Hobbit & Co.

Wellington im Zeichen des Hobbit – unsere Do-it-yourself Location Tour durch NZ

Nach dem Start des „Hobbit“ ist Wellington für jeden Film-Fan natürlich „the place to be“. Extra für die Premiere hat sich die Hauptstadt Neuseelands in „Middle of middle earth“ umbenannt (kein Scherz!) und begrüßt Einwohner und geneigte Besucher mit vielen Attraktionen und Events im Umfeld des Filmstarts.

Die Drehorte der „Herr der Ringe“-Teile (und wohl auch des „Hobbit“) liegen hauptsächlich auf der Nordinsel und sind vor allem um Wellington herum konzentriert. Logisch: Hier lebt nicht nur Regisseur Peter Jackson, sondern hier liegen auch seine Produktionsfirma „Wingnut Films“ und die „Weta Studios“ der Special-Effects-Firma „Weta Workshop“.

Da Wellington außerdem umgeben von verwunschenen Parks, Flüssen, Bergen und schroffen Küsten ist, konnte die Crew hier schon einige Locations abdecken; aber natürlich wurden auch viele Szenen im Studio und an so „pittoresken“ Stellen wie einem Parkplatz in Paraparaumu oder einem Steinbruch an der Haywards Hill Road gedreht, die heute gar keinen Eindruck mehr von den Filmszenen erwecken. (Der echte Fan fährt natürlich trotzdem mal eben vorbei, um den Geist der Dreharbeiten zu spüren…)

Erster Stopp: Weta Cave

2011 führte unser erster Weg in Wellington in die „Weta Cave“. Hier hat Weta Studios ein kleines „Museum“ für Fans aufgebaut, die wahrscheinlich vorher penetrant an den Werkstoren herumlungerten. (Das lohnte sich trotzdem – denn die Tore befinden sich direkt hinter der Weta Cave und beim Hineinschmulen konnten wir zahlreiche Bögen, Äxte und anderes Filmutensil, ganz offensichtlich für den „Hobbit“, entdecken.)

Weta Cave WellingtonDas „Museum“ ist eher ein Showroom von vielleicht 10 m2, aber auf dieser winzigen Fläche findet der Fan alles, was sein Herz begehrt: von einem lebensgroßen, gefährlichen Uruk Hai über Gollum mit Fisch bis zum Dunklen Herrscher himself – vorsichtshalber hinter Glas. Wer groß genug ist und den Guide überreden kann, Sauron mal antippen zu dürfen, der dürfte überrascht sein… Meine Lieblingsstücke habe ich auf/in/bei (?) Pinterest auf dem Hobbit-Pinboard angepappt; schaut ruhig mal rein!

Weta Cave Wellington GoblinDa wir uns in Neuseeland befinden, gibt es natürlich auch … eine Kinderspielecke. Die Erwachsenen dürfen derweil ins Kino gehen und einen 20-minütigen Film ansehen, den wir uns wegen der Kinder allerdings geklemmt haben. Stattdessen genossen wir eine Privatführung mit vielen Insider-Informationen durch einen Zwerg – jedenfalls behauptete er, für den „Hobbit“-Film als Zwergendarsteller gecastet worden zu sein. Die Bartlänge stimmte schon mal.

Wer die Weta Cave besuchen möchte: Die Adresse ist Camperdown Road/Ecke Weka Street in Miramar, Wellington, geöffnet ist täglich von 9 bis 17:30 Uhr. Parkplätze gibt es genug, wenn nicht gerade Schulschluss ist. Ach ja: Eintritt ist frei!

Zweiter Stopp: Mount Victoria

Nach mehreren Stunden Schauen, Staunen und Shoppen fuhren wir zum Mount Victoria hinauf und machten dort Lunch Break mit Stadt- und Meerblick. Weiterhin fanden wir dort  tatsächlich die Stelle, an der Frodo und seine Hobbits das erste Mal auf einen Nazgûl trafen; wir erinnerten uns gut an seinen Schrei „Get off the road – quick!“, sahen aber von der Nachstellung des Sturzes ab (was Teilnehmer der LOTR-Touren in Wellington offenbar durchaus tun!).

