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Vietnam mit Kindern: Welche Impfungen braucht man?

! Aktualisiert am 27. Februar 2021

Wer in die Tropen reist, der sollte vorher eine Stippvisite im örtlichen Tropeninstitut machen. Das haben wir getan und gleich 13 Euro für eine ca. 13-minütige Beratung bezahlt, in deren Ergebnis wir ein Privatrezept für ein Malaria-Medikament, neun Infoblätter (mit Durchschlag!) und einen ersten Impf-Termin mit nach Hause nahmen. Und damit begann unser Impf-Marathon…

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Vietnam ist (jedenfalls klimatisch und gesundheitlich gesehen) ein ganz normales südostasiatisches Land und daher vergleichbar mit Thailand, Indonesien oder Malaysia. In all diesen Ländern kursieren Krankheiten, für die unsere europäischen Immunsysteme nicht gerüstet sind, weshalb eine Impfung dagegen sehr zu empfehlen ist.

Nicht zuletzt schützt man mit einer Impfung auch die eigenen Landsleute, indem man bei der Rückkehr nach Deutschland keine exotischen Krankheiten einführt.

Welche Impfungen sind Pflicht für Vietnam?

Zuerst mal Entwarnung: Wirklich verpflichtend ist gar keine Impfung, wer also möchte, kann ungeimpft sterben. Allerdings halte ich es gerade beim Reisen in tropische Gebiete und Länder mit niedrigem Hygienestandard und schlechtem Gesundheitssystem für Wahnsinn, auf Impfungen gegen Diphterie, Tetanus, Hepatitis A/B und Polio zu verzichten.

Wer also mit sehr kleinen (und daher noch nicht geimpften) oder prinzipiell ungeimpften Kindern nach Asien reisen will, dem zeige ich hiermit virtuell einen Vogel. Sorry.

Welche Impfungen für Vietnam werden empfohlen?

Vietnam Reiseimpfungen Spritze

Hier wird zwischen zwei Bereichen unterschieden:

StIKo-Impfungen für Vietnam

Dieser Punkt umfasst die volle Batterie für durchgeimpfte Kinder:

  • Fünf- bzw. Sechsfachimpfung gegen Tetanus, Diphterie, Keuchhusten, Hib und Polio/Kinderlähmung (Hepatitis B wird als sechster Passagier gern gleich mitgenommen)
  • Dreifachimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln
  • Impfung gegen Pneumokokken (lies: Hirnhaut- und Lungenentzündungen)
  • Impfung gegen Windpocken
  • Impfung gegen Meningokokken (lies: Hirnhautentzündung und Blutvergiftung).

Nach vier Impfungen als Baby und einer bis zwei Auffrisch-Impfungen im Vorschulalter sollte man auch als Erwachsener hin und wieder beim Hausarzt nach einer Auffrischung fragen – wie wir es anlässlich unserer Reise zum Beispiel getan haben und prompt einen weiteren Impftermin aufgedrückt bekamen: Vierfach-Auffrischung von Keuchhusten, Polio, Tetanus und Diphterie!

Vietnam Reiseimpfungen

Eine Menge Reiseimpfungen sind für Vietnam nötig

Empfohlene Reise-Impfungen für Vietnam

Das Gute an den von der StIKo empfohlenen Impfungen: Sie werden allesamt von der Krankenkasse bezahlt, egal ob gesetzlich oder privat.

Das ist bei den Reiseimpfungen nicht selbstverständlich – über deren Sinn hatte der Doktor im Reisemedizinischen Institut aber eindeutige Ansichten, da wir als „Rucksack- und Individualreisende unter einfachen Bedingungen“ klassifiziert werden.

Auf unserer Impf-Liste stehen deshalb:

  • Hepatitis A: Die allerwichtigste Reise-Impfung, jedes Jahr stecken sich Tausende Reisende damit an. Die Weltwunderfrau ist mit Eltern, die sich in Afrika gelb verfärbten und die Kinder damit zu einer sechswöchigen Quarantäne bei Oma verdammten, ein gebranntes Kind und daher schon lange geimpft. Die Kinder bekamen die Impfung nun auch, und zwar erst mal eine, nachgeimpft wird in sechs bis 18 Monaten. Geschützt sind sie schon zwei Wochen nach der ersten Sitzung.

