Rund ums Wohnmobil

Gebrauchsanweisung: Wohnmobil kaufen in Neuseeland

Ein Auto für den „gängigen“ Reisezeitraum von etwa einem Monat zu mieten, kostet in Neuseeland ab ca. 1.000 Euro. Für eine Familie mit Gepäck und Campingausrüstung ist das in der Regel aber viel zu klein. Ein Campervan kostet schon in der Basic-Kategorie bereits ab 3.000 Euro, je nach Buchungszeitpunkt und -länge. Also lieber gleich ein Wohnmobil in Neuseeland kaufen, wie allerorts empfohlen wird?

Ein ganz normaler gebrauchter Campervan (c) Flickr/Rockies

Ein ganz normaler gebrauchter Campervan (c) Flickr/Rockies

Die Preise liegen hier ebenfalls ab 3.000 Euro, hinzu kommt noch der nicht unerhebliche zeitliche Aufwand – dazu unten mehr. Trotzdem kann sich ein solches Unterfangen lohnen. Das ausgegebene Geld amortisiert sich mit jedem gefahrenen Kilometer und jedem Tag der Reise. Der „turning point“, ab dem der Kauf eines Wohnmobils ökonomisch Sinn macht, wird von verschiedenen Quellen mit drei bis fünf Wochen Reisedauer angegeben. Als Familie – die ja noch wesentlich größere Ansprüche an das zu kaufende Wohnmobil hat – solltet ihr schon mindestens zwei Monate unterwegs sein, denn ein Wohnmobil in Neuseeland kaufen (und verkaufen) ist eine zeitaufwendige Sache.

Der größte Vorteil gegenüber der Miete: Mit etwas Glück bekommt ihr beim Verkauf des Campervans den ausgegebenen Betrag wieder rein oder verdient sogar noch etwas dazu. Mit Pech habt ihr so viel bezahlt wie für ein gemietetes Wohnmobil – auch nicht tragisch.

Ein Wohnmobil kaufen in Neuseeland – so geht’s

Eine Möglichkeit ist die Online-Recherche über einschlägige Seiten wie TradeMe, Gumtree oder das Backpacker Board. Vorteil: Ihr könnt schon von Deutschland aus den Kauf vorbereiten, bekommt einen Eindruck über die Marktlage und Preise. Nachteil: Von Deutschland aus könnt ihr nicht viel tun – um über TradeMe Geschäfte abzuwickeln, braucht man zum Beispiel ein neuseeländisches Konto.

Ein Großteil der Käufe und Verkäufe gebrauchter Autos und Wohnmobile geht daher „live“ über die Bühne. Auf den „Backpacker’s Car Markets“ in Auckland und Christchurch zahlen Verkäufer eine Gebühr, um ihre Autos anbieten zu dürfen. Kaufinteressierte zahlen – nichts.

Der erste Schritt, wenn ihr plant, in Neuseeland ein Auto zu kaufen: Gebt eurer Bank Bescheid, dass ihr über eine größere Summe verfügen werdet und bittet um die Erhöhung des Kreditrahmens eurer Kreditkarte.

Dann heißt es schauen, fragen, unter Motorhauben kucken. Die Neuseeländer sind nicht gerade als zähe Händler bekannt, aber ein wenig Talent auf diesem Gebiet ist sicherlich nützlich, um ein Schnäppchen zu machen. Als Deutsche leiden wir außerdem oft an einem recht hohen Sicherheitsbedürfnis, was beim Gebrauchtwagenkauf eher hinderlich sein kann. Wenn ihr nicht gerade selbst Mechaniker seid oder eine Werkstatt eures Vertrauens vor Ort habt, müsst ihr das Risiko einfach in Kauf nehmen, dass ihr ein „Schrottauto“ erwischt.

Eine zeitliche Frist solltet ihr euch setzen, um den Auto-Kauf nicht über Gebühr in die Länge zu ziehen; nach drei Tagen muss eine Entscheidung getroffen sein, egal wie schlecht die Optionen aussehen mögen.

Generell werden eure Chancen in Auckland besser aussehen als in Christchurch, a) weil dort mehr Touristen abreisen und ihr Auto verkaufen und b) weil dort generell mehr Menschen leben. Das gilt natürlich dann umgekehrt auch beim Verkauf – in Auckland wird euer Verkaufsangebot auf wesentlich mehr Konkurrenz und damit weniger Interesse treffen! Antizyklisches Reisen oder wenigstens ein Verkauf des Wagens in Christchurch und dann ein Inlandsflug nach Auckland machen also Sinn.

