Neuseeland für Familien

Wandern mit Kindern in Neuseeland: Der Circle Track in Fiordland

Diesen Gastartikel hat Steffi von „a daily travel mate – der Reiseblog für Aktiv-Reisende“ für euch geschrieben. Von Januar bis April war Steffi insgesamt 90 Tage in Neuseeland unterwegs. Anschließend hat sie all ihr Wissen zu dem Thema in einem 50-seitigen eBook zusammengefasst. Ihr plant eine Reise nach Neuseeland und wollt viel wandern? Dann ist das Buch genau richtig für euch.

© Stefanie Schindler

Traumhaftes Fiordland – auch zum Wandern mit Kindern geeignet © Stefanie Schindler

Als mich Jenny fragte, ob ich nicht einen Beitrag zum Thema Wandern in Neuseeland schreiben möchte, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich habe insgesamt 90 Tage in Neuseeland verbracht – davon 40 Tage mit Wandern. Daher hielt mich bisher für eine kleine Expertin auf diesem Gebiet. Bisher. Denn da sich bei den Weltwunderern alles um das Reisen mit Kindern dreht, musste ich natürlich eine Wanderung in Neuseeland vorstellen, die auch für Kinder geeignet ist.

Die Herausforderung: Ich selbst habe keine Kinder. Spontan ist mir dennoch der Circle Track in Fiordland eingefallen: eine meiner persönlichen Top-10-Wanderungen in Neuseeland und mit 3,5 Stunden Gehzeit meines Erachtens auch mit Kindern gut machbar.

Wie bin ich auf die Wanderung gekommen?

Meinen Neuseeland-Reiseführer habe ich erst bei Ankunft am Flughafen in Christchurch gekauft, meinen eigenen kleinen Campervan Justus eine Woche später.

Diese eine Woche vor meinem Roadtrip nutzte ich intensiv, um mich mit Neuseeland und möglichen Wanderungen auseinanderzusetzen. Da ich viel Zeit mitgebracht hatte, fiel meine konkrete Planung allerdings sehr spontan aus. Ebenso die Entscheidung für eine bestimmte Wanderung. Natürlich mit Ausnahme der Great Walks, für die aufgrund der notwendigen Reservierungen ein wenig Vorlaufzeit notwendig ist.

Passsende Wanderwege in Neuseeland zu finden, ist übrigens relativ einfach. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass es überall einen Track (Wanderweg) gibt. Egal, wo du dich gerade befindest, denn über die Nord-und die Südinsel erstreckt sich ein weitläufiges Wanderwegenetz.

Ich habe mir während meiner Vorbereitungswoche die Mühe gemacht und (fast) alle DOC-Broschüren zu den einzelnen Regionen Neuseelands heruntergeladen. So konnte ich unterwegs auch offline auf die Broschüren zugreifen und mich spontan für eine Wanderung entscheiden. Der Circle Track ist aus der Broschüre „Fiordland Day Walks„.

Das DOC (Department of Conservation) ist übrigens so etwas wie die Umweltbehörde von Neuseeland, die auch für die Wanderwege verantwortlich ist. Die Website des DOC ist gut gepflegt und sehr umfangreich.

© Stefanie Schindler

So sieht der Track laut DOC aus © Stefanie Schindler

Wo genau liegt der Circle Track?

Der Circle Track befindet sich in der Region Fiordland, im Südwesten der Südinsel von Neuseeland. Genauer gesagt, am Lake Manapouri. Auf dem Weg vom Campingplatz „Kingston Holiday Park“ am Lake Wakatipu, der es fast in die Top 10 meiner Lieblings-Campingplätze in Neuseeland geschafft hat, nach Manapouri war klar, dass ich mir am Nachmittag noch die Beine vertreten muss. Als Aktiv-Reisende werde ich ganz unruhig, wenn ich nicht täglich meinem Bewegungsdrang nachkommen kann.

Ein Blick in meine DOC-Broschüre verriet mir, dass sich der Circle Track von der Länge perfekt für eine kleine Wanderung am Nachmittag eignet. Distanz: 6,9 Kilometer, Gehzeit: 3 bis 3,5 Stunden.

Anreise

Wie bereits geschrieben, liegt die Wanderung am Lake Manapouri. Start ist im gleichnamigen Städtchen am Pearl Harbour. Bis hierhin gestaltete sich die Anreise einfach. Vielleicht ist dir das Städtchen bzw. Pearl Harbour bereits ein Begriff, denn von hier starten auch die Ausflugsboote zum berühmten Doubtful Sound.

Erste Hürde bei der Anreise: einen freien Parkplatz finden, denn natürlich reisen viele Doubtful-Sound-Ausflügler mit dem Auto an. Nachdem der Campervan sicher geparkt war, kam die zweite Hürde: Die Wanderung beginnt auf der anderen Seite der Flussmündung des Waiau River. Das Ziel war so nah und doch so fern.

Im Ausflugsbüro zum Doubtful Sound gab es Hilfe. In Form eine Telefonnummer. Der geschäftstüchtige Neuseeländer am anderen Ende der Leitung wusste Rat bzw. konnte er folgende Alternativen, die Flussmündung zu überqueren, anbieten:

  • Er fährt ca. 4-mal am Tag mit seinem Boot die kurze Strecke – quasi als Fährverbindung – hin und her. Die genauen Uhrzeiten weiß ich nicht mehr, aber da bereits Nachmittag war, kam diese Alternative nur noch für die Rückfahrt in Frage.
  • Er schmeißt sein Boot für eine „Einzelfahrt“ an.
  • Ich kann sein Ruderboot inkl. Ruder und zum Glück auch Schwimmweste ausleihen und selbst rudern.

