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Neuseeland in der Corona-Krise: gestrandete Reisende im Lockdown

Wer will schon während der Corona-Krise durch Neuseeland reisen? Niemand. Aber eine ganze Zahl von Reisenden wurde von dem Tempo, mit dem sich das Covid-19-Virus ausgebreitet hat, schlicht überrascht. Am anderen Ende der Welt sieht es nach dem totalen Lockdown nicht viel anders aus als hier in Europa – und viele Familien sind gestrandet in Neuseeland und stecken jetzt unfreiwillig fest.

Coronavirus Neuseeland Auckland

Wie geht es den Touristen, die wegen Corona in Neuseeland festhängen?

Noch vor Corona kam die Angst vor dem Virus in Neuseeland an. Erst gab es rassistische Übergriffe auf Asiaten, dann kaufte niemand mehr in China-Imbissen ein. Bald wurden Supermärkte leergekauft; auch die Neuseeländer hamsterten sicherheitshalber Grundnahrungsmittel und Toilettenpapier.

Für Reisende in Neuseeland wurde die Situation schon bald kritisch. Alle, die nach dem 15. März ankamen, mussten sich für 14 Tage selbst isolieren. Wer sich nicht daran hielt, wurde unter Zwangsquarantäne gestellt. Kreuzfahrtschiffe durften in Neuseeland gar nicht mehr anlegen. Seit dem 19. März sind Neuseelands Grenzen komplett dicht – außer Staatsangehörigen darf niemand mehr ins Land.

(-> Einen Überblick über das Fortschreiten der Einschränkungen gibt unser Beitrag “Corona in Neuseeland“.)

Und, noch wichtiger: Es kommt auch niemand mehr raus.

Was das für die geschätzten 250.000 Touristen in Neuseeland bedeutet, von denen 12.000 bis 15.000 Deutsche sind? Wir haben Mitglieder unserer Facebook-Gruppe Neuseeland mit Baby und Kind gefragt, die jetzt gerade in Neuseeland sind und für mindestens vier Wochen feststecken – es sei denn, sie bekommen einen der begehrten Plätze in einem Rückholflug.

Update: Es gibt neue Hoffnung! Ab dem 3. April dürfen wieder Rückholflüge nach Deutschland durchgeführt werden. Auf der Website der Deutschen Botschaft findet ihr mehr Informationen.

Flugzeug Kondensstreifen

© Pexels.com

Die Qual der Wahl: früher abreisen oder länger bleiben?

Schon vor der Ausrufung des Lockdowns in Neuseeland haben immer mehr Airlines ihre Flugverbindungen zusammengestrichen oder komplett eingestellt. Transit-Aufenthalte zum Umsteigen in Australien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA sind nicht mehr möglich.

Die Erfahrungen reisender Familien, die wir in den sozialen Netzwerken begleiten, klangen alle ähnlich:

„Wir versuchen seit einer Woche, Flüge zu bekommen, es wird alles gecancelt.“

„Wir können auch nicht noch zehn Mal ins Blaue hinein umbuchen und jedes Mal bezahlen. Zumal die noch bestehenden Flüge für uns eigentlich schon unbezahlbar sind.“

„Mein Flug ist storniert. Mein Reisebüro sagt, es kann mir momentan keinen alternativen Rückflug anbieten! Also selbst wenn ich wollte, ich kann nicht zurück.“

„Die Flugstornierung für unseren Rückflug am 8.4. hab ich bereits am 14.3. erhalten. Und seitdem natürlich kaum mehr eine ruhige Minute. Insofern war der ,Urlaub’ nur ein paar Tage wirklich schön und einigermaßen entspannt.“

„Das Reisebüro sagte nach mehreren Tagen, dass sie keine Alternative anbieten können. Dann kam von Singapore Air selbst eine Umbuchung auf den 14.4., wieder über Singapur. Welchen Sinn das hat, ist mir rätselhaft. Dieser Flug ist auch nach wie vor so als bestätigt im System.“

