Gut zu wissen

Wie ihr es schafft, in Neuseeland nicht als Touristen aufzufallen

Nichts ist für deutsche Touristen schlimmer, als wenn sie als deutsche Touristen erkannt werden. In Asien und Afrika bleibt uns oft nichts anderes übrig – aber in Neuseeland habt ihr mit den richtigen Tricks eine gute Chance, ganz cool als Einheimische durchzugehen. Achtung, diesen Beitrag schreiben wir mit einem ordentlichen Augenzwinkern!

Weltwunderer Keep calm stay sweet as

Wenn wir Deutschen reisen, wird uns ja vor allem eine Eigenschaft unterstellt: Wir versuchen alles, um nicht als Deutsche erkannt zu werden. Das geht so weit, dass man sich auf Englisch unterhält, damit die schwäbelnden Campingplatz-Nachbarn bloß keine Verbrüderungsversuche machen – wie peinlich wäre denn das…

Das zweitschlimmste: überhaupt beim Reisen als Nicht-Einheimischer erkannt zu werden. Den Deutschen erkennt man ja angeblich weltweit an seinen weißen Tennissocken in zünftigen Outdoor-Trekkingsandalen. (Unserer Meinung nach erkennt man ihn noch viel besser am kritisch verzogenen Meckermund…)

In Neuseeland gibt es ein paar todsichere Indizien, an denen einheimische Kiwis sofort die Touristen erkennen. Gegen manches kann man nichts machen – eine komplizierte Sprache wie Kiwi-English lernt man nicht auf die Schnelle, und auch die neuseeländische Etikette ist für uns Deutsche ein Buch mit sieben Siegeln -, aber unsere Tipps bewahren euch trotzdem davor, allzu touristisch aufzufallen 😉


Das offensichtlichste Erkennungsmerkmal von Touristen: unsicheres Fahren im Linksverkehr. Bevor ihr euren Roadtrip startet, dreht möglichst ein paar Übungsrunden auf einem Parkplatz oder in einem ruhigen Viertel. Nichts ist peinlicher und gefährlicher, als beim Abbiegen auf die rechte Fahrspur zu geraten, verkehrtherum in einen Kreisverkehr einzufahren oder die „Vorbeilass“-Spur für langsame Fahrzeuge nicht als solche zu erkennen und zu nutzen.

Das zweite offensichtliche Erkennungsmerkmal: ein schneeweißes Wohnmobil mit riesigen Logos auf den Seiten. Wenn ihr wirklich „eintauchen“ wollt, dann mietet einen dezent gestalteten Campervan (gibt es zum Beispiel von Bedmobil) oder kauft einen gebrauchten. Viele Neuseeländer fahren auch einfach mit Auto und Zelt zum Camping, oder sie nutzen ein Ferienhaus („bach“) zum Übernachten. Auf www.rentabach.co.nz könnt ihr es wie die Einheimischen machen.

Egal, ob ihr mit Riesen-Wohnmobil oder einem Kleinwagen durch Neuseeland fahrt: nicht einfach spontan links ranfahren und zum Fotografieren herausspringen – auch in Neuseeland gibt es Verkehrsregeln, an die man sich halten sollte.

Sehr schwierig für viele Deutsche ist diese eiserne Kiwi-Verhaltensregel: Meckert nicht! Sich lautstark zu beschweren, seine Rechte einzufordern oder aus nicht funktionierenden Kleinigkeiten einen Elefanten zu machen, würde einem Neuseeländer wohl nie einfallen. Nehmt es locker, wenn etwas schief oder kaputtgeht, lächelt es optimistisch mit „She’ll be right“ weg oder bleibt wenigstens höflich. Denkt daran: In Neuseeland will euch niemand etwas Böses, und die meisten Menschen hier nehmen viel Mühe auf sich, um euch zu helfen.

Auch wenn es nicht einfach ist: Lernt die wichtigsten Kiwi-Slang-Ausdrücke und macht euch mit der neuseeländischen Lautverschiebung vertraut, um nicht permanent in Fettnäpfchen zu treten oder nachfragen zu müssen.

Und auch wenn es mit dem Englisch Sprechen noch nicht so gut klappen sollte: Sprecht mit den Menschen, wenn ihr in Neuseeland unterwegs seid. Wir Deutschen neigen eher dazu, uns gegenüber Fremden höflich zurückzuhalten. In Neuseeland wird das schnell als arrogantes Verhalten interpretiert. Spricht euch jemand an, dann freut euch und unterhaltet euch mit ihm oder ihr – mit hoher Wahrscheinlichkeit will man euch in Neuseeland nichts aufschwatzen oder euch abzocken, die Menschen sind hier wirklich interessiert an ihren Gästen.

