Japan Reisetipps für Japan

Was wir an Japan lieben – und was nicht

Mehr als 2.000 Kilometer sind wir in den letzten Wochen durch Japan gefahren. Unser kleiner, aber treuer Mazda Bongo hat die Japanischen Alpen, die Berge der Kii-Halbinsel und die Schluchten von Shikoku gemeistert. Nun sind es nur noch wenige Kilometer bis zurück nach Tokio – Zeit für uns, Bilanz zu ziehen.

Weltwunderer Was wir an Japan lieben

Es gibt eine Menge Gründe, Japan toll zu finden

Während der Weltwundermann den Campervan mit Gelassenheit und Eleganz über eine unmöglich schmale Serpentinenstraße vom Klosterberg Koya-san hinab steuerte, sammelten wir alles, was wir in den letzten Wochen an Japan lieben gelernt hatten. Am Fuße des Berges angekommen, hatten wir eine lange Liste aufgestellt.

Zuallererst sind uns allen die unaufdringliche, aber aufrichtige Höflichkeit und Rücksichtnahme der Japaner eingefallen. Überall im Alltag begegnete uns das Bemühen, alles für den anderen so bequem und sicher wie möglich zu gestalten. Das reicht von einer umfangreichen und manchmal unfreiwillig komischen Beschilderung über Baustellen und Parkplätze, wo unheimlich viel Personal allein dafür abgestellt ist, Passanten sicher vorbeizulotsen oder ihnen einen Platz zuzuweisen, bis hin zu den wahnsinnig sauberen und luxuriösen Toiletten, die in jedem kleinen Convenience Store zur Verfügung stehen. Kostenlos, natürlich!

Eng damit zusammen hängt die Kinderfreundlichkeit der japanischen Gesellschaft. Kinder sind hier kleine Götter, sie werden herumgetragen, verwöhnt und geherzt. (Und wir haben überraschend viele Familien mit drei Kindern gesehen!) Ein freundliches Lächeln ist das mindeste, das unseren Kindern von Menschen jeden Alters und Geschlechts geschenkt wurde. Wir nehmen ein Sammelsurium an Geschenken mit heim, das die Kinder von Fremden in der U-Bahn, von den Kellnern im Restaurant und von Snack-Verkäufern bekommen haben. Entzückte „Kawaii“-Rufe folgten uns auf jedem Weg in Japan.

Schließlich ist auch Japan selbst bzw. seine traditionelle Kultur, die ganz selbstverständlich in den modernen Alltag integriert ist, für uns der absolute Hit. Das beginnt bei den Häusern mit ihren Tatami-Matten und Schiebetüren mit Reispapierwänden, in denen man an der Tür die Schuhe auszieht, oder den vielen Menschen, die offenbar aus reinem Vergnügen herausgeputzt im traditionellen Kimono und auf Holzpantinen („getas“) durch die Stadt spazieren, und hört bei der Badekultur nicht auf – das Reinigen im Onsen, der heißen Quelle, war für uns Campervan-Reisende ein wichtiger Tagespunkt, wenn wir nicht gerade am Meer waren.

(Bei Sommerhitze im warmen bis heißen Wasser zu entspannen, ist allerdings nicht jedermanns Sache – hier sind unsere Meinungen daher gespalten.)

Weltwunderer Was wir an Japan lieben

Wirklich jeder in Japan scheint Kinder zu lieben – ach was, zu vergöttern!

Oje, ich merke schon: Wenn ich so ausführlich weitermache, wird das ein seeehr langer Bericht. Die weiteren Punkte auf unserer Liste werde ich daher einfach auflisten:

 

