Eure Neuseeland-Reisen mit Kind

Blog-Interview Nr. 3: Und es geht doch – Elternzeit in Neuseeland

Es gibt ihn also wirklich, den Mythos: Eltern, die ihre Elternzeit für eine „bezahlte“ Weltreise genutzt haben. So geschehen in Karlsruhe, wo Katja und Ronald die Geburt ihres Stammhalters zum Anlass für einen ausführlichen Neuseeland-Ausflug nahmen. Da Katja Fotografin ist, sind dabei nicht nur sechs Wochen perfekte Familienzeit herausgekommen, sondern auch noch jede Menge wunderschöner Bilder… ganz zu schweigen von den vielen nützlichen Tipps für Einsteiger-Eltern!

WW: Katja, ich habe natürlich zuerst ein wenig auf deiner Website gestöbert – du arbeitest als selbständige Fotografin vor allem für Hochzeitspaare und Familien. Deine eigene kleine Familie ist ja noch sehr frisch; wie seid ihr auf die Idee dieser langen Reise mit einem so kleinen Kind gekommen?

Katja: Ronald und ich haben zu zweit schon eine Menge von der Welt gesehen. Immer, wenn wir eine neue Reise planten und das Ziel ausgesucht haben, haben wir uns gesagt: „Neuseeland heben wir auf, das machen wir mal mit Kind“. Als Anton dann kam, war die Entscheidung für Neuseeland also eigentlich schon lange gefallen, und als er ein Jahr alt war, fuhren wir los.

Lake Tekapo, by Katja HeilUnsere Eltern haben im Stillen bestimmt gestöhnt, aber sie kennen uns: Wir hätten nie etwas getan, was uns und Anton in Gefahr bringt. Unsere Freunde fanden es einfach nur toll und haben begeistert unseren Blog mitgelesen.

WW: Die berühmte Totschlag-Frage: „Wie könnt Ihr denn dem Kind das antun??“

Katja: Die kam natürlich auch, aber wir haben immer zurückgefragt: „Sechs Wochen nur mit Mama und Papa zusammen, das kann doch nicht so schlimm sein?“ Danach war die Diskussion schnell beendet.

WW: Und wie lautet euer Fazit: Ist Neuseeland ein gutes erstes Reiseziel für Familien?

Katja: Auf unseren bisherigen Reisen haben wir schon viele tolle und einzigartige Orte gesehen: Vulkane in Bolivien, amerikanische Canyons, australische Wüste … lauter Superlative, beeindruckend, aufregend. Mit Neuseeland ist das anders. Nicht falsch verstehen, es ist ein wunderschönes Land. Aber es gibt keine Extreme, keine Superlative. Das ist gut, denn so wirken die Eindrücke tiefer und nachhaltiger. Man findet auch besser zu sich selbst und zu den Menschen, weshalb wir uns als frischgebackene Familie immer sehr wohl gefühlt haben.

Strandwanderung in Neuseeland mit Kindertrage, by Katja HeilWW: Neuseeland als Familienreiseziel für Einsteiger also?

Katja: Wer auch ohne Kind schon gern mit Rucksack und auf eigene Faust unterwegs war, der wird es in Neuseeland sehr leicht haben. Aber auch Anfänger sollten sich problemlos zurechtzufinden. Leichter ist es eigentlich nirgendwo, möchte ich fast sagen. Es ist sicher, sauber, organisiert, es gibt alles zu kaufen. Und das Reisen per Campervan sorgt für Entspannung: Man hat immer alles dabei, man kann immer mal anhalten, wenn der Nachwuchs etwas essen oder schlafen möchte, und man muss auch nicht jeden Tag auf einen Campingplatz. Diese Freiheit haben wir genossen.

WW: Reisen mit einem so kleinen Kind bedeutet aber trotzdem Kompromisse, oder?

Green lipped Mussels, by Katja HeilKatja: Na klar. Wir haben bewusst versucht, Tempo rauszunehmen, um Antons Bedürfnissen gerecht zu werden. Wegen ihm haben wir zum Beispiel sehr regelmäßig gegessen: schön Mittagessen um halb eins und dann ein Schläfchen. Das tat auch uns Eltern gut! Es ging uns nicht darum, möglichst viel von Neuseeland zu sehen, dafür waren die vier Wochen sowieso zu kurz. Wichtig war, dass es uns allen gut ging. Dass wir Dinge zusammen machen und uns der gemeinsamen Zeit bewusst sind. Davon haben wir zu Hause nicht so viel.

Außerdem haben wir es genossen, wie schnell wir in Kontakt zu Einheimischen und zu anderen Touristen aus der ganzen Welt gekommen sind. Auf dem Spielplatz, auf dem Campingplatz, im Supermarkt – überall sprechen einen die Leute an, wenn man einen Einjährigen auf dem Arm hat. Das hat wirklich Spaß gemacht.

WW: Klingt gemütlich – gab es auch Pannen oder Probleme?

