Japan

Lake Inawashiro: unser Lieblingssee in Japan und was ihr dort erleben könnt

Japan-Urlaub am See? Vom traumhaft schönen Lake Inawashiro wollten wir gar nicht mehr weg. Zum Glück gibt es rund um den viertgrößten See Japans eine Menge zu erleben! Wir stellen euch eine Region in Japan vor, die nur sehr wenige Touristen entdecken.

Lake Inawashiro Swan

Er ist nicht nur ein wunderschöner klarer Badesee, sondern auch ein romantischer Schwanensee, liegt direkt neben dem beschaulichen Städtchen Aizu-Wakamatsu, im Schatten des hoch aufragenden Vulkans Mount Bandai und nicht weit von einem japanischen Naturwunder, den Goshiki-numa.

Wieso am Lake Inawashiro auch noch rote Kühe, tragische Samurai und ein Schneckenhaus-Tempel zu bewundern sind, erfahrt ihr in unserer Liebeserklärung an die Region im Süden von Tohoku – mit praktischen Reisetipps, falls ihr mit dem Campervan in Japan unterwegs seid.

Wo liegt der Inawashiro-See?

Lake Inawashiro ist Japans viertgrößter See. Steht man an seinen Ufern, fühlt sich das schon fast an wie ein Meer (aber ein stilles). Weil im Wasser kaum Algen oder andere Wasserpflanzen leben, ist das Wasser kristallklar und unvergleichlich blau (dachten wir, bis wir den tatsächlich quietschblauen Lake Tazawa weiter nördlich sahen).

Lake Inawashiro

Am Nordufer des Sees thront der Mount Bandai

Es gibt natürlich die üblichen japanischen Attraktionen für Besucher: von Wassersport-Möglichkeiten und den berühmten schwanenförmigen Ausflugsbooten über Restaurants und Souvenirshops am Ufer bis zu diversen Schreinen. Wir waren besonders angetan von den Stränden am Westufer, die breit, feinsandig und für japanische Verhältnisse wirklich abgeschieden und leer waren.

In der Hochsaison kommen sicher mehr Gäste an den See und bewundern die Spiegelung des kegelförmigen, dicht bewaldeten Mount Bandai im klaren Wasser. Nicht umsonst hat Lake Inawashiro den Beinamen „Heavenly Mirror Lake“. Auch im Winter soll es hier wunderschön sein, dann versammeln sich (echte) Schwäne auf ihrem Zug nach Süden an den breiten Seeufern.

Lake Inawashiro

Ein himmlischer Spiegel?! Für japanische Verhältnisse jedenfalls himmlisch einsam und naturbelassen

Aizu-Wakamatsu, die Samurai-Stadt

Gar nicht weit entfernt vom Lake Inawashiro (aber auch wieder nicht an seinem Ufer – warum nur?) liegt die kleine Stadt Aizu-Wakamatsu. Hier kann man locker einen Tag mit Samurai-Sightseeing verbringen, und genau das haben wir auch gemacht.

Die Region Aizu im Westen der Präfektur Fukushima gehört bereits zu Tohoku, dem Norden von Japans Hauptinsel Honshu. Hier bemerkten wir nach unserer Abfahrt aus Tokio und dem Abstecher nach Nikko, dass die Uhren schon deutlich langsamer tickten. Aizu ist seit 1.200 Jahren buddhistisch und hat entsprechend viele Tempel zu bieten und eine sehr entspannte Bevölkerung.

Spannend für uns war aber vor allem die kriegerische Vergangenheit von Aizu: Vom Ende des 15. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts herrschten in Aizu mehrere berühmte Samurai, und die haben für blutige und traurige Anekdoten gesorgt.

Geschichte zum Anfassen im Bukeyashiki

Das rekonstruierte Samurai-Anwesen „Bukeyashiki“ eines obersten Feldherrn ist eine der größten Anlagen aus dieser Epoche in ganz Japan. Bei angenehmen Sommertemperaturen streiften wir gemeinsam mit mehreren Schulklassen durch das weite Gelände, schauten in die Gebäude und versuchten uns beim Bogenschießen und in der Kommunikation mit frechen Viertklässlern, die noch kein Englisch konnten.

