Eure Neuseeland-Reisen mit Kind

Blog-Interview Nr. 12: Mit Baby um die Welt und natürlich nach Neuseeland

Wieder einmal haben wir eine echte Weltenbummler-Familie erwischt – Nici und Lukas tingeln seit einem halben Jahr mit der kleinen Lilly durch aller Herren Länder und haben es offenbar gar nicht eilig, wieder in den deutschen Alltag zurückzukehren. Neuseeland hat es wieder mal geschafft, nachhaltig zu beeindrucken – obwohl die Konkurrenz groß ist …

Weltwunderer: Nici und Lukas, wie kommt man denn von Südafrika nach Neuseeland?

Lukas: Es war ja kein Direktflug – nach zwei Jahren Südafrika wollten wir so langsam mal wieder nach Deutschland zurückkehren und haben uns entschieden, noch eine kleine Weltreise als Zwischenstation einzubauen. Von Südafrika sind wir also erst einmal nach Berlin geflogen und dann nach Thailand – das war dann gar nicht mehr sooo weit.

Nach zwei Monaten in Südostasien ging es dann weiter nach Australien und Neuseeland, dann kam Tahiti und inzwischen sind wir schon in Amerika. Hier fahren wir erst den Südwesten der USA ab, also Kalifornien, Arizona, Utah und Nevada, und dann geht es in den Nordosten nach New York und Boston.

WW: Neuseeland liegt ja nicht unbedingt auf der typischen Weltreise-Route – wieso habt ihr das Land denn auf eure Liste gesetzt?

Lukas: Nicis Vater lebt hier und sie selbst war vor einigen Jahren schon mal einige Zeit hier. Also kannte Nici die tollen Landschaften teilweise schon und wollte sie mir zeigen. Gott sei Dank, wie ich im Nachhinein sagen kann!

WW: Welche Route habt ihr denn durch Neuseeland genommen?

Lukas: Von Auckland ging es über Rotorua und den Tongariro National Park nach Wellington, dann rüber auf die Südinsel und von Picton über Nelson in den Abel Tasman National Park, dort waren wir recht lange (meine neue Lieblingsgegend). Weiter über die West Coast zum Franz Josef Gletscher und dann zurück über den Arthur‘s Pass nach Christchurch. Von hier aus sind wir kurzerhand nach Auckland zurückgeflogen. Das Fiordland und vieles andere haben wir nicht geschafft, weil die Zeit zu kurz war – wir hatten ja nur einen Monat für diese Etappe. Aber wir wollten uns ja sowieso noch etwas für den nächsten Besuch lassen!

WW: Ist eine so lange Reise mit so einem kleinen Kind nicht anstrengend?

Lukas: Man nimmt sich mehr Zeit (und braucht mehr Zeit!), erlebt dadurch aber auch einzelne Orte intensiver. So sah unser ursprünglicher Plan vor, beide Inseln komplett zu umrunden und wieder zurück nach Auckland zu fahren, in nur drei Wochen. Das war wohl nicht nur naiv, sondern auch komplett unrealistisch. Wegen Lilly haben wir unsere Route noch stärker gekürzt, als wenn wir allein gewesen wären – und das war gut so! So hatten wir mehr Zeit für kleine, feine Ecken und für nette Details.

WW: Und wie fand Lilly Neuseeland?

Nici: Lilly ist ja erst 16 Monate alt. Von der Natur zeigt sie sich auf unserer Reise bisher nicht so beeindruckt, dafür aber von Steinen. Und davon gibt es ja genug in Neuseeland. Also ja, Lilly mochte Neuseeland. Und nach wenigen Tagen im Land hat sie dort mit dem Laufen begonnen!

WW: Mit Baby auf Weltreise, braucht es da nicht eine Menge Vorbereitung?

Lukas: Vorbereitet haben wir uns eigentlich kaum, nur einen Campervan gebucht, weil wir in Australien schmerzhafte Erfahrungen mit der Buchung gemacht hatten – zwei Wochen vorher buchen in der Super-Peak-Season war wohl nicht die beste Idee! Den Rest wollten wir recht spontan gestalten und haben das auch gemacht.

Nach kurzer Zeit ist uns dabei ein großer Fehler aufgefallen – wir haben den Camper von und bis Auckland gebucht. Dadurch hätten wir die Strecke quasi doppelt fahren müssen. Aber unterwegs haben wir die Rückgabe auf Christchurch geändert und günstig einen Flug dazu gebucht. Teurer war das auch nicht, weil die Fähre Picton–Wellington plus Benzin etwa so viel kostet wie Flug und One-Way-Gebühr fürs Wohnmobil.

Nici: Ganz so einfach ist das Reisen mit Baby natürlich nicht; wir schleppen bestimmt 15 Kilogramm Baby-Ausrüstung mit uns herum: von Buggy und Babytrage über Autokindersitz und Reisebett (das von Deryan können wir empfehlen!) bis zu Milchpulver, Schnuller, Gläschen, Medikamenten …

WW: Wenn das Kind unterwegs krank wird – das ist ja eine Horrorvorstellung vieler Eltern …

Nici: Tatsächlich bekam Lilly am Franz-Josef-Gletscher plötzlich hohes Fieber. Wir sind dann in einer Tour bis nach Christchurch gefahren, um in die Nähe einer Stadt und damit eines Krankenhauses zu kommen. Als wir dort waren, war das Fieber natürlich wieder weg … Also eigentlich hatten wir bisher keine gesundheitlichen Probleme mit Lilly; hoffentlich bleibt es dabei!

