Japan

Ein Erdbeben in Japan erleben? Kein Problem!

Das Erdbeben vom März 2011, das Ost-Japan erschütterte und einen verheerenden Tsunami mit zehntausenden Todesopfern auslöste, haben wir damals um wenige Tage verpasst; uff. Bei unserem Besuch sechs Jahre später erlebten wir das Tohoku-Erdbeben nach. Der Besuch im Life Safety Learning Centre gehört zu unseren Tokio-Highlights.

Tokio Skyline Sky Circus

Blick auf Tokio vom Sky Circus

Am letzten Tag unserer Japan-Reise stand noch ein echter Höhepunkt auf dem Programm. Mit der Metro fuhren wir dafür nach Ikebukuro (schon wieder – wir waren schon am Vorabend hier gewesen, um den echt sehenswerten „Sky Circus“ im Sunshine City Hochhaus zu besichtigen. Große Empfehlung zum Sonnenuntergang, wenn ihr den Blick vom Skytree schon kennt und eure Kinder mit Superlativen wie „höchstes Gebäude in Tokio“ sowieso nicht beeindrucken könnt!).

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Von der Metrostation war es noch ein kurzer Fußmarsch zum Tokyo Fire Department – einem zwar hohen, aber ziemlich unscheinbaren Gebäude. Kein Wunder: Das Erdbebensimulationszentrum im vierten Stock wird zwar in verschiedenen Reiseführern gern mal als „Earthquake Museum“ bezeichnet, ist aber eigentlich keine Touristenattraktion – und schon gar kein Museum.

Die städtische Hauptfeuerwache mit ihrem Erdbebensimulator, das „Life Safety Learning Centre“, besuchen hauptsächlich Schulklassen, Mieter und Angestellte von Firmen, die regelmäßig das Verhalten in Notfällen üben sollen. In Japan gehören dazu nicht nur Feuer (dafür gibt es hier ein mit Rauchschwaden ausgestattetes Labyrinth und eine Feuerlöscher-Zielübung), sondern auch und vor allem Erdbeben.

Tohoku Erdbeben Japan Tsunami

Die Tsunami-Gefahr ist in Japan allgegenwärtig …

Erdbeben in Japan: krasser Alltag

Weil wir an vielen Stellen auf unserer zweiten Japan-Reise, nicht nur in Tohoku, Hinweise auf das Erdbeben von 2011 gesehen hatten, war das Thema natürlich für uns sehr präsent. Warnschilder und Wegweiser zu Erdbeben-Rettungspunkten und Tsunami-Fluchtrouten finden sich auch in der Innenstadt von Tokio.

Tokio Erdbeben Japan Tsunami

… auch in der Großstadt Tokio!

Das „Tohoku Earthquake“, das am 11. März 2011 mit einer Stärke von 9,0 auf der Richter-Skala die Ostküste von Japans Hauptinsel Honshu erschütterte, war für die Japaner ein Jahrhundert-Ereignis. Auf Japanisch heißt es nicht umsonst „Higashi-Nihon daishinsai“, übersetzt „Große Erdbebenkatastrophe Ost-Japans“. Dieses Beben war so stark, dass es das Trägheitsmoment der Erde verschoben hat, die sich seitdem um 1,8 Mikrosekunden schneller dreht – die japanische Hauptinsel Honshu rutschte fast 3 Meter nach Osten!

Mit starken Erdstößen kennen sich die Japaner aus – ihre traditionellen, sehr leicht gebauten Häuser kommen mit Erdbeben ebenso gut zurecht wie die Skyscraper in der Megacity Tokio. Die schwanken dann zwar besorgniserregend hin und her, fallen aber nicht um.

Die fast 16.000 Toten, die in Folge des Tohoku-Erdbebens zu beklagen waren, fielen fast alle dem Tsunami zum Opfer, der kurz nach dem Beben die Nordostküste von Honshu – eben die Provinz Tohoku, daher der Name – überflutete. Die eng eingeschnittenen Flusstäler der Sanriku Coast sind zwar bildschön, wie wir uns selbst überzeugen konnten. Aber den Tsunami von 2011 verstärkten sie noch zusätzlich und sorgten dafür, dass Siedlungen und Städte noch weit im Landesinneren zerstört wurden. Die Flutwelle soll in einigen Orten bis zu 38 Meter hoch gewesen sein!

