Neuseeland-Reise 2011

NZ-Reisetagebuch, 28. Januar: „Goldfinger“ in Arrowtown

Liebe Freunde: Wir kommen nicht zurück. Plötzlicher Reichtum ist eingetreten, so dass wir uns ein Anwesen am Ufer des Lake Wakatipu kaufen und uns zur Ruhe setzen werden. Wie das passiert ist? Wir waren in Arrowtown, wo man auf sagenhafte 150 Jahre Geschichte stolz ist. Unbeirrt davon, dass der neuseeländische Goldrausch schon seit 140 Jahren vorbei ist, hat der Weltwundermann am Ufer des Arrow River im Flussbett gesiebt und einen unglaublichen Fund gemacht!

Weltwunderer Neuseeland Lake Wakatipu

Lake Wakatipu: gigantisch und türkis

Szenenwechsel: Wo gestern noch der kleine, verwunschene Moke Lake ungerührt und still dalag und man allenfalls fernes Blöken hörte, rauschen nun die Wellen des Lake Wanaka an dessen windumtoste Gestade. Und während heute Mittag der riesige Lake Wakatipu (der angeblich stellenweise über 1 km tief ist!) türkisblau glitzerte und mit sandigen, seichten Badestellen lockte, soll der Lake Wanaka eher schroffe Ufer haben und wirkt dunkel und geheimnisvoll.

Genaueres kann ich noch nicht sagen, da ich die Familien-Strandwanderung wegen zwei Eilaufträgen nicht mitmachen konnte. Merke: Internetzugang führt erst zu Freude, dann zu Stress.

Unser Zeltplatz in Wanaka, der Lake Outlet Campground, ist wieder einmal ganz anders: voller verkrüppelter kleiner Pinien, auf vielen kleinen Terrassen angelegt und sehr sandig. Fast wie an der deutschen Ostsee! Auch die Klientel ist anders, es gibt hier zum Beispiel kaum große Wohnmobile.

Der Platz war uns nicht nur im Motel in Christchurch empfohlen worden, sondern noch einmal heute morgen vom Camp Warden, der um 8 Uhr an unsere Scheibe klopfte, um die Fee für die Übernachtung am Moke Lake zu kassieren, und uns zum Ausgleich einen 15 Prozent Discount Voucher mitgab. Außerdem habe ich heute schon 5 NZ$ gewonnen! Wir hatten nämlich gewettet, ob sich die Tochter trauen würde, allein bei den fünf Nachbarsmädchen nach dem Fahrrad zu fragen. Der kleine Bruder ist immerhin tapfer hinübermarschiert und hat sich das pinkfarbene Dreirad geholt.

Da die Morgensonne sich schnell hinter die Wolken verzog, war auch an ein morgendliches Bad nicht zu denken. Mit komplett gefrusteter Tochter reisten wir ab und fuhren über die aufregend schöne, wenn auch ein wenig längere Cardrona Range nach Arrowtown, in die Stadt des Goldrauschs.

Bei einem Zwischenstopp am Shotover River staunten wir noch kurz über die wahnsinnig lauten Schnellboote, mit denen eine Touristengruppe nach der anderen mit Highspeed über ein kleines Stück Flusslauf geschleudert wird. Sieht schon fetzig aus, aber nach einer Weile am Moke Lake bekommen solche Aktivitäten irgendwie einen armseligen Anstrich…

Weltwunderer Neuseeland Shotover River

Shotover River: irgendwie… armselig

Arrowtown war, wie erwartet, ein nahezu kitschiges, für den Tourismus zurechtgemachtes Plastikdörfchen. Aber wir aßen lecker thailändisch zu Mittag und machten ein super Eis-Schnäppchen in der „Patagonia“-Filiale: Eine Riesenkugel kostet zwar 4,50 NZ$, aber zwei Riesenkugeln im selben Becher kosten nur 6,50 NZ$! Nach einer Riesenkugel pro Person waren wir pappsatt und der Sohn sah selber aus wie eine Eiskugel. Weder das eine noch das andere waren wir leider geistesgegenwärtig genug, zu fotografieren…

Er konnte sich ja aber im Fluss waschen – und zwar, tadaaa, im Fluss Bruinen, über den Arwen seinerzeit mit Frodo vor den Ringgeistern geflohen war. Die Tochter fand tatsächlich ein verrostetes Hufeisen zwischen den glitzernden Steinen, aber die genaue Stelle fanden wir trotz ausführlicher Suche getreu nach Anleitung durch Ian Brodies Herr-der-Ringe-Guidebook nicht.

Dafür fand der Weltwundermann ein ungefähr 0,5 mm großes Stück Gold!

Und jetzt passt auf: Anstatt es einzurahmen und sein Vermögen darauf zu gründen, hat er es auf dem Parkplatz weggeworfen. Inzwischen hat es bestimmt einer der 1000 japanischen Touristen mitgenommen und gründet einen Tigerstaat damit. Der Mann hat halt keinen Respekt vor Geld; ich habe auch meinen Wettgewinn noch gar nicht bekommen, fällt mir da ein…

Ansonsten gab es heute viel Fahrt mit viel Szenerie, wie gewöhnlich atemberaubend, trotz ausgesucht schlechten Wetters. Zum Glück nur während der Fahrt. Am Fluss Bruinen, aka Arrow River, schien die Sonne dem Mann auf den Rücken, während er bis zu den Knöcheln im kalten Wasser stand (er hat ja so tolle wasserdichte Schuhe, dädädä…) und mit einem glaubhaft exzentrischen Goldsuch-Veteran fachsimpelte. Der wäscht hier jeden Tag Gold und verdient dabei im Monat um die 600 NZ$. Sagt er.

Gegen Abend ist es plötzlich ganz warm geworden, so dass wir jetzt draußen sitzen und mal wieder erleichtert aufatmen können, weil wir den allabendlichen Ich-will-nicht-einschlafen-Wahnsinn überstanden haben. Inzwischen lassen wir den Wecker schon morgens um 8 Uhr klingeln, weil die Tage zum Verschlafen echt zu schade sind und wir um 10 Uhr meist schon auschecken müssen. Trotzdem sind die Kinder abends nicht totzukriegen – uff…

Auch die Tierwelt verändert sich mit unserer Fahrt nach Norden und ins Landesinnere: Am Straßenrand lagen bisher immer zerquetschte Possums, heute sahen wir dagegen gleich mehrere zerteilte Kaninchen. Ein lebendes wurde von der Weltwundertochter im Gebüsch hinter dem Campervan gesehen. Angeblich.

Nachtrag, 10 Minuten später: Stimmt, die sitzen da im Busch! Niiiiedlich!!

Weltwunderer Neuseeland Arrowtown

Wir suchen Gold am Wegesrand, finden aber nur Schiefer (das Gold liegt ja auch im Fluss)

3 Kommentare

Hier kommt deine Meinung rein.