„Wir haben heute einen Flug gebucht von Auckland / Bangkok / Zürich mit Thai Airways. Dafür brauchten wir ein Arztzeugnis, dass wir gesund sind, dass sie uns mitnehmen würden. Wir haben leider keinen Arzt gefunden, der gesunde Menschen testet. Wir haben 400 Dollar bezahlt für ein Arztzeugnis… Wir dachten, evtl. hätten wir eine Chance damit. Bis wir aber zurück am Flughafen waren, war de Flieger weg.“

Seit Einsetzen von Phase 4 des Corona-Alarmsystems in Neuseeland gibt es im Prinzip keine Möglichkeit mehr, das Land zu verlassen. Reisende mit genug Reisezeit und finanziellen Reserven richten sich daher gerade notgedrungen auf einen längeren Aufenthalt in Neuseeland ein.

Viele Campingplätze schließen aber momentan oder nehmen keine ausländischen Gäste mehr an, die nach dem 1. März nach Neuseeland eingereist sind. Reisende, die sich in Selbstisolierung begeben müssen, sind ebenfalls fast nirgends willkommen.

Hokitika Campground Closed Sign

© Frauke Hartkens via Facebook

Unsere Leserin Katrin, die allein mit ihrem Kind unterwegs ist, hat eine regelrechte Tour de Force hinter sich:

„Am Sonntag Nachmittag sind wir mit der Fähre auf die Nordinsel übergesetzt. Dann sind wir am Montag über Whanganui bis nach Patea auf einen Freedom Camping Spot gefahren. Dort gab es keinerlei Empfang. So haben wir erst am Dienstag auf der Fahrt zum Mt. Taranaki von dem angekündigten Shutdown erfahren. Daraufhin bin ich am Dienstag über den Forgotten World Highway über Lake Taupo bis nach Rotorua gefahren (450 km, insgesamt 10,5 Stunden mit kurzen Zwischenstopps), da ich möglichst nah an Auckland sein wollte.

Dort war es schon extrem schwierig, einen Campingplatz zu finden, der noch Leute aufnimmt. Das musste ich während der kurzen Zwischenstopps abklären. Am Mittwoch bin ich noch bis nach Piha auf den Campingplatz gefahren, da der noch Gäste aufnahm, näher an Auckland ist und ich hoffte, mit Strandnähe die Tage besser allein mit Kind überstehen zu können.”

Und da sitzen wir jetzt fest.

Parallel sorgt der gepriesene Kapitalismus derzeit dafür, dass die Hotelpreise in Auckland durch die Decke gehen – immerhin sollen jetzt tausende Touristen “in Flughafennähe” warten und viele Hotels und Backpacker haben vorsichtshalber geschlossen.

Die Rückholflüge kommen! Oder nicht?

Die etwa 23.000 deutschen Touristen, die noch in Neuseeland sind, müssen sich jetzt entscheiden:

Sie können sich für die Rückholaktion des Auswärtigen Amtes anmelden und hoffen, ab dem 27. März mit einem der geplanten etwa 20 Lufthansa- und Air New Zealand-Flüge nach Deutschland zu kommen. Das haben wohl etwa 12.000 Menschen getan und warten nun auf Nachricht. Nachdem man die Bestätigungs-E-Mail erhalten hat, muss man sich binnen weniger Stunden am Flughafen einfinden.

Der erste Rückholflug landete am 27. März in Auckland und flog am Sonntag über Japan zurück nach Frankfurt. Das war übrigens das erste Mal seit langer Zeit, dass eine Lufthansa-Maschine in Neuseeland gelandet ist!

Rückholflug Deutschland

Sehnsüchtig erwartet: der erste Rückholflug in Neuseeland aus Deutschland

In der ersten Maschine haben vor allem Austauschschüler*innen Platz gefunden, andere Touristen müssen warten. Weitere Rückholflüge in Richtung Deutschland, die mit Air New Zealand über Kanada gehen sollten, hat die neuseeländische Regierung wegen des erhöhten Gesundheitsrisikos zunächst gestoppt – immerhin müssten tausende Touristen trotz Lockdown durchs Land reisen, um eben diese Flüge zu erreichen.