Tohoku Erdbeben Japan Tsunami

Ab hier wurde es gefährlich – und kann es jederzeit wieder werden

Die Japaner gehen auch nach dem Jahrhundert-Beben von 2011 recht entspannt mit der Erdbebengefahr um; es bleibt ihnen auch nicht viel übrig. Kleinere Erdbeben in Japan treten immer wieder auf, und die meisten sind zum Glück ziemlich harmlos. Das liegt aber auch daran, dass man in Japan wirklich gut vorbereitet ist: Jedes Kind weiß, wie man sich bei einem Erdbeben in Japan korrekt verhält.

Erdbebensimulation im Tokyo Life Safety Learning Centre: krasses Erlebnis!

Wikipedia beschreibt das Tohoku-Erdbeben so:

„Das Beben begann relativ langsam mit recht starken Auf- und Abwärtsbewegungen (…). Nach nicht genau genannter Zeit (ca. 20 bis 30 Sekunden) kamen sehr viel heftigere Horizontalbewegungen (…) hinzu, die aber eine recht geringe Frequenz, also langsame Bewegung aufwiesen. Anschließend bewegte sich der Boden in einer rollenden Bewegung vergleichbar der Bewegung eines Bootes bei mittlerem Seegang. Zu diesem Rollen kamen anfangs im Minutentakt die Erschütterungen der Nachbeben. Das Hauptbeben hatte insgesamt eine Dauer von ungefähr 5 Minuten.“

Was genau bedeutet das aber? Wie fühlt sich so ein Erdbeben in Japan an?

Das wissen wir jetzt, nachdem wir an der Erdbeben-Simulation im Ikebukuro Fire Department teilgenommen haben. Unser Eindruck in Kürze: Keiner von uns hatte wirklich eine Vorstellung gehabt, WIE KRASS so ein Erdbeben sich anfühlt!

Tokio Erdbeben in Japan Tsunami

Spaß für Kids im Life Safety Learning Centre

Wir waren an einem Sonntag hier, weshalb kaum andere Leute da waren – Schulklassen und Firmen haben wir jedenfalls keine gesehen. Für uns war das gut, denn so konnten wir ohne Wartezeit direkt loslegen. Leider sprach der diensthabende Feuerwehrmann fast kein Wort Englisch, weshalb wir nicht allzu viele Erklärungen bekamen und auch keine Fragen stellen konnten.

Nun ging es auch schon los: Bitte alle Platz nehmen am Bürotisch, der auf einer großen Platte montiert war und auf dem mehrere Sitzkissen verteilt waren. Ein Signalton, und nach einigen Sekunden bangen Wartens begann die Platte, wild hin und herzurütteln. Auf den Zuruf des Feuerwehrmanns schnappten wir uns jeder eines der Kissen, hielten es über unsere Köpfe und tauchten unter den Tisch – was schon nach kurzer Zeit ein schwieriges Unterfangen darstellte.

Um nicht umzufallen, sollten wir uns an den Tischbeinen festhalten. Ich hatte nur einen Arm frei, da ich mit dem anderen das Weltwunderbaby festhielt, und wäre beinahe unter dem Tisch hervorgerollt, so sehr wurden wir hin und hergeschüttelt. Meine Jüngste hätte, wenn ich sie nicht festgehalten hätte, schon nach einer Minute ganz woanders gelegen.

Gerade als ich dachte, jetzt kann ich mich nicht länger festhalten, hörte das Erdbeben wieder auf. Wir schauten uns an, nahmen die Kissen vom Kopf uns hievten uns wieder auf. Und gerade als wir uns sagen wollten „War ja gar nicht so schlimm“, bedeutete uns der Feuerwehrmann, dass es jetzt eine zweite Erdbeben-Runde geben würde.

