar zuerst die Sitzbank umklappen, um heranzukommen.

Aus diesem Grund ist es eher nutzlos, einen Autokindersitz von zu Hause mitzubringen. Allenfalls, wenn ihr bereits von zu Hause aus für eure gesamte Reiseroute einen Wagen bei einem internationalen Vermieter (wie Sixt oder Avis) bucht, wo ihr moderne Fahrzeuge mit Gurten erwarten könnt, macht es vielleicht Sinn – und es wäre natürlich angesichts der Verkehrssituation und der Unfallstatistiken prinzipiell absolut anzuraten, einen Kindersitz zu nutzen!

Nach unserer Erfahrung ist es wenig wahrscheinlich, dass ihr einen Kindersitz zusammen mit eurem Wagen mieten könnt. Und selbst wenn, wären wir da seeehr vorsichtig, was den Zustand des Sitzes angeht. Die gute Nachricht: Wenigstens im Stadtverkehr fahren die Autos in Südostasien meist sehr langsam – man steht wirklich permanent in einem Stop-and-Go-Stau, der selten mehr als 30 km/h erlaubt.

Setzt ältere Kinder, wenn immer möglich, auf einen Platz mit Sitzgurt (ja, im Notfall auch auf den Beifahrersitz). Liegt der Gurt noch zu weit oben am Hals und verläuft nicht über die Schulter, dann gibt es eine clevere und gut transportable Lösung: den BoostAPak (erhältlich über Amazon). Er lässt sich als normaler Rucksack tragen und verwandelt sich im Auto blitzschnell in eine Sitzerhöhung. Und ja, er hat auch das ECE R44.04-Zertifikat.

Ohne Sitzerhöhung und passenden Kindersitz könnt ihr immer noch ein wenig nachhelfen: Wir setzen unsere Kids dann immer auf die Rückbank, aber nie auf den Mittelplatz – denn der Flug von dort durch die Windschutzscheibe tut bestimmt nicht gut. Und natürlich darf ein Kind niemals nie auf dem Schoß eines Erwachsenen sitzen oder gar dort mit dessen Sitzgurt angeschnallt werden – bei einem Frontalaufprall wird es sonst einfach von euch zerquetscht. Festhalten könnt ihr es bei den auftretenden Beschleunigungen höchstwahrscheinlich auch nicht.

Ist einfach kein eigener Platz frei (in Minibussen mit asiatischer Füllung ist das oft der Fall), dann setzt die Kinder lieber unten in den Fußraum. Dort können sie wenigstens nicht durch die Gegend geschleudert werden oder einen hinter ihnen sitzenden Erwachsenen abbekommen.

(Wie ihr mit Kindern Moped fahrt – und ob das überhaupt empfehlenswert ist – haben wir in diesem Beitrag beschrieben.)

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Ganz normaler Straßenverkehr in Saigon

 

Insider-Tipp: für mittlere Distanzen ein Taxi ordern

Taxis sind vielleicht nicht die günstigsten Verkehrsmittel, aber sie sind auch nicht allzu teuer – jedenfalls nicht in Südostasien. Für Tagestouren sind sie auf jeden Fall wesentlich preiswerter als ein Mietauto, für das in Vietnam auch noch ein Fahrer nötig ist (denn Ausländer dürfen hier nicht ans Steuer). Mit viel Glück findet ihr sogar einen Fahrer, der Englisch spricht – ein Hauptgewinn! Lasst euch seine Handynummer geben und ruft ihn für weitere Ausflüge direkt an.

 

Reisebus: nein danke

Das mit Abstand dichteste Verbindungsnetz bieten in südostasiatischen Ländern private Fernbusse. Mit VIP, Super VIP und Express VIP Bus-Angeboten für sehr wenig Geld werdet ihr in jedem Hostel und Reisebüro bombardiert. Die Busse sammeln euch bequem in eurem Hotel oder zentral im Stadtzentrum ein, halten unterwegs an großen Restaurants und bieten per TV auch ein super Unterhaltungsprogramm – oder?

Nein! Wir raten allen reisenden Eltern dringend davon ab, einen Privatreisebus zu benutzen, wenn es die Alternative einer Zugverbindung gibt. Ja, auch wenn es viel billiger ist.

Nur ein paar unserer Gründe gegen südostasiatische Reisebusse:

  • Die Fahrer dieser Busse sitzen oft die ganze Nacht hinterm Steuer und fahren schon in ausgeruhtem Zustand wie Kamikaze-Piloten. Der Rest der Verkehrsteilnehmer auf den Highways macht es nicht sicherer. Nachtfahrten sind eine Herausforderung des Schicksals! Nicht umsonst führen Busse die Unfallstatistiken in fast jedem Land der Erde an.
  • Selbst wenn ihr eine Nachtfahrt mit einem in Vietnam üblichen Sleeper-Bus macht: Es ist nicht dasselbe, wie in einem Bett zu schlafen; vergleicht es lieber mit einem Flug in der Economy-Klasse, bei starken Turbulenzen natürlich. (Als wir auf der Fahrt von Nha Trang nach Hoi An ganz hinten „lagen“, sind wir bei einigen Bodenwellen richtiggehend in die Luft geflogen!)
  • Entsprechend anfällig ist man hier für die Reisekrankheit; das kann ich leidvoll bestätigen.
  • Die Länge der Sitze eignet sich allenfalls für Personen bis 1,60 m zum gestreckten Liegen, und euer Handgepäck müsst ihr euch auch noch zwischen die Beine klemmen, denn es gibt keine Aufbewahrung dafür. (Das große Gepäck wird in den Bauch des Busses gestopft – und von dort kann es, da ihr es nicht beaufsichtigen könnt, auch fix mal verschwinden. Ja, auch das haben wir selbst erlebt.)
  • Toiletten? Fehlanzeige, die sind mit Koffern der Mitreisenden und Privatgepäck der Fahrer (die meist noch ein paralleles Lieferanten-Geschäft laufen haben) belegt, genau wie die Gänge des Busses. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie man sich da im Notfall hätte herauskämpfen müssen…
  • Auch ohne Notfall ist es seeeehr anstrengend, ein Kind (oder gar mehrere) über Stunden auf seinem Sitzplatz zu halten. Da kann man auch nicht mal kurz auf dem Gang zwischen den Sitzen herumlaufen – siehe oben!
  • Das gepriesene „Entertainment-Programm“ besteht in einem krachlauten Kungfu-Film, einem nicht jugendfreien Splatter Movie oder einer Karaoke-Show in Dauerschleife, bei der die vietnamesischen Fahrgäste laut mitmachen. Kann mal Spaß machen, tut es aber garantiert nicht für die Dauer der gesamten Fahrt. Und es wird nicht wegen euch und eurer Kinder abgestellt, versprochen.
  • Zwar halten die Busse ein- oder zweimal an für einen Toilettenstopp und Essen in einem Restaurant. Dieses steht aber unweigerlich allein auf weiter Flur, so dass ihr keine Möglichkeit habt, woanders einzukehren. Gehört natürlich zum Geschäft, auch die hohen Preise hier. Mit Kindern, die zwischendurch immer mal dringend müssen, ist das Konzept Reisebus allein deshalb ein No-go.
  • Und schließlich halten die Busse dann auch unweigerlich vor dem einen Hotel, von dem der Fahrer Provisionen bekommt. Wollt ihr lieber woanders absteigen, heißt es laufen (mit Gepäck, bei tropischer Hitze) und sich dabei womöglich noch beschimpfen lassen.

Lässt es sich nicht umgehen, einen solchen Bus zu besteigen, dann vermeidet Nachtfahrten und teilt eure Fahrtstrecke in mehrere kürzere Etappen auf. Geht es ums Sparen, dann spart gleich richtig und nehmt einen öffentlichen Fernbus (die gibt es auch). Der startet und hält dann ganz regulär und ohne Abzocke am Busbahnhof und hier bekommt ihr wenigstens Kontakt zu den Einheimischen – mit Kindern ist das ja immer ein Vergnügen.

Plätze im vorderen Bereich des Busses sind sicherer und komfortabler als hinten, wo ihr so richtig schön herumgeschleudert werdet. Und noch ein Tipp: VIP Busse werden gern auf straffe 18° C heruntergekühlt – eine warme Fleecejacke und eine Decke für die Beine sind Pflicht, wenn ihr euch nicht mörderisch erkälten wollt.

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Vietnam-Durchquerung im Nachtbus – schlimmer, als es hier aussieht!

Eiserne Regel: Zug ist besser als Bus. Immer.

Während das Eisenbahnnetz in Thailand und Malaysia recht gut ausgebaut ist, gibt es in Vietnam nur eine einzige Bahnstrecke: Der Reunification Railway verbindet Hanoi im Norden mit Ho Chi Minh City im Süden. Kambodscha und Laos haben zurzeit leider überhaupt kein Bahnsystem. (Alles, was ihr über Züge in Südostasien wissen müsst, findet ihr übrigens auf www.seat61.com – eine Wahnsinns-Website.)

Eine Zugfahrt quer durch Vietnam dauert natürlich viiiiel länger als ein Zwei-Stunden-Flug, aber sie ist viel billiger. Mit einer Übernachtfahrt spart ihr auch noch die Kosten für ein Hotel ein. In der Ersten Klasse der vietnamesischen Züge sind die Vierer-Schlafwagen-Abteile völlig in Ordnung.

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Eine Zugfahrt mit dem „Orient Express“ auf der Reunification Line

Essen und trinken könnt ihr während der Fahrt direkt bei euch an der Abteiltür kaufen, oder ihr springt bei einem Zwischenhalt schnell raus und kauft euch (viel günstigere) Snacks am Bahnhof. In den vietnamesischen Zügen, mit denen wir gefahren sind, gab es sogar kostenlose Heißwasser-Spender, wo man sich bequem seine mitgebrachte Instant-Nudelsuppe zubereiten konnte.

Ach ja, und Toiletten gibt es natürlich auch – wobei wir über die Qualität von Zugtoiletten wohl nichts sagen müssen. Sagen wir mal so: Abgesehen davon, dass man sich über ein Loch hocken muss, war es um die Sauberkeit hier nicht schlechter bestellt als in deutschen EC-Zügen…

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Mit dem Zug von Da Nang nach Hanoi: stilvoll, bequem und familienfreundlich

2 Kommentare

  • Super! Das sind wirklich mal praktische Tipps, was es bei der Fortbewegung in Vietnam zu planen und zu beachten gibt! Ich bin momentan noch hin und her gerissen, ob ich lieber nach Vietnam oder Kambotscha reisen möchte. Auf alle Fälle wird es bald mal wieder Zeit für Südostasien!

    Liebe Grüße,
    Sabine

    • Auf jeden Fall Kambodscha, würde ich jedenfalls empfehlen. Und SOA braucht man mindestens alle paar Jahre mal, gell? Ich könnte auch schon wieder los…

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