Was ihr von einem gebrauchten Wohnmobil erwarten könnt – und was nicht

Auf den Gebrauchtwagenmärkten findet ihr sicherlich früher oder später einen akzeptablen Campervan, aber eure Erwartungen solltet ihr vorher schon anpassen: Was es gebraucht zu kaufen gibt, sind nicht die großen weißen Luxus-Kästen, die ihr bei Maui oder Apollo mieten könnt. Campervans, die verkauft werden, sind meist einfache ausgebaute Lieferwagen (Toyota, Fiat oder – mit Glück – VW), die von Hand mehr oder weniger geschickt mit Betten und Verstaumöglichkeiten ausgestattet wurden. Die meisten Vans sind mit dem kompletten Küchenbedarf ausgestattet, eher selten sind Campingmöbel dabei und kaum einmal gibt es einen Wagen mit Dusche und WC.

Für Familien besonders heikel: Nur ein kleiner Teil der einfachen Campervans, die überdies meist älteren Baujahrs sind, verfügt über die nötige Anzahl von Sitzplätzen mit Dreipunktgurt! Schaut euch unbedingt jeden Sitz einzeln genau an und fragt eventuell nach, ob Kindersitze benutzt werden dürfen (und wenn ja, welche Größen)!

Nicht vergessen: Ihr müsst den Campervan wieder verkaufen!

Nachdem man es geschafft hat, kein schrottreifes Auto zu kaufen, besteht nun die Gefahr, dass man das Gefährt nicht (erfolgreich) verkaufen kann, bevor man abfliegen muss. Wie schon in unserem Interview mit den Sabbatical-Langzeitreisenden kjsnhaag angedeutet, kann dies zu den anstrengendsten, nervigsten und stressigsten Erfahrungen einer Neuseelandreise gehören – und diese nachhaltig negativ beeinflussen. Oder auch nicht.

Am Ende der Reise stellt sich heraus, ob sich das finanzielle Risiko gelohnt hat.

Kaufen? Verkaufen? Hier gibts alles! (c) Flickr/gak

Kaufen? Verkaufen? Hier gibts alles! (c) Flickr/gak

Was kann man tun, um ein Wohnmobil in Neuseeland zu verkaufen?

Die wichtigste Regel von allen: In Christchurch hat man eine wesentlich bessere Chance auf Wiederverkauf als in Auckland – einfach, weil dort zu jeder Zeit um die 45.000 Campervans zum Verkauf angeboten werden. Das Angebot übersteigt die Nachfrage besonders am Ende der Hauptsaison bei weitem – und genau dann wollt ihr ja wahrscheinlich euren Van verkaufen. Also: Campervan kaufen in Auckland, aber verkaufen in Christchurch.

Es gibt fünf Möglichkeiten, um einen Campervan privat zu verkaufen:

  • Der „Backpacker’s Car Market“ in Auckland: Wer ein Auto verkaufen will, zahlt hier 105 NZD für einen Stellplatz. Den darf man für drei Tage belegen, um sein Gefährt zu verkaufen. Steht es danach immer noch da, muss man erneut bezahlen oder rausfahren. Das große Manko hier: Man verkauft, wie der Name schon sagt, an Backpacker – und die haben selten Ahnung von Autos, wollen aber so wenig wie möglich Geld ausgeben. Argumente wie „gut erhalten“ oder „super Motorleistung“ zählen wenig, wenn der Campervan neben euch um 100 NZD günstiger ist. Die Chance auf Superschnäppchen ist umso größer, weil jeden Tag ein verzweifelter Verkäufer, dessen Flug in ein paar Stunden geht, sein Auto für einen Spottpreis verscherbelt, um überhaupt noch ein wenig Geld herauszuholen. Da lässt es sich schwer mithalten!

Achtung: Es wird immer wieder berichtet, dass hier professionelle Autohändler, als Backpacker getarnt, Geschäfte machen und ahnungslose Touristen dabei mächtig über den Tisch ziehen!

