Neuseeland-Reise 2002

Angeln am Cape Reinga

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Unsere To-Visit-Liste war sehr umfangreich heute, also ging es zack-zack los, nachdem wir die Kasse des Vertrauens am DOC-Campingplatz um 7 NZ$ pro Person bereichert hatten. Das macht man ja gerne bei so viel Luxus.

Die erste Station des Tages war der Waipoua Kauri Forest, ein urtümlicher Regenwald mit superdicken und -alten Kauri-Baumriesen, die uns sehr beeindruckten. Noch mehr als Tane Mahuta und Te Matua Ngahere, zwei 2.ooo Jahre alte Kauris mit Stämmen von 13 bzw. 18 Meter Dicke, beeindruckten uns wieder einmal die Kiwis und ihre Bemühungen, diesen letzten (?) zusammenhängenden Urwald auf der Nordinsel zu erhalten.

Wir liefen nämlich mal wieder ein großes Stück des Weges über Holzbretterstege, welche die empfindlichen Kauri-Wurzeln vor europäischen Trampelstiefeln schützen sollen.

Tane Mahuta Kauri ForestWeiter ging es gen Norden zum Cape Reinga – durch Landschaften, wie man sie sich eigentlich gar nicht vorstellen kann bzw. die es sonst nur im Kitschfilm gibt. Sanfte, grüne Hügel, vollgestellt mit Schafen und Lämmchen, Kühen und Kälbchen, Stieren, einem Truthahn und anderen Sachen.

Mehrmals konnten wir einfach nicht anders und mussten anhalten, um uns wieder einzukriegen (und den einen oder anderen Schnappschuss zu machen; zum Glück sind wir ja mit Spiegelreflexkamera, Kleinbildkamera und Camcorder rundum ausgestattet).

Bei einer dieser Scenic-view-Gelegenheiten fanden wir allerdings auch mehrere brutal abgetrennte Lämmerschwänze im Gras, die uns bzgl. des schönen Lebens der neuseeländischen Schafe ein wenig desillusionierten. Die mögen zwar freilaufend sein, aber zimperlich geht man mit ihnen auch nicht um.

Irgendwann kamen wir nach intensivem Gravelroad-Staub-Schlucken (den weniger staubträchtigen Ninety Mile Beach mussten wir aus Zeitgründen seufzend ad acta legen) tatsächlich am oberen Ende von Neuseeland an – Cape Reinga.

Cape Reinga 2002Hier wurde die Landschaft derart atemberaubend, dass man gar nicht mehr aufhören konnte zu fotografieren. Einfach der Wahnsinn, wie die beiden wilden Ozeane genau an der Landzunge mit dem gerade noch sichtbaren Pohutukawa-Baum zusammentreffen – und man sieht wirklich, wie sie das tun! Ein gar gruseliger Malström, wie aus der griechischen Sagenwelt.

Cape Reinga MaelstromDa passt es ja, dass an besagtem Baum angeblich die Seelen der toten Maori in die Unterwelt eintreten… Betreten des ganzen Vorlandes am Cape Reinga ist aus kulturtechnischen Gründen daher strengstens verboten, auch essen und trinken sind „tapu“. Wir waren ja froh, dass nichts von Rauchen auf dem Schild stand ;-)

Nach Besichtigung des unbemannten Leuchtturms von Cape Reinga und des Hinweisschilderwaldes, den bestimmt jeder Tourist hier fotografiert, entschieden wir, dass wir nun genug Sightseeing hatten und lenkten bergab. Und zwar steil. Zwei von uns nervten nämlich schon seit Stunden damit, wo und wann und wie und was sie gleich angeln wollen.

Also schlängelten wir uns eine gruselig enge Serpentinenstraße hinunter zu einem echten und wahrhaft einsamen Traumstrand inklusive DOC Campingplatz an der Tapotupotu Bay (lustiger Zungenbrecher!), die am nordöstlichen Rand des Cape Reinga liegt bzw. darunter.

Dortselbst wurde sofort fachmännisch das Equipment ausgepackt; von mir also ein Buch. Während Weltwundermann und Tine wild Schnüre schwingend und arglose Ködermuscheln meuchelnd auf den umtosten Klippen herumhopsten und begeistert mit ihren Handangeln fuchtelten, lehnte ich mich entspannt zurück und begann meine Urlaubslektüre: Ein Lied von Eis und Feuer (inzwischen viel bekannter als „A Game of Thrones“, auch wenn das der Großteil der Fans gar nicht gelesen hat…); sehr passend zu dieser Szenerie.

Tapotupotu BayIrgendwann riss ich mich von Westeros los und begann mich schon um das Wohlergehen der beiden beharrlichen Angler zu sorgen, die der steigenden Flut um sich herum so gar keine Beachtung schenkten. Als ich ihnen dann schon mit knurrendem Magen über den breiten Strand entgegenspazierte, kamen sie freudestrahlend zum Campervan zurückgehüpft: Sie hatten einen riiiesigen Fisch an Land gezogen, von dem wir nun alle drei essen konnten.

Nach dem Abendessen allerdings. Er wog mindestens… weniger als ein Pfund. Na ja.

Danach wurde es schnell dunkel, das heißt nicht so richtig dunkel, denn die Milchstraße strahlt hier mit einer Leuchtkraft herab, dass man im Sternenlicht fast lesen könnte. Die „long haul toilets“ (verdammt tiefe Plumpsklos, die dann fast gar nicht stinken) findet man auf jeden Fall ohne Taschenlampe.

Jetzt ist es noch nicht mal 11 und die beiden Angler schlafen schon – fast. Was sie noch wach hält, ist die wichtige Frage, wie groß nun der Fisch war und was es für einer war und wann und von wem der nächste (und größere) gefangen wird…

Fisch angeln

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