Rund ums Wohnmobil

Wohnmobil mieten – how to?

Das Wohnmobil ist gewissermaßen der Kern unserer Reise gewesen, und fast alle Familien, die wir on the road getroffen haben, fuhren mit so einem Gefährt (wobei die Größe und Ausstattung der Dinger enorm variierten). Daher erzähle ich heute mal, wie das geht: ein Wohnmobil in Neuseeland mieten.


Wie wir mit Recherche, Abwägen und Beinahe-keins-mehr-Bekommen angefangen haben, habe ich hier schon beschrieben. Der erste und wichtigste Punkt ist ganz klar das zeitigstmögliche Suchen und Buchen – natürlich von Deutschland aus! Es gibt zig Anbieter, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Generell gilt: Die „Großen“ wie Britz, Maui und Kea haben die meisten Wagen, den besten Service und – die höchsten Preise. Mit kleineren Anbietern, die auch ältere und „custom made“- (also Marke Eigenbau) Modelle vermieten, kann man bestimmt viel sparen – aber eben auch viel Zeit mit Reparaturen, Fahrzeugtausch und anderen Ärgernissen verbringen. Ist Geschmackssache.

Keine Angst: Der (wahrscheinlich) horrende Gesamtbetrag muss nicht sofort bezahlt werden, meist reicht zunächst eine Anzahlung. Und für Frühbucher gibt es Schnäppchenangebote der Vermieter, die natürlich ihren Fuhrpark möglichst sicher ausplanen wollen (wieder: diesen Herbst werden sie das wegen des World Rugby Cup wohl nicht nötig haben…).

Beim Buchen tickt die Uhr: Es ergeben sich schon innerhalb weniger Wochen Preisunterschiede im dreistelligen Bereich. Da im Herbst 2011 der World Rugby Cup in Neuseeland ausgetragen wird, werden für die nächste Reisesaison inzwischen wohl kaum noch Schnäppchen und nur noch wenige bezahlbare Angebote zu finden sein.
Wer also 2011 (oder Anfang 2012) losfahren will: hopp, hopp, ab ins Reisebüro!

Was beim Aussuchen des richtigen Angebots uuuunbedingt beachtet werden muss, habe ich ebenfalls schon ausführlich und entrüstet beschrieben: die ganz klein gedruckte Selbstausschlussklausel der Kasko-Versicherung, die einen Preisunterschied von fast 100 Prozent ausmachen kann.

Der nächste Schritt findet dann schon in Neuseeland statt (ich beschreibe mangels weiterer Erfahrungen im Folgenden das Prozedere bei Britz!): Nachdem die Formalitäten erledigt sind, man seinen Internationalen Führerschein (oder auch einfach den fachmännisch übersetzten rosa Lappen) vorgelegt und zähneknirschend 7.500 NZ$ Kaution hinterlegt hat, bekommt man einen tragbaren DVD-Player, auf dem man sich in Ruhe in die Eigenheiten seines neuen Gefährts einweisen lassen kann. Angesichts des noch ungewohnten Kiwi-Dialekts des Personals ist das sehr gut, denn den Kommentator kann man bei Bedarf zurückspulen. Eine Fülle von Broschüren, Stadtplänen und Landkarten wartet auf ein neues Zuhause im Handschuhfach und nun sollte man überlegen, welche Gegenstände man außer dem Wagen noch braucht oder wünscht: zur Auswahl stehen Campingstühle, Tische, Zeltausrüstung usw. Kostet natürlich alles extra.

Alsdann geht es in die Praxis: Das Wohnmobil steht draußen auf dem Hof und wird gründlich (mit Bombenspiegel!) auf Beschädigungen gecheckt, die in einem Schadensprotokoll vermerkt werden. Hier heißt es: aufmerksam alles anschauen, vor allem im Innenraum! Kleine Kratzer und Lackschäden gehören bei den vielen Straßenbaustellen und der großzügigen Verwendung von Splitt („gravel“) dazu und werden in der Regel kulant übersehen. Aber ob drinnen alles gut aussieht, das Geschirr und die Bettdecken vollzählig sind, das checkt man am besten gleich hier. Wegen solcher Lappalien bzw. ihrer Behebung möchte man keine kostbaren Urlaubstage opfern.
Dann darf man noch aussuchen, was man außer dem Wohnmobil noch so alles mitnehmen möchte; Britz bietet da ein breites Sortiment vom Campingstuhl bis zum Zelt an. Halbherzige Preisvergleiche ergaben übrigens, dass die Campingmöbel nicht wesentlich teurer sind, als wenn man sie selbst im Warehouse kaufen würde. In dem Fall würde man natürlich neues Gerät für sein Geld bekommen, aber wozu? Am Ende werden die wenigsten Reisenden Platz im Gepäck für einen Campingstuhl haben.