Frühling am Mount Cook, by Katja HeilKatja: Es hat ein paar Tage gedauert, bis wir unsere neue Reisegeschwindigkeit einschätzen konnten. Klar wussten wir, dass wir mit Kind langsamer sein würden; aber wenn man mal Kilometer schrubben will und dann doch alle zwei Stunden eine Pause einlegen muss … wir hatten schon ab und zu das Gefühl, dass uns die Zeit durch die Finger rinnt. Das Wetter hat in diesem Sommer auch oft nicht mitgespielt – wir hatten extra die Kindertrage mitgenommen und hätten sie gern öfter genutzt, aber leider war es mitunter einfach zu kalt oder zu nass zum Wandern.

WW: Ihr wart im Oktober und November 2011 unterwegs – war das eine gute Reisezeit?

Katja: Der Vorteil der Nebensaison: Es war noch nicht viel los. Auf unserer Bootstour über den Milford Sound waren wir zum Beispiel fast allein auf dem Schiff. Der Nachteil: Auf der Südinsel war es teilweise wirklich empfindlich kalt. Die Straße zum Milford Sound war zuerst wegen Schnee gesperrt und Schneeketten hatten wir keine. Ich hatte auch ganz schön Sorge, als wir spätnachmittags im Schneetreiben durch die Catlins fuhren und zehn Zentimeter Neuschnee auf der Straße lagen… zum anvisierten Campingplatz war es noch weit und wir brauchten den Stromanschluss dort für unsere Standheizung!

Abendstimmung am Milford Sound, by Katja HeilAber so richtig kritisch war es nie. Nicht mal, als Anton die Masern bekommen hat…

WW: Wow, das war ja bestimmt ein Schreck?

Katja: Ich sag ja, Neuseeland ist für Familienreisen ideal. Wir waren gerade in Queenstown, als Anton nach nächtlichem Fieber plötzlich überall rote Punkte bekam. Die Behandlung im Medical Center ließ nichts zu wünschen übrig und nach vier Tagen war der Spuk vorbei. Die Masern, eine lokale Virusvariante, hatten wir wohl schon in Australien mitgenommen…

WW: Wie sah denn eure Reiseroute aus?

Katja: Die ersten fünf Tage haben wir uns in Dubai verwöhnen lassen, die nächsten fünf Tage für ein Wiedersehen mit Sydney genutzt. Von Christchurch aus sind wir dann in drei Wochen einmal im Uhrzeigersinn um die Südinsel herumgefahren und dann noch für neun Tage auf die Nordinsel gehüpft. Das war ein wenig hektisch, wir hatten leider nur Zeit für den Tongariro National Park und Rotorua, bevor in Auckland der Rückflug startete. Die letzten fünf Tage haben wir uns in Singapur noch mal aufgewärmt, bevor es in den kalten deutschen Dezember zurück ging.

WW: Ein ganz schöner Stress… Habt ihr mit dem Gedanken gespielt, zu bleiben?

Katja: Nein. Wir sind in Deutschland verwurzelt und es ist ein großartiges Land zum Leben. Wir kommen immer wieder gern nach Hause und haben uns auch auf zu Hause gefreut. Klar wären wir gern noch eine Woche länger geblieben; aber nicht um noch mehr zu sehen, sondern einfach nur, um Zeit für uns zu haben.

WW: Was waren denn eure Highlights in Neuseeland?

Katja: Alles in allem waren es weniger die Orte als viel mehr die gemeinsamen Momente zwischendurch, die wir ins Herz geschlossen haben. Die Südinsel war aber definitiv unser Favorit. Das größte Highlight neben dem Mount Cook waren für uns die Catlins. Völlig überraschend hat uns das Fleckchen am südlichsten Zipfel in seinen Bann gezogen und wir hatten zum ersten Mal das Gefühl, auch innerlich anzuhalten und konnten einfach den Moment genießen. Wir hatten einen tollen Stellplatz im Newhaven Holiday Park direkt an der Küste und ich habe mir einen Reitausflug gegönnt, obwohl ich noch nie geritten bin. Unvergesslich!

Gelbaugenpinguin in Oamaru, by Katja HeilWW: In eurem Blog habe ich eine recht ironische Beschreibung des „Waiotapu Thermal Wonderland“ gelesen…

Katja: Das war auch ein typisches Erlebnis, finde ich: Viele der großen und teuren „Attraktionen“ sind bei genauem Hinsehen eher ein Lacher. Unsere Erfahrung mit dem Lady Knox Geyser gehörte auch dazu. Ich zitiere mal aus meinem Blog:
„10.12 Uhr: Familie Heil erreicht den Parkplatz, zerrt das Kind aus dem Sitz, klemmt es unter den Arm und hechtet zum Eingang.
10.14 Uhr: Familie Heil hofft, dass der Weg nicht weit ist, denn das Kind und die Kamera sind schwer und die Japaner sind langsam.
10.16 Uhr: Familie Heil sieht die Menschenmengen und erreicht die Show-Arena. Sie erblickt Lady Knox. Und staunt. Da ist kein Vier-Meter-Loch mit heißem Wasser, sondern ein schmaler, weißer Kegel.
10.18 Uhr: Der Parkplatzeinweiser ist jetzt Ranger und beginnt mit seinem Vortrag. In der Hand hält er eine Tüte Waschpulver.
10.25 Uhr: Das Waschpulver wird in den schlanken Hals der Lady gekippt. Sie beginnt, kleine Schaumberge auszuwürgen.
10.27 Uhr: Eine Fontäne ergießt sich in den sonnigen Himmel. Das Kameraklicken der Zuschauer ist als einziges Geräusch zu hören.
10.35 Uhr: Familie Heil beobachtet die abziehenden Menschenmassen. Die Lady brodelt noch ein bisschen vor sich hin.“