Die Weltwunderer-Japan-Favoriten

  • das Essen (besonders der frische Fisch!), das man fertig zubereitet sehr günstig überall kaufen kann, vor allem in den überall zu findenden rund um die Uhr geöffneten Convenience Stores – Selbstversorgerparadies Japan!
  • die knuffigen japanischen Hybrid-Autos (Weltwundermann schwärmt dagegen eher für den Toyota Hiace und den Toyota Alphard, die wir außerhalb Japans noch nie gesehen haben)
  • das Tanken (Selbstbedienung ist hier die absolute Ausnahme und als Kunde fühlt man sich hier wirklich wie ein König)
  • die Zedern- und Bambuswälder und die nebenverhangenen Berge, die Japan stellenweise wirklich mystisch erscheinen lassen
  • die Getränkeautomaten an jeder Ecke
  • der überraschend gute Kaffee (den es auch kalt in Literflaschen gibt…)
  • Totoro und seine knuffigen Freunde
  • Ninjas!
  • die allgegenwärtigen kleinen Reis- und Gemüsefelder
  • die alten Städte mit ihren niedrigen Holzhäusern, den engen Gassen und den mit Laternen behängten Brücken
  • die mystische Shinto-Religion
  • das im Gegensatz dazu wahnsinnig große und moderne Tokyo
  • die zivilisierte Fahrkultur, die wir sowohl der europäischen als auch der südostasiatischen vorziehen (und nein, hier fährt niemand die vorgeschriebenen 70 km/h auf dem Highway)
Weltwunderer Was wir an Japan lieben

Ein wackelnder, sprechender Mount Fuji? Kawaii!

Was wir nicht so sehr mögen an Japan

Es gibt bei aller Schwärmerei natürlich auch ein paar Dinge, die uns an Japan nicht so sehr gefallen. Im Sinne einer objektiven Reiseberichterstattung wollen wir diese nicht unerwähnt lassen.

Zuallererst stört uns: der Müll. Es ist unglaublich, wie viel Müll entsteht, sobald wir etwas essen, trinken oder kaufen. Alles wird in Plastik verpackt und dann noch einmal mit Plastik umwickelt und schließlich in eine Plastiktüte gesteckt.

Klar ist es toll, wenn man sein Essen verzehrfertig kaufen kann und auch noch Essstäbchen, Löffel und Erfrischungstücher dazubekommt. Aber jedes einzelne Teil ist dabei extra in Plastikfolie eingeschweißt. Getränke am Automaten kommen in 0,2-Liter-Fläschchen oder Dosen…

Das wahnsinnig komplizierte Mülltrennungssystem der Japaner erscheint uns da, mit Verlaub, als Augenwischerei – zwar werden PET-Flaschen, Dosen, Flaschendeckel und andere Kleinigkeiten getrennt, der Rest kommt aber als „burnable“ einfach so in den Ofen und wird verbrannt. Ja, auch am Wegrand. Und für uns Reisende noch doofer: Es gibt kaum öffentliche Mülleimer. Wenn man dann stundenlang mit Mülltüten in der Hand herumlaufen muss, ist das schon nervig.

Sauberkeit und Ordnung sind in Japan sehr wichtig – das ist besonders für Eltern mit Kleinkindern sehr angenehm, hat aber auch Kehrseiten. Wir haben hier oft das Gefühl vermisst, mal auf etwas anderem als Asphalt zu laufen. Wirklich freie, unberührte Natur, Badestellen in Seen oder auch ausgeschilderte Wanderwege findet man nicht einfach so in Japan, das kostet schon einigen Aufwand.

Was man dagegen recht einfach findet, sind Vertreter der Natur: schöne große Spinnen, gigantische Hirschkäfer und Zikaden oder auch Schaben sind uns häufiger begegnet, als uns lieb war (mit Ausnahme des Weltwundermannes, der sich über so etwas zu freuen pflegt – brrr…)

Für uns Europäer wirklich gewöhnungsbedürftig ist das japanische Verständnis von Freizeit und Erholung in der Natur. Jede schöne Ecke wird für Besuchermassen aufbereitet und ist unweigerlich von Busparkplätzen und Souvenirshops umgeben – und diese Besuchermassen kommen auch tatsächlich, denn die Japaner reisen sehr gern.

Das muss man wissen, wenn man den Empfehlungen im Reiseführer folgt, sonst ist man schnell enttäuscht – und das ist uns einige Male passiert. (Jetzt sind wir schlauer und wissen, wie wir den Massen ein Schnippchen schlagen können!)

Weltwunderer Was wir an Japan lieben

Der Mülltrennung widmen sich Japaner mit Herzblut

Das war es auch schon an Beschwerden! Im Vergleich zu anderen Ländern ist Japan wirklich einfach zu mögen und auch viel einfacher zu verstehen, als wir ursprünglich gedacht haben. Wir kommen gern wieder, denn es gibt noch so einiges, was wir uns hier gern anschauen wollen!

