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Weltreise aus zwei Perspektiven: Diese beiden Reiseberichte haben uns umgehauen

… und das sage ich nicht nur aus meiner Profi-Sicht als Lektorin, sondern auch als leidgeprüfte Leserin. Seien wir ehrlich: 95 Prozent aller Reiseberichte sind Schrott. Wer eine Reise tut, der erlebt oft viel und sicher auch Spannendes und Lehrreiches, das mit der Welt (und vor allem: mit anderen Eltern) geteilt werden will. Leider schaffen es die wenigsten, ihre schönen Erlebnisse in ebenso schöne Form zu bringen. Zwei wundervolle Ausnahmen wollen wir heute vorstellen.

Weltwunderer Rezension Vier um die Welt Alexandra Frank In 50 Wochen um die Welt Lilienthal

„Vier um die Welt“ von Alexandra Frank

Liebe Alexandra, bitte verzeih mir, dass ich dein wunderschönes Buch erst heute unseren Lesern vorstelle! In den Monaten, die es bereits auf meinem Schreibtisch liegt und wartet, habe ich immer wieder hineingeschaut, ein paar Absätze gelesen und oft geschmunzelt.

Der Weltreisebericht von Alexandra Frank, Mutter von zwei kleinen Mädels und Frau eines offenbar recht patenten Mannes, ist nämlich vor allem: sehr gut geschrieben und oft echt lustig. In fünf Monaten geht es von Argentinien, Chile und Uruguay nach Neuseeland und Australien, mit einem letzten Stopp in Singapur. Weltreise mit kleinen Kindern (und kleinem Budget) – das geht! So lautet die Botschaft der 250 Seiten. Oft gehört, nicht wahr?

Als Journalistin bekommt es Alex aber zum Glück spielend hin, den Leser nicht mit einer ermüdenden Liste von Tagebucheinträgen zu langweilen. Sie hat ihr Buch zwar ganz klassisch nach den sechs Stationen ihrer Weltreise aufgeteilt, arbeitet aber parallel dazu am Beispiel jedes Landes ein ortsübergreifendes Reisethema ab: von den Tücken des Städtetrips in Buenos Aires und Sydney bis zu Weihnachten auf Weltreise in Neuseeland („Oh Kauri-Baum“ singt man dann). Einen Vorgeschmack bekommt ihr auf den Reise-Seiten von Spiegel Online, wo Alex‘ Blogeinträge während ihrer Weltreise zu sehen waren – und natürlich auf Alex‘ Blog selbst (leider nur sehr selten aktualisiert…).

Auf unserer Leseliste ist Alexandras Buch vor allem deshalb gelandet, weil vier Neuseeland-Kapitel drin sind. Hier hat sich das Lesen echt gelohnt – denn die vier Franks haben nicht wie Otto Normal-Neuseelandreisender die Inseln per vorgebuchtem Campervan erkundet, sondern sich vielmehr ganz entspannt durchs Land treiben lassen. Das führte zu einigen Überraschungen wie einem spontan abgebrochenen Couchsurfing-Abenteuer, weil die Host-Kinder plötzlich Windpocken hatten, neu zu kaufenden Weihnachtsgeschenken, weil der Rucksack mit selbigen in Argentinien gestohlen wurde und einem beinahe nicht erreichten Ferienhaus, weil alle Flüge ausfielen. Und irgendwann natürlich doch zu einem Campervan, obwohl es gar nicht geplant war – daran kommt man in Neuseeland wohl einfach nicht vorbei.

Ich will gar nicht viel mehr verraten, denn ihr sollt das selbst lesen. Kaufen könnt ihr „Vier um die Welt“ im Buchladen um die Ecke oder auch bei Amazon.

Weltwunderer Vier um die Welt Alexandra Frank

„In 50 Wochen um die Welt“ von Lars und Svenja Lilienthal

Noch so eine Überraschung – und ebenfalls schon während ihrer Weltreise im Internet entdeckt haben wir die vier Lilienthals. Lars und Svenja haben das Projekt Langzeitreise wesentlich gründlicher und geplanter angegangen, sie hatten aber auch größere Hürden zu überwinden: Sohn Noah ging schon in die dritte Klasse, seine Lehrerin musste deshalb dem „Travelschooling“ zustimmen.

50 Wochen lang reiste die Familie mit dem Rucksack durch Nepal, Indien und Südostasien, über Australien, Neuseeland und Fidschi nach Panama und in die USA. Vater Lars ist beruflich Fotograf, entsprechend bunt und wunderschön anzuschauen ist der Reiseblog der Familie. Dass aus den vielen Fotos ein Buch mit eher wenigen Fotos entstand, hat mich überrascht – und ich gebe zu, ich war skeptisch. Doch was man hier zu lesen bekommt, ist Reiseliteratur erster Güte! Der Kösel Verlag hat sich erstaunlich weit aus dem Fenster gelehnt und ein hochwertiges Cover spendiert, in der Buchmitte warten einige sehr gute Farbfotos.

Die Neuseeland-Station der Familie findet zwar, genauso wie Australien, Südostasien und Lateinamerika, leider nicht viel Erwähnung. Dafür bekommt man einen sehr tiefen Einblick in die Gedanken von Lars und Svenja – die beiden erzählen abwechselnd von ihrer Vorgeschichte, sehr ausführlich von der Planung und den Sorgen, die der Reise vorangingen, und dann eben auch vom Familienleben und ihrer Beziehung während der Reise. Denn natürlich ist nicht immer alles eitel Sonnenschein, man hat mit Kulturschock, Übersättigung, Alltagsstreit und auch mal einem gebrochenen Arm zu tun. Sehr praktisch für Eltern, die ebenfalls an eine Schulbefreiung denken: Dieses Thema kommt ausführlich zur Sprache, selbst Noahs Lehrerin hat ein Kapitel geschrieben.

Während ich also mit Bedauern auf Geschichten (und Fotos!) aus Neuseeland verzichten musste, habe ich das Buch dennoch sehr gern gelesen, weil es wunderbar umfassend und dabei locker und lesenswert auf die generellen Umstände einer Weltreise einstimmt – von den ersten Gedanken bis zur Rückkehr.

Wer viele, viele tolle Fotos sehen will, der muss weiterhin auf den Reiseblog der Lilienthals zurückgreifen – ein Fotoband zum Durchblättern ist bis dato leider nicht in Planung. Bei Amazon könnt ihr natürlich auch dieses Buch kaufen, es lohnt sich!

Weltwunderer In 50 Wochen um die Welt Lilienthal

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