Ein Sprecher des Ministeriums für Auswärtige Beziehungen und Handel (MFAT) sagte, man würde bis zum 31. März Anträge auf weitere Rückführungsflüge prüfen. Ein zweiter geplanter Flug von Air New Zealand nach Frankfurt, der am Samstag starten sollte, wird deshalb nicht wie geplant starten.

Alle, die sich auf die Rückholaktion nicht verlassen wollen – oder die keinen deutschen Pass haben – drücken jetzt weiterhin die Daumen, dass ihre Rückflüge mit einem späteren Datum wie geplant stattfinden werden. Nur Quatar Airlines bietet weiterhin täglich einen Flug von Auckland nach Doha an. Update: Ab dem 3. April sind es täglich zwei Flüge.

Österreicher und andere EU-Bürger haben immerhin die Zusicherung von der deutschen Botschaft erhalten, dass sie bei genügend freien Kapazitäten von den „Mercy Flights“ mitgenommen werden. Schweizer, deren Land nicht zur EU gehört, stehen allerdings wohl ganz weit unten auf der Liste…

„Unser Reisebüro ist komplett überfordert mit der Umbuchung der Flüge und quasi nicht erreichbar. Wir haben uns jetzt bei Regierung für das Rückholprogramm angemeldet und hoffen, dass das schnell klappt. Toll übrigens, dass unsere Regierung das macht! Darüber sind wir sehr froh und dankbar.“

Nicht wenige Reisende haben sich angesichts der Unsicherheit entschieden, fürs erste lieber vor Ort in Neuseeland zu bleiben.

Da niemand wirklich weiß, wie lange der Lockdown in Neuseeland dauern wird und ab wann es wieder kommerzielle Flüge geben wird, ist die Entscheidung zum Bleiben natürlich schwierig. Noch dazu gibt es in Neuseeland viel weniger Intensivbetten in den Krankenhäusern. Nicht wenige Neuseeländer (und Touristen, die wieder bequem zu Hause sitzen) finden, dass die für die neuseeländische Bevölkerung frei bleiben sollten.

Was ist mit Visa, Krankenversicherung, Unterkünften für gestrandete Reisende?

Die neuseeländische Regierung kommt den festsitzenden Touristen sehr freundlich entgegen: Visa, die zwischen dem 2. April und dem 20. Juni auslaufen, sollen unbürokratisch bis 25. September 2020 verlängert werden, wurde bereits angekündigt.

Ob die eigene Auslandsreise-Krankenversicherung einen unfreiwillig längeren Aufenthalt in Neuseeland abdeckt, hängt vom Tarif ab. Nicht alle lassen sich beliebig verlängern, und die Standard-Tarife von bis zu 56 Tagen können nur VOR der Abreise neu abgeschlossen werden…

Während alle vom DOC betriebenen Campsites geschlossen wurden, können private Holiday Parks selbst entscheiden, ob sie schließen möchten. Einige nehmen gezielt Dauercamper auf, die während der nächsten Wochen an Ort und Stelle bleiben müssen – seien es zurückkehrende Kiwis oder steckengebliebene Ausländer. Nur die sanitären Anlagen müssen sie geschlossen halten.

Wer keinen „Self contained“-Camper hat, der muss zwingend in eine feste Unterkunft umziehen.

Mit der Bewegungsfreiheit ist es so eine Sache: Prinzipiell sind alle Fahrten zu anderen als lebensnotwendigen Zwecken während des Lockdowns verboten. Die Polizei kontrolliert ziemlich streng und hat auch schon die ersten verhaftet, die trotz mehrfacher Nachfragen nicht glaubhaft machen konnten, wohin sie nachts mit dem Auto unterwegs waren.

Auch Ausflüge mit dem Auto an den Strand, längere Wanderungen in die freie Natur, Jagdausflüge oder Bootstouren sind ab sofort untersagt.