Was wir gerade erlebt hatten, war offenbar das Standard-Übungs-Erdbeben gewesen. Für die Simulation des Tohoku-Erdbebens mussten die beiden jüngeren Weltwunderkinder die Plattform verlassen – zu gefährlich ist selbst die Simulation. Wir Erwachsenen (und die Zwölfjährige) wurden ein weiteres Mal durchgeschüttelt, und zwar wirklich, wirklich heftig. Immerhin hatte ich diesmal zwei Hände zum Festhalten, und die brauchte ich auch.

Begleitend zur Simulation der Erdstöße liefen auf einer Leinwand Live-Aufzeichnungen vom Tohoku-Erdbeben in Tokio und in mehreren Orten an der Sanriku Coast. Wie die Erschütterungen also „in echt“ aussahen und mit welcher Geschwindigkeit sich der Tsunami wenige Minuten darauf über das Land wälzte, konnten wir eindrucksvoll sehen.

Tohoku Erdbeben Japan Tsunami

Das Tohoku-Erdbeben von 2011 hat deutliche Spuren hinterlassen

Ich hatte ja immer ein wenig gehofft, dass wir in Japan mal ein Erdbeben erleben würden – ein kleines, harmloses. Nachdem ich erlebt habe, wie vollkommen hilflos man bei einem Erdbeben der Kraft der Natur ausgeliefert ist, wie wenig man tun kann, um sich und seine Kinder zu schützen, und wie sehr man selbst im kontrollierten Rahmen der Simulation hofft, dass es bald vorbei sein möge, möchte ich das bitte, bitte niemals in echt erleben müssen.

Zum Glück sind so starke Erdbeben wie die, die wir im „Life Safety Learning Centre Ikebukuro“ erlebt haben, auch in Japan sehr selten. Meine Hochachtung gilt den Japanern, die nach einem solchen Erdbeben einfach weitermachen – und natürlich auch den Feuerwehrleuten, die nach solchen Katastrophen Menschenleben retten.

Life Safety Learning Centre Ikebukuro: das müsst ihr wissen

Tokyo Fire Department Life Safety Learning Centre Earthquake

Das Tokyo Fire Department hat natürlich auch ein Maskottchen

Im Ikebukuro Earthquake Simulation Centre des Tokyo Fire Department könnt ihr nicht nur Erdbeben nacherleben, sondern auch Feuerschutz-Übungen mitmachen, einen simulierten Tropensturm (Hurrikans ziehen im Sommer recht häufig über Japan) sehen und euch darüber informieren, was eure Notfall-Tasche für etwaige Katastrophen enthalten sollte.

Das alles lernt ihr am besten, wenn ihr japanisch sprecht oder eine japanische Begleitung mitbringt. Wir haben es auch ohne Sprachkenntnisse in den vierten Stock geschafft und dort den Erdbebensimulator gefunden. Wollt ihr an einer Führung teilnehmen, solltet ihr etwa 2 Stunden Zeit mitbringen.

Adresse: 2-37-8 Nishi-Ikebukuro,Ikebukuro Fire Department 4F, Toshima-ku

Anfahrt mit Metro oder Zug: Station Ikebukuro, West Exit oder Metropolitan Exit, von dort etwa 5 Minuten zu Fuß; in der Eingangshalle werdet ihr zum Fahrstuhl gewiesen, der in den 4. Stock fährt

Öffnungszeiten: täglich außer dienstags 9 bis 17 Uhr; Führungen (auf Japanisch) starten 9:30 Uhr, 13 Uhr und 15 Uhr

Eintritt: frei!

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1 Kommentar

  • Wahnsinn!! Das hört sich echt krass an! Ich habe mal vor vielen Jahren ein kleines Beben in Mexiko erlebt… das war irgendwie unangenehm und unwirklich… dauerte aber nur wenige Sekunden. Ein richtig großes Beben, wie das 2011 in NZ oder gar Japan muss ich allerdings auch nicht haben.

    Einen Besuch im „Erdbebenmuseum“ planen wir aber für unseren Tokioaufenthalt ein! Vielen Dank für diesen Tipp!

    LG
    Hartmut

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