Rund ums Wohnmobil

Vorsicht, Falle! Was ihr bei der Buchung eures Campervans beachten solltet

Eine Wohnmobil-Reise durch Neuseeland beginnt mit einem wichtigen Schritt: der Buchung eures Campervans. Was ihr vor dem entscheidenden, teuren Klick (oder dem „Ja bitte“ im Reisebüro) beachten solltet, um euch danach nicht monatelang ärgern zu müssen, erzählen wir in diesem Beitrag.

Weltwunderer Campervan

Lest das Kleingedruckte!

Die meisten Vermieter erwähnen die wichtigen Details ihres Angebots nur in recht kleiner Schrift; das sind diese hässlich eng gesetzten Textblöcke, die man nach Eingeben aller Buchungsdetails und nach Durchlesen aller Preisvarianten unmöglich auch noch durchlesen möchte. Immer wieder sind Reisende nach Abschluss der Buchung dann unschön überrascht, was sie da eigentlich gebucht haben – verborgene Extrakosten und Ausnahmeregelungen ahoi!

Haltet euch an die Faustregel: Wenn es überraschend günstig ist, findet sich wahrscheinlich im Kleingedruckten die Erklärung, warum. Und auch wenn es gar nicht so günstig ist, wird es im Kleingedruckten oft noch einmal deutlich teurer. Das ist vor allem oft der Fall, wenn es um den Schadensfall geht und darum, wann dieser von euch bezahlt werden muss – trotz Versicherung.

 

Standard Pack und Bonus Pack – Überredungskünste des Personals

Was das genau bedeutet und im Falle eines Unfalls nach sich ziehen kann, haben wir schon detailliert erklärt. Beim Sichten der Angebote werden immer zuerst die wesentlich günstigeren Preise des Standard Packs angezeigt; wollt ihr eine Vollkasko-Versicherung und einige andere kleine Nettigkeiten dazubuchen, ist das gewünschte Wohnmobil dann meist wesentlich teurer.

Niemand ist verpflichtet, das Bonus Pack zu nehmen; aber selbst wenn ihr eure Buchung zum Standard-Pack-Preis schon in Deutschland komplett abgeschlossen habt, wird man euch unter Garantie bei der Schlüsselübergabe noch einmal „ins Gewissen reden“, ob ihr nicht doch … Es würde doch so schnell mal was passieren …

Kiwi-Dollars

„Deposit“ abgebucht für nicht verfügbare Fahrzeuge

Einige Wohnmobil-Vermieter verlangen eine Kaution für eure Reservierung, auch wenn überhaupt kein Fahrzeug zu den angegebenen Daten und/oder Konditionen verfügbar ist. Das sagen sie euch aber erst, nachdem ihr die Gebühr überwiesen habt, im schlimmsten Fall dann, wenn ihr mit Sack und Pack (und Jetlag…) vor der Tür steht.

Der Vermieter ist dann natürlich in einer sehr guten Verhandlungsposition, um ein für ihn vorteilhaftes Angebot durchzusetzen – denn ihr wollt euer Geld ja wiederhaben bzw. den eigentlich erhofften Campervan bekommen. Oft wird euch dann ein größeres „Ersatzfahrzeug“ angeboten, das ihr zähneknirschend nehmen müsst, weil ihr nicht endlos Zeit für Verhandlungen habt.

Tipp: Ein guter Vermieter garantiert euch, dass euer Fahrzeug verfügbar ist und das Angebot nicht einfach gecancelled wird.

 

Anmietzeit beachten

Viele Wohnmobil-Vermieter sind nicht rund um die Uhr geöffnet – internationale Flüge landen aber zu jeder erdenklichen Uhrzeit. Einige Vermieter lassen sich Fahrzeugabholung und -abgabe außerhalb ihrer Büro-Öffnungszeiten mit einem Aufpreis vergüten oder bieten diese überhaupt nicht an. Schaut also auf eure Flugtickets, bevor ihr eine Abhol- und Abgabezeit für das Wohnmobil festlegt.

Tipp: Ihr bezahlt immer volle Kalendertage. Auch wenn ihr das Wohnmobil früh um 6 Uhr abgebt, wird dafür ein kompletter Miettag berechnet.

Kalkuliert nach der Ankunft mindestens eine Stunde Zeit ein, die ihr am Flughafen für die Einreise brauchen werdet. Und schaut bei der Gelegenheit gleich nach, ob euch der Wohnmobil-Vermieter eventuell mit einem Shuttle oder Taxiservice vom Flughafen abholen oder dort hinbringen kann – und zu welchem Preis.

