Neuseeland für Familien Neuseeland-Reise 2011

Wandern mit Kindern in Neuseeland: der Rob Roy Track im Mount Aspiring National Park

Um es vorwegzunehmen: Mit Bergen und Wanderungen in denselben haben es die Weltwunderer eigentlich nicht so. Aber den einen Track nahe Wanaka hatten wir schon Monate vor unserer Abreise auf der Agenda stehen. Wieso uns der Rob Roy Track total umgehauen hat und ob man den mit Kindern überhaupt schafft – das lest ihr gleich.

Weltwunderer Rob Roy Glacier Track

Zuerst die Fakten: Der Rob Roy Track ist ein etwa 10 Kilometer langer „oneway track“ (das heißt, ihr geht auf demselben Weg wieder zurück) vom Tal des Matukituki River hinauf zum Rob Roy Peak – oder wenigstens zu einem Aussichtspunkt, von dem ihr eine grandiose Aussicht auf mehrere aktive Gletscher habt, die von den Gipfeln des Mount Aspiring National Park hinabfließen und aus denen gigantische Wasserfälle (und manchmal auch Lawinen) zu Tal donnern.

Das DOC, das eine wunderbare kleine Broschüre zum Rob Roy Track herausgibt, schätzt die Laufzeit auf etwa drei bis vier Stunden und den Anspruch als „leicht“ ein. Wir würden das nicht für den kompletten Weg unterschreiben – es gibt schon einige sehr steile Stücken, lange Strecken des Weges sind nicht allzu eben und am Ende muss über große Steine gekraxelt werden. Buggys bleiben also definitiv besser zu Hause!

Unsere Große, damals fünf Jahre alt, hat den Weg geschafft, und auch der Kleine ließ es sich nicht nehmen, Teile der Strecke selbst zu laufen. Mit Laufanfängern wie unserem solltet ihr die angegebenen drei bis vier Stunden Laufzeit aber großzügig nach oben aufrunden – wir haben (mit Pausen…) fast sechs Stunden gebraucht, bis wir wieder zurück am Campervan waren.

Aber der Reihe nach!

Rob Roy Track: die Anfahrt

Die erste Herausforderung dieser grandiosen Wanderung besteht bereits in der grandiosen Anfahrt: Von den 50 km Straße, die von Wanaka zum Carpark am Beginn des Tracks führen, sind 30 km Gravel Road. Nun kennt man solche Gravel Roads ja bereits, die sind vor allem staubig, aber nicht weiter schlimm. Nicht jedoch diese!

Weltwunderer Rob Roy Glacier Track

Wie in einem Videospiel heißt es hier, die Geschwindigkeit so hoch zu halten, dass die schlimmen Querrillen in der Fahrbahn gewissermaßen übersprungen werden, anstatt in jede hineinzudonnern, jedoch vor jedem der gefühlten 1.000 Cattle Stops auf 5 km/h abzubremsen, weil das zu schnelle Überrollen dieser in den Boden eingelassenen Rollgitter allen Passagieren die Kronen aus den Zähnen haut. Dazu gilt es noch, an die zehn Furten zu durchqueren, ohne an den darin versteckten Steinen den Unterboden eures Fahrzeugs zu ruinieren.

Weltwunderer Rob Roy Glacier Track

Die warnenden Schilder am Wegrand, die Tod und Hölle für die nächsten Kilometer ankündigen, solltet ihr gebührend würdigen, aber beherzt weiterfahren – es sei denn, es hat kürzlich stark geregnet. Dann besteht tatsächlich eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ihr den Carpark nicht (heil) erreicht. Ansonsten solltet ihr gut eine Stunde Fahrt von Wanaka rechnen.

 

Vom Raspberry Car Park: steil bergan

Man nehme zwei Weltwunderer, denen das Wandern nicht gar so eine Lust ist und die entsprechend untrainiert sind, ein fünfjähriges Weltwunderkind, das konstant durch Ansprache, Ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst und in Aussicht gestellte Süßigkeiten zum Durchhalten motiviert werden muss, sowie ein zweijähriges Weltwunderkind, das 15 kg wiegt und auf den teilweise schmalen und abschüssigen Bergpfaden auf dem Rücken getragen werden muss…

Mann, was waren wir fertig, als wir wieder unten waren!

