Neuseeland-Reise 2011

NZ-Reisetagebuch: Von Mordor nach Matamata

Hatte ich bemängelt, dass ich die Nordinsel zu langweilig finde? Zu mild? Zu wenig aufsehenerregend? In den letzten Tagen bin ich eines besseren belehrt worden. Die Landschaften des Tongariro National Park sind ja generell schon atemberaubend, aber unser Ausflug ins Whakapapa-Skigebiet hat uns streckenweise echt den Atem verschlagen.

Eltern und Großeltern waren zum Glück nicht anwesend, als wir mit den Weltwunderkindern auf nur grob markierten Geröllfeldern in knapp 2000 m Höhe herumkraxelten; im Hinterkopf die freundlichen Warnhinweise am Skilift: „What would you do if the sirens sound? In case of a lahar, keep to ridges and leave the valleys…“

Mir selbst wurde gar ein wenig blümerant, als ich auf „Mead’s Wall“ kletterte; eine unmöglich hohe und steil nach beiden Seiten abfallende Felswand aus schwarzen Felsbrocken, die tatsächlich aussieht wie von jemandem gemauert. Ich bin ja da eigentlich nicht empfindlich; aber als ich den Weltwundermann da oben sah, begann ich zu begreifen, wie sich Eltern von wagemutigen Heranwachsenden fühlen…

Ganz zufällig war das natürlich auch noch ein Drehort vom Herrn der Ringe; und am Horizont dräute schreckenerregend der Mount Doom alias Ngauruhoe.

Bei diesem Thema blieben wir auch am nächsten Tag; nach einer mentalen und realen Erholungspause an den spiegelglatten und lauwarmen Wassern des Lake Taupo ging es gleich weiter zum nächsten Drehort. Was sage ich; zu DEM Drehort schlechthin. Matamata, eine ansonsten touristisch nahezu reizlose Hochburg der Pferdezucht, hat den Namen „Hobbiton“ dankbar angenommen und vermarktet sich, nun, intensiv in dieser Richtung.

Entsprechend niedrig hatten wir unsere Erwartungen gesteckt; dass sie so himmelhoch übertroffen werden, hätten wir im Leben nicht gedacht.

An dieser Stelle muss ich mir ein virtuelles Klebeband über den virtuellen Mund legen. Ich darf nichts erzählen, was wir bei unserer Besichtigung des künftigen Hobbit-Drehortes gesehen und gehört haben! Fotos, die wir zuhauf gemacht haben, bleiben ebenfalls auf den privaten Bereich beschränkt.

So viel werde ich aber sagen dürfen: Es war eine unglaubliche Erfahrung, über ein Filmset zu laufen, das komplett einsatzbereit ist und nur auf die Darsteller und Kameras wartet. Eigentlich sollten die Hobbit-Dreharbeiten ja heute beginnen, aufgrund einer Erkrankung des Regisseurs verschiebt sich nun alles um ein paar Wochen.

Nix war mit von Weitem gucken, neenee: Ganz nah herangehen! Anfassen! Reinschauen! Denselben Weg laufen, den Gandalf mit seinem Karren fährt; den Weg nach Beutelsend hochsteigen; unter dem Partybaum sitzen… Lesern, die gerade in Neuseeland sind, möchten wir diese Chance eindringlichst ans Herz legen: Die Gelegenheit, dieses fertige Filmset zu sehen und zu begehen, kommt nie wieder!

Ach ja, und die Weltwunderkinder? Unsere Große tut sich zwar schwer, das Konzept Filmdreh zu begreifen, ist aber schwer begeistert und will unbedingt sofort den „Hobbit“ vorgelesen haben, wenn wir nach Hause kommen. Und für alle noch Kleineren gibt es vor der Hobbiton-Führung die obligatorische Schafscher-Vorführung; hier nett ergänzt durch eine Nuckelflaschen-Fütterung der zu scherenden Lämmer. Der Weltwundersohn hielt „seine“ Flasche heldenhaft fest und fütterte stolz die Schäfchen…

Während der restlichen eineinhalb Stunden mussten wir nur dafür sorgen, dass er nicht in Hobbit-Vorgärten hineinspazierte, keine Hobbit-Vorgartenblumen abriss, keine Hobbit-Gartenäpfel pflückte und nicht in Hobbitlöcher fiel. Ein Kinderspiel.

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