Aizu Wakamatsu Bukeyashiki

Wir schauen zu Hause beim Samurai vorbei

Die großen Gebäude aus wertvollem Zedern- und Zypressenholz und die schönen Gärten brannten während des Boshin-Bürgerkriegs 1868 komplett nieder. (Das war der Krieg der Samurai des Shogunats, die sich vergeblich gegen die kaiserliche Modernisierung in der Meiji-Ära gewehrt hatten.) Dank detaillierter Bauzeichnungen konnten sie Ende der 1990er-Jahre von Historikern exakt wieder aufgebaut werden.

Aizu Wakamatsu Bukeyashiki

Aizu Wakamatsu Bukeyashiki

Sieht ganz schön echt aus, oder?

Aizu Wakamatsu Bukeyashiki

Das Resultat ist beeindruckend: Beim Blick in die offenen Schiebetüren dachten wir wirklich, wir würden in ein bewohntes Anwesen schauen.

Ganze 38 Räume sind offen zugänglich bzw. einsehbar, in einigen sitzen Puppen in Originalkleidung der damaligen Zeit und stellen Alltagsszenen dar. Es gibt sogar eine Toilette, deren Aufbau wir sehr interessant fanden: Der Boden ist mit Sand gefüllt und die Inhalte wurden offenbar regelmäßig vom Arzt des Clans untersucht, ob auch alle gesund waren. (Englische Beschilderung, yay!)

Aizu Wakamatsu Bukeyashiki

Hier wurde gekocht (vielleicht…)

Aizu Wakamatsu Bukeyashiki

Hier wird geschossen!

Auf dem Gelände stehen außerdem eine Reis-Waschanlage, die wir uns sehr genau anschauten, eine Bogenschieß-Anlage, die wir selbst testeten, und – klar – ein Teehaus. Mit ein wenig geduldigeren Kindern hätten wir hier auch noch Akabeko-Kühe und Okiagari Koboshi bemalen können, seufz.

Wie, ihr wisst nicht, was das ist? Erklären wir weiter unten.

Eines der Zimmer im Bukeyashiki hat uns erschreckt: Darin lagen mehrere offenbar tote Frauen und Kinder (also Figuren, nicht echte). Die Geschichte dahinter finden wir sehr traurig, die Japaner finden sie vor allem heldenhaft.

Im Boshin-Krieg kämpfte eine Einheit von mehr als 300 jungen Männern, fast alle Söhne von Samurai, für den Daimyo Katamori, den Feldherrn von Tsuruga (die Burg, die heute ebenfalls rekonstruiert in Aizu-Wakamatsu steht). Als 19 von ihnen vom Hang des Mount Iimori Rauch über der Stadt erblickten, dachten sie, die Burg sei an die einfallenden Truppen des Tokugawa-Clans gefallen, und begingen Seppuku (oder Harakiri?). An dem Ort erinnert heute eine Plakette an die heldenhafte „Byakkotai“ (Weißer-Tiger-Truppe), die für ihre ehrenvolle Tat zu landesweitem Ruhm gelangten.

Es kommt aber noch schlimmer: Die Frauen des Bukeyashiki-Anwesens, die nun fürchten mussten, von den Feinden als Geiseln genommen zu werden, töteten ebenfalls sich und ihre Kinder. Und das, obwohl der Hausherr lange davor gewarnt hatte, dass der Kampf gegen die Kaiserliche Armee aussichtslos sei. Tanomo selbst, ein berühmter Kampfkünstler, hat übrigens knapp überlebt und wurde nach dem Krieg Shinto-Priester in Nikko.

Das „Blutzimmer“ haben wir nicht fotografiert, es hat uns aber nachhaltig beschäftigt. „Bushido“, der Weg des Kriegers, hat eben auch seinen Preis…

Eintritt in das Bukeyashiki: 850 Yen, 550 Yen für große Schüler und 440 Yen für Grundschüler

Aizu Wakamatsu Bukeyashiki

Schüler gab es in Aizu reichlich

Sazae-do, der Schneckenhaus-Tempel

Noch älter als das Samurai-Haus war der hölzerne Tempel, den wir nach Erklimmen einer steilen Treppe in der Tempelanlage auf dem Mount Iimori entdeckten (genau: die Selbstmord-Stätte der Weißen Tiger).