Touristen, die derzeit in Neuseeland unterwegs sind, unterliegen denselben Regeln wie Einheimische. Auch für sie gilt: „Stay at home, save lives“. Weiter durchs Land zu reisen, etwa von einer Unterkunft zur anderen, ist tabu.

Nach Auskunft der Deutschen Botschaft in Wellington ist es aber trotzdem erlaubt, mit dem eigenen oder gemieteten Auto, dem Wohnmobil oder einem Bus nach Hause oder zum Flughafen zu fahren (Vorgabe: „Stay in your bubble!“).

Wer also nach Auckland oder Christchurch zum Flughafen fährt, weil er dort ein Flugzeug zur Ausreise aus Neuseeland bekommen möchte, darf das tun. Nur die Insel wechseln geht nicht mehr, da auch die Fähren inzwischen ihren Dienst für Passagiere eingestellt haben und nur noch Fracht transportieren.

Interislander Fähre Neuseeland Cook Strait

Die Fähren befördern im Corona-Lockdown keine Passagiere mehr

(Unfreiwillig) mit Kindern in Neuseeland gestrandet

Für mehr als zehntausend deutsche Reisende ist es also derzeit gar nicht mehr möglich, Neuseeland zu verlassen. Sie richten sich notgedrungen auf einen längeren Aufenthalt in Neuseeland ein.

Katrin hat uns ein paar Tage vor dem Lockdown berichtet: „Wir haben gerade eine Mail vom Parklands Marina Holiday Park bekommen. Sie beherbergen nur noch Gäste, die vor dem 1. März eingereist sind. Wir sind am 3. März gekommen. Ich war bisher sehr positiv und hab das entspannte Leben hier genossen. Aber das gibt mir nun doch ein mulmiges Gefühl.

Seit den Flugstornierungen ist auf den Campingplätzen nur noch Corona das bestimmende Thema. Viele Leute wurden immer unsicherer. In den Supermärkten habe ich immer wieder leere Regale gesehen. Mengen wurden beschränkt, Öffnungszeiten eingeschränkt. Auf einem Campingplatz wurden die Overseas Guests von den Kiwis getrennt. Manche Kiwis wurden richtig unfreundlich. Manche sehr ängstlich. Man wird zum Teil komisch angeschaut. Auf dem Campingplatz hier in Piha ist es jetzt so, dass wir den Platz nicht mehr verlassen dürfen. Nicht mal zum Einkaufen.

Wer den Platz verlässt, darf nicht mehr rein! Das ist schon krass!

Hauke erzählt: „Wir behalten unseren Camper und stehen gerade in der Nähe von Auckland mit vielen anderen Deutschen zusammen auf einem Campingplatz. Im Rahmen des Shutdown sind notwendige Autofahrten (Einkaufen, Arzt, Rückholflug) ja weiterhin erlaubt. Und den Rest der Zeit stehen wir hier auf dem Campingplatz.“

Allein sind die deutschen Dableiber jedenfalls nicht: „Hier in Kaikoura auf dem Campingplatz sind etliche Deutsche, die gerade nicht wissen, wie es weitergeht und wie bzw. wo sie während des Lockdowns bleiben sollen.“

Supermarkt Regale Corona

© Katrin via Facebook

Eva hat uns ein bisschen mehr über ihre unfreiwillig verlängerte Neuseeland-Reise erzählt:

„Wir sind seit fast einer Woche in Whitianga auf der Coromandel Peninsula. Zunächst wollten wir nur eine oder zwei Nächte bleiben. Aber als sich die Lage so schnell zugespitzt hat, haben wir uns gedacht, dass das Herumreisen erstmal keinen Sinn mehr macht. Wir hatten für Ende März Flugtickets für die Cook Islands und dann für die USA. War schnell klar, dass das nicht mehr funktionieren wird… Zum Glück sind wir bei sehr lieben Gastgebern gelandet, die uns zugesagt haben, dass wir so lange bleiben können, wie wir wollen. Da haben wir nicht mehr lange überlegt.