 

Mangelhafte Ausstattung

Die meisten Campervans in Neuseeland werden voll ausgestattet vermietet – schließlich hat kaum ein Reisender Platz für Bettwäsche, Geschirr etc. im Fluggepäck. Lest genau in den Mietbedingungen nach, was in eurer Ausstattung enthalten ist, und prüft bei der Fahrzeugübernahme, ob alles Aufgelistete vor Ort ist. Wenn ihr erst unterwegs bemerkt, dass der Teekessel fehlt oder nicht genügend Bettdecken dabei sind, ist das nervig.

Besondere Umsicht ist bei der Zusatzausstattung angebracht: Campingmöbel und Kindersitze sind oft ordentlich abgeranzt und mitunter beschädigt. Prüft alles kurz auf Funktion und reklamiert, falls nötig. Zumindest die großen Vermieter haben in ihrem Lager genug Auswahl an Ausstattung, um euch einen besseren Ersatz anbieten zu können.

Kindersitze sollten nicht älter als sechs Jahre sein und entweder das EU-Siegel ECE-44, den „Australian Standard“ oder das US-Siegel FMVSS-213 tragen. Seid ihr nicht absolut sicher, wie ihr den Sitz im Wohnmobil installieren sollt, dann fragt unbedingt nach und lasst euch helfen – in Neuseeland haben die meisten Kindersitze Top-Tether-Riemen, die hierzulande eher ungebräuchlich sind.

Weltwunderer Baby Seat

Hände weg von Drittanbietern!

Einige Buchungs-Webseiten bieten eine unglaubliche Palette an Fahrzeugen und Deals. In aller Regel ist der größte Teil dieser Fahrzeuge aber zumindest in der Hauptsaison überhaupt nicht verfügbar.

Manche schweigen sich bewusst darüber aus, von welchen Vermietern die gelisteten Campervans stammen. Wenn ihr nicht wisst, von welchem Anbieter euer Fahrzeug kommt, wisst ihr aber auch nichts über den wahrscheinlichen Zustand des Wohnmobils, die Reputation des Vermieters, seine Kundenfreundlichkeit usw. Da ein Wohnmobil für mehrere Wochen sowohl fahrbarer Untersatz als auch Behausung ist, sind diese Informationen aber superwichtig – und zwar schon vor der Buchung.

Tipp: Bucht euer Wohnmobil nur bei Anbietern, die auch im Besitz der von ihnen vermieteten Fahrzeuge sind. Das heißt, sie haben eine Adresse, an der die angebotenen Fahrzeuge auch stehen und von euch abgeholt werden – das lässt sich heutzutage über Google Maps mit der Satellitenansicht wunderbar überprüfen.

Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel: Die Camperboerse ist zum Beispiel ein Vermittler, der keine eigenen Fahrzeuge besitzt. Hier müsst ihr schauen, ob es vertrauenswürdige Empfehlungen anderer Reisender gibt. Das lässt sich vor allem in den sozialen Netzwerken in der Regel leicht herausfinden. (Für die Camperboerse legen wir übrigens unsere Hand ins Feuer!)

 

Gasflaschen- und Tankfüllung – Scam vom Feinsten

Dieser Betrug passiert euch auch mit „normalen“ Mietwagen, aber das heißt ja nicht, dass findige Wohnmobil-Vermieter das nicht versuchen. Mit der Volltanken-Policy versucht der Vermieter, euch für einen vollen Tank bei der Übernahme eures Wohnmobils einen astronomischen Preis zu berechnen, der nicht auf den aktuellen Treibstoffpreisen basiert. Im Gegenzug „dürft“ ihr das Fahrzeug zwar mit leerem Tank zurückgeben, aber Hand aufs Herz: Wer schafft das schon? Im Endeffekt „schenkt“ ihr dem Vermieter dann auch noch den restlichen Inhalt eures Tanks.

Wird euch eine gefüllte Gasflasche inklusive angeboten, die jedoch (siehe Kleingedrucktes!) zu einem sagenhaft überhöhten Kilo-Preis abgerechnet wird, lehnt bitte ebenfalls ab – und zwar nicht nur die Gasflasche, sondern das komplette Mietangebot.

 

Verkäufer-Sprech

Viele Vermieter versuchen euch mit „einmaligen Angeboten“ zu locken, die nur noch für kurze Zeit verfügbar sind. Das ist nichts als heiße Luft – lasst euch nicht den Mund wässrig machen, sondern vergleicht in Ruhe die Angebote anderer Anbieter.

Gute Fahrt!

Gute Fahrt!

Kennt ihr noch mehr „böse Fallen“, die es zu vermeiden gilt – womöglich aus leidvoller Erfahrung? Dann schreibt bitte einen Kommentar!

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