Tja, wir hatten halt einen „richtigen“ Geysir vor Augen gehabt, wie wir ihn aus Island kannten…

Campervan in Neuseeland, by Katja HeilWW: Gut also, wenn man auf Erfahrungen von anderen Reisenden zurückgreifen kann, um auf solche Attraktionen zu verzichten… Habt ihr denn noch andere Tipps für neugierige Leser? Wichtig ist ja immer die Packliste. Was habt ihr mitgenommen?

Katja: Wir hatten echt gut gepackt, es war nichts überflüssig. Unverzichtbar waren kuschlige Fleecepullis, auch für den Kleinen. Und für mich natürlich die Kameratasche, auch wenn die manchmal zu schwer war…

Mit unserem Cybex Callisto-Buggy waren wir sehr zufrieden: Er ist stabil und leicht, die Liegefläche lässt sich ganz flach umklappen, das Sonnenverdeck ist sehr groß und in den Korb passt viel hinein. Er hat sogar die raue Behandlung der Bodencrews gut überstanden.

Die Kindertrage wollten wir ursprünglich erst in Neuseeland kaufen, haben dann aber doch bereits in Deutschland eine Vaude Jolly Comfort 2 gekauft. Das war gut: So hatten wir zwar ein Gepäckstück mehr, mussten aber vor Ort nicht noch herumlaufen und eine suchen. Es gibt zwar welche, aber nicht viel Auswahl und der Preis war kein Unterschied zu Deutschland.

Unsere beste Anschaffung haben wir tatsächlich erst in Dunedin gekauft: einen Kinderstuhl zum an den Tisch klemmen. Beim Essen ist Anton ständig herumgeklettert, hat an den Vorhängen gezogen, die Schranktüren aufgemacht, hat alles runtergeworfen … anstrengend. Den Klemmsitz haben wir zufällig gesehen und gleich mitgenommen. Er lässt sich auch flach zusammenpacken. Beim Wohnmobil haben wir darauf geachtet, eins mit vier Schlafplätzen zu nehmen; so konnten wir im Alkoven schlafen und mussten nicht für jeden Mittagsschlaf alles umbauen.

Bei der Interislander-Fähre hat es sich überraschenderweise gelohnt, dass wir nicht vorher online gebucht haben! Wir wollten das eigentlich tun, hatten aber dann am Abend zuvor kein Internet gefunden und sind daher auf gut Glück hingefahren. Das Ticket war dann am Schalter tatsächlich 150 NZD günstiger als online! Warten lohnt sich also, zumindest in der Nebensaison.

WW: Toll, das sind echt wertvolle Tipps! Und was war eure wichtigste Lektion?

Katja: Zuerst mal, dass unser Kleiner alles mitmacht, solange es eine Grundsicherheit gibt. Es ist toll, ihm die Möglichkeit zu geben, andere Kulturen zu erleben. Er ist noch so unbeschwert neugierig und entdeckt das Kleine im Großen. Auch wenn er noch klein ist: Wir sind sicher, dass es irgendwo feine, vertraute Spuren bei ihm hinterlassen hat.

Kinderfüße, by Katja HeilZweitens wurden wir darin bestätigt, dass wir nicht nur als Paar, sondern auch als Eltern gut zusammen funktionieren. Auch in einer fremden Umgebung. Es wäre zwar toll gewesen, mal bei einem Cocktail in einer netten Bar den Abend zu vertrödeln, aber der Rotwein hat vor dem Camper aus Wassergläsern genauso gut geschmeckt. Wir haben den richtigen Weg zusammen gewählt, nicht nur in Bezug auf diese Reise, sondern für unser Leben.

Sonnenuntergang am Meer in Neuseeland, by Katja HeilWW: Würdet ihr eine solche Reise noch einmal machen?

Katja: SOFORT! Wir planen schon heimlich … Als nächstes kommt aber ein kleiner Erholungsurlaub im Oman. Und dann steht noch ein Traum von uns an: eine Reise nach Chile und Feuerland.

WW: Da kann ich mich ja schon auf tolle neue Bilder freuen… Danke für deine vielen Tipps und Erfahrungen, Katja – und natürlich für die schönen Fotos!

Lesetipp: In Katjas Blog „Antons ganze Welt“ könnt ihr die Elternzeit-Reise nachverfolgen; mit schönen Berichten und noch schöneren Fotos!

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