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Vietnam-Reisevorbereitung, Teil 3: Der richtige Reiseführer

Der richtige Reiseführer ist das A und O einer selbst durchgeführten Reise – ohne das Know-how eines Reisebüros oder eines ortskundigen Guides muss sich der der budgetbewusst Reisende auf sich selbst verlassen. Dass das hervorragend funktioniert, wissen wir aus langjähriger Erfahrung – wenn, ja wenn man den richtigen Reiseführer dabei hat.

Vietnam Checkliste Weltwunderer

Für Vietnam scheint eine Reise auf eigene Faust nicht so gewöhnlich zu sein, wie uns hochgezogene Augenbrauen allerorten vermitteln. Aus deutscher Perspektive ist Vietnam offenbar ein Land, das man mit einer vorgebuchten Tour besucht. Da die Geografie des Landes und die Infrastruktur (es gibt eine große Bahnlinie und den Highway Nr. 1, die das schmale Land von Nord nach Süd durchqueren) aber sowieso eine „Mainstream“-Reiseroute entlang der wichtigsten Städte und Punkte vorgeben, sehen wir nicht ein, warum wir das nicht allein hinbekommen sollten.

Die Backpacker-Bibel

Unser erster Griff ging, weil wir das halt so gewohnt sind, zum Lonely Planet: Die Backpacker-Bibel wird speziell für individuell Reisende mit kleinerem Budget geschrieben, weshalb Punkte wie Unterkunft, Verkehr und Selbstversorgung darin eine große Rolle spielen. Die oft genannten Kritikpunkte nach dem Motto „Wer mit Lonely Planet reist, der trifft nur andere Lonely-Planet-Leser“ können wir aus Erfahrung nicht teilen.

Wer sich sklavisch an die Tipps aus seinem Reiseführer hält, anstatt die Augen zu öffnen und eigene Erfahrungen zu machen, der hat generell ein Problem beim Reisen (oder findet das Reisen in ähnlicher Gesellschaft sowieso ganz angenehm, möchte ich vermuten). Das generelle Problem des erschwinglichen Massentourismus und der damit einhergehenden Entzauberung von Paradiesen ist nicht die Schuld des Lonely Planet. Wo wir heute sowieso Lesetipps verteilen, möchte ich zu dem Thema gleich noch den Klassiker empfehlen: „The Beach“ von Alex Garland. Viel besser als der Film!

Wir kauften den Vietnam-Reiseführer auf Englisch in der 10. Auflage, erschienen 2009, was leider nicht allzu aktuell war – und tatsächlich ist inzwischen eine neue Auflage erschienen, mit Bonuskapitel zum Abstecher nach Angkor Wat in Kambodscha und faszinierenderweise auch noch 10 Euro billiger. Super, dass wir es nicht erwarten konnten und den Reiseführer noch vor den Flugtickets gekauft haben…

 

Devise: Platz sparen und up to date bleiben

Der große Vorteil der Lonely-Planet-Reihe sind ja aber die kostenlosen Updates, die man sich hier als pdf-Dokumente herunterladen kann. So kann man dem klassischen Reiseführer-Problem begegnen: mangelnde Aktualität. Gerade in Vietnam, das sich rasant entwickelt, dürfte das virulent werden.  Besser noch: Alle Lonely Planets gibt es als pdf-Häppchen bzw. kapitelweise für den Kindle; wer schon weiß, dass er bestimmte Landesteile nicht besuchen wird, muss diese Kapitel auch nicht kaufen. Platzsparen at it‘s best.

Apropos Platzsparen: Für aktuelle Auskünfte zu Preisen und Adressen ist das Internet generell besser geeignet; dank guter WLAN-Abdeckung in ganz Südostasien ist die Online-Recherche kein Problem. Und für den Kambodscha-Abstecher haben wir „Siem Reap and Angkor Wat“ im Rucksack – ein schmales Büchlein mit den wichtigsten Informationen zu eben diesem Ort mit eben diesem Weltkulturerbe. Eine praktische Ergänzung und nicht zu schwer, falls wir den Abstecher doch nicht machen sollten.

Sollten wir ihn machen, laden wir uns das Kapitel zu Phnom Penh (der Hauptstadt von Kambodscha, durch die wir auf dem Weg nach Angkor Wat auf jeden Fall kommen würden) eben auch schnell noch herunter. Den lesen wir dann platzsparend auf unseren Smartphones – da ist nämlich die kostenlose Kindle-App drauf. Statt Stadtplan nehmen wir übrigens die App City Maps 2go für das iPhone – kostet 1,59 € und hat Offline-Karten für alle größeren vietnamesischen Städte, Phnom Penh und Siem Reap.