Tragt eisern Sandalen, oder besser noch Flipflops, und immer kurze Hosen – auch wenn es weniger als 10°C hat (eine Pudelmütze ist dagegen erlaubt und wird von echten Kiwis auch gern im Sommer getragen).

Und wo wir gerade von Kleidung reden: Lasst modische Sachen und Schmuck zu Hause – Kiwis kleiden sich fast ausschließlich nach praktischen Erwägungen und danach, was ihr Kleiderschrank gerade hergibt, Mode spielt im neuseeländischen Alltag keine Rolle.

Das hier geht an alle Eltern: Auch wenn es euch schwer fällt, eure Kinder sollten immer barfuß laufen – ja, auch wenn es regnet oder kalt ist. Alternativ dürfen sie bei großer Kälte Gummistiefel anziehen (die berühmten „Wellies“).

Schützt euch vor der starken UV-Strahlung, mit Sonnencreme, Hut und (beim Baden) Neoprenanzug. Nichts ist entlarvender als ein krebsroter Teint.

Es wird noch schlimmer: Jedes Jahr sterben in Neuseeland arglose Touristen, weil sie die Natur unterschätzen. Geht nur gut vorbereitet auf Wanderungen. Auch wenig anspruchsvolle Tagesausflüge können mit Wetterumschwüngen überraschen, die wir aus Europa nicht kennen. Gerade mit Kindern wollt ihr nicht in Flipflops durch Schnee und Eisregen stapfen oder mitten in der Einöde ohne Wasser und Proviant dastehen. Oder schlimmeres.

Und zum Schluss noch ein sehr ernster Hinweis: Entspannt euch! Ihr werdet mehr von eurer Zeit in Neuseeland haben, wenn ihr das Land und seine Einwohner offen auf euch wirken lasst. Anstatt mit einem durchgetakteten Sightseeing-Plan aus dem Flieger zu springen und in zwei Wochen über beide Inseln zu hetzen (das geht!), nehmt euch lieber Zeit und gebt dem Zufall die Chance, euch wunderbare Erlebnisse zu bescheren. Auch das geht!

4 Kommentare

  • Ich war seit 2006 sechsmal in NZ und werde zu 99 % in 2017 wieder dort hin fliegen. Die Leute dort sind relaxt und freundlich sowie hilfsbereit. Ich denke aber, ich bin schon als Touri aufgefallen. ZU schnell gefahren, auch schon mal unsauber abgebogen und mit dem Slang komme ich nur schwer klar und muss fragen. Habe mein Englisch vom AFN/Frankfurt und in der USA gelernt. Und glaubt mir, KIWI Englisch klingt anders. Auch anders als Oxforf Englisch. Aber das gute an den Kiwis ist, sie sind dir nicht böse oder schauen dich abfällig an, wenn du als Touri erkannt wirst. Sie neigen dann eher dazu, dir helfen zu wollen oder Tipps zu geben.

  • herrlich 😉 trifft eigentlich auf die meisten Länder zu. Ich sehe, ich bin gut vorbereitet. Unser Kind läuft ständig barfuss,mit links Verkehr kenne ich mich gut aus, nur mit den kurzen Hosen wirds als Dauerfrostbeule schwierig.

  • Gnihihi sehr lustige Zusammenstellung! Ein super Outfit, um gar nicht als Tourist aufzufallen, ist auch die Kombi kurze Hose + Gummistiefel (die übrigens extrem praktisch ist, nicht nur wenn man morgens aus dem Camper ins taunasse Gras steigt, sondern auch wenn es regnet – nackte Beine trocknen blitzschnell 😉 )
    Was den Umgangston angeht, hast Du noch etwas ganz Wichtiges vergessen: Nicht Rummeckern ist klar (dürfte hoffentlich im Urlaub nicht allzu schwer fallen 😉 ) Aber in Neuseeland platzt man auch mit Kritik nie so direkt heraus wie man das in Deutschland oft tut. Dass man gerade jemanden vor den Kopf gestoßen hat, merkt man oft nicht mal, denn um das zum Ausdruck zu bringen, müsste der Kiwi ja Kritik üben 😉 Man merkt es möglicherweise am peinlichen Schweigen. „You Germans are so brutally honest“ hat es mal eine neuseeländische Freundin formuliert (die in Deutschland lebt und es inzwischen ganz praktisch findet, wenn sie Sachen direkt ansprechen kann, ohne erstmal herumzueiern). Wie man es in Neuseeland richtig macht, wird in der Folge „The tea towel stinks!“ von LIFE SWAP erklärt… ich habe sehr gelacht und viel gelernt 😀
    https://vimeo.com/81393966

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