Neuseeland für Familien

Wellington mit Kindern: Te Papa Tongarewa

Fast jede Neuseeland-Reise führt durch Wellington, die kleine, feine Hauptstadt des Landes. Hier solltet ihr unbedingt mindestens einen Tag Pause vom Wohnmobilurlaub einlegen und ein wenig Stadtbesichtigung machen. Unser wichtigster Tipp für Wellington mit Kindern klingt vielleicht abgedroschen: ein Museumsbesuch!

Te Papa von außen (c) FlickR/Daniel Incandela

Te Papa von außen (c) FlickR/Daniel Incandela

In unseren Reiseberichten klang es schon verschiedentlich an: Museen in Neuseeland sind nicht zu vergleichen mit denen, die wir Deutschen von zu Hause kennen. Ein Museumsbesuch empfiehlt sich hier nicht nur als Überbrückung an Regentagen und beschäftigt euch garantiert mehrere Stunden lang. Das Beste: Museen in Neuseeland sind immer sehr kinderfreundlich und fast immer kostenlos!

Wir hatten für Wellington leider nur einen Tag Zeit, an dem die Sonne wie verrückt schien und auch noch eine selbstgemachte Herr-der-Ringe-Location-Tour anstand – aber in Neuseelands berühmtes Nationalmuseum wollten wir doch mal kurz reinschauen. Eigentlich heißt es „Te Papa Tongarewa“, was auf Maori etwa „Der Ort der Schätze dieses Landes“ heißt. Und das ist es auch: eine riesige Schatzkammer mit allem, was Neuseeland ausmacht.

Wir betraten das sechsstöckige Gebäude an der Waterfront nach Einparken unseres Wohnmobils und gebührender Bewunderung der Kunstwerke vor dem Eingang relativ blauäugig – einfach mal schauen, war die Devise. Im Nachhinein bin ich nicht sicher, ob das die beste Strategie war, denn auf jeder der sechs Ebenen locken andere interessante Ausstellungen – von der Entstehungsgeschichte der Welt über die Geschichte Neuseelands bis zu moderner Kunst ist alles dabei.

Was wir zum Beispiel total übersehen haben, ist das Außengelände: In „Bush City“ läuft man durch echten Wald und eine künstliche Höhle mit Glow-worms, klettert über versteinerte Lava, durchquert einen Sumpf und kann das Skelett eines Mosasaurus ausgraben – das Gelände soll so aussehen wie die Gegend um Wellington vor 200 Jahren (tiefe Urgeschichte für neuseeländische Verhältnisse ;-)).

Toni Escuder

Eine der zig Ausstellungen (c) FlickR/Toni Escuder

Zurück ins Hauptgebäude: Das wurde erst 1998 eröffnet und sieht von außen wie innen verdammt schick aus. Wir mäanderten etwas ziellos, immer den aufgeregten Kindern hinterher, durch die ersten beiden Etagen – am besten erinnere ich mich an die Ausstellung „Our Space“, einen digitalen Raum, in dem Neuseeland auf interaktiven Karten und anderen Medien präsentiert wurde, und an „Awesome Forces“, wo die geologischen Kräfte gezeigt werden, die Neuseeland bis heute prägen. Die Weltwunderkinder genossen hier ihr erstes Erdbeben – zum Glück nur simuliert in einem „Erdbebenhaus“, nicht ahnend, dass es in Christchurch schon einige Tage später gewaltig krachen würde.

Das "Erdbebenhaus" beeindruckte die Weltwundertochter sehr

Das „Erdbebenhaus“ beeindruckte die Weltwundertochter sehr

Dann schauten wir noch bei „Mountains to Sea“ vorbei, wo eine der Hauptattraktionen des Museums wartet:

Der Giant Squid - gigantisch!

Der Giant Squid – gigantisch!

der in Formaldehyd eingelegte Riesentintenfisch, und zwar der einzige komplett erhaltene der Welt. Wie gigantisch der in Bewegung – namentlich im Kampf mit einem Pottwal, denn der wird verdächtigt, diese Viecher zu fressen – wohl sein muss (es wurden bisher leider nur tote Exemplare am Strand gefunden), sahen wir uns in einer 3D-Kinovorführung an, die den Weltwundersohn völlig von den Socken haute.

… Ja, und dann gab es noch das riesige Wal-Skelett und die zig anderen Nachbildungen von Tieren und Pflanzen aus verschiedenen Ökosystemen, die wunderschön lebensecht mitten im Raum ausgestellt waren, das originalgroße Herz eines Blauwals zum Hineinklettern und die Kinderforschungsstationen mit Mikroskopen und Schaukästen und ausgestopften Tieren im „Discovery Centre“, wo wir Eltern gemütlich auf Sofas lümmeln, Käfer vergleichen und in Büchern schmökern konnten…

An allen Ecken was zu entdecken!

An allen Ecken was zu entdecken!

Die anderen vier Etagen konnten wir nach einem Oooh!-Aaah!-Streifzug durch den Museums-Kinder-Shop nicht mehr angehen, wir waren einfach schon zu voll mit Eindrücken. Der geneigte Leser mag aber zur Kenntnis nehmen, dass es noch eine ganze Etage zur Kultur der Maori und anderer Pazifikvölker gibt, in der unter anderem ein kompletter Marae steht, mehrere Ausstellungen zur Geschichte Neuseelands und dann noch eine ganze Menge zeitgenössische Kunst – mal abgesehen von den wechselnden Sonderausstellungen zu jedem Thema und einigen schicken Shops und Cafés – letztere selbstverständlich mit Spielecken und Stillzimmern.

Te Papa hat an ausnahmslos jedem Tag des Jahres geöffnet und ist kostenlos. Eintritt bezahlt man „hintenrum“ aber trotzdem, sei es durch die Parkgebühren, die dem Museum zugute kommen, die Kosten für einen Audio-Guide oder eine Führung (beides sehr zu empfehlen, teilweise gibt es sie sogar in Deutsch!) und natürlich die Ausgaben für lecker Kuchen oder tolle Andenken aus dem Shop. Vorsicht Reisekasse, sag ich da nur …

Interaktives Neuseeland in der Ausstellung "Our Space"

Interaktives Neuseeland in der Ausstellung „Our Space“

Und wer keine Zeit hat, in Wellington ins Museum zu gehen, der schafft es vielleicht in Auckland? In den nächsten Jahren soll dort ein Ableger des Nationalmuseums eröffnet werden, und zwar nicht im Stadtzentrum, sondern in der Nähe des Flughafens. Hier werden dann die bisher eingelagerten Stücke der Nationalsammlung gezeigt, wobei ein Fokus auf der Bedeutung der  pazifischen Kultur für die heutige neuseeländische Gesellschaft liegen soll.

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