Ein weiteres Plus: Das Lonely-Planet-System ist einfach zu verstehen und zu benutzen. Einer generellen Einführung zum Land und zum Verhalten auf Reisen folgen die größeren Orte in der Reihenfolge, in der die meisten Touristen das Land bereisen (in unserem Fall, wie auch bereits in Neuseeland, ist das leider die entgegengesetzte Folge, weshalb wir ständig rückwärts blättern müssen). Nach einer kurzen Einführung zur Geschichte folgen eine oder mehrere Karten, die Beschreibung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten und praktische Informationen: Hotels, Restaurants und Verkehrsmittel  – mit Preisangaben an Ort und Stelle.

 

Konkurrenz? Eher nicht

Ich erwähne das so genau, weil es nicht in jedem Reiseführer Standard ist. So meinen eher kulturell fokussierte Guides wie Baedeker oder Dumont, auf Lappalien wie Hotelpreise oder Informationen zum Hin- und Wegkommen auf eigene Faust verzichten zu können (oder sie quetschen sie ans Ende des Buches, oder sie führen ein undurchsichtiges Rating-System ein) – offenbar, weil die Leserschaft sowieso mit einer geführten Tour unterwegs ist und vor allem Wissenswertes zu den besuchten Tempeln lesen will. Eine schöne Einführung in Land und Leute für den Couchtisch zu Hause – für Backpacker ungeeignet. (Von Marco Polo will ich hier gar nicht anfangen – wer den kauft, ist selbst schuld.)

Zum „National Geographic Vietnam“ kommt noch ein Manko hinzu: Der Text ist in der gesamten Ausgabe so klein gedruckt, dass ich (mit 120 % Sehkraft und zu Hause auf dem Sofa!) Mühe hatte, ihn zu erkennen. Wie das älteren Herrschaften in flirrender Hitze, vielleicht noch auf dem schaukelnden Sitz eines Reisebusses gelingen soll, ist mir schleierhaft.

 

Erleichterungen? Ausreden!

Viele Deutsche benutzen die sehr bequeme deutsche Übersetzung des Lonely Planet oder den LP-Klon „Stefan Loose“, der spezialisiert auf Asien-Reiseziele ist.

Da kann ich nur sagen: tss, kein Englisch lesen wollen und in ein Land reisen, wo man sich aber auf Englisch verständigen muss? Da lese ich lieber schon die wichtigsten Informationen auf Englisch nach und muss die dann nicht noch selbst ins Englische übersetzen. Außerdem erscheinen die Lonely-Planet-Übersetzungen logischerweise NACH den Originalen, bisher gibt es kein Äquivalent zur aktuellen englischen Ausgabe.

Und: Die Klone sind deutlich teurer! English wins.

4 Kommentare

  • Also wir haben bisher nur gute Erfahrungen mit dem Loose gemacht, in unserer Elternzeit in Thailand und auch vorherigen Reisen hat er uns stets gute Dienste geleistet. Den LP hingegen haben wir zuletzt zu Haus gelassen.
    Hast du denn selbst mal hinein gesehen oder ihn kategorisch aufgrund deiner genannten Vermutungen „aussen vor“ gelassen?
    Egal auf welcher Sprache geschrieben, letztendlich kommt es doch auf die Wertigkeit der Informationen an.
    Und meiner Erfahrung nach fährt man eh am Besten damit sich seine Informationen auf anderem Wege einzuholen und sich nicht zu sehr an Reiseführerinfos zu hängen – da verpasst man vieles!

    • Hallo Anni! Wie ich ja schrieb, sind wir die LP-Reihe halt auch „gewöhnt“, so wie ihr wohl den Stefan Loose. Zwei Reiseführer zu Vergleichszwecken mitzunehmen und zu nutzen, wäre wohl ideal, das war uns aber die Mühe nicht wert. Meine Argumente pro LP halten in unserem Fall aber: Die englische Neuauflage erschien im Februar 2012, die Übersetzung erst im Juni und der neue Stefan Loose erst im Oktober 2012. Das wäre für unsere Reise einfach zu spät gewesen. Zudem kostet der englische LP Vietnam aktuell ca. 16 Euro, während die deutschen Reiseführer beide mit je 25 Euro zu Buche schlagen – für mich ein ausschlaggebendes Kriterium. Aber eure Empfehlung geben wir natürlich hier trotzdem gern weiter!

  • Aus unseren Erfahrungen in Thailand und Indonesien kann ich den Stefan Loose nur empfehlen, soweit ich weiß, ist dieser keine Übersetzung des LP (wir hatten meistens beide Reiseführer und den LP irgendwann frustriert in die Ecke geschmissen, weil insbesondere die Unterkunftstips regelrecht falsch waren), Stefan Loose recherchiert zumindest in Thailand selbst, ansonsten entspricht er wohl inhaltlich den Rough Gides. Vielleicht habt ihr ja in Vietnam mehr Glück mit LP….zu dem Thema fand ich auch das Buch „Die absolut ehrlichen und völlig schamlosen Bekenntnisse eines professionellen Reiseführer-Autors“ von Thomas Kohnstamm äußerst unterhaltsam (und ein wenig erschreckend)…;)
    Viele Grüße
    Ulrike

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