Ein weiter, menschenleerer Strand an der Westküste der Nordinsel, wo kaum ein Tourist hinkommt – und unter dem schwarzen Sand verbirgt sich ein heißes Geheimnis. Anders als den Hot Water Beach bei Coromandel kennt kaum jemand den Kawhia Hot Water Beach, wo ihr euer Do-it-yourself-Thermal-Spa ganz allein genießen könnt. Wollt ihr mehr wissen?

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Kawhia Hot Water Beach: Wirklich ein Geheimtipp?
Es gibt nur noch wenige echte Geheimtipps in Neuseeland – zu viele Touristen kommen inzwischen hierher und zu viele Tipps werden auf Blogs und auf Instagram-Accounts geteilt, die vielleicht nicht mit der ganzen Welt geteilt werden sollten.
Wir geben uns auf diesem Blog seit jeher große Mühe, beide Seiten zu berücksichtigen – einerseits wollen wir euch, unseren Leserinnen und Lesern, coole Tipps abseits der Haupt-Touri-Attraktionen zeigen, wo ihr Neuseeland so erleben könnt, wie es vor der Zeit des Massentourismus aussah (denn ganz ehrlich: Es gibt doch gerade mit Kindern nichts Schlimmeres, als sich an vollgestopften Hotspots zwischen Menschenmassen herumzudrücken, von denen man außer dem Pflicht-Schnappschuss nichts in Erinnerung behält).
Andererseits überlegen wir immer lange, ob wir einen schönen, eher unbekannten Spot hier teilen sollen – zu oft haben wir schon gesehen, wie sehr sich solche “Entdeckungen” im Laufe weniger Jahre verändern, sobald die Massen darauf aufmerksam werden. (Speaking of you, Blue Pools bei Wanaka, Putaruru Blue Springs bei Tirau oder Tongariro Alpine Crossing!)
➜ Unsere Warnung vor angeblichen Geheimtipps in Neuseeland
Das King Country scheint gegen den Massentourismus in Neuseeland allerdings immun zu sein – bei unserem Besuch 2024 sah es dort immer noch genauso verschlafen und urig aus wie 2002, als wir zum ersten Mal durch Neuseeland gereist sind und völlig überrascht von Kawhia waren. In all den Jahren danach haben wir den Strand noch nie auf Instagram entdeckt, er steht zwar in einigen Reiseführern, ist aber offenbar zu weit ab vom Schuss, als dass sich viele Reisende die Mühe machen, herzukommen.
Gleichzeitig ist Kawhia ein Ort, dessen Bewohnerinnen und Bewohner sich über Gäste freuen! Wenn ihr nicht nur den Strand besucht, sondern auch noch eine Portion Fish and Chips oder im General Store ein Eis kauft, auf einer der (günstigen!) Campsites übernachtet und ein wenig durch den Ort bummelt, sind alle zufrieden.
Deshalb verraten wir euch unseren Geheimtipp mit gutem Gewissen: In Kawhia werdet ihr auch in der Hochsaison fast allein sein, wenn ihr am Ocean Beach nach heißen Quellen sucht – und selbst wenn ihr sie nicht findet, werdet ihr ein wunderbares Stück Neuseeland “off the beaten track” erleben.
Genießt es!
Psst: Mehr Orte auf Neuseelands Nordinsel, die “abseits der ausgetretenen Pfade” liegen, stelle ich in meinem Pocket-Guide mit 50 Tipps für die Nordinsel vor – zu kaufen im Buchladen oder bei Amazon*:

So erreicht ihr Kawhia und den Hot Water Beach
Kawhia ist ein verschlafenes Örtchen an der Westküste der Nordinsel, das an der weiten Mündung des Kawhia Harbour liegt – einer flachen, geschützten Bucht mit vielen Inlets, die weit ins Landesinnere reicht. Ihr erreicht Kawhia auf einem fast 50 km langen Abstecher vom SH 39. Der Abzweig kommt etwa 40 km südlich von Hamilton – etwas weiter südlich fahrt ihr durch das Kiwiana-Städtchen Otorohanga und erreicht das berühmte Waitomo mit den Glowworm Caves.
Man kann auch auf einer Landstraße durchs Hinterland nach Kawhia fahren, und zwar von Raglan aus – über die Te Papatapu Road fahrt ihr an den wunderschönen Bridal Veil Falls vorbei und könnt noch einen Abstecher zum grandiosen, einsamen Ruapuke Beach machen. Diese Strecke ist knapp 50 km lang und seeeehr kurvig, also eher nichts für große Wohnmobile und für Kinder, die zu Reisekrankheit neigen!
➜ Habt ihr Probleme mit Reisekrankheit? Wir haben vielleicht eine Lösung…