Aizu Wakamatsu Sazaedo

Lange, steile Treppen: typisch japanischer Tempel

Von außen wirkte der schmale, knapp 17 Meter hohe Tempel ziemlich unscheinbar. Drinnen waren wir begeistert: Das war ja ein regelrechter Irrgarten! Das Markenzeichen des Sazaedo, entworfen vom Priester Ikudo im Jahr 1796, sind die gegenläufigen Treppenhäuser, in denen man sich nie begegnet – ähnlich wie das Gehäuse einer Seeschnecke.

Aizu Wakamatsu Sazaedo

An den hölzernen Wänden hingen insgesamt 33 Bilder der Gottheit Kannon. Der nette Priester hat den Tempel entworfen, damit jedermann die Möglichkeit hat, diese 33 Bilder der buddhistischen Kannon-Statue in einem Durchgang zu sehen – was normalerweise mit einer längeren und teuren Reise durch die Lande verbunden war.

Kichernd liefen wir die drei Etagen hinauf und hinunter, die übrigens durch keinen Boden voneinander abgetrennt sind. Und obwohl wir uns gegenseitig hörten, sind wir uns kein einziges Mal begegnet!

Aizu Wakamatsu Sazaedo

Hoch, hoch, hoch – und keiner kommt runter?!

Goshiki-numa, die Fünf Seen: „unberührte Natur“ in Japan

Goshikinuma ist der Sammelname für eine Ansammlung von (mehr als) fünf Seen im gebirgigen Nationalpark Urabandai. Wir hätten da: den großen Lake Bishamon und die kleineren Seen Akanuma (der rot gefärbt ist), Midoronuma (grün gefärbt), Tatsunuma (der Drachensee), Bentennuma, Rurinuma (lapislazuli), Aonuma (blau), Yaginuma und noch viele kleinere Seen, Teiche und Tümpel.

Aizu Wakamatsu Goshiki Numa

Schön blaugrün!

Eine beliebte und für Japan ziemlich naturbelassene Wanderroute führt über angenehme 3,6 km am Ufer der buntesten fünf Seen entlang. Man bräuchte etwa 70 Minuten dafür, und genau hier lag wieder einmal unser Problem: Ein mittagsschlafendes Weltwunderbaby konnten und wollten wir nicht so lange allein im Campervan zurücklassen.

Da der Weg außerdem kein Rundweg ist, muss man sich von der Urabandai Kogen Station mit einem Bus zurück zum Start bringen lassen, oder dieselbe Strecke noch einmal laufen.

Aizu Wakamatsu Goshiki Numa

Nicht schwierig und herrlich betonfrei!

Die vielfältigen Grün- und Blautöne der ersten beiden Seen auf der Route haben wir ausgiebig bewundert. Mit dem Wechsel des Sonnenlichts und der Jahreszeiten verändern sich die Farben angeblich immer wieder.

Eine typisch japanische Überraschung wartet im Bishamon-See: Der Weltwundersohn schaute intensiv nach dem Koi mit dem herzförmigen Fleck an der Seite, der wohl irgendwie Glück bringen soll.

Aizu Wakamatsu Goshiki Numa

Wir suchen den Glückskarpfen…

Die Fünf Seen gibt es erst seit 1887, sie entstanden bei einer Eruption des  nahen Mount Bandai. Ein Erdrutsch blockierte den Lauf eines Flusses und staute die verschiedenen Seen an. Er sorgte auch für die intensiven Blautöne, die aus ausgeschwemmten Mineralien wie Aluminium und Silikon entstehen. Die roten Farben einiger anderer Seen zaubert eine Kombination aus Eisenoxid und bestimmten Algen.

Goshiki-numa Walk: Start am Urabandai Visitor Center, Ziel am Uder des Lake Hibara, Länge (eine Richtung) 3,6 km

Was diese Region noch alles an fantastischen Outdoor-Möglichkeiten bietet, lest ihr auf diesem Blog (wir müssen unbedingt wiederkommen…).

Aizu Wakamatsu

Äffchen!!

Kostenlose Campervan-Stellplätze rund um Aizu-Wakamatsu

Wir haben mehrere Nächte am Lake Inawashiro verbracht und sind nach zwei Wochen sogar noch einmal wiedergekommen (-> hier ist unsere Route durch Tohoku). Am Ufer des Sees gibt es gleich mehrere Campingplätze, aber die waren alle geschlossen.