Testurteil: nicht gut, der Arm tat angeblich eine Weile ganz schön weh. Kosten: 62,- Euro. Pro Impfung.

Vietnam Reiseimpfungen

  • Hepatitis B: Die Kinder haben diese Impfung schon als Babys bekommen und wir Eltern hatten sie vorbildlich auch schon – leider ist nach zehn Jahren eine Auffrischung fällig. Also ein Piks nur für uns. Trotzdem wir verheiratet und treu sind, hat uns der Reisemediziner die Impfung empfohlen – angeblich steckt sich die Mehrheit der Erkrankten nicht durch Geschlechtsverkehr an. (Die Kinderärztin war hier wiederum anderer Meinung…) Die B-Variante ist wesentlich aggressiver als A und wird vor allem in den Tropen von (gesund erscheinenden!) Trägern des Virus über Körpersekrete übertragen.

Testurteil: mittelgut, ich hatte einen Tag lang einen dumpfen Schmerz im Arm. Kosten: 63,- Euro pro Impfung.

  • Tollwut: Jedes Kind kennt die Horrorgeschichten, und in diesem Fall stimmen sie: Tollwut ist, wenn man sie einmal hat, auf jeden Fall tödlich. Zwar kann man sich in Entwicklungsländern fast nur an streunenden Hunden und allzu zahmen Affen anstecken, aber in so einem Fall gehen wir lieber auf Nummer sicher – nur ein Kratzer oder ein bisschen Hundesabber, und es ist passiert! Außerhalb der Hauptstadt ist mir das Risiko zu hoch, rechtzeitig die „postexpositionelle Impfung“ (die gefürchteten „24 Spritzen in den Bauch“…) zu bekommen. Daher haben wir uns drei Spritzen innerhalb von drei Wochen abgeholt. Nach einem und fünf Jahren kann noch mal aufgefrischt werden.

Testurteil: Diese Impfung ist echt ein Klacks, wir alle haben rein gar nichts davon bemerkt. Jederzeit gern wieder! Kosten: 65,- Euro – pro Impfung.

  • Typhus: Davon hört man eher selten, das Auswärtige Amt empfiehlt die Impfung auch nur bei längeren Aufenthalten in ländlichen Gegenden. Als Backpacker ohne schickes Hotel und mit Kindern, die gern mal vor dem Essen das Händewaschen vergessen, hat man uns trotzdem zur Impfung geraten. Die Impfung soll nicht allzu wirksam sein (60 Prozent), aber dafür gut verträglich und es gibt sie in einer einzigen Dosis für Kinder ab einem Jahr.

Testurteil: nicht gut, tat ganz schön weh. Wir haben leider die Spritze bekommen und nicht die Schluckimpfung. Kosten: 29,- Euro.

Vietnam Reiseimpfungen: nicht (unbedingt) nötig

Wogegen wir NICHT impfen werden, ist die Japanische Enzephalitis, und zwar aus folgenden Gründen:

  • Die Krankheit wird von Mücken übertragen, vor denen wir uns wegen der Malariagefahr sowie schützen müssen.
  • Die Mücken sitzen vor allem in Reisplantagen, wir wollen uns ja aber eher in städtischen Gebieten und am Strand aufhalten.
  • Die Krankheit ist fast nur für Kinder und alte Menschen gefährlich, für uns Erwachsene also nicht.
  • Am wichtigsten jedoch: Der Impfstoff ist in Deutschland bisher nur für Erwachsene zugelassen.

Gegen das Versprechen, dass wir uns auch wirklich immer mit Mückenschutz einreiben werden, hat der Arzt daher eine Empfehlung gegen die Impfung ausgesprochen.

PS: Inzwischen sind wir auch gegen die Japanische Enzephalitis geimpft

Vietnam Reiseimpfungen: Was kostet das?