Auch die Stelle der halsbrecherischen Flucht der vier Hobbits vor den Schwarzen Reitern durch den nächtlichen Wald, bevor sie sich auf die Fähre über den Brandywine retten, war ohne Weiteres wiederzuerkennen, auch wenn es heller Tag war. Was wir nicht angeschaut haben, ist ein Drehort des Lagers der Rohirrim, bevor sie in die Schlacht nach Gondor ziehen (und wo sich Eowyn als Mann rekrutieren lässt). Der Steilhang im Hintergrund der Zelte liegt am Ende der Ellice Street.

Mount Victoria LOTR Location Wellington

„Hobbit“-Locations und andere Geheimnisse

Wer noch ein wenig mehr Zeit und Engagement übrig hat, der kann bis Ende 2013 versuchen, einen Blick auf das Set der Stadt Thal zu werfen, das versteckt auf Privatgelände im Maupuia Bush im Stadtteil Miramar liegt. Wie das in Neuseeland so üblich ist, kann man natürlich höflich fragen, ob man das Gelände betreten darf – und wird eventuell auch reingelassen, wie in den Medien angedeutet wurde. Zu sehen ist wahrscheinlich außer einer großen Halle (wo auch King Kong gedreht wurde) nicht viel, aber drin dürfte der Drache Smaug die Stadt Thal zerstören – wow!

Wer nichts gefunden hat, kann sich immerhin mit einem Kaffee im „Chocolate Fish Café“ trösten, das gleich nebenan am Ende der Shelly Bay Road liegt. Hier hat das LOTR-Team während der Dreharbeiten angeblich oft und gern gespeist und auch fern vom Fan-Rummel scheint die kinderfreundliche Lokalität noch genug Atmosphäre zu haben.

Um Wellington herum: Parks und … Parks

Ein wenig weiter draußen, aber in lockerer Tagesausflugs-Distanz liegt der Kaitoke Regional Park zwölf Kilometer nördlich von Upper Hut. Dort wurde Rivendell alias Bruchtal aufgebaut und leider, leider auch komplett wieder abgebaut. Als wir 2003 hier waren, fanden wir außer einem ausführlichen Hinweisschild nichts – nur ein Flusslauf, der mit dichtem Laubwald bewachsen ist. Sich hier die eleganten Elbenhäuser und Pavillons hineinzudenken, verlangt schon einiges an Fantasie.

Kaitoke Regional Park aka Rivendell by FlickR/YortwAuf dem Rückweg kann man noch in Harcourt Park vorbeischauen; an der Akatarawa Road (die geht vom SH 2 ab) liegen hier die Drehorte für verschiedene Szenen in Isengard (Sarumans Sitz, als er noch einem schönen Garten ähnelte und nicht einem Heinzelmännchen-Bergwerk). Natürlich braucht man auch hier Fantasie; für die Dreharbeiten wurde sogar der Rasen entfernt und nachher wieder eingesetzt! Was auch fehlt, sind die großen Bäume, die im Film auf Sarumans Befehl umgerissen wurden. Die hatten hier aber sowieso nie „in echt“ gestanden.

Was man in Harcourt Park hingegen sehr gut sehen kann, ist die Wellington Fault Line – Ergebnis eines starken Erdbebens, das den Boden bis zu fünf Meter anhob und den Lauf des Hutt River veränderte.

An eben diesem Hutt River wurden praktischerweise auch einige Szenen auf dem Anduin gedreht; wer testen will, ob er etwas wiedererkennt, sollte vor allem zwischen Moonshine und Totara Park südlich von Kaitoke schauen. Der Zugang liegt gleich hinter der Moonshine Bridge, links nach dem Poet’s Park.

