Als Grund, warum man als Familie auf einmal mit dem Reisen aufhört, hören wir sehr häufig: „Mit dem/der/den Kleinen können wir ja kaum noch ein Stück laufen; da lohnt sich ein Urlaub in (bitte einsetzen) gar nicht.“ Wer sich an die europäisch/amerikanische Sitte hält, sein Kind stets auf vier Rädern zu transportieren, so lange es noch nicht selbst laufen kann, der hat abseits von asphaltierten Pfaden wahrhaftig ein Problem.
In Neuseeland wird natürlich auch an diese Menschen gedacht: Die DOC-Broschüre „Easy access walks“ (gibt es für Nord- und Südinsel) stellt eigens Wege vor, die wegen ihrer Kürze und der Bodenbeschaffenheit für Rollstühle und Kinderwagen (die heißen auf vielen Schildern “pram”) geeignet sind, und auch sonst kann man viele Buggy-geeignete „walks“ finden.
Aber ist es wirklich nötig, einen Buggy durchs Land zu schleppen? Schließlich kann man Kinder wunderbar platzsparend auch am Körper tragen, wenn sie laufmüde werden. Wir waren in Neuseeland mit einem (damals) Zweijährigen unterwegs und haben beide Varianten getestet: Buggy und Babytrage.
Pro Schieben
Klar – wer schiebt, muss kein Gewicht auf dem Rücken tragen, und in einem Buggy lassen sich neben dem Kind noch locker zahlreiche Gepäckstücke mitnehmen (grooßes Plus auf Flugreisen mit langen Zwischenaufenthalten!). Ist die Strecke eben genug, „läuft“ ein Kinderwagen fast von allein, und fußmüde große Geschwister können sogar noch als Trittbrettfahrer aufsteigen. Gerade beim Stadtbummel bietet ein Buggy Vorteile: Festgeschnallte Kinder können nicht plötzlich auf die Straße hüpfen, während die Eltern den Stadtplan studieren, und eingeschlafene Kinder lassen sich herrlich als Gepäckstücke im Eingangsbereich von Boutiquen oder Restaurants abstellen, während die Eltern… Urlaub machen.

Contra Schieben
Geht es aber querfeldein oder auch nur ein paar Stufen hoch, nervt der Buggy nur noch. Und gerade für Familien mit mehreren Kindern, die sowieso schon unter der Last und der Logistik der Gepäckstücke stöhnen, ist ein Buggy nun mal ein zusätzliches Gewicht und Gesperre. Egal, wie schick und klein man ihn zusammenfalten kann. Die zusätzliche Gefahr hier: ruppige und rücksichtslose Flughafenangestelle, die das Gestell beim Herumwerfen verbiegen oder beschädigen. Alles schon passiert, Leute!
Wer trotzdem nicht verzichten mag, kann es mal mit Leihen probieren: Die Kette “Baby on the move” verleiht alle möglichen Kinderdinge, die man im Urlaub gut gebrauchen kann, bei An- und Abreise aber nicht.
Es gibt aber natürlich noch eine wesentlich elegantere, budgetschonende und platzsparendere Lösung: Rauf auf den Rücken mit dem Kind!
Bei Babys und Leichtgewichten kann das im Notfall sogar mit einem gewöhnlichen Tuch bewerkstelligt werden, wie dieses informative Video zeigt:
Pro Tragen
Zum Tragen im Gelände fallen mir eigentlich nur Vorteile ein: Das Kind kann laufen, wann es will, muss es aber nicht, wenn es nicht mehr kann; so ersparen sich alle eine Menge Jammern und Schreien. Da das getragene Kind in der Regel auch der langsamste Läufer ist, kommt die gesamte Familie wesentlich schneller voran, wenn es nicht läuft. Das Kind kann sogar seinen gewohnten Mittagsschlaf halten, während der Rest der Familie keine Zwangspause deshalb einlegen muss. Der schaukelnde Rhythmus des Tragens ist sogar ein hervorragendes Schlafmittel.
Klar sind die zehn bis fünfzehn Kilo Gewicht nicht zu verachten; aber eine gute Trage macht das überraschend leicht „erträglich“, und mit der Übung wachsen auch die Muckis… (es wäre vielleicht keine gute Idee, einen Zweijährigen beim Wandern in eine Trage zu packen, wenn man das vorher noch nie gemacht hat).

Tatsächlich gibt es einige wenige Kinder, die sich gegen das Herumgeschlepptwerden vehement wehren. Hier ist allerdings in den meisten Fällen schlicht die Ungewohntheit des Ganzen ausschlaggebend, oder aber es ist etwas verklemmt, das Kind sitzt schief oder unbequem. Dem kann mit ein wenig Probieren und Übung abgeholfen werden.
Produktkunde Kindertragen
Für größere Kinder und Unternehmungen (oder ganz generell, denn wer will schon ständig mit einem Badehandtuch wie die Dame im Video herumlaufen?) lohnt sich die Anschaffung eines Tragetuchs oder (wenn das Baby schon selbst sitzen kann) einer Babytrage.
Hier gibt es die „richtigen“ Babytragen für jeden Tag, wie sie in großer Auswahl bei spezialisierten Händlern wie www.tragemaus.de zu finden sind – je nach Raffinesse der Trage und Renommee des Herstellers kostet ein einfaches Tragetuch ab 60 Euro, eine vorgenähte Trage wie die Manduca gibt es ab 90 Euro. Nach oben ist die Skala natürlich offen :-)
(Unsere Models auf dem Foto benutzen den Beco Butterfly – der ist verdammt schick, bequem und kostet um die 130 Euro.)

