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Buller Gorge in Neuseeland: ein Ausflug zwischen zwei Erdplatten

In Neuseeland sind verrückte geologische Phänomene normal. So ist es wenig verwunderlich, dass man hier die Bruchzone zwischen zwei Erdplatten besichtigen kann – live, in Farbe und zum Anfassen. Wir haben bei einem Zwischenstopp in der Buller Gorge die Kraft der Natur bestaunt.

Buller Gorge Adventure Park

Das Beste am Buller Gorge Adventure Park: die Swing Bridge!

Dort zu stehen, wo sich zwei Erdplatten begegnen – eine seltsame und auch irgendwie gruselige Vorstellung. Trotzdem legten wir auf dem Weg von der Westcoast nach Nelson voller Erwartungen einen Zwischenstopp in der Buller Gorge ein, wo die White Creek Faultline verläuft.

-> Das war unsere Reiseroute für 4 Wochen Neuseeland

Durch eine wunderschöne Schlucht mit steilen, felsigen und von dichtem Wald überwucherten Ufern windet sich der Buller River über 169 Kilometer vom Lake Rotoiti bis nach Westport, wo er an der Westcoast in die Tasman Sea mündet. Für die kurvigen 50 Kilometer von Inangahua nach Murchison, die wir mit unserem Wohnmobil in weniger als einer Stunde fuhren, musste sich der Landvermesser Thomas Brunner im Jahr 1847 ganze sieben Wochen durch den „bush“ schlagen.

Buller Gorge Murchison

Nicht sonderlich einladend: die Buller Gorge ist eine raue Landschaft

Für Reisende in Neuseeland, Straßen- und Brückenbauer war die Buller Gorge lange Zeit eine formidable Herausforderung. Nachdem man einige Kilometer flussabwärts von Murchison Gold entdeckt hatte, wurde die Schlucht zur Heimat für hunderte Goldsucher. Eine nicht eben freundliche Heimat, muss man hinzufügen.

Die Region zwischen Westport und Nelson wird nämlich immer wieder von Erdbeben heimgesucht. Was viele Touristen gern verdrängen, schiebt sich immer mal wieder mit Nachdruck ins Bewusstsein der Öffentlichkeit; zuletzt 2016 beim Kaikoura-Erdbeben in Neuseeland.

Buller Gorge Murchison

Am Eingang zur Buller Gorge: die Wahrzeichen der Westcoast

Leben in Neuseeland: Nervenkitzel auf der Fault Line

Wer ein ruhiges Leben wünscht, der sollte vielleicht nicht unbedingt Neuseeland wählen, oder wenigstens nicht die Südinsel. Tief unter der Erde begegnen sich dort nämlich auf einer laaangen Linie (die ungefähr dem Verlauf der beiden Hauptinseln entspricht) die Pazifische und die Indo-Australische Platte. Dabei schiebt sich die eine Platte über die andere, wodurch im Laufe von Jahrmillionen die Bergketten der Southern Alps, der Tararua Ranges oder der Kaikoura Ranges angehoben wurden.

Dieser Prozess ist beileibe nicht vorbei; die geologischen Prozesse dauern an und sorgen immer wieder für starke Erdbeben, wenn sich die Plattengrenzen „verkanten“. Der gesamte Nordwesten der Nelson-Region ist von Bruchzonen (sogenannten Faultlines) wie Adern durchzogen. Mit der Zeit baut sich an diesen Stellen immer mehr Druck auf, bis an irgendeiner Stelle des Systems die Erde der Belastung nicht mehr standhält und aufbricht.

Buller Gorge Murchison

Die Buller Gorge bei Murchison: hier unten drunter knirscht es gewaltig!

In Neuseeland gibt es mehr als 50 aktive Bruchzonen, die in unregelmäßigen Abständen immer wieder aufreißen. Einige sind bekannt, andere treten völlig überraschend zutage.

Trotzdem siedelten sich schon früh in der Geschichte Neuseelands Menschen in dieser Gegend an. Sie ließen sich weder von Sandfly-Schwärmen und unwegsamem Gelände noch von den ständigen Erdbeben abschrecken. Was sie zum Bleiben bewog, lag unter der Erde: reiche Vorkommen an Steinkohle und – Gold.