Habt ihr Kawhia nach einer langen, kurvigen Fahrt auf dem SH 31 erreicht (der hier im Ort endet), fahrt ihr noch etwa 10 Minuten weiter auf der Te Puia Road (manche Reiseführer nennen sie auch Ocean Beach Road) immer nach Westen, bis ihr die “dem Meer zugewandte “Außenseite” des Kawhia Harbour erreicht.

Dort findet ihr einen kleinen, kostenlosen Parkplatz, von dem ein kurzer Fußweg durch die Dünen zum Strand führt. Der Weg ist nicht ausgebaut und führt erst steil bergan durch tiefen Sand, dann steil bergab zum Meer hinab. Mit dem Buggy, mit Turnschuhen oder mit einer Gehbehinderung wird das nichts – für normal fitte Menschen und auch kleine Kinder ist der Weg aber kein Problem.

Vom Dünenkamm aus kann man den Panoramablick in vollen Zügen genießen. Der Blick reicht über den von Dünengras gesäumten Hang zur zerklüfteten Küste und hinaus über die kobaltblaue Tasman Sea – fantastisch!
Ach ja: Der Besuch am Kawhia Hot Water Beach ist natürlich kostenlos und der Strand ist rund um die Uhr zugänglich. Am Parkplatz steht (natürlich) eine Toilette, sonst gibt es hier nichts.

Wo (und wann!) findet man die Hot Pools am Ocean Beach Kawhia?
Der Weg durch die Dünen hinab zum schwarzen Strand dauert höchstens zehn Minuten, aber die heißen Quellen am Hot Water Beach Kawhia habt ihr dann noch lange nicht gefunden.

Der Kawhia Hot Water Beach ist unglaublich lang und breit – man kann stundenlang hier herumlaufen und die weite Landschaft genießen. Vorsicht ist vorn an der Wasserlinie geboten, wenn ihr kleinere Kinder habt; der Ozean ist hier kalt und wild, es kann fiese Unterströmungen geben und die Wellen haben unglaubliche Kraft.
Genau hier vorn am Wasser müsst ihr suchen, wenn ihr die heißen Quellen finden wollt: Die Te Puia Springs (so werden sie nämlich auch genannt) liegen versteckt unter dem Sand und sind nicht markiert. Nur in einem Zeitfenster von etwa 2 Stunden rund um den Ebbe-Tiefstand könnt ihr sie überhaupt erreichen, denn dann gibt das Meer diesen Bereich des Strandes frei – ansonsten liegen die Hot Pools einfach unter Wasser.

Habt ihr den Gezeitenkalender gecheckt und seid zur richtigen Zeit am Kawhia Hot Water Beach, heißt es jetzt aufmerksam Ausschau halten:
- Seht ihr andere Leute, die Löcher in den Sand graben?
- Seht ihr verlassene Löcher, in denen Wasser steht?
- Seht ihr Bereiche, wo der Sand zu dampfen scheint?
- Riecht es nach Schwefel (=faule Eier oder Pups), wenn ihr herumlauft?
- Fühlt sich der Sand unter euren nackten Füßen warm oder heiß an?
Das sind alles Indizien, die euch zu den Te Puia Springs am Kawhia Ocean Beach führen. Es kann eine Weile dauern, bis ihr fündig werdet. Habt Geduld und bohrt immer mal eure Zehen prüfend in den Sand!
➜ Hier findet ihr den offiziellen Gezeitenkalender der neuseeländischen Wetteragentur NIWA