Tipp: Die geliehenen Campingmöbel sollten auf ihren Zustand geprüft werden, auch wenn sie dick eingepackt sind; ich wage mal zu behaupten, dass unsere Campingstühle mindestens so alt wie die Weltwunderertochter waren – und wesentlich weniger gut erhalten.

Und das war‘s – die Campingmöbel und Reisetaschen werden in den Innenraum gestopft, die Kinder auf ihre neuen Kindersitze geschnallt, der Britzer winkt fröhlich routiniert und hui!, hinaus geht es in den Linksverkehr. Die meisten Fahrer scheinen nach ersten panischen Sekunden damit gut klarzukommen, man sieht jedenfalls keine Anzeichen für Unfallschwerpunkte vor den Mietstationen. Hin und wieder erinnern allerdings Schilder in der Landschaft (in der Regel weit entfernt von Mietstationen) daran, doch bitte links zu fahren („Keep left!“).

Tipp für Beifahrer: Ruhig bleiben! Unbedingt ruhig bleiben! Den Straßengraben links von sich zu erblicken, rückt ihn in bedrohlich scheinende Nähe, und ich habe ich den ersten Tagen auf der Straße öfter mal lustig aufgekreischt; aber der Weltwunderermann beharrte darauf, er würde sich streng an der Mittellinie orientieren.

Tipp für Fahrer: Ruhig bleiben! Unbedingt ruhig bleiben! Es ist schon nervenzehrend, wenn der Beifahrer ständig aufkreischt und sich an die Innenseite der Tür krallt, und das ständige Verwechseln von Scheibenwischer und Blinker tut ein Übriges. Den Beifahrer am besten zum Orientieren einspannen und voll auf die Verkehrsregeln konzentrieren (es gilt rechts vor links – TROTZDEM!). Und durchatmen – es wird einfacher werden!

Habt ihr Erfahrungen mit anderen Vermietern, die extrem von unseren abweichen? Besser, schlechter, oder eure ganz persönliche Horrorstory? Das interessiert uns – also erzählt!

7 Kommentare

  • Danke für den Beitrag. Wir wollen dieses Jahr auch einen Familienurlaub im Wohnmobil machen und etwas durch Deutschland und Österreich fahren. Aktuell sind wir noch auf der Suche nach einem guten Anbieter, wo wir einen [Link entfernt] Camper mieten können. Ich werde diese Tipps auf jeden Fall im Hinterkopf behalten.

  • Hallo Weltwunderer-Team,

    zunächst auch von mir das obligatorische, aber mehr als verdiente Lob: Die hier bereitgestellte Sammlung wertvoller und praxisrelevanter Infos sucht wirklich ihresgleichen und ist auch in Zeiten des Internets ein absoluter Glücks- und Sonderfall. Den Großteil des vergangenen Wochenendes habe ich mit Lesen zugebracht, so dass mir jetzt noch der Schädel brummt – trotzdem ein großes Dankeschön!

    Ein weiteres Ergebnis des Ganzen ist, dass unsere schon immer mal ins Auge gefasste Neuseeland-Reise plötzlich sehr viel konkretere Formen annimmt. Allerdings sind trotz aller Infos noch Fragen offen, nicht zuletzt vor dem Hintergrund unserer mehrjährigen Erfahrungen mit dem eigenen Wohnmobil in Europa:

    1. Mir ist aufgefallen, dass die neuseeländischen Camper offenbar allesamt normale Glasfenster haben, also keine Seitz-Isolierfenster mit eingebautem Rollo ¬und Moskitonetz. Ist das „mückentechnisch“ kein Problem? Wie sieht es überhaupt mit Mücken aus in Neuseeland?