  • Der „Backpacker‘s Car Market“ in Christchurch: Keine Verbindung mit dem Automarkt in Auckland – nach Blogberichten soll es hier viel entspannter und netter zugehen. Hier kann man sein Auto oder einen Campervan drei Tage lang für 95 NZD hinstellen. Großes Plus: Die Konkurrenz besteht aus ungefähr zehn bis zwanzig Campervans – die Verkäufer haben die Macht.
  • Online-Foren: TradeMe ist bekannt und verbreitet, hier zahlt man allerdings zuerst eine recht hohe Gebühr für die Einstellung eines Angebots und dazu noch eine für den erfolgreichen Verkauf. Immer noch billiger als der Automarkt ist es natürlich, und eure Annonce bleibt dafür länger als drei Tage drin. Foren ohne Gebühren und ebenfalls mit einer großen Leserschaft sind Gumtree oder das Backpacker Board. Tipp: Ohne Mobiltelefon läuft hier nichts!
  • Flyer aushängen: erscheint relativ zwecklos, wenn man die Massen an Zetteln und Flyern mit ähnlichen Angeboten in den Hostels in Auckland sieht; aber einen Versuch ist es allemal wert. Wer schmissig layouten und formatieren kann (oder farbige Filzstifte dabei hat), ist hier klar im Vorteil.
  • An einen Autohändler verkaufen: Wer verzweifelt ist, dem steht eine Vielzahl an willigen Händlern hilfreich zur Seite – die euch kaum etwas für euer Auto bezahlen werden. Das ist quasi die allerletzte Option, bevor ihr das Auto verschenkt.
  • Ganz altmodisches “For Sale”-Schild: Es scheint fast zu einfach, nur einen Zettel mit den wichtigsten Daten und der Handynummer ins Autofenster zu hängen und zu sehen, was passiert. Häufig funktioniert das aber! Die Vorteile: Ihr könnt schon relativ früh anfangen, um Käufer zu werben und es kostet euch nichts.

Eure Erfahrungen interessieren uns: Was habt ihr beim Kauf und beim Wiederverkauf eures Campervans erlebt? Schreibt uns!

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9 Kommentare

  • Hi, erstmal danke für die zahlreichen, tollen, hilfreichen, Infos. Eine Frage habe ich noch. Wie sieht es denn mit dem Anmelden des Autos aus? Also wenn ich mir ein Auto gekauft habe muss ich es ja auch anmelden. Nummernschild, Versicherung usw. Wie läuft das denn in Neuseeland ab? Liebe Grüße

    • Hallo Noah, eigene Erfahrungen damit haben wir bisher nicht gemacht und daher auch nicht allzuviel darüber gebloggt – aber alles, was du wissen musst, findest du in unserem Buch „Als Dach der Sternenhimmel“. Einfach mal in der Buchhandlung nachfragen!

  • Hey danke für den Artikel!

    Wir haben uns einen Campervan gekauft und wollen ihn natürlich wieder verkaufen. Darüber findet man jede Menge nützliche Infos, aber niemand schreibt darüber, wie man es mit dem Neuseeländischen Bargeld macht. Klar, bei den vielen Deutschen in NZ 🙂 kann man hoffen, jdn. aus Deutschland als Käufer zu finden und das mit einer deutschen Überweisung zu regeln. Aber was wenn nicht und der Handel läuft in der NZ Währung ab.
    Hast du da ein paar Tipps?

    • Hallo Stefan, bei internationalen Geldtransfers fallen ordentlich Gebühren an, je nach Bank ist deren Höhe sehr verschieden. Prinzipiell kannst du natürlich einen Betrag in Euro auf ein neuseeländisches Konto überweisen, der dann in Kiwi-Dollar umgerechnet dort ankommt.
      Wir haben deine Frage nach Erfahrungen mit dem Autokauf mal auf unserer Facebook-Seite veröffentlicht – dort findet sich bestimmt jemand, der dir helfen kann!

  • Hallo, Ich bin immer für das Wohnmobil mieten. Wie oft hat man denn da wirklich Zeit sich in das Wohnmobil zu setzen und wirklich mal wegzufahren und laufende Kosten kommen auch auf (Reparatur und so weiter, und immer erst eine Garage aufsuchen!?) Dann lieber einen Camper mieten.
    Ach ja, es besteht ja auch neben dem mieten die Möglichkeit eine Occasion zu kaufen. Occasionen können sich meiner Meinung auch lohnen und da hat man wirklich mal was Eigenes!

  • Für die Vereinigten Staaten kann ich nur empfehlen ein Wohnmobil zu mieten, denn Amerika ist das ultimative Land des Campings und wenn man sich ein Wohnmobil mietet, kann man die ganze Stadt bequem erkunden und auch einen ausgiebiegen Blick auf das malerische Umland werfen. Die National Parks, die Weiten der Wüste und der Grand Canyon sind leicht mit dem Wohnmobil zu erreichen und einfach unbeschreiblich…

    Die Übernahme des angemieten Wohnmobils, (im Süden ausserhalb von Las Vegas) läuft überlicherweise kurz und knapp, ganz unproblematisch ab.

    • Hallo Manu,
      in meinem Post (und in diesem Blog) geht es dann doch eher um Neuseeland. Oder willst du mir die Leser abwerben? 😉

Hier kommt deine Meinung rein.