Die ersten beiden Alternativen erschienen mir sehr teuer. Deswegen musste das Ruderboot für 15 NZD pro Person (wir waren zu dritt unterwegs) herhalten. Kann ja nicht so schwer sein, oder? Ich gebe zu, es ist schwerer, als es aussieht. Kommt aber mit Sicherheit auch auf das persönliche Geschick an. Lustig war es allemal.

Für alle Insassen gibt es Schwimmwesten. Wichtig ist, dass ihr bzw. eure Kinder die ganze Zeit einigermaßen still sitzen könnt, damit das Boot nicht umkippt.

© Stefanie Schindler

Jetzt fahrn wir übern… Waiau River © Stefanie Schindler

Unterwegs auf dem Circle Track

Auf der anderen Seite angekommen, wurde das Boot vertäut und die Schwimmwesten verstaut. Nun konnte die Wanderung endlich starten, inzwischen war es bereits später Nachmittag.

Die erste Strecke führte durch wunderbar verwunschenen Wald. Die Szenerie war wirklich wunderschön. Es war mein erster Besuch in Fiordland und der dortige Regenwald mit seinem reichhaltigen Unterholz, den Moosen, Farnen, Flechten und Sträuchern hat mich sofort verzaubert. Dazu kam noch das leicht schräg einfallende Licht der Nachmittagssonne – herrlich.

© Stefanie Schindler

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Nach diesen leichten ersten Metern beginnt der Aufstieg. Insgesamt sind es ca. 370 Höhenmeter. Der Weg ist teilweise sehr steil, allerdings gibt es genügend Möglichkeiten, sich an Bäumen oder Wurzeln festzuhalten, falls wirklich notwendig. Mit Kletterei hat der Auf- und Abstieg allerdings zu tun.

Oben angekommen, wurde ich mit einer einmaligen Aussicht belohnt. Einfach nur herrlich. Aber Achtung: Am Aussichtspunkt geht es sehr, sehr steil nach unten bzw. hat wohl ein Erdrutsch einen Überhang geschaffen. Also bitte nicht zu nahe an die Kante gehen. Das gilt natürlich für Erwachsene genauso wie für Kinder. Der anschließende Abstieg ist ähnlich steil wie der Anstieg.

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Obacht! © Stefanie Schindler

Auf Seehöhe angekommen, verläuft der Wanderweg parallel zum Lake Manapouri. Es gibt einige – nicht ausgeschilderte, aber deutlich erkennbare – Abzweigungen zu kleinen, einsamen Stränden, die sich wunderbar für eine Pause eignen. Um Steine zu schnippen, die Füße ins Wasser zu halten oder – für die ganz Harten – auch um schwimmen zu gehen. Den „krönenden Abschluss“ der Wanderung bildete die Rückfahrt bzw. das „Einparken“ des Ruderboots.

© Stefanie Schindler

© Stefanie Schindler

Ist der Circle Track für Kinder gut geeignet?

Ich habe keine Kinder, sprich: ich habe den Weg nicht mit Kids getestet und meine Einschätzung kann daher nur laienhaft sein.

Die Broschüre des DOC bezeichnet den Track als „advanced“, also schwierig. Das ist er auf keinen Fall! Der Weg ist sehr einfach und es sind keine schwierigen oder abschüssigen Passagen zu bewältigen.

Der An- und Abstieg von ca. 380 Höhenmetern ist steil, aber es muss nicht geklettert werden. Außerdem geht es die ganze Zeit durch Wald und nicht über Felsen. Der Waldboden ist sehr weich und griffig, selbst beim Hinfallen dürfte nichts Schlimmes passieren. Einen Kinderwagen könnt ihr aber auf keinen Fall mitnehmen.

© Stefanie Schindler

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Am Aussichtspunkt ist Vorsicht geboten, da es sehr steil nach unten geht und durch Erdrutsche bereits ein Überhang entstanden ist. Also keinesfalls zu nahe an die Kante treten!

Der Weg ist insgesamt nur 6,9 Kilometer lang (lt. DOC-Broschüre). Unser GPS hat allerdings eine Wegstrecke von 8,72 Kilometern angegeben. Ob eure Kinder die Wegstrecke und die Höhenmeter konditionell bewältigen können, schätzt ihr selbst am besten ein.

Die Möglichkeit, Zeit am See zu verbringen ist mit Sicherheit ein Pluspunkt bei einer Wanderung mit Kindern. Die Überfahrt mit dem Boot – egal welcher Art – dürfte Kinderherzen auch höher schlagen lassen.

Sollte es allerdings stark geregnet haben, dann rate ich davon ab, den Circle Track mit Kindern zu wandern. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Boden sehr matschig wird und besonders beim Abstieg bietet der rutschige Waldboden dann nicht mehr genügend Halt.

© Stefanie Schindler

Auch für die Kleinen ein schöner Wanderweg – sagt © Stefanie Schindler

Fazit

Eine schwierige Wanderung, wie vom DOC angegeben, ist der Circle Track auf keinen Fall. Die Aussicht, der Wald und die kleinen Strände am See sind eine tolle Kombination. Für sehr kleine Kinder sind die Wegstrecke sowie die Höhenmeter wahrscheinlich zu viel, deswegen sollte man – je nach Alter des Kindes – eine Wanderkraxe mitnehmen.

Wir haben uns sehr über diesen Gastbeitrag von „Wanderratte“ Steffi gefreut und legen euch ihr eBook „Wandern in Neuseeland – Ein Trekking-Guide für Aktiv-Reisende“ wärmstens ans Herz!

© Stefanie Schindler

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