Lake Inawashiro Sunset

Wunderschön: so steht man am Ufer des Lake Inawashiro

Aizu Sportstadion/Sogoundo Park

Die riesige Anlage aus Sportplätzen, einer Halle und Wiesen wird perfekt ergänzt von mehreren (!) großen (!) Spielplätzen und schattigen Picknickbänken. Eine saubere Toilettenanlage mit Washlets ist natürlich auch vor Ort, genauso wie der übliche Getränkeautomat. Ein 7Eleven liegt vorn an der Straße, ein kleines Ramen-Restaurant bietet von 17.30 bis 20 Uhr leckere Nudelsuppen.

Klingt perfekt – bis auf den sympathischen und sehr netten Parkplatzwächter, dem wir nur mit Mühe erklären konnten, dass wir sehr gern auch auf dem Parkplatz übernachten wollten, wenn er die Ausfahrt über Nacht zusperren würde (er legte dann eine dünne Kette zwischen zwei Pylone).

Aizu Wakamatsu Campervan Stellplatz

Der Sportplatz in Aizu – ein fantastischer Übernachtungsplatz

Seine Besorgnis war vollkommen übertrieben, lernten wir am nächsten Morgen: Schon gegen 5 Uhr kamen Morgensportler auf den wieder geöffneten Parkplatz gefahren. Als wir gegen 8 Uhr aufstanden, war die erste Rush-Hour auf dem Sportplatz schon wieder vorbei!

Weitere schöne, wenn auch ziemlich abgelegene Stellplätze lagen direkt am Seeufer des Lake Inawashiro. Anfang Juli waren hier sämtliche Ferienanlagen verrammelt und vereinsamt, weshalb wir uns einfach an den (breiten) Straßenrand am Seeufer stellten und auf Getränkeautomaten und Toiletten ausnahmsweise mal verzichteten.

Lake Inawashiro

Strandbad am See und keiner da…

Der Tenjinhama Campingplatz am Seeufer war ebenfalls geschlossen, wir konnten aber problemlos auf das Gelände fahren und dort über Nacht stehen.

Schließlich gibt es einen brandneuen und superschicken, wenn auch etwas seelenlosen Rastplatz („michi no eki„) nur einen Steinwurf vom Lake Inawashiro entfernt, der blitzsaubere, riesige Sanitäranlagen, ein kleines Restaurant, einen großen Shop, kostenfreies WiFi und viel, viel Platz auf Asphalt bietet.

-> Lage und GPS-Koordinaten vermerken wir in unserer ausführlichen Stellplatz-Liste für Japan.

Andenken vom Lake Inawashiro mitbringen

Ganz wichtig bei einer Japan-Reise: ortstypische Andenken aka Omiyage mitbringen!

Aizu Wakamatsu Sazaedo

Andenken aus dem Automaten ziehen – macht viel Spaß!

Im Souvenirshop des Sazaedo haben wir sie reichlich gesehen, und auch vielen in anderen Läden in der Region um den Lake Inawashiro: kleine rote Kühe mit Wackelköpfen und dreieckige Männlein mit lustigen Gesichtern.

Die Kühe heißen Akabeko und erinnern an die legendär starken roten Kühe, mit deren Hilfe vor 1.200 Jahren viele Tempel in Aizu errichtet wurden. Außerdem gelten sie als Glücksbringer und Schutzgeister der Kinder.

Aizu Wakamatsu Sazaedo

Die Onigiri-ähnlichen Handschmeichler heißen Okiagari-koboshi und sind ein weiterer Glücksbringer in der Region Aizu. Weil sie nie umfallen, sondern immer wieder aufstehen, verleihen sie Stärke, Gesundheit und Durchhaltekraft. In Aizu kauft man am ersten Markttag des Jahres immer einen Okiagari-koboshi mehr, als Menschen zur eigenen Familie gehören. (Haben wir gemacht, ohne es zu wissen!)

Ihr werdet keine Probleme haben, diese typischen Aizu-Souvenirs zu finden – und da die kleinen Mitbringsel auch noch ziemlich günstig sind, könnt ihr beruhigt auch welche für uns mitbringen 😉

Aizu Wakamatsu

Grün und bergig: so schön ist Aizu!

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