Der Flug von den Cook Islands nach L.A. wird bis mindestens Anfang Juli ausgesetzt. Also bleiben wir jetzt vorerst ungeplant, aber doch willkommen, hier in Neuseeland und hoffen, dass wir in den nächsten Wochen einen Flug nach Deutschland kriegen. Falls nicht, sind wir Gott sei Dank in der Lage, das eine Zeitlang auszusitzen. Die Lust auf die Reise vergeht einem auch irgendwie. Wir sind sehr froh, dass wir hier schon fast sechs unbeschwerte Wochen gehabt haben!

Hier in Whitianga kann man sich gut aus dem Weg gehen. Allerdings mag ich nicht mehr gern in den Supermarkt (es geht auch nur noch einer, der Partner bleibt mit den Kids in der Unterkunft). Der Lockdown macht eh Schluss mit jeglichen nicht essenziellen Sachen wie Restaurants etc. Spielplatz ist auch tabu. An den Strand dürfen wir, solange wir andere Menschen meiden. Sollte hier kein Problem sein! Immerhin :-)

Unsere Gastgeber hier in Whitianga sind super lieb. Sie bringen uns Spielzeug, Scooter, Dreiräder für die Kids, versorgen uns mit Wandertipps, Frühstück und Fahrräder haben sie uns auch organisiert (nicht, dass wir damit noch groß rumfahren können…). Wirklich ganz, ganz toll.

Wir fühlen uns sehr gut aufgehoben.

Wir hoffen, dass wir jetzt schnell und gesund heimkommen und dann werde ich mich dir die vielen tollen Fotos ankucken und hoffentlich nur noch die positiven Dinge in Erinnerung behalten.“

Coromandel Lookout

Auf Coromandel lässt sich der Lockdown in Neuseeland ganz gut aushalten

Friederike erzählt: „Wir sind seit Oktober 2019 mit unseren beiden Kindern (6/9) auf Weltreise und jetzt also etwas länger in Neuseeland als geplant. Wir wollten eh erst im Juli zurück sein und haben nun entschieden, einfach hier zu bleiben, bis wir wieder fliegen können. Fühlt sich für uns irgendwie sicherer an als diese Corona-Partys in Flugzeugen und Flughäfen.

Aktuell leben wir in einem Hostel in Turangi ganz für uns allein und haben uns für die kommende Zeit eingerichtet. Ich bin noch unsicher wie groß unsere Tagesausflüge in die Natur ausfallen dürfen in der nächsten Zeit.“

Katrin berichtet, dass es durchaus nicht allen Reisenden gelingt, positiv zu bleiben: „Wir haben hier alle etwas Angst uns jetzt, wo es immer kälter wird eine Erkältung zuzuziehen und dann isoliert oder sogar rausgeschmissen zu werden. Das Hin und Her der letzten Tage allein mit Kind durchzustehen, ist heftig! Und dann noch mit der ungewissen Lebensmittelversorgung… da ist jetzt Rationieren angesagt.

Der Shop gegenüber vom Campingplatz hat schon seit Tagen zu. Die Campingplatz-Betreiberin will nun versuchen, im Großhandel für uns Camper einzukaufen; im normalen Supermarkt geht ja nicht aufgrund der Mengenregulierung. Wir durften ihr eine Liste mit einfachen Dingen schicken, die sie dann besorgt. Bis dahin haben wir unsere restlichen Lebensmittel eingeteilt.

Ich habe wahnsinnig Angst um meinen Job und mein Einkommen. Jetzt hab ich so viel Geld für diesen Urlaub ausgegeben, kann ihn nicht so durchführen wie geplant, habe entsprechende Zusatzkosten, die ungeplant waren. Weiß nicht, wann ich wieder zurück bin, wann ich wieder arbeiten kann und ob überhaupt (Kurzarbeit?). Und alle Verantwortung für meinen Sohn liegt ja allein auf meinen Schultern. Es ist sehr schwierig und belastend.