Buller Gorge Adventure Park

Dieser Fluss verbirgt Gold!

Das Murchison-Erdbeben in Neuseeland

Am 17. Juni 1929 brach hier in der Buller Gorge das Inferno aus. An einem Vormittag mitten im Winter gab es im nahe gelegenen Murchison ein Erdbeben der Stärke 7,8. Heftige Erdrutsche zerstörten Straßen und Häuser und blockierten den Lauf mehrere Flüsse.

Das Beben war so stark, dass man es fast im ganzen Land spürte. Sein Zentrum lag unter dem White Creek, unter dem eine Faultline aufriss. Dabei hob sich die Erde auf der östlichen Seite binnen Minuten um ganze 4,5 Meter an.

Das kann man deutlich erkennen, wenn man weiß, wonach man schauen muss: Aus dem dichten Wald am Flussufer ragt unvermittelt eine steile Felswand auf. Mit weißer Farbe ist die Bruchkante markiert, damit sie auch kein Spaziergänger verpasst.

Buller Gorge Fault Line

Tadaa…

Gut, dass wir 1929 nicht hier gestanden haben! Zeitzeugen berichteten, dass schon Tage vor dem Erdbeben die ganze Schlucht mehrmals von lautem Krachen erzitterte. Das minutenlange Beben riss dann die Menschen von den Beinen, im Boden öffneten sich Risse, die Wände der Schlucht stürzten ein. Hätte das Erdbeben eine dichter besiedelte Gegend erfasst, wären wesentlich mehr Tote zu beklagen gewesen – dies zeigte nur zwei Jahre später das Erdbeben von Napier.

Weil es an der Westcoast und in der Region Nelson so starke Zerstörungen anrichtete, gilt das Murchison-Erdbeben als eines der schlimmsten in der Geschichte Neuseelands. Weltberühmt wurde es durch die dänische Seismologin Inge Lehmann: Anhand von Messdaten, die zum Zeitpunkt des Bebens auf der ganzen Welt aufgenommen wurden, konnte sie 1936 nachweisen, dass die Erde einen festen Kern haben muss.

Wir fühlten uns relativ beruhigt durch die Statistik: Nur eine einzige Bruchzone ist im Lauf der Geschichte zweimal aufgebrochen, die Kaiapo Faultline am Lake Taupo. Trotzdem ist die Vorstellung, wie schnell sich das Antlitz der Erde in Neuseeland ändern kann, beeindruckend und zeigt uns, wie bedeutungslos wir Menschen für das Schicksal unseres Planeten eigentlich sind…

Buller Gorge

Kaum zu glauben, wie krass es hier 1929 gerumpelt hat…

Goldrausch am Buller River: gestern und heute

Um 1860 entdeckte man Gold im Schwemmsand des Buller River. Für einen ordentlichen Goldrausch war der Fluss zu schwer zugänglich. Einige Glücksritter kamen aber doch – noch heute kann man hier Gold finden. Beim bloßen Wühlen mit den Händen fanden wir zwei kleine Goldflocken, die leider kurz darauf in einem Winkel der Hosentasche verloren gingen…

Buller Gorge Adventure Park

Was ist denn das?

Buller Gorge Adventure Park

Gold! Gold!

Während auf der einen Seite des Flusses mehrere Jahrzehnte lang Gold abgebaut wurde, blieb die andere Seite relativ jungfräulich – sie war ohne Straßenanbindung kaum zugänglich. Nur die Mutigsten wagten sich in Booten über den reißenden Fluss oder kletterten vom Maruia Valley aus an den steilen Seiten der Schlucht flussabwärts: bis zu einer kleinen Halbinsel, die durch eine enge Flussbiegung gebildet wird.

Genau hier liegt heute der Buller Gorge Adventure Park, zu dem man nicht mehr hinüberschwimmen muss, sondern über eine 110 Meter lange Hängebrücke balancieren kann – die längste Hängebrücke Neuseelands. 19 Meter über dem schnell dahinfließenden Buller River zu balancieren, ist allerdings nicht jedermanns Sache!

Buller Gorge Swingbridge

Die Buller Gorge Swing Bridge: nicht jedermanns Sache!