Euer eigenes Spa am Kawhia Hot Water Beach: so geht’s!
Am besten, man hat eine Schaufel dabei, wenn man den Hot Water Beach in Kawhia besucht. Das Graben im mehlfeinen Vulkansand ist ohne Hilfsmittel nämlich recht mühsam, man kommt mit Händen und Füßen nicht tief und man verbrennt sich auch schnell, wenn man tatsächlich auf eine der heißen Quellen trifft – das Thermalwasser wird um die 50° C heiß!
Außerdem verfärbt der stark eisenhaltige Sand mit seinen winzigen Körnchen, die sich überall festsetzen, Haut und Kleidung ziemlich erfolgreich dunkel, das wäscht sich erst Tage später aus.
Schaufeln kann man sich übrigens an einem der Campingplätze im Ort ausleihen. Unser selbst getesteter Pro-Tipp, wenn man erst abends am Ocean Beach ankommt und niemanden mehr fragen kann: Kochtopf und Löffel funktionieren ebenfalls gut, genauso wie das Sandspielzeug der Kinder.

Wenn ihr auf heißes Wasser unter dem Sand stoßt, grabt euch an der Stelle eine kleine flache Grube und lasst von vorn das Meerwasser hineinschwappen: So mischt sich die Temperatur mit etwas Experimentieren zu einer angenehmen Spa-Experience.
In seinem eigenen Thermalpool in warmem Sand sitzen, während direkt vor einem die Sonne ins Meer sinkt, ist ein wunderschönes Erlebnis – erst recht, wenn man das Gewusel am Hot Water Beach auf Coromandel kennt, wo man sich beim Baden wie in einer Pinguinkolonie fühlt.
➜ Hier findet ihr noch weitere Thermal Pools in Neuseeland für Familien
Pro-Tipp: Schaut rechtzeitig im Gezeitenkalender, wann die Ebbe kommt. Wenn möglich, legt euren Besuch auf den Abend – die Sonnenuntergänge an der Westküste sind spektakulär!

Kawhia Hot Water Beach mit (kleinen) Kindern?
Ein warmes Thermalbad finden schon Babys toll, wobei ihr natürlich besonders Acht geben müsst, dass es nicht zu heiß wird – immer vorfühlen, auch den bloßen Sand!
Am weiten Strand von Kawhia haben kleine und große Kinder viel Platz zum Herumrennen und Toben, Buddeln und Sandburgen bauen – der feine schwarze Sand ist dafür perfekt, weil er sehr stabil hält. Nur die Klamotten werden sehr schmutzig, der Hosenboden bleibt noch mehrere Wäschen hindurch dunkel. Auch die Badekleidung kann durch das Thermalwasser übrigens verfärbt werden und nimmt auch gern den Schwefelgeruch des Wassers an.
Tagsüber, wenn die Sonne auf den Strand knallt, wird der schwarze Sand unglaublich heiß. Barfuß laufen ist dann keine gute Idee, zieht also Sandalen oder noch besser Badeschuhe an. UV-Schutzkleidung ist natürlich ebenfalls Pflicht (immer, wenn ihr in Neuseeland am Strand seid!).
➜ Unsere lebenswichtigen Tipps zum Sonnenschutz in Neuseeland
Aufpassen müsst ihr natürlich, wenn eure Kids in tieferes Wasser laufen; am Strand gibt es keine Rettungsschwimmer und wenn etwas passiert, seid ihr auf euch allein gestellt. Lasst die Kinder also nicht weiter als bis zu den Knien ins Wasser!
Und wenn wir nicht zur Ebbe am Kawhia Hot Water Beach sind?
Bei eng getakteten Reiserouten kann es natürlich passieren, dass ihr genau zur Flut in Kawhia ankommt – oder wie wir einfach nicht ordentlich auf die Gezeitentabelle geschaut habt.
Dann erlebt ihr den Ocean Beach in seiner gesamten brachialen Schönheit, nur ist der Strandbereich deutlich schmaler und ihr könnt graben, so viel ihr wollt – die Hot Springs werdet ihr nicht finden.
Wir haben bei unserem Besuch 2024 vergeblich über eine Stunde im Sand gebuddelt, weil wir schon 3 Stunden vor der Ebbe da waren und dachten, das geht schon. Geht nicht, wir haben keine heißen Quellen gefunden.
Machte aber gar nichts, so hatten wir den Strand erst recht für uns allein! Und wie cool das ist, so viel Platz und Himmel und Sand für sich allein zu haben…

Kehrt also nicht um, nur weil die Gezeiten nicht passen – Kawhia ist auf jeden Fall einen Besuch wert, finden wir.
Was kann man noch in Kawhia erleben?
Kawhia ist ein sehr verschlafener Ort mitten im Nirgendwo – da fragt man sich natürlich, ob sich die lange Anfahrt nur für den Ocean Beach mit seinen heißen Quellen lohnt.

