Rund ums Wohnmobil

Wohnmobil mieten: teures Bonus Pack oder günstige CDW-Versicherung?


Unser Beitrag zur CDW ist einer der meistgelesenen zum Thema „Wohnmobil mieten“. Aus gutem Grund: Die Versicherungsoptionen der Vermieter sind ein verwirrendes Knäuel an Regeln und Ausnahmen, das für den Mietenden nur ein Ergebnis zu haben scheint: Es ist verdammt teuer, einen Campervan zu mieten. Ob unsere persönliche Lösung, eine CDW-Versicherung abzuschließen, generell zu empfehlen ist, nehmen wir daher hier genauer unter die Lupe.

(c) FlickR/thedailyenglishshow

Gravel Road mit Miet-Wohnmobil: versicherungstechnisch nicht zu empfehlen (c) FlickR/thedailyenglishshow

 

Es ist eine der entscheidenden Fragen, wenn es um die Buchung einer Neuseeland-Reise geht: Nimmt man den Campervan zum höheren Tagespreis mit Vollkasko-Versicherung oder spart man am Tagespreis und riskiert eine hohe Selbstbeteiligung im Schadensfall?

Ausgangssituation: das Standard Pack

Die Ausgangssituation beim Mieten eines Wohnmobils sieht so aus: Im Mietpreis enthalten sind eine Vollkasko-Versicherung und eine Kfz-Haftpflichtversicherung. Damit sind selbst verschuldete Sach- und Personenschäden abgedeckt; sowohl am eigenen als auch an anderen Fahrzeugen. Auch im berühmt-berüchtigten Fall, dass der schuldige Unfallgegner keine Kfz-Haftpflichtversicherung hat, springt die Kaskoversicherung ein. (Entgegen den Gerüchten trifft das übrigens nur auf einen sehr kleinen Teil der neuseeländischen Autobesitzer zu.)

Nun kommt die Crux: Im Kleingedruckten der Wohnmobil-Vermieter wird in der Regel ein Selbstbehalt des Mieters gefordert. Das heißt: Sollte der Mieter mit dem gemieteten Fahrzeug einen Unfall verursachen, es anderweitig fahrlässig beschädigen (etwa beim Fahren auf Gravel Roads) oder lässt er es sich gar stehlen, muss er bis zu einem festgelegten Betrag für alle anfallenden Kosten selbst aufkommen; erst danach greift die Kfz-Versicherung.

Wichtig: Auch wenn der Mieter gar nicht schuld war am Unfall, muss er für die Reparatur im Rahmen des Selbstbehalts aufkommen. Und: Kommt es während der Mietzeit zu mehreren solchen Schadensfällen, wird die Selbstbeteiligung jedes Mal erneut in voller Höhe fällig.

Während das Wohnmobil repariert wird, muss der Mieter außerdem in der Regel draußen warten; ein Ersatzfahrzeug gibt es nicht, und der Tagesmietpreis muss trotzdem gezahlt werden. Das sind die sogenannten „demurrage costs„; diese fallen sogar an, wenn das Wohnmobil nach Beendigung des Mietzeitraums noch repariert werden muss und daher nicht einsatzfähig ist! Diese Kosten sind nach oben offen und können höher werden als der Mietpreis für die gesamte Reise; schluck.

Bei diesem Selbstbehalt sprechen wir in der Regel von 2.500 bis 7.500 NZD – zahlbar sofort bei Fahrzeugübernahme. Der Vermieter bucht den Betrag sicherheitshalber direkt von der Kreditkarte des Mieters ab; ist bis zur Rückgabe des Wohnmobils kein Schaden entstanden, bekommt man die „Kaution“ wieder zurückerstattet, normalerweise klappt das binnen zwei bis drei Tagen.

