Eure Neuseeland-Reisen mit Kind

Neuseeland-Auszeit mit Schulbesuch: ein Abenteuerbericht

Mit schulpflichtigen Kindern nach Neuseeland reisen geht nicht? Wir selbst haben es gemacht, und auch andere Familien zeigen, dass es geht. Sinas Söhne sind für ein paar Wochen in Neuseeland zur Schule gegangen, um die Schulfreistellung in Deutschland zu bekommen. Was für eine tolle Erfahrung das war, davon berichtet Sina in ihrem Gastbeitrag.

Schule in Neuseeland Sina Burkhard

Schule in Neuseeland: was für ein Abenteuer! © Sina Burkhardt

Die Schulglocke läutet um 9 Uhr zum Unterricht. Paradiesische Zeiten für deutsche Schulkinder. Unser Abenteuer Neuseeland wird bei uns nicht nur von der Urlaubsseite beleuchtet. Nein, auch von der Alltagsseite. Und da gehört für die Kinder der Schulbesuch dazu.

Nicht ganz freiwillig:  Das Gymnasium des 14-Jährigen hat dies zur Bedingung für sieben Wochen Freistellung vom Unterricht gemacht. Und da sein Bruder hier im neuseeländischen Sommer schon die Schulbank drücken muss, springt der 8-Jährige auch ganz mutig ins kalte Wasser und testet die örtliche „primary school“, ganz ohne Englischkenntnisse.

Mutig, mutig! Das hätten wir uns als Kinder nicht getraut, oder?

Doch von vorn: Als unsere liebe Freundin einen Neuseeländer geheiratet hat, wurden wir auf der Hochzeit eingeladen, uns dieses wunderbare Land doch einmal als Familie anzuschauen. Wir ließen uns nicht lange betteln und machten Nägel mit Köpfen: Es sollte im Winter 2018 für sieben Wochen nach Neuseeland gehen. Mit schulpflichtigen Kindern!

Backflip Sina Burkhard

In Neuseeland zur Schule gehen – kein Ding! © Sina Burkhardt

Schulfreistellung für die Neuseeland-Reise: so einfach ist es (manchmal)

Leider sind bei uns in Thüringen nur zwei Wochen Ferien in der Weihnachtszeit. Irgendwie musste es einen Weg geben, die beiden aus der Schule zu bekommen. Getreu dem Motto: „Wer nicht fragt, bleibt dumm“ haben wir zuerst einmal im sächsischen Gymnasium des großen Kindes angeklopft und mit dem Klassenlehrer und der Direktorin gesprochen.

„Natürlich können wir Ihr Kind von der Schulpflicht freistellen. Aber nur, wenn vorher alles mit dem Schulamt schriftlich abgeklärt wird und wenn das Kind in dieser Zeit eine neuseeländische Schule besucht.“ Eine Woche später war die Erlaubnis vom Schulamt da.

Eine Schule in Neuseeland war auch schnell gefunden: Da unsere Ferienwohnung in Tauranga war, entschieden wir uns für das „Tauranga Boys‘ College“. Dieses ist genau wie unsere Heimatschule eine Internationale Schule, hat einen sehr guten Ruf (versicherten unsere neuseeländischen Freunde) und eine eigene Ansprechpartnerin für Gastschüler. Die hat uns prompt alle Anmeldungsunterlagen per E-Mail geschickt.

Wir fühlten uns von Anfang an gut aufgehoben und so war der Start hier in Neuseeland ganz easy.

Tauranga Boys College Sina Burkhard

Das Tauranga Boys College © Sina Burkhardt

Als deutscher Schüler auf dem College in Neuseeland

Wir hatten uns auf einige Verständnisprobleme eingestellt, vor allem in den wissenschaftlichen Fächern. Aber die blieben aus. Die neuseeländische Schule geht nicht wie die deutschen den strikten akademischen Weg. Hier herrscht eine „Hands on“-Mentalität und die Interessen der Schüler stehen im Vordergrund.

Nicht schlecht staunten wir, als uns die Lehrer eine komplette Werkstatt zeigten, wo die Schüler allein ein Gefährt zusammengebaut hatten, ähnlich einem Auto. Construction, Art Work, Design, alle Arten von Sport, Kochen und Backen – die Schüler haben ein Riesenangebot an Kursen, aus denen sie wählen können. Der akademische Unterricht kommt trotzdem nicht zu kurz.

Unsere Ansprechpartnerin im Bereich „International Students“ sagte uns, dass alle asiatischen und deutschen Schüler die Schule hier lieben und anfangs sehr erstaunt seien, dass der Fokus nicht auf das strenge Lernen gelegt wird und stattdessen der Unterricht „easy going“ abläuft.