Weltwunderer Rob Roy Glacier Track

Vom Raspberry Car Park, wo ihr ein letztes Mal zur Toilette gehen könnt, startet der Weg über eine nette sonnige Wiese, hinein ins West Matukituki River Valley und zunächst immer linkerhand des Rob Roy Stream. Nach etwa einer Viertelstunde (und ersten Beschwerden: „Wie weit ist es denn noch?“) biegt der Pfad rechts ab und trennt sich vom Weg zur Mount Aspiring Hut. Jetzt wird es endlich spannend, es geht über eine Hängebrücke über den reißenden Fluss!

Weltwunderer Rob Roy Glacier Track

Gleich hinter der Brücke wechselt die Szenerie komplett: Wir laufen jetzt auf einem schmalen Weg durch eine Schlucht bergan. Die mit Moos bewachsenen Buchen geben den Blick immer wieder frei auf verlockende Bergflanken und Gipfel. Und dann wird es plötzlich steil! Hallelujah, das ist schon kein Wandern mehr, sondern eher ein Steigen. Gut, dass wir den Picknickplatz mit dem frechen Kea-Publikum kurz vor dem Anstieg verschmäht haben – wir wären mit vollen Bäuchen niemals hier hinaufgekommen.

Andere Wanderer, die nicht so vorbildlich wie wir mit Kleidung für jede Wetterlage und Proviant für eine ganze Familie beladen sind, überholen uns in ihren Flipflops mit Umhängetäschlein (und wenig später kommen sie uns schon wieder entgegen, auf dem Rückweg). Aber hin und wieder überholen wir auch junge Familien, die ihr Baby in der typisch deutschen Wanderkraxe nach oben schleppen und ordentlich keuchen. Tschakka!

Weltwunderer Rob Roy Glacier Track

Endlich ist die Steigung geschafft, der Weg führt jetzt nur noch mit leichter Steigung bergan durch sonnendurchfluteten Bergregenwald mit knorrigen, flechtenbehangenen Baumriesen. Links des Weges rauscht der Rob Roy Stream über Felsbrocken zu Tal, das kristallklare Wasser ist eiskalt und sooo erfrischend. Wir füllen ständig unsere Wasserflaschen auf und müssen die Kinder zurückhalten, sich komplett nass zu machen. Mit durchweichten Wanderschuhen läuft es sich nicht gut!

Weltwunderer Rob Roy Glacier Track

Belohnung: Aussicht auf den Rob Roy Glacier

Wir sind jetzt am Ende des tief eingeschnittenen Flusstals angekommen und treten aus dem Wald heraus auf eine riesige Bergwiese. Über der Baumgrenze wachsen nur noch ein paar vereinzelte Latschenkiefern (oder ihre neuseeländischen Äquivalente), ansonsten ist unser Blick frei für das gigantischste Panorama, das wir Wander-Nulpen je gesehen haben.

Der Anblick des riesigen Rob-Roy-Gletschers und des Rob Roy Peak, die da im gleißenden Sonnenschein erhaben liegen… die gewaltigen Wasserfälle, die aus dem Gletscher in schwindelerregender Höhe nach unten donnern… dazu das ständige Rauschen des Flusses und die tosende Stille der Berge – wir können uns einfach nicht satt sehen.

Mount Aspiring National Park Rob Roy Glacier

Mit hellen Schreien verständigen sich die elegant herumsegelnden Keas, dass hier eine Familie ein mariniertes Hühnchen dabeihat! Wir sind aber so hungrig (immerhin ist schon Nachmittag, wir sind erst gegen 13 Uhr am Car Park gestartet), dass wir den frechen Bergpapageien nichts von unserem Picknick gönnen. Füttern ist sowieso nicht anzuraten, immerhin sind das wilde Tiere, die sich nicht an menschliche Versorgung mit zweifelhaftem Nährwert gewöhnen sollen.

Weltwunderer Rob Roy Glacier Track

Der Rückweg: die Kehrseite der Medaille

Tja, und dann heißt es irgendwann doch: Abstieg! In die andere Richtung gelaufen, zeigt uns der Weg überraschend neue Eindrücke – immerhin schauen wir jetzt auf die Bergflanke, die vorher in unserem Rücken lag. Dabei sehen wir auch, wie schnell dann doch die Sonne sinkt und uns bald in kühlen Schatten taucht – und jaaaa, die letzten Meter ziehen sich ganz ungemein hässlich in die Länge.

Der Weltwundersohn hat den Rückweg fast komplett in der Rückentrage schlafend verbracht; wir anderen quälten uns mit schmerzenden Beinen bergab und zurück. Am Car Park ist leider kein Freedom Camping gestattet, sonst wären wir hier schon in die Kissen gesunken – so muss man am Ende dieser doch recht anstrengenden Wanderung noch eine Stunde Rückfahrt nach Wanaka überstehen. Und natürlich 30 km davon über haarsträubenden Schotter. Aua!