Romantiker erinnern sich bestimmt an die Szene, wo Aragorn im zweiten Teil nach seinem Sturz von der Klippe bewusstlos in Rohan ans Ufer gespült wird – wo ihn sein Pferd liebevoll wachküsst. Und mit einer Träne im Auge erinnere ich mich, wie Faramir seinen toten Bruder in einem Boot findet, das den Anduin hinuntertreibt… Auch die findet ihr nahe Wellington am Hutt River: Ungefähr zwei Kilometer nördlich von Upper Hut biegt ihr vom SH 2 auf die Topaz Street ab, fahrt am nächsten Kreisverkehr rechts auf den Gemstone Drive und parkt vor der Einfahrt zum Fluss.

Hutt River LOTR Location by FlickR/Fem op reis

Spektakulär im Film und in echt: Cape Palliser

Noch weiter draußen, aber absolut lohnenswert, ist ein Ausflug zu den Putangirua Pinnacles am Cape Palliser. Die Landschaft an der Südseite der Nordinsel ist spektakulär einsam, schroff und karg; hier peitscht der Ozean an die Klippen, die Seelöwen stinken vor sich hin und es warnen die Tsunami-Schilder an bröckeligen Gravel Roads. Von dem gleichnamigen DOC Campingplatz führen drei Wanderwege zu den Pinnacles bzw. den „Badlands Erosions“, wo man die gruselige Atmosphäre auf der Dimholt Road zur Armee der Toten exakt nachfühlen kann.

Putangirua Pinnacles Paths of the dead by FlickR/DigitaltrailsWellington ist also für Herr-der-Ringe-Fans tatsächlich Pflicht; hier sollte man mindestens drei Tage einplanen. Eine gebuchte Lord-of-the-Rings-Tour fanden wir dagegen überflüssig – schließlich sind alle Drehorte gut allein zu finden und es gibt unseres Wissens keine geheimen Orte, die man nur mit Guide erreicht (wie zum Beispiel Edoras auf der Südinsel). Klar: Auf das Erlebnis gemeinsamen Verkleidens oder das Schwingen von Plastikschwertern mussten wir verzichten, aber dafür haben wir ca. 160 NZ$ gespart – pro Person!

Ausrüstung – what to bring

Viel braucht man nicht, um viele der Drehorte zu finden, das können wir bestätigen. Da immerhin einer von zehn Neuseeland-Besuchern als Motivation seiner Reise den Herr-der-Ringe-Film angibt, wollen die Kiwis natürlich gern helfen. In den HEMA-Straßenkarten finden sich an den entsprechenden Stellen kleine Kamera-Symbole am Straßenrand, damit man auch nichts verpasst, und größere Drehorte wie Hobbiton oder Bruchtal (aka „Rivendell“ im Kaitoke Regional Park) sind gut ausgeschildert.

In vielen Orten kann man „Lord of the Rings Guided Tours“, „Scenic Tours“ oder „Four Wheel Tours“ buchen, auch „Scenic Flights“ zu abgelegeneren Drehorten in den Southern Alps oder im Norden der Südinsel sind für um die 400 NZ$ zu bekommen (und sicherlich eine Überlegung wert, wenn man entsprechend bei Kasse ist – schnüf). Mitunter treibt die „Lord of the Rings“-Begeisterung allerdings seltsame Blüten; so kann man auf einem Reiterhof bei Rotorua angeblich auf dem Originaldarsteller Shadowfax aka Schattenfell reiten, der bereits Gandalf durch Mittelerde trug…

Hilfreich war für uns bereits 2002 der „Lord of the Rings Location Guide“ von Ian Brodie. Das kleine Buch enthält alles von genauen Wegbeschreibungen mit Fotos und GPS-Daten über Wissenswertes zum Dreh bis zu generellen Darstellungen der Umgebung und funktioniert daher sogar als Notfall-Reiseführer. Nach der „Hobbit“-Trilogie ist natürlich ein neuer, aktualisierter Location Guide erschienen (ein Schelm, wer dabei Profitsucht unterstellt…), vor dem Kauf empfiehlt sich daher genaues Nachdenken!

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