Auf den Einsatz elektronischer Medien und Hilfsmittel legen die Schulen enormen Wert. So sind iPads in jedem Kurs selbstverständlich, das Handy dürfen die Schüler immer zu Rate ziehen. „Yeah! So soll Schule sein“, war des Öfteren vom Großen zu hören.

Besonders aufregend war seine erste Haka-Challenge, bei der alle Schüler den traditionellen Tanz der Maori aufgeführt haben. Wirklich beeindruckend!

Haka Challenge Sina Burkhard

Haka Challenge in der Highschool © Tauranga Boys College

Grundschule in Neuseeland: lernen in der „primary school“

Ähnlich ging es dem 8-jährigen Bruder in der „Greenpark School“, bei der wir uns auch erst zwei Wochen vorher per E-Mail angemeldet hatten. An dieser Grundschule lernen um die 30 Kinder in einer Klasse. Es wird sehr viel Wert auf alle Arten von Sport gelegt, ein Tablet zum Lernen gibt es auch für alle Schüler und es unterrichten immer zwei Lehrer in einer Klasse.

Von unserem deutschen Standpunkt aus gesehen, kommen die Lernfächer hier etwas zu kurz. Für unseren kleinen Gastschüler war es jedoch ideal in der kurzen Zeit. Vor allem die Mittagsverpflegung hat er geliebt: Es gab mittags fast immer Sushi als Pausen-Snack 🙂

Primary School Tauranga Sina Burkhard

Söhnchen in der Grundschule © Sina Burkhardt

Wer die Möglichkeit hat, für längere Zeit nach Neuseeland zu reisen, der sollte dies auch mit schulpflichtigen Kindern nutzen. Wir können das Abenteuer „Schule in Neuseeland“ uneingeschränkt empfehlen.

Die Hürden, das Kind für eine gewisse Zeit von der Schule in Deutschland befreien zu lassen, sind nicht so groß. Mit Freundlichkeit, einem Konzept für die Abwesenheit von der deutschen Schule und ein wenig Engagement ist dies gut möglich.

(-> Hier erzählen wir, wie wir selbst unsere Schulfreistellung beantragt haben)

Die neuseeländischen Schulen – unsere waren beide bezahlte Privatschulen (Kosten für beide Schulen zusammen und 2 Schulwochen: ca. 800 Euro) – sind offen für Gastschüler und erleichtern ihnen die Integration in die Klasse enorm. Jeder unserer Jungs bekam einen „Buddy“ an die Seite gestellt, der ihn durch den Tag und die Freizeit an der Schule geführt hat. Eine Schuluniform oder Lehrbücher mussten wir für die kurze Zeit unseres Schulbesuchs nicht kaufen.

Unser Fazit: Lasst euch auf die Erfahrung ein! Eure Kinder werden enorm davon profitieren, mal in Neuseeland zur Schule zu gehen!

Sportplatz Tauranga Sina Burkhard

Sport spielt im neuseeländischen Lehrplan eine große Rolle © Sina Burkhardt

Ihr habt noch Fragen an Sina zum Schulbesuch in Neuseeland? Dann schreibt ihr über den Facebook Messenger!

5 Kommentare

  • Kann die Erfahrung nur bestätigen. Wir sind als Familie gerade mit drei schulpflichtigen Kindern für einen Term in Neuseeland und alle drei wurden super herzlich von ihren Schulen aufgenommen. Unbedingt empfehlenswert und auch in der Selbstorganisation sehr gut machbar. Viele Grüße, Claudia

  • Ich dachte, ich müsse mich bei meiner einen großen Reise, bevor Lotta in die Schule kommt, zwischen Neuseeland und Südamerika entscheiden. Jetzt mache ich einfach beides, Südamerika vor der Einschulung und NZ frei nach eurem Vorbild. Sehr, sehr cool und für Kinder doch nun wirklich eine echte Erfahrung. Es geht da nicht ums Lernen, sondern zu erleben, wie woanders gelernt wird.
    LG, Nicole

  • Beneidenswert, dass Sina und ihre Familie dieses Abenteuer gewagt haben! Neuseeland steht auch noch auf unserer Bucket List. Irgendwann wagen wir es!
    Liebe Grüße von Sanne

  • Wir waren in der Elternzeit in Neuseeland und tatsächlich geistert mir seitdem die Idee durch den Kopf, dass unser Kind dort vielleicht auch mal eine Zeit lang zur Schule gehen könnte. Euer Erfahrungsbericht macht mich gerade sehr froh, ich hätte nicht gedacht, dass es SO einfach und selbst für eine kurze Zeit zu organisieren ist!

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