    2. Immerhin zu finden, aber ausgesprochen selten ist eine Gasheizung. Die meisten Camper haben lediglich eine Elektroheizung, die sich aber nur mit 230 V betreiben lässt und damit ausschließlich auf Campingplätzen. Ich hätte jetzt aber gedacht, dass eine Heizung außerhalb des Hochsaison (und besonders auf der Südinsel) nicht gerade unwichtig ist und würde trotz stark eingeschränkter Fahrzeugauswahl unbedingt zur Gasheizung greifen – zu Recht? Die zum Teil angebotene Dieselheizung ist aufgrund der Geruchsbelästigung zumindest in Europa auf vielen Campingplätzen tabu…

    3. Wie ist üblicher Weise die Ausstattung der Fahrzeuge (gehobene Mittelklasse, z. B. Wendekreisen): Gibt es Auffahrkeile, vernünftige Bettdecken, einen (zumindest kleinen) Wechselrichter zum Aufladen von Laptop oder Fotokamera mit 230 V?

    4. Stichwort Wendekreisen: Dort sind in den AGB lediglich vier oder fünf Straßen ausgeschlossen. Heißt dass, alle anderen Gravel Roads darf man befahren, ohne den Versicherungsschutz zu verlieren?

    5. Wie ist die versorgungstechnische Infrastruktur auf der ja doch sehr dünn besiedelten Südinsel: Findet man einen (min-)Supermarkt in jedem kleineren Dorf oder gibt es Einkaufsmöglichkeiten nur in den wenigen Städten? Muss man zur nächsten Apotheke im Notfall 300 km fahren?

    6. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Wohnmobile zwar eine tolle Sache sind, aber vor Ort durch einen Roller oder wenigstens Fahrräder ergänzt werden sollten. Ansonsten muss man wegen jeder Kleinigkeit außerhalb der Fußreichweite alles fahrfertig einräumen, seinen Standplatz verlassen und mit dem mehr oder weniger dicken Womo durch die Gegend fahren (z. B. zum Ausgangspunkt von Wanderungen, zum Einkaufen, für Besichtigungen in der Umgebung). Mit Kindern sieht das Ganze zwar anders aus, trotzdem würde mich eure Erfahrungen hierzu interessieren.

    7. Kann man als Vegetarier in Neuseeland einigermaßen über die Runden kommen, zumindest als Selbstverpfleger? Oder sieht es in den dortigen Supermärkten ähnlich trostlos aus wie in britischen?

    Das sind jetzt doch einige Frage geworden, umso mehr freue ich mich über jede Antwort 😉

    Felix

  • Hallo,

    erstmal danke für die Super informative Seite.
    Bei uns geht es in 2 Wochen los.
    Besser spät als nie machen wir uns gerade Gedanken darüber was wir für Reisetaschen nehmen. Plan ist aktuell ein großer Rucksack und ein Koffer.
    Hat jemand Erfahrungen mit diesem Camper und kann mir sagen ob man da den Inhalt der Taschen verstauen und auch den Koffer halbwegs sinnvoll unterbringen kann ?

    Hier der Link.

    http://www.alphacampervans.co.nz/campervan-fleet/2-berth-alpha-campervan

    Danke im Voraus.

    • Hallo Mathias, danke für das Lob 🙂
      Ich hab mir das Video mal angeschaut und denke, einen 20 kg fassenden Koffer werdet ihr da drin nicht gut unterbekommen (wo denn?). Wenn ihr einen großen Rucksack mitnehmt, könnt ihr den längs unter eine Sitzbank klemmen, aber dann müsst ihr den komplett auspacken. Ich würde euch eher zwei große Reisetaschen empfehlen (plus Daypacks, die ihr zum Wandern braucht), die könnt ihr unter die beiden Sitzbänke stellen, oben öffnen und einfach alles nach Bedarf rausnehmen. Dinge, die oft gebraucht werden, könnten in die Overhead Compartments rein, da wird aber auch viel Essen, Zeugs etc. drin sein und soo viel Platz ist da garantiert nicht. (Wo ist denn das Bettzeug tagsüber?)
      Ach ja, und Handschaltung mit links: mutig!

      Viel Spaß in NZ, wir freuen uns auf einen Erfahrungsbericht mit eurem Alpha-Camper!

    • Hallo Lucia,
      wir sind hier ein privater Blog und kein Reisebüro 😉 Für konkrete Angebote schau doch einfach hier und fülle die Buchungsmaske der Camperbörse aus, da findest du bestimmt einen passenden Campervan für euch.

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