Noch weniger vertraueneinflößend ist die Rückfahrt, die man in einer Art Hängeschaukel unterhalb der Brücke antreten kann: Mit moderatem Tempo geht es dabei im Zweiersitz über den Fluss zurück, am anderen Ende wird man auf einem Gerüst sanft aufgefangen (und fotografiert – das Bild vom Zieleinlauf kostet zwar, aber der Fotograf steht zweifellos am besten Fotospot. Dem Weltwundermann ist von unserer Fahrt leider kein unverwackelter Schnappschuss gelungen…).

Buller Gorge Adventure Park

Swingbridge-Abenteuer überstanden, uff!

Auf der kleinen Halbinsel, zu der die Hängebrücke führt, gruben früher die mutigsten Glücksritter ungestört von der Konkurrenz ihre Tunnel und Stollen. Um ihre Claims abzustecken, schichteten sie „tailing stones” auf, die man auf dem kurzen Forest Gold Walk entdecken kann – genau wie einige verlassene Tunnelmündungen.

Buller Gorge Adventure Park

Gewohnt informativ. der Forest Gold Walk

Achtung: Wir sind hier durch ordentlich Schlamm gestapft, und dabei hatte es seit Tagen nicht geregnet! Wir wollen gar nicht wissen, wie matschig der Forest Gold Walk bei Regenwetter wird. Und noch eine Warnung: Am Ende des Forest Gold Walk wartet kein Gold und gar nichts – hier gibt es nur Wald zu sehen. Unsere Kids waren davon einigermaßen enttäscht…

Buller Gorge Adventure Park

… ist eher nur ein Forest Walk

Buller Gorge Adventure Park

Hier wachsen Rimu, Kahikatea und andere einheimische Bäume

Die meisten Besucher des Buller Gorge Adventure Park kommen eh wegen der Hängebrücke her und laufen dann nur den relativ kurzen Loop Walk. Auch der führt an genügend historischen Überresten des Goldrauschs vorbei: Verrostete Leitungen liegen am Wegrand, durch die einst Wasser aus dem Fluss für das „hydraulic sluicing“ heraufgepumpt wurde.

Buller Gorge Adventure Park

Der Loop Walk ist kurz und sehr nett

Buller Gorge Adventure Park

Dabei spritzten die Goldsucher das gesamte Flussufer mit Hochdruck weg und filterten das Gold dann auf langen Holzrutschen aus den Kieseln heraus. Und in den alten Fahrzeugen, die am Wegrand vor sich hin verrotten, lässt es sich super spielen!

Buller Gorge Adventure Park

Lieber baggern…

Buller Gorge Adventure Park

… oder Trecker fahren?

Infos zum Buller Gorge Swingbridge Adventure Park

Adresse: 413 Upper Buller Gorge Rd, ca. 15 km westlich von Murchison bzw. 34 km östlich von Inangahua am SH 6
Kontakt: Tel. 03-523 9809, Web: www.bullergorge.co.nz
Geöffnet: im Sommer tgl. 8-19 Uhr, im Winter tgl. 9-17.30 Uhr
Eintritt: 10 NZD/Erwachsene, 5 NZD/Kinder bis 14 Jahre für Benutzung der Hängebrücke, keine Reservierung erforderlich; der Rückweg per „Comet Line“ kostet 30 NZD/Erwachsene, 15 NZD/Kinder

Buller Gorge Adventure Park

Dieser Beitrag erschien in ähnlicher Form im Reisemagazin 360° Neuseeland, Ausgabe 1/2020.

2 Kommentare

  • Wie schön, wieder über Neuseeland von Euch zu lesen!
    Beim Anblick der Hängebrücke wird mir ja schon etwas mulmig…
    Das Thema Plattentektonik finde ich sehr spannend und ihr habt es in Neuseeland ja quasi hautnah erkundet.

    Liebe Grüße von Sanne

    • Stimmt! Wenn man bedenkt, dass wir 2011 beim großen Christchurch-Erdbeben auch im Land waren und das Seebeben in Japan dann nur knapp verpasst haben :-/
      Es gibt außerdem so viele tolle Orte in Neuseeland, wo man die Geschichte des Landes hands-on erleben kann. Wäre doch schade, wenn man das ignoriert und nur die tolle Natur erkundet.

      Liebe Grüße
      Jenny

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