Das Problem: Die Selbstbeteiligung wird in Neuseeland-Dollar abgebucht, und der Kiwi-Dollar ist eine recht volatile Währung. Kursschwankungen während der Mietdauer werden dann zum Börsenspiel: Mit Glück bekommt man umgerechnet mehr Geld zurück, als man abgebucht bekam. Mit Pech eben nicht. Ach ja: Für die Abbuchung dieses hohen Betrags werden natürlich auch Kreditkartengebühren fällig – die dann bereits im dreistelligen Bereich liegen.

(c) FlickR/MotorhomeRental

Schäden durch Tiere sind nicht versichert!! (c) FlickR/MotorhomeRental

Was ist das Bonus Pack?

Um das Risiko zu minimieren, mehrere tausend Dollar für die Reparatur seines Mietfahrzeugs bezahlen zu müssen, bieten die Vermieter ihren Kunden ein Bonus Pack an – auch bezeichnet als „All inclusive Rate“ oder „Stress free package“. Damit wird die Höhe der Selbstbeteiligung reduziert oder es fällt überhaupt keine an – freilich gegen Zahlung eines (wesentlich) höheren Tagesmietpreises.

Zur erhöhten Sicherheit im Schadensfall kommen oft noch verlockende Zusatzleistungen, die im Standard Pack nicht enthalten sind: Campingmöbel, die Steuer auf Dieselkraftstoff usw.

Auch das Bonus Pack versichert den Mieter aber nicht gegen jede Art von Schaden – in den Mietbedingungen findet sich oft eine ganze Reihe von Ausnahmen! NICHT enthalten sind oft:

  • Schäden an Scheiben und Reifen
  • Schäden am stehenden Fahrzeug (oft werden Wohnmobile auf Parkplätzen aufgebrochen, aber auch das Abfahren eines Seitenspiegels auf dem Campingplatz zählt hierunter)
  • Schäden ohne Fremdbeteiligung (sogenannte „single vehicle damage“)
  • Schäden durch verlorene Schlüssel
  • Schäden an privaten Gegenständen beim Unfall
  • Schäden an Zufahrten zu Campingplätzen
  • Schäden beim Rückwärtsfahren („reversing vehicle damage“)
  • Schäden durch Tiere
  • Schäden bei Nachtfahrten
  • Schäden am Dach und Unterboden
  • Schäden durch Feuer und Diebstahl
  • Folgekosten von Unfällen (also Übernachtungen im Motel oder Abschleppkosten)

Viele Vermieter stellen darüber hinaus Bedingungen an den Gebrauch ihrer Fahrzeuge: Meist sind Gravel Roads verboten, und alle Schäden, die unter Missachtung dieses Verbots entstanden, fallen dann aus der Versicherungsabdeckung heraus. Generell ausgeschlossen sind natürlich alle Schäden, die vorsätzlich oder unter Alkoholeinfluss herbeigeführt wurden.

Fazit: Auch gegen Zahlung eines wesentlich höheren Tagesmietpreises ist man nicht vor hohen Zahlungen im Schadensfall gefeit.

Was ist die CDW-Versicherung?

Hier kommt die Selbstbehalt-Ausschluss-Versicherung ins Spiel (englisch: „Collision Damage Waiver“). Gegen Zahlung einer Versicherungsgebühr von 6,50 bis 9 Euro pro Tag (je nach Anbieter) wird der Selbstbehalt, den man im Standard-Pack-Tarif zahlen muss, ersetzt. Punkt.

Auch hier gibt es Ausnahmen, aber das sind recht wenige: Schäden an den Reifen und solche, die durch Unachtsamkeit, Fahrlässigkeit und Verstöße gegen die Mietbedingungen entstanden sind, werden nicht ersetzt. Bei Fahrzeugdiebstahl und bei Schäden auf Campingplätzen greift die CDW-Versicherung explizit.