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Für uns Vier kommen insgesamt Impfkosten in Höhe von 1.600 Euro zusammen!

Aber es gibt Entwarnung: Die allermeisten Krankenkassen übernehmen die Kosten für vom Reisemediziner empfohlene Impfungen, das heißt: Man bezahlt die Impfstoffe zunächst selbst (in der Apotheke oder direkt beim Arzt) und stellt dann einen Antrag auf Kostenübernahme.

Dass die AOK plus alle oben aufgeführten Impfungen übernimmt, hab ich mir vom Reisemediziner, vom Centrum für Reisemedizin und zuguterletzt von der Kundenhotline zusichern lassen.

Und wurde nicht enttäuscht – mein Antrag auf Rückerstattung wurde innerhalb von drei Tagen bewilligt, das Geld war sofort da. Klasse, AOK plus!

Wer nicht zahlt (und mit lächerlichen Bonusprämien wie einem Ball darüber hinwegtrösten will!), ist die Barmer. Die wir daher leider verlassen mussten.

Reiseimpfungen für Vietnam: Darauf solltet ihr achten

  • ein Reisemedizinisches Institut zur Beratung aufsuchen – hier gibt es fundierte Hinweise und die Impfungen müssen nicht erst selbst in der Apotheke bestellt werden.
  • Wichtig: die Reiseroute prüfen. Auch Länder, die man nur im Transit auf einer Zwischenlandung berührt, können entscheidend werden, wenn sie als Station bei der Einreise ins Zielland den Nachweis einer Gelbfieberimpfung notwendig machen!
  • Superwichtig: rechtzeitig den Impfstatus checken. Für Impfungen gegen Tollwut und Hepatitis B sind drei Sitzungen nötig und der Körper möchte gern in Ruhe und nicht im Anreisestress sein Immunsystem anpassen. Mindestens sechs Wochen Zeit sollten vor der Abreise also noch sein.
  • Auch den eigenen Impfpass lesen: Erwachsene vergessen oft, dass Impfungen alle 10 oder 20 Jahre aufgefrischt werden müssen.
  • Krankenkasse fragen: Die Barmer ist nach unseren Recherchen nahezu die einzige Kasse, die gar keine Reiseimpfungen übernimmt. Hier gibt es eine ausführliche Tabelle zu den Leistungen der einzelnen Kassen.
Jenny

6 Kommentare

    • Hallo Nrhom, eine berechtigte Frage.
      Wir haben uns darüber ausführlich mit dem Arzt unterhalten. Er meinte, solange wir wirklich sicher sein können, dass die Kids (und wir) immer gut mit Repellent eingecremt sind (und das Repellent auch vertragen, ist ja meist ab 2 zugelassen), ist das Risiko für eine Ansteckung recht gering.
      Ein DHF ist zum Glück sehr, sehr selten – laut Statistik des Robert-Koch-Instituts hatten sich 2010 von 100.000 Reisenden 20 Personen mit Dengue angesteckt, eine Frau hatte das DHF (und ist nicht gestorben). Die vielen toten Kinder sind sicherlich keine Touristen mit Zugang zu moderner Gesundheitsversorgung gewesen (so traurig das auch für diese Kleinen ist…).
      Insofern bin ich bei dem Thema recht entspannt. Mehr Sorgen machen mir die Gefahren im Straßenverkehr…

    • Vielen Dank für die schnelle Antwort. Der Link auf das Robert-Koch-Institut ist sehr hilfreich. Man fühlt man sich doch besser informiert, wenn man das ganze anhand von Zahlen betrachtet.

  • Wusch, das ist mal ne Summe ;-) Aber toll das es eure Krankenkasse so problemlos erstattet hat.. wenn mir sowas bevorsteht muss ich dann wohl auch mal über einen Wechsel nachdenken ;-)

    • Seiltanz, dann kündige rechtzeitig! Der Weltwundermann hat gebummelt und muss nun zwei Monate warten, bis er raus darf. Das ist graaad noch rechtzeitig für den Impfschutz-Aufbau… puh!

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