WW: Auf welches Gepäckstück würdet ihr beim Reisen mit Kind in Neuseeland nicht verzichten wollen, was war völlig überflüssig?

Nici: Für Lilly lebenswichtig war ihr Ball, den wir irgendwo in Asien gekauft haben. Mehrfach am Tag wurde danach verlangt, stundenlang damit gespielt und mittlerweile ist sie auf dem besten Weg zu einer Junior-Karriere im Fußballclub. Verzichtet haben wir auf den Buggy und ihn auch nie vermisst.

WW: Ganz konkret: eure Top-Ten-Liste für NZ bitte!

Nici: Mist, diese Frage hatten wir erwartet und uns nach der Abreise von Neuseeland unsere Listen fein ausgearbeitet. Ob wir sie jetzt noch komplett hinkriegen?

  1. der Wasserfall auf der Smith’s Family Farm in Linkwater
  2. Wellington (und das Restaurant Great India)
  3. Wharariki Beach
  4. das Whakapapa-Skigebiet im Tongariro National Park (ein Drehort vom „Herrn der Ringe“)
  5. die Mangawhero Falls (ein weiterer Drehort)
  6. Totaranui Campground und die Wanderungen dort
  7. Queen Charlotte Drive
  8. die Summit Road von Christchurch nach Westen
  9. Christchurch und die Bustour durch die Red Zone
  10. Arthurs Pass

Lukas: … ich muss unbedingt noch was ergänzen: die Hamurana Springs bei Rotorua!

WW: Wie würdet ihr Neuseeland auf eurer Reiseroute einordnen – welchen Platz nimmt es in euren Erlebnissen ein?

Lukas: Für mich war es bisher die ungeschlagene Nummer 1, aber von diesem Spitzenplatz wird es gerade vom Südwesten der usa verdrängt. Der Grand Canyon und die Gegend drumherum sind schwer zu toppen, wenn es um Naturerlebnis geht!

Nici: Für mich steht Neuseeland auf Platz 4. Landschaftlich ist es wirklich unschlagbar, doch mehr hat es dann auch nicht zu bieten. Kultur, bezaubernde Städte mit schöner Architektur, Kunst – all das fehlt dem Land ein wenig. Aber wer sich für eine Reise nach Neuseeland entscheidet, der möchte sich wohl eher in der Ruhe aalen, die Strände genießen und aus den Wanderungen ein Abenteuer machen.

Die Landschaft bei Wharariki - Lukas' Top-Favorit

Die Landschaft bei Wharariki – Lukas‘ Top-Favorit (c) Lukas R.

WW: Die Gretchenfrage: Mochtet ihr Nord- oder Südinsel lieber?

Nici: Unentschieden. Nach Punkten in den Top 10 – evtl. ein kleiner Punktvorteil für den Süden.

Lukas: Für mich ist es ganz klar. Die Südinsel hat einfach alles: Schweizer Alpen, karibische Strände, Küstenstraßen wie in den usa und eine ganze Menge, was man sonst nirgends findet.

WW: Auckland oder Wellington?

Nici: Ganz klar Wellington!

WW: Neuseeland oder Deutschland?

Lukas: Das ist eine Frage, die wir uns so nicht stellen. Wir finden Neuseeland sehr faszinierend, aber zum Leben ist es uns zu weit weg von der restlichen Welt. Allerdings sind wir auch nicht an Deutschland gebunden – derzeit planen wir unsere nächste Station Leben und Arbeit … und wir können noch nichts Genaues sagen, aber Deutschland ist nur eine Option unter vielen.

WW: Neuseeland ist ja nicht billig, gerade im Vergleich zu Südostasien – hat das geplante Budget ausgereicht?

Nici: Das geplante Budget wurde sowohl in Australien als auch in Neuseeland total über den Haufen geworfen! Allein aufgrund der Kosten würde ich mir eine Reise nach Neuseeland genau überlegen. Wir hatten mit einem Budget von 100 € pro Tag gerechnet, aber das ist in Neuseeland nur schwer umsetzbar. Es geht sicherlich, aber wir haben es nicht geschafft. Allein die Miete für den Campervan waren mehr als 100 € pro Tag!

WW: Wollt ihr noch ein paar Tipps für Familien, die nach Neuseeland reisen wollen, loswerden?

Lukas: Vielleicht sollte man doch ein bisschen mehr planen als wir – ich war zum Beispiel sehr überrascht, dass die Fähre von Wellington nach Picton mit einem Campervan 300 NZ$ kostet! Da gibt es so einige Überraschungen in Neuseeland, was die Kosten angeht. Aber das hängt natürlich auch sehr von den individuellen Wünschen ab.

WW: Und zum Schluss: Werdet ihr wiederkommen?

Lukas: Ganz klar ja! In unserem Blog habe ich damals geschrieben: „Falls mich jemand fragt, wird mein vermutlich einziger Reisetipp in Zukunft Neuseeland heißen. Reisebefehl. Und wenn‘s nur dieser eine ist. Sofort!“

WW: Danke für das Interview, ihr beiden – und viel Spaß weiterhin beim Reisen! Wir sind gespannt, wohin es eure kleine Familie als nächstes verschlägt…

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