Da kommt ehrlicherweise auch ein bisschen Neid auf die ,normalen’ Familien hier auf, die wenigstens als zwei Erwachsene das Thema durchstehen können. Weinen kann ich nur, wenn mein Sohn schläft…“

Piha Beach Pixabay

Gestrandet am Piha Beach – klingt besser, als es wohl ist… © Pixabay

Kann es noch schlimmer gehen? Ja, offenbar. Aus Auckland berichten Backpacker, die den Lockdown notgedrungen in Hostels verbringen, dass sie dort regelrecht eingesperrt würden: Im Base Backpackers dürfen die Gäste das Haus nur zum Einkaufen verlassen und müssen sich dazu in einer Liste eintragen. Bei Choice Backpackers dürfen Gäste nur für eine Stunde am Tag das Haus verlassen und sich maximal 500 Meter weit entfernen. (Quelle)

Von der berühmten Kiwi-Gastfreundschaft spüren einige Reisende in diesen Zeiten eher wenig – das finden wir einerseits zwar verständlich, andererseits aber auch sehr schade. Es gibt zum Glück aber auch zahlreiche andere Geschichten, die uns das Herz aufgehen lassen – so wie die hier.

Deutsche Reisende, die jetzt länger in Neuseeland bleiben wollen oder müssen, treffen sich derzeit in eigens gegründeten Facebook-Gruppen wie Wir überstehen Corona in Neuseeland, Gestrandet in Neuseeland oder auch in unserer eigenen Facebook-Gruppe Neuseeland mit Kind.

Reisen nach Corona: Wie wird es weitergehen?

Was uns in Zeiten des Coronavirus alle verbindet, egal wo auf der Welt wir uns befinden: Niemand weiß, wie die Zukunft aussieht. Wir sind gezwungen, im Moment zu leben und uns täglich neu zu justieren. Das etwas abgelutschte Feelgood-Motto “Live the moment” müssen wir jetzt wohl oder übel tatsächlich mal ausprobieren.

Corona ist eine Herausforderung, selbst für diejenigen, die (statistisch) kaum gesundheitliche Schäden befürchten müssen. Die Corona-Krise wird in jeder Gesellschaft viel verändern, einiges tut sich bereits – im Guten wie im Schlechten.

Corona Virus

Was wird das Corona-Virus mit uns machen?

Werden wir uns an das neue, virtuelle Miteinander gewöhnen, im Home Office bleiben und Homeschooling als gute Alternative für einige Kinder erlauben? Werden wir endlich erkennen, wie wichtig Digitalisierung in der Schule ist?

Werden wir Reisen und Reisefreiheit mehr wertschätzen und in Zukunft genauer überlegen, wo wir hinfahren und was wir dort erleben wollen? Werden wir uns Langstreckenflüge und teure Urlaube auf absehbare Zeit überhaupt noch leisten können? Wird es genug Unterkünfte für alle geben, die dann wieder reisen wollen, nachdem die Tourismusbranche so komplett zusammengebrochen ist?

Und vor allem: Werden wir das direkte Miteinander, das Zusammentreffen mit echten Menschen, die Berührung, den Kontakt mehr wertschätzen? Werden wir, kurz gesagt, verstanden haben, worum es im Leben wirklich geht?

9 Kommentare

  • Hallo an alle Neuseeland-Begeisterten, Ich habe mit meiner Frau ebenfalls 2 Wochen Lockdown in Neuseeland erlebt, in der Mitte unserer Urlaubsreise. Nach Rückkehr dann nochmal gut 2 Wochen in Deutschland. Erst durch den Lockdown habe ich die Politik in Neuseeland wirklich wahrgenommen und noch heute schaue ich mir regelmäßig die Corona-Pressekonferenzen an. Ich bin sehr beeindruckt von der Art und Weise, wie das Virus dort bekämpft wird. Aus meinen Erlebnissen ist ein Buch entstanden, dass ich jetzt in Deutsch und Englisch veröffentlicht habe. Es hat den Titel “Lockdown in Neuseeland – Corona Reise-Tagebuch”. Ich denke, dass es für manche hier eine spannende Lektüre sein kann, wo man sich auch mit den eigenen Erfahrungen wiederfindet.