Weltwunderer Rob Roy Glacier Track

 

Was ihr mit Kindern beachten solltet:

  • Der Weg ist komplett ungeeignet für Buggys, egal wie robust.
  • Eine gute, bequeme Rückentrage ist auch für Kinder bis drei oder vier Jahre empfehlenswert, da es einige heikle Wegstücken gibt.
  • Der Weg ist gut erkennbar, aber teilweise sehr schmal und ein Stück führt unter einer überhängenden Felswand hindurch. Oben am Viewpoint sollten kleine Kinder nicht unbeaufsichtigt herumlaufen, hier ist unabgezäuntes Hochgebirge.
  • Ein Großteil des Wegs verläuft relativ geschützt im Wald, so dass ihr keine allzu große Angst vor plötzlichen Wetterwechseln haben müsst.
  • Nehmt unbedingt viel Wasser mit, wenn ihr im Sommer unterwegs seid, es wird sehr warm. Ab halber Strecke könnt ihr die Flaschen im Rob Roy Stream auffüllen.
  • Sonnenschutz nicht vergessen.
  • Gute Wanderschuhe sind essenziell! Vergesst Blasenpflaster und eine Elastikbinde für die Notfall-Apotheke nicht.
  • Gute Nachricht: Es gibt keine Sandflies.
  • Schlechte Nachricht: Es gibt ab Wanaka keine Gelegenheit mehr zum Einkaufen; euren gesamten Proviant müsst ihr also mitbringen.
  • Hingegen gibt es eine Toilette am Car Park und noch einmal eine ganz oben am Viewpoint (beides natürlich Plumpsklos).
  • Plant unbedingt genug Zeit für den Rückweg ein – nicht nur die Laufstrecke, sondern auch für die Rückfahrt nach Wanaka.

 

Unser Fazit: Ein „Easy Walking Track“ ist der Rob Roy Track nicht, jedenfalls nicht für Familien mit kleinen Kindern. Aber auch ohne viel Fitness ist die Route gut zu schaffen, und der Ausblick am Ziel lohnt jede Strapaze. Versprochen!

 

5 Kommentare

  • Ein sehr schöner Artikel und vor allem tolle Bilder. Wart ihr Neuseeland schon mal reiten? Wir haben letztes Jahr eine Trekkingtour mit Pferden in Neuseeland gemacht und die war echt super! Unsere Kleinen hatten dabei auch sehr viel Spaß 🙂 Müsst ihr unbedingt mal machen!

    • Hallo Aylin, das Reiten ist eher das Steckenpferd des Weltwundermannes und der großen Tochter. Die beiden sind auch in NZ geritten, darüber haben wir noch gar nichts geschrieben… Wo habt ihr denn eure Tour gemacht und wie klein sind eure Kleinen?

  • Hallo, das klingt nach einer Menge Spaß. Ich finde Wanderungen mit Kindern zum einen eine Herausforderung, aber wenn es mit Spaß gelingt, so viel Freude. 🙂 Und in NZ würde ich auch vieles erkunden wollen, wenn es mich dort mal hinverschlägt.

    LG aus St. Leonhard

  • Hi,
    das ist ja mal ein sehr ausführlicher und hilfreicher Blog. Leider habe ich den viel zu spät entdeckt. Wir fliegen jetzt am Freitag schon los. Wir werden auch einen Britz-Camper mieten, allerdings einen etwas längeren (Sprinter). Kann man damit die 30 km Strecke fahren? Bei euch war das doch auch bestimmt nicht versichert oder? No unsealed roads…

    Über eine Antwort würde ich mich freuen.
    Und nochmal Kompliment für den super erstellten Blog!!!

    Thomas

    • Hallo Thomas, na dann wünsche ich euch eine tolle Zeit in NZ! Wir sind in Gedanken mit euch… 😉
      Unser Britz hatte auch Sprinter-Länge, soweit ich mich erinnere. Und klar sind wir die Strecke gefahren; wir sind eigentlich alle Strecken gefahren außer den total verbotenen (90 Mile Beach, Ball Hut Road und so). So lange alles Gepäck hinten gut verstaut ist (immer dran denken, die Schubladen zu verschließen!), kein Problem.
      Have fun! Und schaut euch mal unsere Freedom Camping Spots an, die sind bestimmt auch nützlich für euch.

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