Die CDW-Versicherung der Allianz schreibt in ihren Vertragsbedingungen:

„Im Rahmen der Selbstbehalt-Ausschluss CDW Versicherung erstatten wir den vertraglich geschuldeten und belasteten Selbstbehalt der Kaskoversicherung bis zur maximal vereinbarten Summe wenn das Mietfahrzeug während der Laufzeit des Mietvertrages gestohlen wird oder bei einem Unfall im öffentlichen Straßenverkehr beschädigt oder zerstört wird. Für Schäden an am Unfall beteiligten Fahrzeugen kommt in der Regel die Kfz-Haftpflicht-Versicherung auf.“

Klingt verlockend, oder? Fanden wir auch. Da uns aber viele Kommentare mit den ernüchternden Ergebnissen detaillierter Nachfragen von Lesern erreichen, wollen wir die Vor- und Nachteile der CDW-Versicherung einmal genauer betrachten.

Nachteile der CDW-Versicherung

Der Vertrag besteht nur zwischen dem Versicherungsanbieter und dem Fahrzeugmieter; die Selbstbeteiligung muss also trotzdem zunächst an den Wohnmobil-Vermieter gezahlt werden, wenn es zur Beschädigung des Fahrzeugs kommt.

Das heißt:

  • Die Selbstbeteiligung muss zunächst in voller Höhe geleistet werden, sie wird erst später zurückerstattet.
  • Die Kosten für die Abbuchung und das Risiko der Kursschwankung bleiben bestehen.
  • Es sind nur die Schäden versichert, die am eigenen Fahrzeug entstehen; Schäden am anderen Fahrzeug oder anderen Gegenständen nicht. (Dafür kommt unseres Erachtens aber die Kfz-Haftpflichtversicherung auf, die für jedes Miet-Wohnmobil inklusive ist.)
  • Es besteht kein Versicherungsschutz für Schäden, für die auch die bestehende (Haupt-) Kaskoversicherung des Vermieters nicht leisten würde – und das sind im Fall des Standard Packs, wie man oben sieht, sehr viele!
  • Die „demurrage costs“ fallen trotzdem an und während das Wohnmobil repariert wird, muss man warten oder auf eigene Kosten ein anderes Fahrzeug mieten.
  • Im Standard Pack zahlt man extra für viele Leistungen wie One-way-Miete, die Diesel Tax, einen zweiten Fahrer, Campingmöbel, Autokindersitze usw. Das reduziert die Preisdifferenz zwischen Standard Pack und Bonus Pack um mehrere hundert bis tausend Dollar.

Fazit: Daumen runter für die CDW 

Die Selbstbehalt-Ausschluss-Versicherung ist im Prinzip eine sehr schöne Idee, mit der man viel Geld sparen kann – allerdings nur, wenn die Vertragsbedingungen des Wohnmobil-Vermieters auch im Standard Pack fair sind. Leider sind sie das seit einigen Jahren nicht mehr – was von Branchenkennern direkt auf die zunehmende Verbreitung von CDW-Versicherungen zurückgeführt wird.

Die Vermieter haben sich auf die „Konkurrenz“ dieser Versicherung eingestellt und nehmen Schritt für Schritt immer mehr Schadensfälle aus ihren Vertragsbedingungen heraus, die im Standard Pack über die Selbstbeteiligung beglichen werden können – und die demnach von der CDW-Versicherung ersetzt werden.

Im schlechtesten Fall bezahlt man die CDW umsonst und muss trotzdem die Kosten für eine beschädigte Windschutzscheibe, einen geplatzten Reifen, die Kreditkartengebühren für die Abbuchung des Selbstbehalts und die „demurrage costs“ bezahlen. Dazu kommen natürlich noch die im Bonus Pack inkludierten Zusatzleistungen für One-Way-Miete usw.

Zähneknirschend müssen wir also sagen: Nein, die CDW-Versicherung ist keine optimale Lösung für Neuseeland-Reisende mit schmalem Budget mehr.

8 Kommentare

  • Hallo, ich habe mich ebenfalls eingehend mit den Thema beschäftigt. Aus meiner Sicht deckt die Mietwagen Versicherung der MLP Kreditkarte alle Lücken, so sind Kaskoschäden bis EUR 75.000 je Schadensfall gedeckt, ohne die ganze Latte an Ausschlüssen (Reifen, Scheiben, Gravel Roads etc).
    Wir fahren im Q4 für sechs Wochen nach NZ, man muß die Elternzeit ja nutzen 🙂

    • Das gilt ab 01.04.17 nicht mehr.