Tatsächlich ist Kawhia interessanter, als es auf den ersten Blick scheint: Der Ort wird schon sehr lange von Maori bewohnt. Auch heute seht ihr viele Maori, die sich Fremden gegenüber deutlich anders verhalten als Pakeha-Kiwis (unser Eindruck jedenfalls). Hier in Kawhia soll das Kanu der Vorfahren des Tainui-Stamms gelandet sein, mit dem sie aus Hawaiki nach Neuseeland kamen – vergraben ist es angeblich unter dem riesigen Pohutukawa-Baum neben dem Maketu-Marae am Ortsrand, markiert von zwei großen Steinen.

Einer der berühmtesten Einwohner von Kawhia war Te Raupahara – auf diesen Anführer der Maori geht der Gesang des Haka “Ka Mate” zurück, der von der neuseeländischen Rugby-Mannschaft All Blacks gesungen wird. Das und mehr über die Geschichte des Ortes könnt ihr in dem kleinen, aber feinen Regionalmuseum am Hafen von Kawhia erfahren.

Kommt ihr im Januar oder Februar nach Kawhia, ist es vielleicht alles andere als verschlafen – dann findet gerade die Neujahrs-Regatta mit historischen und modernen Booten im Hafen statt, oder ihr kommt zum Kawhia Kai Festival, wo mehr als 10.000 Besucher traditionelles Maori-Essen probieren.
Am Hafen ist es in Kawhia sowieso am spannendsten: Hier wird im Sommer am Pier gebadet und ins Wasser gesprungen, man kann angeln und Pipi-Muscheln am Ufer suchen – und es gibt auch einen kleinen, aber schönen und erst 2020 eingeweihten Spielplatz an der Jervois Street, nur ein paar Meter neben dem General Store, wo ihr euch mit Lebensmitteln versorgen könnt.

Übernachten in Kawhia
Wahrscheinlich wegen der großen Festivals hat das kleine Kawhia überraschend viele Unterkunfts-Möglichkeiten für Reisende – hier findet ihr ganz bestimmt einen schönen Platz zum Schlafen, ob mit oder ohne Camper:
- Kawhia Beachside Escape: moderner Campingplatz an der Kawhia Road nahe dem Ortseingang mit Camper-Stellplätzen, Cabins und Motels – direkt am Kawhia Harbour (also: keine Wellen)
- Forest View Motor Camp: schlichter, gepflegter Platz an der Waiwera Street am Waldrand, ebenfalls mit Stellplätzen für Camper und Zelte, Cabins und Motel-Einheiten mit eigener Küche und Bad
- Kawhia Camping Ground: der dritte Campingplatz im Ort liegt dem Ocean Beach am nächsten. Hier steht ihr schön auf einer flachen Wiese, unter schattenspendenden Bäumen. Es gibt Stellplätze für Wohnmobile und rustikale Cabins für bis zu 6 Personen – und ein Trampolin für die Kinder.
Es gibt noch ein (groß ausgeschildertes) Motel im Ort, aber das sah 2024 so abgewohnt aus, dass ich es nicht weiterempfehlen möchte – und auf den drei Campsites gibt es ja ausreichend gute Motelzimmer, wenn ihr im Mietauto unterwegs seid.

Abends ganz in Ruhe den Ocean Beach mit seinen heißen Quellen genießen, das geht am besten, wenn man danach nicht mehr weit fahren muss – also bucht euch für eine Nacht in Kawhia ein und fahrt dann am nächsten Morgen weiter und entdeckt die Geheimnisse des King Country, erkundet die wilden schwarzen Strände von Taranaki oder das sanfte, grüne Waikato!
➜ Mehr Inspiration für die Nordinsel findet ihr in unserem Online-Reiseführer

Psst: Ihr wollt den Kawhia Hot Water Beach in eure Neuseeland-Reiseroute einbauen? Dann bucht unsere persönliche Neuseeland-Reiseberatung – wir planen eure individuelle Reiseroute, passend zu euren Wünschen und Bedürfnissen und natürlich zum Alter eurer Kinder, das schafft sonst kein Reisebüro!