Für die “coolen” Wanderer, die eher im Outdoor-Laden nach einer Trage suchen, bieten Anbieter wie Deuter oder Osprey eigens für das Wandern entwickelte Rucksacktragen. Die haben ein festes Gestänge, einen verstärkten Rücken mit Hüftgurt und vor allem ein Packfach für Windeln, Trinkflasche und Wechselbody. Dazu kommt ein Sonnen- und Regendach sowie evtl. noch andere Raffinessen.
Mindestens 130 Euro muss man für so eine Wandertrage schon hinlegen, gern auch mehr. (Tipp: Die Rückentragen gibt es oft in sehr gutem Zustand gebraucht zu kaufen – denn die Mehrheit der Eltern verwendet sie eben doch nur selten…)
Pro Babytrage (-tuch)
- Die Teile sind leicht verstaubar, wenn sie nicht gebraucht werden
- Kinder können quasi ab Geburt darin getragen werden, sowohl vor dem Bauch als auch auf dem Rücken
- Einige Tragen haben eine integrierte Kopfstütze, die sich behelfsmäßig als Sonnenschutz verwenden lässt
- Viele sind heute so schick, dass man sie guten Gewissens auch in der Stadt verwenden kann.
- Nachdem unser Beco Butterfly II bei der intensiven Nutzung in Sonne und Regen schon etwas schmuddelig aussah, konnten wir ihn einfach in der Maschine waschen
- Der Schwerpunkt beim Tragen liegt ganz nah am Körper des Tragenden, was das Gewicht auch bei langen Wanderungen erträglich macht – und auf kniffeligen Wegstücken Sicherheit bietet, weil man nicht hin und her schwankt
- Das Kind liegt generell nahe am Tragenden, wodurch jegliche Befindlichkeiten (kalte Füße, Unruhe, ein frisches Geschäft in der Windel…) direkt bemerkt werden
- Die Körpertemperatur des Tragenden gleicht die des Kindes aus – es wird gewärmt, wenn es kalt ist, und kann durch Schwitzen Wärme ableiten (ja, das nasse T-Shirt ist nützlich!)

Pro Rucksacktrage?
Im Vergleich dazu schneidet die Rucksacktrage schlechter ab: Hier sitzt das Kind nicht so eng am Körper des Tragenden, was schlecht für den Wärmeausgleich, aber vor allem schlecht für den Schwerpunkt ist. Viel wichtiger ist aber, worauf Dorothea Burkhard auf KidsAway hinweist: Die Rucksacktrage erlaubt dem Kind keine ergonomische Haltung und engt es beim Bewegen stark ein. Kein Wunder, dass die Füße da schnell kalt werden! Und ganz ehrlich: Ein eingeschlafenes Kind in so einer Trage hängt darin wie ein Schluck Wasser. Bequem sieht das nicht aus!
Drei Vorteile sehe ich dennoch: Ein richtiges Dach über dem Kopf des Kindes ist ein wesentlich besserer Sonnen- und Regenschutz, besonders wenn es wirklich richtig regnet. Der hohe Schwerpunkt sorgt zwar für Unsicherheit beim Laufen, kommt es aber tatsächlich mal zum Sturz, kann die Rückentrage mit ihrem festen Gestell diesen dann wahrscheinlich besser abfangen …
Und: Schläft das Kind ein und man will eine Rast machen, kann die ganze Trage samt Kind vorsichtig abgestellt werden; aus der Babytrage muss das Kind dagegen herausgeschält werden, wobei es meistens aufwacht.








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Hi,
wir haben keinen Kinderwagen und keinen Buggy für unsere beiden Jungs benutzt, wir fanden das Tragen viel schöner und praktischer. Meine Frau hat mehrere Didymos Tragetücher, und sogar für meine Größe (immerhin 2m) gibt es welche, und an die verschiedenen Bindeweisen kann man sich schnell gewöhnen. Allerdings sollte man früh damit anfangen, damit auch die eigenen Muskeln mitwachsen. Wenn das Kind erst 20Kg wiegt, dann ist das schon heftig, wenn man nicht daran gewöhnt ist!
Auf Reisen ist das Tuch Klasse zum Transportieren. Ich kann es nur empfehlen, aber es ist eben (leider) nur eine Randerscheinung, obwohl der Mensch ja eigentlich ein Tragling ist (siehe Affen).
Viele Grüße,
Frithjof