      Wir haben die MLP-Karte auch (noch), die Mietwagen-Vollkaskoversicherung wird durch eine Selbstbehalt-Ausschluss-Versicherung ersetzt (der Kartenpreis von nicht ganz billigen 160€/Jahr bleibt natürlich gleich ;)).

      Momentan bin ich auf der Suche nach einem passenden Ersatz – viele Kreditkarten (z. b. Lufthansa, BMW, Amex) bieten zwar eine Mietwagen-Vollkaskoversicherung, schließen aber Wohnmobile explizit aus.
      Andere KK-Anbieter inkludieren zwar Wohnmobile, allerdings nur bis 50000 Schaden und schließen Fahrzeuge mit einem Neupreis von >80000€ aus (und das dürfte für viele der größeren Campervans zutreffen, die Kisten sind gar nicht mal so billig).

      Die MLP-KK-Versicherung war im übrigen auch von der Regulierung her top – wir hatten einen Schaden (2500€, Poller übersehen) der anstandslos reguliert wurde. Zusätzlicher Vorteil war, daß die Versicherung nicht (!!) an den Karteneinsatz gebunden war…

  • Hmmm, wir hatten uns bei Jucy für „stressfree“ entschieden, habe einen Spiegel abgefahren und hatten auch eine Reifenpanne auf Gravel Road – Spiegel wurde von der Versicherung übernommen und Geld für die Reifenreparatur haben wir anstandslos zurückbekommen!

  • Hallo Josef,
    deine Frage bezüglich der Deckungssumme kann ich leider nichts anderes sagen als die Weltwunderfrau. Ich war schon 3 mal mit dem Camper in Neuseeland unterwegs (davon 2x mit Wendekreisen) und habe mir ehrlich gesagt über Deckungssummen keine Gedanken gemacht 🙂 Wir hatten immer Glück, zwar jedes mal eine Panne aber nie einen Unfall. Wünsche eine wunderschöne Zeit in Neuseeland! Wir planen auch schon die nächste Tour… LG Lisa

  • Hallo Josef, die Höhe der Deckungssummen kann täuschen, denn in NZ müssen davon nur die Sachschäden nach einem Unfall abgedeckt sein. Alles an Personenschäden übernimmt die staatliche ACC, auch für Touristen. Im Gegenzug kann man keine Forderungen nach Schmerzensgeld stellen (Disclaimer: Das ist keine rechtlich verlässliche Beratung, sondern mein angelesenes Laienwissen!!).

  • Hallo,
    an dieser Stelle muss ich mal den Anbieter „Wendekreisen“ loben. Wir hatten letztes Jahr nur die Standardversicherung und hatten einen Getriebeschaden. Mussten dann mitten in der Pampa zu einem Campingplatz abgeschleppt werden. Am nächsten Morgen um 7 Uhr stand der neue Camper vor der Tür. Der Tag wurde uns erstattet und wir hatten keinerlei Kosten, nicht einmal Selbstbeteiligung. Daumen hoch für Wendekreisen!

    • Hallo Lisa,
      wir wollen auch nach Neuseeland und bei Wendekreisen buchen. Was uns Sorgen macht ist die Deckungssumme bei Unfällen. Auf unsere Anfrage bei NZDirect-Reisebüros, bekamen wir die Antwort, dass im Falle eines Unfalls alles bezahlt wird (All-Inclusiv-Paket), weil Wendekreisen ist bei ACC versichert ist.
      Bei deutschen Wohnmobil-Vermietern zB. Britz oder Apollo gibt es Deckungssummen von 5 Mill. Euros.
      Wer hat Erfahrung mit den Deckungssummen neuseeländischer Wohnmobilvermieter?

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