Norwegen Skandinavien

Bergen im Regen – kann man machen

Nun ist es doch passiert: Die anhaltende Schönwetterperiode hatte ein Ende und wir haben fast zwei Tage durchgehenden Regen überstehen müssen. Da wir zum Glück gerade in der Nähe von Bergen waren, machte uns das aber nicht viel aus – wann sonst kann man mit Kindern einen Stadtbummel machen, wenn nicht bei Regen?

Bergen NorwayDann hat nämlich keiner Lust zum angeln, baden oder draußen spielen, und mehr als drei Stunden im Zelt sitzen und vorlesen Filme auf dem Netbook schauen kann man auch nicht. Die Regenfront zog sich offenbar über ganz Mittelnorwegen und tauchte Fjorde, Seen und  Wälder in dicke Wolkensuppe. Dazu kam ein Sturm, der unser Zelt auf eine harte Belastungsprobe stellte – zum Glück bestanden, kann ich schon mal verraten!

Bei diesem Sch… wetter nützt auch der schönste Campingplatz mit Bergpanorama und Abenteuerspielplatz nichts (und sooo toll war „Lone Camping“ auch nicht; ist halt der einzige Platz im Umkreis von 30 km um Bergen, wo man ein Zelt aufstellen kann). Wir schnappten uns also die Kinder, wrangen sie kurz aus und navigierten klassisch per Straßenkarte nach Bergen hinein – eine Herausforderung und nichts für Anfänger. Wir zahlten die Tunnelmaut für einen Tunnel, den wir gar nicht durchfahren wollten und brauchten, gleich mal doppelt – so schnell sind 50 NOK weg.

Noch einmal so viel und dann gleich noch elfmal so viel mussten wir berappen, um unseren Kindern eine tolle Regenwetter-Attraktion zu bieten: Der Eintritt ins „Bergen Akvariet“ kostete für uns vier tatsächlich ungefähr 70 Euro. Schluck. Und unser Urteil als Test-Eltern? Kann man machen, wenn es dauerregnet und man einen halben Tag totschlagen muss.

Unter den Umständen haben wir das Geld nicht bereut: Es wurden Pinguine gefüttert (und Weltwundersohn war glücklich …), Robben trainiert und Kalifornische Seelöwen führten Kunststücke vor. Im Innenbereich warteten viele interessante Aquarien mit heimischen und den üblichen exotischen Fischen, Krokodilen und anderem Getier; mit dem Ozeaneum oder gar dem Aquarium in Sidney kann sich das „Bergen Akvariet“ aber nicht messen.

Für den Nachmittag durften wir Eltern uns etwas wünschen und entschieden uns für die günstigste Alternative: den Bummel durch Bergens historische, immerhin aus dem 12. Jahrhundert stammende Altstadt „Bryggen“. Das ist ein Bereich von nur drei Querstraßen, auf dem sich etwa 60 Holzhäuser und Kontore windschief aneinander drängen und auf bis zu drei Etagen übereinander stapeln.

Bryggen i Bergen Norway

Man darf tatsächlich überall hinaufsteigen und hineinlunschen und kann sich fühlen wie ein deutscher Hansekaufmann aus dem Mittelalter. Die waren es nämlich, die das Viertel gebaut und bewohnt haben, bevor die Hanse als internationale Seehandelsvereinigung vor etwa 100 Jahren ihre Zweigstelle in Bergen schloss.

Bryggen i Bergen Norway

Heute findet man in den Läden vor allem Ateliers, Ingenieurbüros und teure Boutiquen. Wir schauten uns zum Spaß die Preise an und schlackerten lustvoll mit den Ohren – ein Stück Apfelkuchen für über 6 Euro? Aber gern! Noch besser wurde es auf dem Fischmarkt, der gegen Abend schon in den letzten Zügen lag, wo man aber immer noch Lachs, Meeresfrüchte und Walfleisch (!) für die Kreuzfahrt-Touristen feilbot. Hier wollte man für eine kleine Portion Fish and Chips umgerechnet 20 Euro haben. Die spinnen, die Norweger!

Bergen Fish Market Whale Meat Norway

Zum Schluss noch eine Entwarnung: Die Regenwolken haben sich gestern Abend alle auf einmal abgestellt und heute Morgen wartete die Sonne am strahlend blauen Himmel auf uns. Was für ein Riesenglück – just heute Morgen ist nämlich einem ganz bestimmten Weltwunderer ein Malheur passiert, das eine Reinigung von mehreren Schlafsäcken, Isomatten und Schlafanzügen notwendig machte …

8 Kommentare

  • wie könnt ihr denn bitte einen Vergleich mit dem Aquarium von Sydney machen??? Soweit ich weiß, seid ihr bis jetzt noch nicht nach Down Under gekommen … Tja, und bei den vielen Fischen, die man anschaut, kann es wohl schon mal vorkommen, dass: „Ups, i hab mir eintintet“…;-)

    • Och Mann, man darf doch aber auch den Berichten von Freunden vertrauen, oder nicht? Ein ebensolcher hat uns schon vor Jahren einen glaubhaften Eindruck vom Sidneyer Aquarium vermittelt (damals im Vergleich zu „Kelly Tarlton’s“ in Auckland, wenn’s interessiert). Zufrieden?

    • Gut, dann hier noch ein Bericht aus der Familie: Das Ozeaneum kann sich auf keinen Fall mit dem „Océanopolis“ in Brest/Bretagne messen und an das „Oceanário de Lisboa“ kommt es auch nur knapp ran!

    • Na, da sollten wir doch langsam mal ein Ranking erstellen, hm? Wobei natürlich der Eintrittspreis zuvörderst zu berücksichtigen ist – Preis-Leistungs-Verhältnis heißt das Stichwort, das uns hier in Norwegen seeehr oft in den Sinn kommt …

  • Nun, vielleicht hat der WW-Sohn (?) die Dosenleberwurst satt 🙂 ? Jetzt gönnt euch doch mal ein gutes Stück Apfelkuchen 😀 !
    Von den offensichtlich teuren Lebenshaltungs- und Amüsierkosten mal abgesehen klingt es aber wirklich sehr schön, die Altstadt von Bergen sieht echt niedlich aus.
    Wettertechnisch habt ihr nüscht verpasst, es gab gestern die zweite Nacht in Folge ein ordentliches Gewitter mit ordentlich Starkregen und Windböen, die selbst unser Haus zum Wackeln gebracht haben, da wäre euer Zelt wahrscheinlich hinfort geflogen…
    und heute morgen? Immer noch Gewitter. oder schon wieder? Jedenfalls sind wir alle pitschepatschenass geworden 🙁

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