Where to go in NZ

Wenn Weltwunderer träumen … dann von der Antarktis

„Happy Feet“, der Kaiserpinguin mit Orientierungsschwierigkeiten, der nahe Wellington an der Kapiti Coast landete, brachte mich auf die Idee: Von Neuseeland aus ist es gar nicht mal weit bis in die Antarktis, die schlappen 3.000 km schafft sogar ein Vogel. Warum also nicht einen Gegenbesuch antreten, wenn man schon mal „in der Nähe“ ist? Träumen wird doch erlaubt sein…

Vom Slope Point in den Catlins ist es nicht mehr weit bis "ganz unten"

Vom Slope Point in den Catlins ist es nicht mehr weit bis „ganz unten“

Langsam rückt das Weihnachtsfest näher und unsere Kinder überlegen schon fleißig, was sie beim Weihnachtsmann alles bestellen wollen. Zumindest der Weltwundersohn ist fest überzeugt, dass das klappt. Und manchmal gibt es ja tatsächlich ein Weihnachtswunder – da dürfen wir Eltern uns doch sicher auch mal was wünschen?

Mein größter Wunsch seit Jahr und Tag ist weiß und eiskalt: Die Antarktis habe ich ganz weit oben festgetackert auf meiner Bucket List. Irgendwie, irgendwann schaffe ich es mal ans südlichste Ende der Welt, da bin ich ganz sicher.

Einmal diesen Anblick selbst sehen ... (c) FlickR/Austronesian Expeditions

Einmal diesen Anblick selbst sehen … (c) FlickR/Austronesian Expeditions

In Neuseeland scheint der Traum vom schnellen Abstecher in die Antarktis näher als jemals sonst, und die raffinierten Kiwis versuchen alles, um arglosen Besuchern diesen Gedanken schmackhaft zu machen:

In Christchurch, wo traditionell viele Antarktis-Expeditionen starten, wartet das „Antarctic Centre“ in der Nähe des Flughafens mit interaktivem Antarktis-Erlebnis von echtem Indoor-Polarsturm über das obligatorische „Penguin Encounter“ bis zur Fahrt mit einem Hägglund-Mobil, das Canterbury Museum zeigt einige spannende Exponate von vielen Forschungsreisen (und eine ganze Reihe von schicken, aber ausgestopften Pinguinen) und durch die Stadt führt tatsächlich auch ein „Antarctic Trail„, der viele mehr oder weniger bekannte historische Punkte berührt.

Der "Storm Room" im Christchurch Antarctic Centre (c) FlickR/Madeleine_H

Der „Storm Room“ im Christchurch Antarctic Centre (c) FlickR/Madeleine_H

Zahllose weitere Orte und Gedenkstätten mit Antarktis-Verbindung findet man auch in Wellington, Nelson, Oamaru und natürlich in Auckland: Ernsthafte Fans gedenken hier an mehreren Orten der 1979 beim Flugzeugabsturz am Mount Erebus gestorbenen Antarktis-Touristen – beim größten Unglück der zivilen Luftfahrt Neuseelands starben damals über 250 Menschen.

Etwas unschuldiger (und unserer Meinung nach zum Teil ziemlich dämlich…) geht es im „Kelly Tarlton’s Aquarium“ zu, wo man unter anderem im Fake-Snowmobil zwischen Pappmaché-Eisbergen und ebensolchem Orca hindurchgefahren wird (und auch hier gibt’s wieder lebende Pinguine zu sehen). Ach ja, und seit 2012 gibt es noch etwas ganz neues für Fans von Eis und Schnee in Neuseeland: Das „Icefest“ soll regelmäßig alle zwei Jahre im September/Oktober stattfinden und Neuseelands Vorreiterrolle in der Antarktis-Forschung feiern.

So sah es auf der Forschungsstation von Scott aus (c) FlickR/JSA_NZ

So sah es auf der Forschungsstation von Scott aus (c) FlickR/JSA_NZ

Nun aber los! Während die Antarktis-Expeditionen der Neuseeländer und auch die der USA von Christchurch bzw. dem Hafen in Lyttelton aus starten, können Normalsterbliche in Invercargill an Bord eines „Antarctica Cruise“ gehen. Von hier aus starten Schiffsreisen an die Ostseite der Antarktis in das Gebiet der Ross Sea, wo auch die neuseeländische Forschungsstation, die „Scott Base“, steht – ein touristisch fast unberührtes Gebiet.

Das kann man offenbar vom Rest dieses Kontinents nicht (mehr) sagen: Jedes Jahr kommen mehr als 45.000 Besucher auf Stippvisite per Kreuzfahrtschiff, Tendenz steigend. Und wenn dann sogar Metallica einen Gig auf der King George Island ankündigen … auweia. Neuseeland und andere Anrainerstaaten überlegen angeblich bereits, die „Touristenströme“ zu regulieren, damit die Schiffe mit ihren Abgasen und dem Müll nicht das unberührte Weiß zerstören.

Da kommen die Touristenmassen! (c) FlickR/mschutt

Da kommen die Touristenmassen! (c) FlickR/mschutt

Bevor es dazu kommt, wollen wir auch hin! Leider, leider gibt es da ein kleines pekuniäres Problem. Der Anbieter „Hiking New Zealand“ offeriert seine 29-tägige Tour für schlappe 18.700 US-Dollar, und da sind Landegebühren noch nicht eingerechnet. Beim Reiseportal „Derpart“ findet sich eine nette einmonatige Antarktis-Tour von Argentinien bis Neuseeland über die South Shetland Islands, durch das Bellinghausen-Meer und die Ross Sea (off the beaten track, wie wir ja jetzt wissen). Inklusive Flug, Zodiac-Ausflügen, Vollpension und Obstkorb auf der Kabine für nur 19.000 Euro pro Person, das ist geradezu ein Schnäppchen! Aber mit der ganzen Familie…?

Wir träumen erst einmal weiter von Eisbergen und Pinguinen – und legen uns vielleicht für zwischendurch ein Abo für das „einzige nicht kommerzielle Magazin über das aktuelle politische Geschehen in der Antarktis“ zu – leider nur für Mitglieder der New Zealand Antarctic Society, aber für 85 NZ$ im Jahr gönnen wir uns das. Es gibt sogar Familienrabatt!

Übrigens: Ein kleiner, feiner Lesetipp ist der neue Antarktis-Blog von Inka Cee, die hier schon mal ein paar wundervoll überflüssige Fakten über die Antarktis gesammelt hat. Im Dezember 2015 startet die nächste Antarktis-Expedition!

Seufz ... (c) FlickR/bChank

Seufz … (c) FlickR/bChank

4 Kommentare

  • Organisiere doch mal eine Weltwunderer-Leserreise – vielleicht können wir dann das ganze Schiff chartern und bekommen einen si-sa-saftigen Rabatt 😉
    Wir sind dann auch dabei!

    • Hey, gute Idee – „Antarktis im Familien-Check“ 🙂 Mein Sohn würde sich freuen, der steht auf Schnee und Eis (und Pinguine!).

  • Doppelseufz. In Invercargill (ich glaub da war es…ist lang her, ääh im Jahr 2000) stand ich auch am Hafen vor einem Antarktis-Expeditionsschiff und hab geträumt. Beneide daher die liebe Inka von blickgewinkelt die dort letztes Jahr um die Zeit war. Vor Kurzem war ich in Oslo im Fram Museum und habe dort das Polarschiff Fram von Fridtjof Nansen bewundern dürfen. Das war auch sehr cool! GlG, Nadine PS: Metallica??? Ernsthaft?

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