Gut zu wissen

Der Kauri in Neuseeland stirbt aus – wegen Dummheit und Ignoranz

Ende des Jahres 2017 musste Neuseeland den Kauri-Baum als vom Aussterben bedroht an die Rote Liste der UN melden. Wie konnte es dazu kommen? Und wieso sind vor allem Wanderer und Touristen schuld, dass der Kauri in Neuseeland wohl bald aussterben wird?

Tane Mahuta Waipoua Kauri

Tane Mahuta, der Gott des Waldes

Kauri-Bäume sind gewaltig – ihre unglaublich dicken, telefonmastgeraden Stämme ragen im dichten Urwald über 50 Meter auf. Ihre breiten Kronen geben unzähligen anderen Pflanzen und Tieren eine Heimat. Einige Exemplare wie Tane Mahuta, der „Vater des Waldes“ im Waipoua Forest, werden auf über 2.000 Jahre geschätzt.

Aber jetzt ist der Kauri in Neuseeland bedroht, und zwar extrem – durch einen winzigen, pilz-ähnlichen Krankheitserreger, über den kaum etwas bekannt ist und der als „Kauri dieback“ bezeichnet wird. Die Krankheit macht aus den gewaltigen Bäumen kahle, verhungerte Gerippe.

Kauri dieback wird durch Menschen und Tiere übertragen. Auch nach mehreren Jahren intensiver Forschung gibt es kein Gegenmittel. Das einzige, was einen befallenen Baum retten kann, sind Phosphit-Injektionen in das Holz. Das hält den Keim aber nicht davon ab, sich auf andere Bäume auszubreiten.

-> Hier könnt ihr mehr über die Krankheit lesen.

Im August 2017 und erneut im Dezember stimmte der Gemeinderat des Auckland-District darüber ab, den 16.000 Hektar großen Waitakere Ranges Regional Park zu schließen, in dem noch zahlreiche Kauri wachsen. Vier Gegenstimmen verhinderten zuletzt die Schließung – und damit vielleicht die Rettung des Kauri.

Die Krankheit verbreitet sich wie ein Flächenbrand in diesem Park, fast ein Fünftel der Kauri sind inzwischen befallen (vor sechs Jahren war es noch ein Zwölftel). Die meisten Kauri-Gruppen enthalten mindestens einen infizierten Baum.

Waitakere Ranges Regional Park TNZ

Eingang zum Waitakere Ranges Regional Park © Tourism New Zealand

Der Kauri stirbt aus – so what?

Der Kauri ist nicht nur ein Wahrzeichen für Neuseeland. Er ist ein heiliger Baum, der sogar durch den Vertrag von Waitangi, Neuseelands Staatsgründungsdokument, geschützt wird. Mehrere Maori-iwi sehen ihn als ihren spirituellen Stammvater an.

Wenn der Kauri in Neuseeland jetzt ausstirbt, dann verlieren diese Maori ihre „tupuna“, ihre Vorfahren. Das ist eine kulturelle und spirituelle Katastrophe für sie; als würde man einen lebenden, geliebten Verwandten verlieren.

Kauri sind aber auch ganz rational gesehen eine Schlüssel-Spezies für das Ökosystem des neuseeländischen Waldes. Ihre Langlebigkeit und ihre säuernde Wirkung auf den Boden beeinflussen die Pflanzen, die in ihrer Umgebung wachsen. Sie sind auch Lebensraum und Wirt für co-abhängige Spezies wie Epiphyten, Insekten und Pilze; jeder Baum ist wie eine Stadt voller genetisch unterschiedlicher Lebensformen.

Einen 2.000 Jahre alten Baum kann man nicht einfach nachwachsen lassen oder neu pflanzen. Wenn Neuseeland sein Naturerbe an Pflanzen verliert, dann geht damit ein großes Stück seiner Kultur, Sprache und Geschichte verloren.

Den Kauri zu verlieren, wäre – je nach Sichtweise – fast so schlimm oder wesentlich schlimmer, als wenn der Kiwi ausstirbt. Beides ist derzeit recht wahrscheinlich.

Kauri dieback Maori TNZ

Für viele Maori ist der Kauri spirituell sehr wichtig © Tourism New Zealand

Was kann man gegen das Aussterben der Kauri in Neuseeland tun?

Eigentlich ist es ganz einfach: „Kauri dieback“ wird vor allem durch Erdkrümel an den Sohlen von Wanderschuhen oder Tierhufen übertragen. Würden also für einige Jahre keine Wanderer und Spaziergänger mehr in die von „Kauri dieback“ betroffenen Gebiete gehen, wäre damit einer der wichtigsten Übertragungswege versperrt.

Und genau hier ist das Problem: Der Gemeinderat von Auckland sperrt die Waitakere Ranges nicht.

Sein Argument: Der Park könne sowieso nicht effektiv abgesperrt werden. Als Kompromiss werden immer mehr Reinigungsstationen aufgestellt, an denen Wanderer ihre Schuhsohlen säubern sollen. Außerdem bittet man sie, auf den Wegen zu bleiben und geschlossene Tracks nicht zu betreten.

Kauri dieback Waitakere Ranges itravelNZ

Reinigungsstation gegen Kauri dieback bei den Kitekite Falls © itravelNZ unter CC 2.0

Leider – bzw. eigentlich: Wie vorherzusehen war, wenn man kein völlig blauäugiges Menschenbild hat – stoßen diese dringlichen Bitten bei vielen Wanderern auf taube Ohren.

Nach wie vor besuchen täglich Hunderte die Waitakere Ranges, trotz eines „rahui“ (ein offizielles Tabu) der örtlichen Maori. Die bekannten Kitekite Falls bei Piha werden von mindestens 500 Wanderern besucht – täglich!

Die Schutzmaßnahmen für diesen und weitere Tracks haben schon 150.000 NZ$ gekostet – für neue Säuberungsstationen und die Trockenlegung von schlammigen Wegstellen. An mehreren Stellen des Parks stehen auch Ranger, um den Besuchern die Risiken zu erklären und sie an die Schutzmaßnahmen zu erinnern.

Die Botschafter erinnern die Wanderer auch an das geltende „rahui“ – aber von den hunderten, die sie ansprechen, drehen nur wenige um. Überwachungskameras zeigen, dass die Säuberungsstationen und auch Wegsperrungen von vielen Menschen ignoriert werden.

Dummheit und Ignoranz: Das sind die lächerlichen Dinge, wegen denen der gewaltige, uralte Kauri in Neuseeland aussterben wird.

Solange der Park nicht gesperrt ist, appellieren wir an eure Vernunft: Bitte geht nicht auf den Tracks im Waitakere Ranges Regional Park wandern! So schön dieses Waldgebiet auch ist – ihr zerstört es mit jedem eurer Schritte!

Waitakere Ranges Kitekite Falls

Die Kitekite Falls bei Piha – bitte nicht mehr besuchen! © russellstreet unter CC-BY-SA 2.0

1 Kommentar

  • Leider ist die Ignoranz nicht nur auf Seiten der Touristen. Die von Dir erwähnten Tierhufe sind nämlich immer noch unterwegs. Eingeführte Rehe, Schweine (und die wühlen kräftig im Erdreich) und Ziegen tragen ebenso zur Verbreitung teil. Aber das wird in Neuseeland leider kaum thematisiert, des Kiwis liebste Jagdbeute dezimieren zu wollen, ist vielerorts tabu.

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