  • Hallo Tina und Tim.
    Das ist wirklich super lieb von euch. Allerdings ist es für uns wirklich zu teuer. Wir müssen den Camper ja eh bezahlen und das Motel jetzt noch zusätzlich wäre wirklich weit über dem, was wir uns noch leisten können. Ich könnte heute einen Deal mit dem Campingplatz aushandeln. Wir dürfen für 250 Dollar pro Woche hier bleiben.

    • Liebe Mareike,

      Rettung naht! Habt ihr die Neuigkeiten von der Botschaft schon mitbekommen? Es gibt wieder Rückholflüge!

      Alles Gute und viele gedrückte Daumen,
      Jenny

  • Schön zusammengefasst . Es ist super interessant die vielen unterschiedlichen Geschichten zu hören. Man findet sich hier und da echt wieder und bei wiederum anderen schwingt ein wenig Neid mit. Seit einer Woche sitzen wir nun mit unserem Camper in Christchurch fest. Die Tage geprägt von Kälte und Starkregen, sitzen wir zu 4. in unserem Wohnmobil. Ich glaube wir haben mittlerweile alle 4 Phasen des Verlusts durchlebt. Wut, Verleumdung, Verhandlung, Trauer… man fühlt sich so machtlos, weil einem die Hände einfach gebunden sind. Man versucht sich nichts anmerken zu lassen, besonders für die Kinder (3 Jahre und 10 Monate alt). Die finanzielle Situation ist heftig. Wir dürfen unseren Camper nicht abgeben, weil die Vermietung während des Lockdowns nicht besetzt ist. Schlimmer noch, wir sollen jetzt auch noch länger mieten, nämlich bis der Lockdown aufgehoben und das Büro wieder besetzt ist. Man käme uns auch mit dem Preis entgegen, wir müssten „nur“ 150$ pro Tag zahlen. Dazu kommen die Gebühren für den Campingplatz, 49$ pro Nacht für unsere powered Site. Ohne Strom geht es nicht, da die Nächte mit teilweise nur 5 Grad besonders für das Baby einfach zu kalt sind. 49$ für ein bisschen Strom. Die Toiletten und Duschen wurden mit Holzplatten barrikadiert, der Spielplatz mit „Danger“-Absperrband versehen und W-LAN ein Fremdwort. Dazu noch die Verpflegungskosten, macht weit über 200$ pro Tag dafür, dass wir auf wenigen Quadratmetern gefangen sind. Es ist wirklich einfach nur deprimierend.

    Wir wissen gerade wirklich nicht wie es weitergehen soll. Das Geld wird knapp und die Gewissheit, dass wir wahrscheinlich noch mehrere Wochen so überstehen müssen, nagt an uns.

    • Guten Morgen Maike, das liest sich wirklich ziemlich traurig ! Wir sind unseren Camper rechtzeitig losgeworden und wohnen nun in nem Motel an der Riccarton Road für 450€ die Woche, vielleicht ne Option? Schaut es euch vielleicht mit eurem Camper an auf der Straße sind viele freie Motels . Wenigsten warm, wlan frei .. Dusche, Küche,wc
      Euren Camper würd ich denen dann mal getrost vor die Türe stellen und nicht einen weiteren Cent bezahlen .. Kopf hoch
      Grüße Tina & Tim

    • Hallo Mareike
      Wir haben mit unserem Vermieter hier gesprochen, sehr freundlicher Bursche. Kapazitäten hat er, ihr sollt euch bei Interesse persönlich bei ihm melden
      Riccarton Road 111
      Info@311Motel.com
      Denke ihr kommt damit bestimmt günstiger durch
      Grüße Tina & Tim

  • Wenn Heiko Maas schon überfordert ist sich diplomatisch mit Neuseeland !!! Zu einigen sollte ihn doch jemand von seiner schweren Aufgabe erlösen. Nur gut das die gesamte A380 Flotte am Flughafen Frankfurt eingemottet wird.. wieviel intensivfachpfleger außer mir dürfen sich staatlich verordnet weiter hier langweilen ?

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