9 Kommentare

  • Das mit dem Müll hat mich auch sehr genervt und bei mir bisweilen die Grenze des Tolerierbaren überschritten. Sprich: Wenn ich in städtischen Gebiet mehr als eine halbe Stunde Müll in der Hand halten muss (also Dinge, die ich nicht einfach einstecken kann, weil es klebt), landet er auf dem Boden. Da habe ich dann auch kein schlechtes Gewissen mehr, sondern sehe das eher als ein politisches Statement.

  • Wie: die vielen Gadgets und skurrilen Spielereien haben es nicht auf eure Pro-Liste geschafft? Und Karaoke wart ihr auch nicht singen, in so einer coolen Bar wie in „Lost in Translation“? 🙂 Wir haben es ja leider noch nicht selbst nach Japan geschafft, aber diese beiden Dinge stehen bei mir ganz oben auf der Liste der Dinge, die ich endlich vor Ort selbst sehen beziehungsweise erleben will.

    PS: Folgt da noch ein eigenes Posting zum Essen? Du weißt ja: Bei uns im Blog wäre jederzeit Platz für einen Japan-Gastbeitrag von Dir!

    • Ohhh, das Essen… Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Ein Beitrag dazu steht natürlich auf der To-do-Liste 🙂 Und ganz ehrlich: Karaoke-Bar mit drei Kindern?? Das haben wir im Auto die ganze Zeit. Drei Wochen lang Peter Fox, ick sache dir…

  • Japan ist eindeutig ein Land, das mich noch sehr reizt. Ich finde es erstaunlich, mal zu lesen, dass es doch nicht so schwer zu verstehen ist. Sonst habe ich immer nur gehört, dass es so ganz anders und super fremd ist, dass man sich gar nicht wohl fühlen kann. Na ja, kommt bestimmt auch darauf an, wie offen man für fremde Kulturen ist.

  • Oh, ich habe euch mit Spannung ja schon immer auf Instagram „gestalkt“. Japan interessiert mich sehr und Eure Erlebnisse dort. Klingt ja erstmals alles ganz hervorragend. Aber verratet doch mal Eurer Tricks den Menschenmassen zu entkommen, davor habe ich nämlich einen Horror.
    Der Toyota Hiace ist übrigeens wohl der Exportschlager schlechthin. In Asien und Afrika siehst du ihn an jeder Ecke.

  • Hättest du die negativen Dinge nicht einfach weglassen können? Der erst Bericht und Teil 1 von diesem hier klangen so gut!
    Der Verpackungswahn geht mir in Deutschland schon gegen den Strich. 2l Flaschen verstehe ich zwar auch nicht, aber 0,2l sind ja noch schlimmer 🙂

    Zum Tanken: ist das dann wenigstens ein Roboter??? Wenn ich hier eine Shell mit Tankwart erwische ist mir das immer voll unangenehm.
    Aber so ne Robotanke wäre cool!

    Liebe Grüße,
    Marc

    • Nee, lieber Marc, das Betanken (und Scheibenputzen) übernehmen echte Menschen, und die sind so bemüht um dich und darum, dir deinen Tankstellenbesuch angenehm zu machen, das ist der Hit. Ich kann nachvollziehen, was du meinst, aber hier ist wirklich jeder so aufrichtig höflich und beflissen, dass das gar nicht schlimm ist. Trinkgeld nimmt übrigens auch niemand an, wofür denn – man ist doch nicht nett zu den Kunden, um Geld zu bekommen?!
      Mit dem Müll hat Christin natürlich Recht: Es liegt fast nie welcher herum und die absurden Trennvorgaben hält jeder genau ein – ohne Strafandrohungen wie im Vorzeige-Singapur, einfach so. Das ist schon wirklich angenehm hier 🙂

  • Hallo Jenny,

    eure Erfahrungen kann ich fast alle teilen, nur das Essen hat mich nicht überzeugt – ist aber ja bekanntlich Geschmackssache! 😉

    Zu dem Müll muss man allerdings erwähnen, dass es so gut wie keinen Müll gibt, der irgendwo herumliegt – trotz des enormen Verpackungsverbrauchs und der nicht vorhandenen öffentlichen Mülleimer. Ich glaube, das würde in keinem anderen Land der Welt so funktionieren, ohne dass das Land in Müllbergen untergeht. Wieso man allerdings selbst einzelne Bananen nur in Plastiktüten kaufen kann, entzieht sich mir immer noch jeglicher Logik 😉

    Viele Grüße
    Christin

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